astewes: Unverzichtbare Aufnahmen

  • Lieber astewes,

    das sind wunderschöne kleine Klavier-Juwelen!

    Danke fürs Vorstellen


    Ich habe vor einigen Jahren mal relativ viel Felix Mendelssohn gehört, aber meist die Sinfonien/Streichersinfonien oder andere sinfonische Werke (Overtüren, Klavierkonzerte ,Orchesterwerke) , bekanntere Werke halt.

    Irgendwie bin ich von diesem Komponisten wieder mehr abgerückt in meinen Hörgewohnheiten; aber gerade diese wunderschönen Klavier Solo Stücke machen Lust mal wieder mehr von Mendelssohn zu hören und da vielleicht diesmal mehr ein paar seiner kammermusikalischen Klavierwerke

  • Lieber astewes,

    das sind wunderschöne kleine Klavier-Juwelen!

    Danke fürs Vorstellen


    Ich habe vor einigen Jahren mal relativ viel Felix Mendelssohn gehört, aber meist die Sinfonien/Streichersinfonien oder andere sinfonische Werke (Overtüren, Klavierkonzerte ,Orchesterwerke) , bekanntere Werke halt.

    Irgendwie bin ich von diesem Komponisten wieder mehr abgerückt in meinen Hörgewohnheiten; aber gerade diese wunderschönen Klavier Solo Stücke machen Lust mal wieder mehr von Mendelssohn zu hören und da vielleicht diesmal mehr ein paar seiner kammermusikalischen Klavierwerke

    Das freut mich sehr, dass Dir diese Werke gefallen. Ich bin ein großer Fan seiner Musik, insbesondere seiner Kammermusik ....:)

  • Völlig anders als die vorangegangenen Stücke von Felix Mendelssohn, aber, was die Intimität angeht, doch sehr ähnlich sind die folgenden Klavierstücke von Arnold Schoenberg. Anders als Mendelssohn war Schoenberg kein bedeutender Pianist. Trotzdem bedient er sich dieser Stücke als Experimentierfeld.


    Schon recht früh haben mir diese kleinen Werke den Zugang zum Komponisten geöffnet, soweit es mir überhaupt gelungen sein mag. Die Interpretation war die von Maurizio Pollini.


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    Leider hat die Grammophon dann auf der CD-Veröffentlichung ein Cover gewählt, was zu ihrer Reihe des 20. Jahrhunderts passte, mir persönlich aber etwas von der Ästhetik des damaligen Erlebens nahm. Schoenberg fing schon 1909 mit seinem Op. 11 an, der Klanggewalt der Spätromantik zu entkommen. Die drei Stücke erregten um diese Zeit das Interesse eines der damaligen größten Klaviervirtuosen und Komponisten, Ferruccio Busoni. Er bearbeitete das mittlere Stück und es entspann sich ein kleiner Briefwechsel zwischen dem noch unbekannten Schoenberg und dem großen Busoni um eine mögliche Aufführung dieser Werke. Busoni nahm Anpassungen für eine konzertante Aufführung vor, die seiner Meinung nach die Stücke in der vorgegebenen Form nicht boten.


    Es ist interessant zu lesen, wie der "kleine" Schoenberg, durchaus ein wenig devot und freundlch, aber doch hartnäckig auf seiner eigenen Partitur bestand mit dem Hinweis, dass er, hätte er es anders gewollt, die Noten ja anders gesetzt hätte. Es ist wohl auch zu keiner Aufführung gekommen. Das Interesse an dieser Schoenbergschen Klaviermusik teile ich mit Busoni (:)), der durchaus sehr kritisch und aufgeschlossen der Moderne folgte.


    Was ist nun für mich das Besondere? Es ist das Konzentrierte, die Dichte dieser Musik. Ich habe vor kurzem noch einmal Mahlers erste Sinfonie gehört. So interessant sie auch sein mag, man hat doch am Ende das Gefühl, dass man selbst problemlos noch ein paar Takte hinzukomponieren könnte, ohne dass es wirklich auffiele ;) .... Schoenbergs Musik ist dagegen in sich geschlossen und kompakt. Hier sitzt jeder Ton genau da, wo er hin soll (Ich habe wie oben schon erwähnt hier den Komponisten auf meiner Seite 8)) Dieses "Nicht-zu-Wenig", aber eben auch "Nicht-zu-Viel" bestimmt die Rezeption. Dabei ist die Erlebniswelt von Dunkel bis Hell ziemlich umfangreich. Diese Welt stellt auch einen Zusammenhang mit der Vergangenheit her und unterscheidet für mich diese Musik zum Beispiel von der seines Schülers Webern. Wer das Melodische dieser Werke intensiv erfahren möchte, sollte sich die Interpretation von Aribert Reimann holen.


