Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 53 in D-dur "L' Imperiale"

  • Wie es scheint gab es bis heute noch keine Vorstellung der Sinfonie Nr 53, Das ist umso verwunderlicher, da die Sinfonie äusserst beliebt ist und zudem den internationalen Durchbruch für Haydn bedeutete. Es wurde in aller Welt gedruckt und es gab Arrangements für Klavier. Das Autograph ist verschollen, die Entstehungszeit wird auf das Jahr 1778/78 zugeschrieben, Der Titel „L’ Imperiale“ stammte nicht von Haydn


    Von dieser Sinfonie gibt es 7 Versionen, die sich vor allem in den Schlusssätzen und einer vorhandenen oder nicht vorhandenen Einleitung im ersten Satz unterscheiden. Einer dieser Schlusssätze wurde vermutlich für eine nicht mehr existierende Oper geschrieben und wurde von Haydn ein weiteres Mal, im ersten Satz der Sinfonie Nr 62.


    Es gibt aber auch Versionen des Schlusssatzes, die mit Sicherheit nicht von Haydn stammen. Die Version, die Harnoncourt auf der in meinem Besitz befindlichen Aufnahme verwendt stammt vermutlich von einem Haydn-Schüler („unter Haydns Aufsicht“) P???!!!)


    Besonders geschätzt wurde die Sinfonie in England, wegen ihres gefälligen Tonfalls. Die Engländer des späten 18. Jahrhunderts liebten keine "herausfordernden" und spröden Werkr


    Wikipedia zitiert indes aus einem Führer durch Haydns Sinfonien den Musikwissenschaftler Michael Walter (*1958) „ Die Sinfonie Nr. 54 ist von einem gefälligen, dem Hörer weder Anstrengungen noch Verständnisschwierigkeiten zumutenden Charakter und bleibt im Gehalt deutlich hinter anderen Sinfonien der siebziger Jahre zurück“


    Ich würde sagen: Eine typisch deutsch Einstellung wo be jedem Werk verlangt – oder zumindes geschätzt wird wird, dass sie dem Hörer arbeit und unangenehme Gefühle vermittelt (nicht nur bei Haydn)


    Dieser Unterschied zwischen deutschen und englischen (und letzlich auch österreichischen) Musikkritikern ist bis heute existent…


    Die Sätze:


    1)Largo majestoso - Vivace

    2) Andante

    3) Menuet – Trio

    4) Finale, Capriccio, Moderato (Version A)


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Alfred_Schmidt

    Hat den Titel des Themas von „Haydn Joseph: Sinfonie Nr. 53 in D-dur "L' Imperiale"“ zu „Haydn, Joseph: Sinfonie Nr. 53 in D-dur "L' Imperiale"“ geändert.
  • Ich hatte keine Lust, mich mit den Alternativfassungen auseinanderzusetzen ;)


    Ich besitze 5 Aufnahmen der Sinfonie. Wie Harnoncourt bietet das Orpheus Chamber Orchestra nur die "Version A" Capriccio als Finale an (hier steht im Beiheft allerdings nichts von Zweifeln an der Autorschaft Haydns). Ebenso vermutlich Fischer in der GA, ich bin aber zu faul, das nachzuhören


    Fey hat regulär ebenfalls Version A, dann als Bonustrack noch ein Presto "Version B Hob. 1a:7"


    Ebenso Hogwood und lt. Beitext zu Hogwood (Vol. 9) sei eine ältere Version der Sinfonie ohne langsame Einleitung und mit dem Finale "B" 1778-79 komponiert worden. Dann habe Haydn die Einleitung und nach dem Brand 1780, dem ein großer Teil des Musikarchivs von Eszterhaza zum Opfer fiel, die heute gängige Version mit dem "A"-Finale erstellt. Das B-Finale sei wohl von fremder Hand um eine Flötenstimme (die in der Ouvertürenversion fehlte) ergänzt worden.


    Die Sinfonie war eine der beliebtesten Haydns in ihrer Zeit, so sehr, dass anscheinend nachträglich ein Lied auf die Melodie des 2. Satz geschrieben wurde. Der Beiname könnte mit dem Besuch Maria Theresias 1780 zusammenhängen.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Der Beiname ist bis heute unerforscht.

    Das französische Volkslied, welches im 2. Variationen - Satz (Andante) verwendet wird, soll auch W. A. Mozart in seinem KV 218 ziitiert haben haben...

