Filmzyklus aus der Hamburger Staatsoper auf DVD?

  • Ich beziehe mich auf folgendes Zitat, das ich in der DVD-Beschreibung von "Der Freischütz" mit Ernst Kozub, über den in einem anderen Thread derzeit viel geschrieben wird, fand:


    Im August 1967 wurde die erste von insgesamt 13 Opern für das Fernsehen produziert. Im Auftrag des NDR übernahm die Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft Inszenierungen aus der Staatsoper in ihrer Originalbesetzung. Regisseur Joachim Hess passte die Bühnenfassung den Erfordernissen des Fernsehens an. Der "Freischütz" entstand im Januar/Februar 1968 als dritter Film.

    Rolf Liebermann sah einen unschlagbaren Vorteil des Opernfilms - trotz der Befürchtung, Musikfreunde vielleicht vom Gang in das eigene Stadttheater abzuhalten: "Es ist eine wichtige und merkwürdige soziologische Erfahrung, wenn man statt zwei- bis dreihunderttausend Zuschauern in mehreren Jahren einige Millionen auf einen Schlag erreicht. [...] Viele Leute werden durch das Fernsehen überhaupt erst mit der Welt der Oper bekannt gemacht."


    Weiß jemand, welche zwölf anderen Opern das sind? Wenn ja, gibt es die ebenfalls auf DVD?

    Danke!

  • Im August 1967 wurde die erste von insgesamt 13 Opern für das Fernsehen produziert.Die verlinkte Box enthält nicht alle der in Hamburg verfilmten und seinerzeit auch wenigstens teilweise im Fernsehn - genau weiß ich das nicht - ausgestrahlten Opern. Es fehlen "Elektra" und Arabella" von Richard Strauss. Beide sind ebenfalls in Farbe produziert worden. Nach meinen Informationen scheiterte die Veröffentlichung auf DVD an den Forderungen der Erben. Mitschnitte kursieren natürlich in Sammlerkreisen. "Elektra" gefällt mir persönlich besser als "Arabella", weil interessanter besetzt:


    Elektra: Gladys Kuchta
    Chrysothemis: Ingrid Bjoner
    Klytämnestra: Regina Resnik
    Orest: Hans Sotin
    Aegisth: Helmut Melchert
    Alter Diener: Franz Grundheber
    Junger Diener: Wilfried Plate
    Aufseherin: Edith Lang
    Magd: Cvetka Ahlin
    Magd: Ursula Boese
    Magd: Ingeborg Krüger
    Magd: Regina Marheinecke
    Magd: Inger Paustian
    Pfleger: Carl Schultz
    Schleppträgerin: Rosemarie Hartung

    conducted by
    LEOPOLD LUDWIG

    Als Arabella ist Arlene Saunders und als Milli Sylvia Geszty zu erleben. Die anderen Besetzungen müsste ich nachsehen - wenn gewünscht.

    Die 13. Oper ist mir aus Anhieb nicht bekannt.



    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Die Tonspur hat man dann wohl doch veröffentlicht:


    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Hier ist die komplette Besetzung der "Arabella":


    „Arabella“ (Strauss): Graf Waldner – Oskar Czerwenka / Gräfin Adelaide – Cvetka Ahlin / Arabella - Arlene Saunders / Zdenka – Edith Mathis / Mandryka – Raymond Wolansky / Matteo – Willy Hartmann / Graf Elemer – Horst Wilhelm / Graf Dominik – William Workman / Graf Lamoral – Hans Sotin / Die Fiakermilli – Sylvia Geszty / Eine Kartenaufschlägerin - Ursula Boese / Welko – Harald Staar / Djura – Philipp Essinger / Jankel – Viktor Gawlitzek / Ein Zimmerkellner – Wilfried Plate / Drei Spieler – Karheinz Grill, Enno Meeh und Fritz Siebauer / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günther Schmidt-Bohländer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Horst Stein / Ausstattung: Rudolf Heinrich / Inszenierung: Rudolf Steinboeck / TV-Regie: Joachim Hess (Hamburg, NDR-Fernsehstudio, 1968). Die Erstsendung war am 26. 5. 1969 in der ARD; es war eine Co-Produktion der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mit dem NDR und der Hamburgischen Staatsoper. (Diese TV-Aufzeichnung wurde nicht im Rahmen der sogenannten 'Liebermann-Opern' - siehe Beitrag Nr. 6 - von der 'Arthaus' veröffentlicht, weil die Verlage B. Schott's Söhne in Mainz bzw. Boosey & Hawkes in London zu hohe Tantiemen verlangten. Ich habe diese Inszenierung bei einer Sendung von 'arte' auf Video aufgenommen.)


    Ein Nachtrag zu der "Elektra"-Verfilmung:


    Die Rolle der 'Vertrauten' singt Ursula Nettling; die TV-Regie von Joachim Hess basiert auf einer Inszenierung von Wolf Völker. (Faszinierend, aber ihren 'Töchtern' gegenüber zu jung wirkend: die großartige Regina Resnik.) Am 17. 11. 1968 wurde diese "Elektra" in der ARD gesendet. Während des ersten 'Lockdowns' 2020 wurde der Film von der Hamburgischen Staatsoper für vierzehn Tage in's Internet gestellt.


    Ein 13. Opernfilm in der "Liebermann-Reihe" ist mir nicht bekannt.


    Carlo

  • Am 17. 11. 1968 wurde diese "Elektra" in der ARD gesendet. Während des ersten 'Lockdowns' 2020 wurde der Film von der Hamburgischen Staatsoper für vierzehn Tage in's Internet gestellt.

    Genau so war es, lieber Carlo. Man konnte sich den Film bei dieser Gegegenheit sogar für privaten Gebrauch downloaden, was ich natürlich tat. Das Dokument ist auch wegen einiger Mitwirkenden interessant, die man so bisher nicht erleben konnte. Ich nenne Gladys Kuchta und Regina Resnik.


    Inzwischen ist diese ELEKTRA auch bei YouTube gelandet:



    Die Kuchta ist vergleichsweise wenig dokumentiert, zumal in bewegten Bildern. Dabei war sie eine sehr bekannte und wichtige Künstlerin in ihrer Zeit. Zu empfehlen ist auch ein konzertanter Schlussgesang der Brünnhilde aus Paris, der als Film beim INA (Institut national de l'audiovisuel) für ein Geringes zu erwerben ist.


    Die weiter oben verlinkte Tonspur habe ich als ziemlich mau in Eninnerung, weshalb ich das Album wohl wieder aussotierte. Sie stammt aus einer unbestimmten Quelle und erschien bei einer kleinen Firma in Amsterdam, die es nicht mehr gibt. Offenbar wurde sie einem Videomitschnitt der ersten TV-Ausstrahlung entnommen. Derlei CD-Produktionen werden nach meiner Beobachtung kaum mehr verfolgt.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent