Pressespiegel klassische Musik

  • Entschuldigt, aber ich habe dann doch den Eindruck, es geht hier seit Beitrag #326 weniger um ein Für Bayreuth, als einmal mehr um ein Gegen Frau Roth.

    Ehrlicherweise schon ab #325, was mit meiner ganz persönlichen Skepsis gegenüber der Person Claudia Roth zu tun hat. Irgendwann wird man die Familiensukzession in Bayreuth nicht mehr aufrecht erhalten können. Selbst jetzt in der Ägide Katharina mutet es befremdlich an, wenn die Hügelherrin in Interviews von "Wagner" anstelle von "Uropa" spricht. Ich gebe zu, dass ich dabei immer wieder vergesse, dass die Wagners über ihre Fortpflanzungszyklen den Begriff "Generation" zeitlich sehr gestreckt haben. Vielleicht ein Beirat unter Vorsitz eines fachlich gebildeten Familienmitgliedes? Was soll alles als beizubehalten festgeschrieben werden? Der von Wagner verfügte Opernkanon plus Beethoven 9? Beschränkung auf die bisherige Spielzeit? Oder vielleicht doch ein herbstliches "Festival Musik der Romantik" unter Berücksichtigung all der vielen Kleinmeister, die man dank cpo und hier bei Tamino besprochen aus der ewigen Ruhe abberuft?


    Wie schafft man es, das sich niemals dem Publikumsgeschmack andienende, stets das klassische Publikum erzürnende Bayreuths zu erhalten und gleichzeitig mit sirenenhaft schmeichelnden Ruf zwanghaft Jahr für Jahr zur Überfüllung das Publikum anzulocken? Liegt das Heil in noch mehr Vermarktung der Produktionen? Kann gar Bayreuth eine Produktion entwickeln und auf Tournee schicken? Wie wäre es etwa mit einer Wagner Forschungs- Arbeits- und Entwicklungsstätte "Wagner-Werkstatt-Bayreuth"? Bedauerlicherweise sind alle Urheberrechte längst ausgelaufen sonst könnte man verfahren wie Philipp Glass mit seiner Oper "Einstein on the Beach" der andere als die seine ewig gleiche Inszenierung nur in Absprache gegen Gebühr und Auflagen und da auch nur in einer bestimmten Anzahl von Aufführung zulässt (die dann noch nicht mal gefilmt geschweige denn vertrieben werden dürfen, ein Jammer mit Blick auf die irre Inszenierung am Dortmunder Opernhaus für lediglich fünf Aufführungen).


    "Zukunfts fähig machen" das ist ein wesentlicher Bestandteil der politischen Phrasendreschmaschine, die stets zu Gebote stet, wen flink ein elegantes Sätzlein dem gepflegten Rund der Mundhöhle entfleuchen soll. Und wie Du schon richtig schreibst, unter "Zukunftsfähig machen" stellt sich jeder etwas Anderes vor. Was ich noch nicht gehörte habe, gerne aber hören würde: "Den Genius loci der Zukunft erhalten". Bitte kein weitere beliebiges Festspielhaus. Da reicht doch Baden-Baden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo Thomas, unterschreibe praktisch alles, was Du schreibst - allein, auch mir fehlt die zündende Idee. Habe schon vor Jahrzehnten weinseelig mit einem Freund darüber diskutiert, was man tun könnte/müsste/sollte ... das Problem stellt sich ja nicht neu und kommt in jedem Jahr zur Sommerszeit ungefähr so überraschend, wie dann ein halbes Jahr später Weihnachten :hello:

    [...] wie Philipp Glass mit seiner Oper "Einstein on the Beach" der andere als die seine ewig gleiche Inszenierung nur in Absprache gegen Gebühr und Auflagen und da auch nur in einer bestimmten Anzahl von Aufführung zulässt (die dann noch nicht mal gefilmt geschweige denn vertrieben werden dürfen, ein Jammer mit Blick auf die irre Inszenierung am Dortmunder Opernhaus für lediglich fünf Aufführungen).

    Hier immerhin eine "konzertante" Aufführung in der Elbphilharmonie u.a. mit Suzan Vega(!) [zuletzt aufgerufen am 29.07.2023]. Wir waren recht begeistert!

  • Kann gar Bayreuth eine Produktion entwickeln und auf Tournee schicken? Wie wäre es etwa mit einer Wagner Forschungs- Arbeits- und Entwicklungsstätte "Wagner-Werkstatt-Bayreuth"?

    Das sind Sachen, die es gab und gibt. Bayreuther Aufführungen gastierten in den fünfziger Jahren in Italien, 1967 in Osaka bei der Weltausstellung (wo die einzigen Aufzeichnungen von Produktionen Wieland Wagners entsptanden). Und im Rahmenprogramm gibt es mittlerweile jährlich Symposien etcetera, und die Kinderoper erfreut sich sehr großer Beliebtheit. Von der jungen Generation der Wagners ist eigentlich keiner sichtbar, der künstlerisch hervortretend aktiv ist. Und Katharina hat ja nun auch schon geaume Zeit nicht mehr inszeniert...

  • Höre gerade alle Aufführungen am Radio und heute Abend den Siegfried. Die musikalische Qualität zumindest ist sehr beeindruckend, sowohl von den Sängern als auch bei den Dirigenten. Nächstes Jahr werde ich wieder hinfahren. Vielleicht sollten erfahrene Opernsänger Dirigenten und Regisseure die Festspiele leiten.