    Zum Schlußsatz: Während Wikipekia 7 unterschoedliche Finalsätze erwähnt, von denen einige "mit hoher Wahrscheinlichkeit" NICHT von Haydn stammen, und eines davon (in Paris erschienen) SICHER NICHT, so findetn sich in Konzertführern die Formulierungen "nicht weniger als 3", bzw einfach nur drei, Hatnoncourt legt sich über die Echtheit der einelnen Versionen nicht fest. vermutlich wollte er seinen Ruf nicht gefähreden, wenn einies Tages die Wahrheit ans Licht kommt


    BTW: @ Johannes Roehl - die Sinfonie Nr 54 sollte nun in meiner Hörreise folgen - sie fehlt aber leider noch immer ...;)


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • die Sinfonie Nr 54 sollte nun in meiner Hörreise folgen

    Und dieses Werk sollte wirklich bekannter sein, weist Nr. 54 doch die größte Besetzung auf, die Haydn bis dahin verwendete und erst wieder in den Londoner Symphonien erreichte.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Sinfonien 26/52/53/82-92


    ich habe diese Sinfonie lange nicht gehört, werde sie morgen in meiner einzigen Version anhören, habe sie aber in guter Erinnerung - wie die ganze Box die ich 2014 für unter 5€ mit Versand gebraucht gekauft hatte.

    Gruss aus Bruchsal


    Karl-Heinz

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  • So eben gehört,


    sehr frische, durchsichtige aber nicht "dünne" Aufnahme des Orchesters La Petite Bande. Trifft meinen Geschmack bestens. HIP aber für mich passende Tempi.


    Kalli

    Gruss aus Bruchsal


    Karl-Heinz

  • Auch frisch, aber gar nicht dünn ist diese Aufnahme der Sinfonie nr 53 mit den Heidelberger Symphonikern unter Thomas Fey, die seit kurzem in meinem Besitz habe. Sie stellt eine Alternative zu meinen bisher in meiner Sammlung befindlichen Versionen dieser Sinfonie dar und verbessert den Bestand der 50er Sinfonien Haydns in meinem Archiv, der bislang eher bescheiden war.

    Die Wiedergabe ist forsch - und gelegentlich leicht aggressiv - ein Ausdruck unseres Zeitgeistes - aber durchaus interessant.

    Anzumerken ist, daß die "lieblichen" Passagen auch wirklich "lieblich" ausgekostet werden, was den Kontrast zu den "forschen besonders betont....

    Kein "verzopfter", sondern ein moderner gewagter Haydn. Auf der CD befindet sich auch eine Alternativfassung des Finalsatzes dieser Sinfonie

    Zeitgleich habe ich 2 weitere CDs dieser Serie erworben....


    Hier als Kostprobe das Andante - wunderschön gespielt....



    Die CD ist derzeit bei unserem Werbepartner nicht im Angebot, wohl aber auf der Website der Heidelberger Sinfoniker im SHOP


    https://heidelberger-sinfoniker.de/cd-shop.html


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ja, diese Fey-CD hatte ich neulich zusammen mit der mit 48+56 auch rausgekramt und die gehört zu den besseren. Wobei 48+56 ihm m.E. noch mehr liegen. (v.a. liegen sie MIR mehr als #53 :D)

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • zaP2_G3777363W.JPG


    Dieser Tage hörte ich zum ersten Mal ganz bewusst die Sinfonie Nr. 53 (entstanden wohl 1778/79). Ihr Beiname "L'Impériale" (nicht von Haydn und nicht vor 1840 belegt) leuchtete mir sofort ein. Der mächtige Kopfsatz erklingt mit imperialem Gepränge. Obwohl hier regulär keine Trompeten zum Einsatz kommen (IMSLP listet sie gleichwohl in Klammern), wird eine ähnliche Stimmung erzeugt wie in den benachbarten festlichen Sinfonien Nr. 48 "Maria Theresia", Nr. 54 und Nr. 56. Die zahlreichen Fassungen wurden im Thread erwähnt. Besonders der Finalsatz erfuhr Abänderungen. In der von mir gehörten vorzüglichen Aufnahme unter Norichika Iimori (eingespielt im Mai 2022) entschied man sich für das Capriccio. Die Pauken erklingen hier in den Sätzen 1, 3 und 4. Jedenfalls kein Wunder, dass sich Nr. 53 europaweit hoher Beliebtheit erfreute und Haydns Ruf als Sinfoniker international nachhaltig festigte.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Ich mochte diese Sinfonie auch schon immer gerne, wobei mir der erste Satz am besten gefällt. Ich bin mir nicht sicher, aber mir scheint, dass der zweite Satz Haydns erster mit Dur/Moll Doppelvariationen ist. Mir gefällt das Moll Thema ganz gut, das Dur Thema und seine Variationen finde ich eher schlicht. Das Menuett ist ein höfischer Tanz, aber ich finde er passt ganz gut in das Gesamtkonzept der Sinfonie. Von den etlichen Finali die es hier zu geben scheint, kenne ich nur zwei: Das Capriccio das Harnoncourt verwendet und das Presto das man in Fischers Aufnahme hört. Ich finde das Presto eindeutig besser und bin froh, dass Hogwood beide Versionen eingespielt hat, so konnte ich mir beim digitalisieren des Albums mir meine „Wunsch“53er zusammenbasteln. Die Fischer Aufnahme bei diesem Werk ist ebenfalls ganz ordentlich, so wie die von Harnoncourt, aber leider mit dem Capriccio am Schluss.