    Pollini kann nun diesen kurzen Stücken eine interessante Klangästhetik verpassen. Er verändert diese tatsächlich mit der Entstehungszeit der Stücke. Schoenberg arbeitete hier über eine Lebenspanne von 1909 bis 1931 an verschiedenen Stücken, wobei wohl mit Op. 23 dann die Zwölftontechnik bestimmend wird.


    Diese Musik hat eine reinigende Wirkung, auf die ich in meiner Einsamkeit nicht verzichten kann. Wer kann schon wissen mit welcher Form von Akustik man dann auf der Insel konfrontiert wird.


    Also kommt schon mal diese CD in den Reisekoffer



    Es gibt für mich noch eine weitere bedeutende Interpretation der Werke. Paul Jacobs hat etwa um dieselbe Zeit (~1974-75) wie Pollini diese Werke eingespielt. Hier bekommt der Strukturgesichtspunkt eine stärkere Gewichtung. Die muss auch in den Koffer!


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    Um meinem ganzen Gerede etwas Fleisch zu verpassen:


    Hier hören wir Pollini mit den Klavierstücken Op. 11 und den Noten



    Das erste der drei Stücke in der Interpretaion von Paul Jacobs



    und für die Interessierten: Busonis Bearbeitung des zweiten Stückes Op. 11 in der Interpretation von Urs Liska mit Busonis Noten




    Die Suite Op. 25 aus den Jahren 1921-23 ist nun wirklich zwöftönig:


    Hier hören wir Glenn Gould in Salzburg live 1959


  • Nachdem Holger in seinem Thread des Unverzichtbaren eine Platte von Pollini vorgestellt hat, die mit der Musik von Strawinsky (Rubinstein) und Prokofieff in seinen Thread gehört, möchte ich dasselbe Album mit dem komplementären Teil für meinen Thread nominieren. Ursache ist die Tatsache, dass man in diesem Fall zwei Vinylplatten verbraucherfreundlich auf eine CD gebrannt hat. :)


    Ich habe vielleicht bisher zu wenig über die reinigende Wirkung von Musik für mich gesprochen. Im Alltag wird man heute viel mehr als noch vor vielleicht hundert Jahren an allen Ecken und Ende mit Akustik abgefüllt. Das fängt mit lauten Bauarbeiten um die Ecke an, mit irgendwelchen Werbungen bei Am... Prime, mit tonaler Dauerberieseling in Kaufhäusern oder sogar im Radio in den Kultursendern gibt es Sendungen, die mit ihrer Flachheit fast schon als Werbung durchgehen. Selbst, wenn man weiß, wie der akustische Müll einzuschätzen ist, ist man seinem Einfluss ausgesetzt. Serielle Musik erlaubt mit ihrer Art der Dauerüberraschung nun geschaltete Synapsen im Hirn wieder zu resetten. Welch eine Wohltat!


    Wie einsam ist die einsame Insel nun wirklich? .... Vorsorglich nehme ich also die folgende Scheibe mit


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    Mit Boulez' zweiter Klaviersonate aus den Jahren 1947-48 haben wir hier ein Paradebeispiel serieller Musik. Und mit Weberns Variationen die geistige Vorbereitung. Das Album ist großartig zusammengestellt und auch IMO auch so interpretiert. Es gehört für mich zum Bestand des ewig Gültigen und damit zum Unverzichtbaren, von seinem Nutzen mal ganz abgesehen ... :)


    Die Einspielungen finden sich mittlerweile auf dieser CD, die die Leser von Holgers Thread natürlich jetzt schon kennen



    Den Beifang Petruschka von Strawinski und die siebte Klaviersonate von Prokofieff nehme ich als ausgezeichnete Unterhaltungsmusik :) in dieser Interpretation gerne mit ^^. Wie ich ja schon festgestellt habe, sollte auch auf einer einsamen Insel die Unterhaltung nicht zu kurz kommen ..


