Šimon Brixi (1693–1735)
Meister der böhmischen Barockmusik
Šimon Brixi zählt zu den bedeutendsten böhmischen Komponisten und Kirchenmusikern des Hochbarocks. Er wurde am 28. Oktober 1693 im Dorf Vlkava nahe Nymburk in Mittelböhmen geboren und stammte aus der nordböhmischen Musikerfamilie Brixi, deren bekanntestes Mitglied sein Sohn, František Xaver Brixi (1732–1771), war.
Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte Šimon Brixi an der Schule in Všejany unter der Leitung des Kantors Havel Čejl. Anschließend besuchte er die Pfarrschule in Nymburk, wo er mit der Familie des dortigen Regens chori Samuel Černohorský Bekanntschaft schloss. Dessen Sohn, Bohuslav Matěj Černohorský (1684–1742), wurde nicht nur ein angesehener Komponist, sondern auch Brixis lebenslanger Freund. Von 1711 bis 1717 erhielt Brixi am Jesuitengymnasium in Jičín eine umfassende humanistische und musikalische Ausbildung.
Im Jahr 1718 zog Brixi nach Prag, wo er zunächst als Chorsänger an der Kirche St. Martin in der Mauer tätig war. 1720 immatrikulierte er sich an der juristischen Fakultät der Karls-Universität, entschied sich jedoch bald, sein Studium aufzugeben und sich ausschließlich der Musik zu widmen. Zunächst wirkte er als Organist an der berühmten Teynkirche am Altstädter Ring, bevor er schließlich zum Regens chori und Organisten der Kirche St. Martin in der Mauer ernannt wurde, ein Amt, das er bis zu seinem Tod innehatte.
Am 9. Mai 1724 heiratete er Ludmila Barbora Fialková, Tochter des Bürgermeisters von Benátky nad Jizerou. Die Hochzeit wurde von seinem Freund Bohuslav Matěj Černohorský vollzogen. Ein Jahr später verließ Brixi den Servitenorden und erhielt das Bürgerrecht der Prager Altstadt.
Besondere Berühmtheit erlangte Šimon Brixi durch seine "musica navalis" (Schiffsmusik), die er für die jährlich stattfindenden Navalis-Feste komponierte. Diese Feierlichkeiten wurden seit 1715 vom Prager Kreuzherrenorden veranstaltet, um Johann Nepomuk (1350–1393), der 1729 heiliggesprochen wurde, zu ehren. Jährlich am 15. Mai, am Vorabend des Johannestages, fuhren mit Musikern und Sängern besetzte, festlich geschmückte Pilgerschiffe auf der Moldau zur Karlsbrücke, wo Brixis Werke unter der Statue des Heiligen aufgeführt wurden. Seine Kompositionen waren so erfolgreich, dass sie zwischen 1722 und 1729 exklusiv aufgeführt wurden.
Aus seinem umfangreichen Schaffen sind heute noch etwa 30 Werke erhalten, darunter vor allem geistliche Musik wie Arien, Motetten, Litaneien, Offertorien, Gradualien und Messen. Stilistisch orientierte sich Brixi an der venezianischen Schule von Antonio Caldara (1670–1736) und Johann Joseph Fux (1660–1741) sowie an den Werken von Jan Dismas Zelenka (1679–1745). Charakteristisch für seine Werke sind die virtuose Mischung von homophonen und polyphonen Elementen sowie die klangvolle Einbindung von Blasinstrumenten, insbesondere Hörnern.
Bemerkenswert ist zudem, dass Brixi häufig Melodien aus böhmischen geistlichen Volksliedern in seine Kompositionen einfließen ließ. Dies steht vermutlich im Zusammenhang mit seiner Jugendzeit in einer ländlichen Mühle, die traditionell ein Treffpunkt volkstümlicher Erzählungen und Gesänge war. Er komponierte nicht nur auf lateinische, sondern auch auf tschechische Texte – eine Besonderheit in der tschechischen Kirchenmusik des 18. Jahrhunderts.
Šimon Brixi starb am 2. November 1735 in Prag und wurde in der Kirche St. Martin in der Mauer beigesetzt. Sein musikalisches Vermächtnis beeinflusste nachhaltig die Entwicklung der böhmischen Kirchenmusik und wurde durch seinen berühmten Sohn František Xaver Brixi fortgesetzt.