    LG aus Wien.:hello:

    LG aus Wien.:hello:

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  • Eigentlich bin ich auf den hier gezeigten Clip nur durch Zufall gstoßen. Na ja - es war nur ein halber Zufall, denn im Rahmen des nun wieder auflodernden Haydn interesses (innerhalb eines Jahres !!) habe ich ein wenig recherchiert. Da stieß auf diese elegante Aufnahme mit dem Orchestre Macchiavelli Leonardo Benini unter aus Verona. Mir fiel sofort das zurückhaltende, elegante Dirigat auf, daß in großem Kontrast zu heute üblichen Interpretationen steht.

    Dennoch - scheinbar bin ich - nach 20 Jahren Tamino Klassikforum - geschmacklich ein wenig anders orientiert. Es ist schwer zu leugnen, daß dier Sinfonie in dieser Aufführung etwas von eine Trauermusik anhaftet. Mal lesen was youtube Hörer dazu schreiben: (wenig schmeichelhaftes -teilweise auch ungerecht - verfasst von jenen, die einen Revoluzzer Hadydn " hören wollen


    All wurde ins (vom Italienischen und Französischen ins Deutsche übersetzt:


    "Den ersten Satz ausführen: Wie man ein Meisterwerk entmannt. Nichts zu tun, selbst junge Regisseure verfolgen weiterhin eine puppenhafte Vision des großen FJH..."

    "Peinliche Intonation!!!!!!!!!!!!!!!!"

    "Maskierte Schafe" (Wibei nicht klar ersichtlich st ob hier das Publikum oder das Orchester gemeint ist)


    Der Applaus war ebenfalls eher lau.



    mfg aus der Metropole Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Das Label APHA lässt nichts anbrennen.Unentwegt schreitet die Haydn Editon "Haydn 2032" unter Giovanni Antonini fort, diesmal wieder mit dem Kammerorchester Basel

    Die gezeigte CD wurde 2022 aufgenommen und ist seit September 2023 am Markt.

    mfg aus der Metropole Wien

    Alfred


    Erscheinungstermin: 8.9.2023

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Nicht alle Haydn-Sinfonien sind im Thread-Directory gelistet; da wäre vielleicht mal ein Update erforderlich?


    Johann Christian Bach zugeschrieben ist eine wundervolle, leider sich bloß auf drei Sätze beschränkende, Bearbeitung der Sinfonie D-Dur Hob. I:53 für Clavier solo:


    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Halo zusammen,

    das ist meine Lieblings - Sinfonie von Joseph Haydn

    Und warum, dazu gibt es auch eine Story.



    Ich leide seit Ende des Jahres 1998 unter Tinnitus.

    In der Anfangszeit habe ich damals alles nur erdenkliche an Hilfen und Heilmethoden wahrgenommen, um dieses schreckliche Geräusch wieder weg zu bekommen. Geholfen hat leider nichts davon, ich leide immer noch unter dem Tinnitus.

    Einer meiner zahlreichen Ärzte die ich damals aufsuchte, war ein Orthopäde mit Zusatzausbildungen in Schmerztherapie, Akkupunktur und homöopathischen Heilmethoden.

    Der setzte mir rund ums Ohr und im Gesicht "Quaddelpunkte" um gewisse Nervenbahnen umzuleiten. Bei der Schmerztherapie scheint das sehr gut zu helfen, bei Tinnitus nur begrenzt. Es wurde nach der Anwendung kurzzeitig besser, kam dann aber wieder in gleicher Lautstärke zurück, nach ein/zwei Tagen.

    Nun ja

    Dieser Arzt empfahl mir, gegen den Tinnitus könnte auch so etwas wie eine selbstverordnete Musiktherapie mit klassischer Musik helfen. Joseph Haydn sei da sehr gut geeignet.

    Aus dem Radio habe ich mir dann einfach die nächstbeste Haydn Sinfonie mitgeschnitten, die kam; und das war nun mal diese Sinfonie Nr. 53.

    Ich muss die Kassette in der Folgezeit gefühlt 1000+ mal abgenudelt haben und kannte jeden Phrase dieser Version auswendig.

    Irgendwann ging die Kassette kaputt. Leider wusste ich nicht, was das für ein Orchester unter welchem Dirigenten das war.

    Es war einje Studioproduktion, das weiss ich noch.

    Auf CD oder bei youtube habe ich diese version jedenfalls nie gefunden.

    Ich habe heute mehrere Versionen der Nr. 53 und am Besten gefällt mir diese hier:




    gefolgt von der Version der Heidelberger Sinfoniker aus ihrer klasse Gesamt Ausgabe Box


    Aber, keines ist, wie gesagt, die Version die ich damals vom Radio mitgeschnitten habe.

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