    Und auch mit dem wilden Cover kann ich mich anfreunden. Pollini war ja nun in seiner frühen Zeit ein wirklicher Wilder. Politische Statements gegen den Vietnamkrieg der Amerikaner zu Beginn seines Konzertes führten auch schon mal zum Abbruch! Ja, Konzerte sind natürlich politisch!


    Ich kann in Boulez' zweiter Klaviersonate eine Menge an Emotionen mithören, es ist aber ein (musikalischer) stetiger Fluss, bei dem man am Ende gereinigt herauskommt. Gewisse Religionen kennen so etwas ja auch.


    Hier die Einspielung aus dem Jahr 1978



    Es gibt nur noch ein serielles Klavierwerk, was mich mehr beeindruckt, aber dazu komme ich vielleicht noch später .....

  • Nachdem Holger in seinem Thread des Unverzichtbaren eine Platte von Pollini vorgestellt hat, die mit der Musik von Strawinsky (Rubinstein) und Prokofieff in seinen Thread gehört, möchte ich dasselbe Album mit dem komplementären Teil für meinen Thread nominieren. Ursache ist die Tatsache, dass man in diesem Fall zwei Vinylplatten verbraucherfreundlich auf eine CD gebrannt hat. :)

    Eine ausgezeichnete Idee! :thumbup: Unverschämter Weise habe ich zu Pollinis Webern und Boulez nichts gesagt! ^^

    Den Beifang Petruschka von Strawinski und die siebte Klaviersonate von Prokofieff nehme ich als ausgezeichnete Unterhaltungsmusik

    Der Witz ist Dir gelungen! :D :hello:

  • Mozart ist an ein paar Stellen mit Unverzichtbarem aufgetaucht. Nun kommt für mich das Wichtigste, was der Komponist geschaffen hat. Ich bin selten fassungslos nach dem Hören von Musik. Das schaffen keine Beethoven Streichquartette, keine Zauberflöte, keine Bartók Streichquartette, aber Mozarts Streichquartette schaffen das. Wo kommen die her? Natürlich hört man das schon irgendwie. Wenn man Haydns Streichquartette kennt, versteht man die Form (nicht vollständig: "Dissonanzenquartett"), aber nicht was in ihnen passiert. Die Harmonik ist so seltsam, man schaut sekundenlang in einen Abgrund und sieht plötzlich dahinter eine grüne Wiese :)


    Mozarts Streichquartette sind für mich das persönlich Wichtigste, was in der Musik geschrieben wurde. Eigentlich sind sie mir in der musikalischen Entwicklung spät begegnet. Ein Plattenalbum vom Alban Berg Quartett mit den großen Streichquartetten Mozarts war der Zündfunke und um diese Quartette geht es für mich dann auch im Wesentlichen. Es war dieses Album


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    was gerade bei discogs zum Spottpreis von knapp US $ 2000 zu erwerben ist. Ich hatte damals eine Sonderausgabe, die auch deutlich preiswerter war ;). Dieses Album wurde von mir "durchgenudelt". Ich entdeckte in jedem Quartett etwas anderes. Damals gefielen mir die späten Quartette besonders gut und das Dissonanzenquartett. Das hat sich im Laufe der Zeit immer ein wenig geändert. Mittlerweile lässt mich jedes Quartett etwas fassungslos zurück. Man höre sich das Trio im eigentlich konzertanten Quartett K. 575 in D-Dur an. Es überrascht mich immer von Neuem. Bei Haydn staunt man über die Entwicklung der Form, über die Ideen und über das Ergebnis, bei Beethoven staune ich über die Kraft, mit der diese Formen gesprengt werden, bei Mozart staune ich über den Inhalt :).


    Diese subtile, abgeklärte Polyphonie der letzten drei Quartette ist kaum zu glauben, und die harmonischen Wendungen der (mozartschen) Haydn-Quartette ebenso. Dazu kommt bei Mozart das erstaunliche Phänomen, das ich jetzt einfach nach Busoni zitiere


    Zitat von Busoni

    Und wie das Bild dieser Musik in seiner Vieldeutigkeit nie auszuschöpfen ist, so stellt sie auch der Interpretation immer neue Aufgaben, ja ist bis heute wie je der untrügliche Prüfstein für das künstlerische Vermögen oder Unvermögen ihrer Mittler. Bei jeder anderen Musik läßt sich leichter eine Unzulänglichkeit der Wiedergabe kaschieren.


    zitiert nach der Östereichischen Musikzeitschrift vom 1. November 1951, Mozart Aphorismen


    Es ist selbstverständlich, dass man überall, also auch auf einer einsamen Insel dieser Musik bedarf, aber wer darf nun ...?