Šimon Brixi (1693 - 1735): Missa ex D und andere geistliche Werke, Ensemble Hipocondria unter der Leitung von Jan Hadek (* 1945), Aufnahme: 2021
Die Missa ex D von Šimon Brixi (Track 1 bis 17) ist ein herausragendes Beispiel böhmischer Kirchenmusik des Hochbarocks. Obwohl nur etwa 30 seiner Werke erhalten sind, zählt diese Messe zu seinen bedeutendsten Kompositionen.
Die Messe ist in D-Dur komponiert und umfasst 17 Sätze, darunter: Kyrie, Gloria in excelsis Deo, Laudamus te, Gratias agimus tibi, Domine Deus, Qui tollis peccata mundi, Quoniam tu solus sanctus, Cum Sancto Spiritu, Credo in unum Deum, Crucifixus, Et resurrexit, Et in Spiritum, Sanctus, Osanna in excelsis, Benedictus, Osanna in excelsis (Reprise) und Agnus Dei
Die Missa ex D zeichnet sich durch eine klare Gliederung und eine ausgewogene Mischung aus homophonen und polyphonen Passagen aus. Brixi integriert Elemente des galanten Stils und verwendet eine Besetzung mit Streichern, Orgel und gelegentlich Bläsern, was der Messe einen festlichen Charakter verleiht.
Eine bemerkenswerte Aufnahme der Missa ex D wurde 2021 vom Hipocondria Ensemble unter der Leitung von Jan Hádek (* 1945) veröffentlicht. Die Solisten Hana Blažíková (Sopran) und Jaromír Nosek (Bass) tragen zur hohen Qualität dieser Interpretation bei. Diese Aufnahme ist Teil des Albums „Brixi: Magnificat. Music from Eighteenth-Century Prague“ und wurde von Supraphon herausgegeben.
Diese Einspielung bietet einen authentischen Einblick in Brixis kompositorisches Schaffen und die musikalische Vielfalt des 18. Jahrhunderts in Prag.
Šimon Brixi: Missa ex D und andere geistliche Werke
Die CD enthält auch andere Werke von Šimon Brixi:
1. Magnificat
Das "Magnificat" ist ein lateinischer Lobgesang nach dem Lukasevangelium, der häufig im Gottesdienst gesungen wird. Brixis Vertonung zeigt einen festlichen, barocken Stil mit lebhaften Chorsätzen und solistischen Abschnitten. Typisch für Brixi ist die ansprechende Melodik und eine abwechslungsreiche Begleitung, häufig für Streicher und eventuell Bläser, die dem Magnificat besondere Frische und Anmut verleiht.
2. "Litaniae de venerabili sacramento"
Diese Litanei zum allerheiligsten Sakrament ist ein mehrsätziges Werk, das für den Gebrauch im sakralen Kontext bestimmt ist. Die Komposition ist getragen und meditativ, orientiert sich an der barocken Tradition der böhmischen Kirchenmusik und betont die Ehrfurcht und Andacht gegenüber dem Altarsakrament. Wechsel von Chor- und Solopassagen sorgen für klangliche Vielfalt.
3. "Arietta de gloriosissima resurrectione Domini nostri Jesu Christi"
Diese "Arietta" ist eine kurze, feierliche Komposition zu Ehren der glorreichen Auferstehung Christi. Der Gesang ist melodiös und von jubelndem Charakter, was der Auferstehungsthematik entspricht. Das Werk hebt sich durch seine warme Harmonie und seine eingängige Melodik hervor. Solistischer Gesang wird von kleiner Instrumentalbegleitung getragen.
4. "Alma Redemptoris Mater"
Das "Alma Redemptoris Mater" ist eine Marienantiphon, traditionell zum Abschluss des Tagesgebets. Brixis Vertonung hat eine zarte, innige Stimmung, mit einem Fokus auf den klangvollen, flehenden Ausdruck des Chores (oder Solisten). Die Musik ist schlicht, aber wirkungsvoll, und lässt Raum für die spirituelle Tiefe des Textes.
5. "Domine ad adjuvandum me festina"
Diese Psalmvertonung ("Herr, komm mir rasch zu Hilfe") ist in ihrer Anlage dramatisch und bittend. Simon Brixi arbeitet hier mit markanten Rhythmen, kontrastierenden Chorteilen und prägnanten Motivwiederholungen. Das Werk eignet sich aufgrund des energischen Duktus besonders als Auftakt für liturgische Anlässe.