    Ich liebe seit vielen Jahren den etwas rauheren Zugang des Hagen Quartettes, das erfreulicherweise eine Gesamtausgabe der mozartschen Streichquartette eingespielt und herausgegeben haben.



    Und wenn ich schon so vom Trio im ersten preußischen Quartett schwärme, soll es natürlich auch hier angeboten werden






    in neuerer Zeit scheint des britische Doric String Quartet einen neuen Zyklus mit Mozart Streichquartetten einspielen zu wollen. So, wie sich das Vol. 1 anhört, kommen die mit auf die Insel. Hoffentlich sind die fertig, bevor ich dahin muss :P


  • Vielen Dank für diesen tollen Beitrag über Mozarts späte Streichquartette!

    Ich kenne diese Werke nicht besonders gut und Du hast mich jetzt sehr neugierig gemacht.


    Vom Alban Berg Quartett gibt es glaube ich noch eine spätere Einspielung bei der EMI oder sind das die gleichen Aufnahmen?


    Viele Grüße

    Christian

  • Vom Alban Berg Quartett gibt es glaube ich noch eine spätere Einspielung bei der EMI oder sind das die gleichen Aufnahmen?

    Lieber Christian B. , nein das sind leider nicht dieselben Aufnahmen. Die spätere bei EMI finde ich nicht so gelungen. Soweit ich das noch in Erinnerung habe, kommen die da klanglich sehr breit 'rüber, was mir nicht so gefällt.


    Die alte Aufnahme von Telefunken / Teldec hier mit discogs-Link


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    oder mit Link zum Werbeträger, dort aber nicht lieferbar




    und die neuere bei EMI



    Teldec ist mittlerweile auch beim Warner Konzern, aber diese Warner Aufnahme ist definitiv die alte EMI Aufnahme.

  • Das könnte Dich interessieren! Ich habe die Einspielung noch zum Download bei prestomusic gefunden für € 27.


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    Wenn Du allerdings vorhaben solltest, noch ein paar CDs dazuzukaufen, wirst Du auch in diesem Quader fündig. Da sind dann beide Aufnahmen drin :)


  • Vielen Dank für den Hinweis - ich höre ja nur noch digital. Bin mit dem Hagen Quartet und der frühen Einspielung der Guarneris versorgt. Mit dem Trio meinst du oben den dritten Satz von KV 575 und darin den Binnenteil, oder? Das ist wirklich sehr zauberhaft.


    Viele Grüße, Christian

  • Mit dem Trio meinst du oben den dritten Satz von KV 575 und darin den Binnenteil, oder? Das ist wirklich sehr zauberhaft.

    Ja, genau! Diese Quartette sind zwar allgemein sehr bekannt, aber das Hören dieser Werke kann einen immer wieder überraschen :)

  • Da wir gerade bei Mozart sind.... Ich habe leider Mozart für mich recht spät entdeckt, wenn man von den Violinsonaten einmal absieht. Es kamen die Werke für vier Hände und/oder zwei Klavier mit Eschenbach und Franz und plötzlich hat es "geschnackelt". Im Plattengeschäft hatte ich dann in dieser Phase bei den Angeboten Mozarts Divertimento für Violine, Viola und Cello K. 563 gefunden, für 3,99 DM oder noch weniger, also preislich ohne viel Nachdenken machbar.


    Zu Hause auf den Plattenteller, ich weiß noch, dass die Platte so schlecht gepresst war, dass der Mittelstift meines Thorens Probleme hatte ... :(


    Ich hatte ein wenig schöne Unterhaltungsmusik erwartet, Mozart enttäuscht da selten, war aber plötzlich in polyphonen Strukturen gefangen und musste bis zu Ende hören. Und auch hier entäuschte Mozart nicht, eine riesige Erlebniswelt, für mich nur vergleichbar mit seinen Streichquartetten. Die kleinere Besetzung fiel kaum auf .... Erst im Laufe der Jahre wusste ich zu bewundern mit welcher Meisterschaft hier die drei Instrumente eingesetzt werden. Man merkt es irgendwann unweigerlich, wenn man sich danach für Vergleichbares von anderen Komponisten interessiert :P


    Erst Schoenberg liefert IMO wieder ein Werk auf für mich vergleichbarer künstlerischer Höhe aber da war der Rezeptionsprozess keineswegs mehr so einfach :( Mozarts Divertimento besteht aus 6 Sätzen, von denen die zwei Menuette sich formal an ein Divertimentoschema halten. Der erste Satz ist in Sonatenform ....Man kann sicher mit den Noten nach viel mehr anfangen, leider habe ich sie nicht :(


    Die Platte, die ich damals gekauft hatte, würde ich heute nicht mehr empfehlen, davon abgesehen, dass ich sie auf discogs nicht gefunden habe. Als ich noch einen Plattenspieler in Benutzung hatte, hörte ich regelmäßig eine Plattenaufnahme vom Grumiaux Trio


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    Vor kurzem (2 Jahren oder so) habe ich mir einen Einspielung des Trios Zimmermann geholt, die ich nach so kurzer Zeit (nicht zuletzt auch wegen des Werkes) als unverzichtbar ansehe



    Die kleine Besetzung garantiert höchste Durchsichtigkeit und das Trio setzt sich zwar aus Solisten zusammen, was in diesem Ausnahmefall tatsächlich eine Garantie für Kammermusikspiel auf allerhöchstem Niveau darstellt. Das Werk kennt wenig Dramatik, aber Mozart entwickelt eine inhärente Spannung zwischen den Stimmen, die ich unvergleichlich finde.


    Ich stelle hier den Kopfsatz vor ein Sonatensatz mit z. T. stark polyphoner Verarbeitung



    und das wundervoll ernste Adagio



    Viel Freude beim Hören ... :hello:

  • Ich höre gerade viel Bartók. Das inspiriert mich irgendwie. Ich habe ja schon gesagt, dass er einer meiner absoluten Lieblingskomponisten ist. Das hat tatsächlich eine kleine Geschichte. Mit zwölf hatte ich meine erste erste eigene Anlage, es waren ein Plattenspieler, ein Verstärker und zwei Boxen, alles noch von Dual ... der Dual-Katalog hatte mir wahrscheinlich am besten gefallen :). Auf jeden Fall war ich nun autonom und konnte hören, wann und was ich wollte.


    Der elterliche Wohnzimmer war programmmäßig nicht ganz so frei und zeitlich sowieso beschränkt. Kinder mussten bei uns noch bis ins hohe Alter (bis 16 oder so :( ) ab 20:00 ins Zimmer ... Ich ärgere mich heute noch, auf diese Art "High Chaparall" verpasst zu haben, das dummerweise im Abendprogramm lief. Neben dem Klavier eine weitere Lücke in meiner kindlichen Ausbildung ....


    Auf jeden Fall wuchs der Bedarf an Musik zu dieser Zeit sprunghaft an. Mein Vater war an Musik durchaus interessiert, aber anders als sein Söhnchen, nicht wirklich an klassischer. Aber zu meiner Freude fand sich unter seinen Kollegen ein solcher. Der kam nun ein paarmal zu Besuch mit einer kleinen Auswahl an Musik.


    Die einzigen Platten, die mir in Erinnerung blieben, und zwar dauerhaft und prägend, waren


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    und


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    Hier ist nun besonders Bartóks zweites Klavierkonzert zu erwähnen. Wenn ich mich noch richtig erinnere, hatte ich zu diesem Zeitpunkt nur Beethovens Klavierkonzerte mit Arrau und Haitink mit dem Concertgebouw Orchester. Die waren schon ganz nett (inbesondere das vierte) aber nichts im Vergleich zu dem, was mir hier geboten wurde. :jubel:


    Diese faszinierende Rhythmik, diese aggressiven Bläser und diese ungeheuren Kontraste! Das war mein Erstkontakt mit "klassischer" Musik des zwanzigsten Jahrhunderts und er fiel überwältigend aus. Ich weiß noch, dass ich mit dem Kollegen über den zweiten Satz diskutiert hatte und er mir schilderte, dass das für ihn irgendwie die Beschreibung eines Schlachtfelds nach dem Ende der Kriegshandlungen sei. Das konnte ich irgendwie nachempfinden. Dazu muss man wahrscheinlich sagen, dass der Weltkrieg in meiner Kindheit diskursiv an vielen Stellen eine bestimmende Rolle gespielt hat, was wahrscheinlich jüngere Semester so nicht erlebt haben mögen.


    Das Adagio im zweiten Konzert zerfällt in ein Adagio-Presto-Adagio und nach dem Presto gibt es Stellen, wo die Ödnis eines Leichenfeldes fast handgreiflich wird .... Das Konzert ist lange vor dem zweiten Weltkrieg entstanden, aber erstens ist Bartok mit Sicherheit ein extrem sensibler Mensch gewesen, der manche Drohungen gespürt haben mag und den ersten Weltkieg hat er ja nun, wenn auch nicht an der Front, schon mitbekommen. Wie auch immer, muss man mit solchen Deutung vorsichtig sein. Der Satz bleibt für mich auch ohne diese Interpretation einer der ergreifendsten, die ich kenne.


    Das zweite Klavierkonzert weist als weitere Besonderheit auf, dass es im ersten Satz keine Streicher kennt. Der klangliche Kontrast zum zweiten ist dadurch noch einmal auf ein Spitze getrieben ...


    Die Einspielungen von Anda waren für mich leider so prägend, dass ich zwar andere Interpretationen durchaus als gelungen wahrnehmen kann, aber eigentlich keine für mich persönlich die Bedeutung von Andas Einspielung erreicht. Eine klitzekleine Ausnahme mache ich bei Kocsis und Lehel. :) Sie ist scho a bissal in der Nähe ...


    Das erste Konzert gefällt mir auch, wirkt aber auf mich konstruierter (was ich durchaus auch mag ) als sein zweites. Das dritte spielt bei mir eher eine untergeordnete Rolle


    Nun also zum Nachempfinden (nicht unbedingt eine Empfehlung :/!)






    für Freunde des Vinyls gibt es das zweite und dritte Konzert wieder auf LP



    Wer noch ein Alternative haben will (ist bei mir auch schon Seesack :))


  • Ich bin nicht so der große Bartok-Kenner, vor allem bin ich kein Liebhaber von Klavierkonzerten (Ausnahme Brahms 1 und 2). Aber drei Werke von Bartok schätze ich sehr.

    1. Konzert für Orchester

    2. Slowakische Volkslieder. Die haben wir oft gesungen. Ich zitiere sie in meinem "Schreibtisch" in der Rubrik "Dr. Pingel´s Chorbuch" (Beitrag #26).

    3. Herzog Blaubarts Burg. Diese Oper ist für mich auf Janacek-Höhe.


    Kunde: "Mein Auto macht so furchtbare Geräusche!" Mechaniker: "Haben Sie mal die Weihnachts-CD von Jonas Kaufmann aus dem Player genommen?" (Q: anonym, Internet)

  • 3. Herzog Blaubarts Burg. Diese Oper ist für mich auf Janacek-Höhe.

    Wie ich schon an mehreren Stellen betonte bin ich ein Opernanalphabet ... Herzog Blaubarts Burg hatte ich damals noch in einer (mir leider namentlich nicht bekannten) Aufführung auf Spulenband aufgenommen. Da wird nicht mehr viel übrig sein ... :(


    Janacek scheint ein interessanter Komponist zu sein, der am Ende seines Lebens zu Höchstform auflief, völlig anders als Bartok. Auch einige Klavierwerke von ihm sind wundervoll ...

  • Wie ich schon an mehreren Stellen betonte bin ich ein Opernanalphabet ... Herzog Blaubarts Burg hatte ich damals noch in einer (mir leider namentlich nicht bekannten) Aufführung auf Spulenband aufgenommen. Da wird nicht mehr viel übrig sein ... :(


    Janacek scheint ein interessanter Komponist zu sein, der am Ende seines Lebens zu Höchstform auflief, völlig anders als Bartok. Auch einige Klavierwerke von ihm sind wundervoll ...

    Herzog Blaubart ist für jemand wie dich ein MUSS! Ich würde ohne weiteres behaupten, dass es sein Hauptwerk ist.

    Auch die Janacek-Opern haben nichts zu tun mit Belcanto, Herz-Schmerz und irgendwelchen undurchschaubaren Götterkriegen.

    Sie liegen in grandiosen Aufnahmen vor. Stichwort: Charles Mackerras und die Wiener Philharmoniker.

    Kunde: "Mein Auto macht so furchtbare Geräusche!" Mechaniker: "Haben Sie mal die Weihnachts-CD von Jonas Kaufmann aus dem Player genommen?" (Q: anonym, Internet)