  • Nichts gegen Frau Roth (die ich eigentlich sehr sympathisch finde), aber Politiker neigen dazu, mit großen Worten Vorschläge zu machen, ohne sie zu konkretisieren, so dass sie vage bleiben und man wenig damit praktisch anfangen kann. Da müssen die großen Scheine der Rhetorik dann erst einmal aufführungspraktisch kleinlich in Kleingeld gewechselt werden. ^^ Bayreuth ist kein normales Opernhaus, sondern wurde von Wagner geschaffen, speziell um seine Stücke aufzuführen. Das ist Tradition, einmalig auf der Welt und dies sollte auch so erhalten bleiben. Nur war Richard Wagner politisch ein Sozialist. Einttrittspreise von 500 Euro, die sich nur eine Hand voll von Reichen, die High-Snobiety, leisten können, sind ganz sicher nicht in seinem Sinne. Hier kann die Politik etwas tun. Dann soll sie eben subventionieren, dass auch Normalmenschen mit kleinem Geldbeutel mindestens einmal im Leben nach Bayreuth kommen können. Davon können dann auch alle anderen Opernhäuser in ganz Deutschland profitieren. Wer einmal von Bayreuth sich hat begeistern lassen, wird mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch mal Wagner zuhause, also in Essen, Duisburg oder Düsseldorf, erleben wollen.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger, hab schon meine Premieren Karte für Wagners Parsifal in Düsseldorf am 17. 9. 2023. Hans Peter König wird den Gurnemanz singen und Axel Kober dirigieren.

  • Lieber Holger, hab schon meine Premieren Karte für Wagners Parsifal in Düsseldorf am 17. 9. 2023. Hans Peter König wird den Gurnemanz singen und Axel Kober dirigieren.

    Lieber Rodolfo, toll! :thumbup: :) Nach Bayreuth möchte ich auch einmal wirklich sehr gerne. Axel Kober kenne ich ebenfalls von der Rheinoper - er dirigiert Wagner hervorragend, finde ich. Demnächst werde ich wieder mal wieder meine Bekanntschaft mit dem Münsteraner Wagner-Kreis auffrischen. Durch Corona ist leider alles eingeschlafen - die Tradition, dass wir zusammen zu Wagner-Aufführungen fahren - zuletzt auch in Düsseldorf. Der Parsifal wäre da doch eine gute Gelegenheit! :hello:


    Einen schönen Sonntag wünschend

    Holger

  • Irgendwann wird man die Familiensukzession in Bayreuth nicht mehr aufrecht erhalten können.


    Das ist m. E. geradezu zwangsläufig so, weil Katharina Wagner m. W. keine Kinder hat. Somit wird spätestens in einigen Jahrzehnten der Punkt kommen müssen, an dem man entweder von diesem Prinzip abrückt oder aber auf eine der anderen Linien der Wagner-Familie umschwenkt (also die Nachkommen von Katharinas deutlich älterer Halbschwester, Wielands Nachkommen etc.). Da die sich aber alle nicht wirklich miteinander verstehen, ist das wohl eher unwahrscheinlich...


    Die andere Frage ist, ob man überhaupt noch mehrere Jahrzehnte (also bis zu ihrem Rentenalter) mit Katharina Wagner weitermachen möchte. Ihre bisherige Bilanz dürfte man mit Fug und Recht wohl als eher durchwachsen bezeichnen können, und im persönlichen Umgang ist sie schwierig (wie ich aus sehr gesicherter Quelle weiß).


    Nichts gegen Frau Roth (die ich eigentlich sehr sympathisch finde), aber Politiker neigen dazu, mit großen Worten Vorschläge zu machen, ohne sie zu konkretisieren, so dass sie vage bleiben und man wenig damit praktisch anfangen kann.


    Die Mustervorlage hierfür ist der politische Slogan "Zukunft ist gut für uns alle" des einstmals hoffnungsvollen Nachwuchs-Politikers Dr. Udo Brömme... ^^;)


    Einttrittspreise von 500 Euro, die sich nur eine Hand voll von Reichen, die High-Snobiety, leisten können, sind ganz sicher nicht in seinem Sinne. Hier kann die Politik etwas tun. Dann soll sie eben subventionieren, dass auch Normalmenschen mit kleinem Geldbeutel mindestens einmal im Leben nach Bayreuth kommen können.


    Just for the record: es gibt in Bayreuth durchaus auch Karten für recht deutlich unterhalb von 500 €. Ich stimme Dir aber zu, dass die Karten bedenklich teuer geworden sind. Es wäre schön, wenn man diesen Trend wieder umkehren könnte, nur wird es wahrscheinlich schwierig werden, hierfür eine deutliche Erhöhung der Subventionen politisch durchzusetzen und dies der Öffentlichkeit zu verkaufen. Als ersten (wenn auch eher symbolischen) Schritt könnte man doch eigentlich mal der ganzen Prominenz, die zur Eröffnungs-Premiere anrauscht, 2000 € pro Karte abknöpfen und dann mal sehen, wer trotzdem immer noch jedes Jahr am 25.7. in Bayreuth aufläuft... ^^


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Als ersten (wenn auch eher symbolischen) Schritt könnte man doch eigentlich mal der ganzen Prominenz, die zur Eröffnungs-Premiere anrauscht, 2000 € pro Karte abknöpfen

    Also 2000 Euro wären mir dann doch zu viel. Oder bin ich in deinen Augen keine Prominenz? Aber wenn nicht ich, wer dann? Was sind deine Kriterien?

  • Also 2000 Euro wären mir dann doch zu viel. Oder bin ich in deinen Augen keine Prominenz? Aber wenn nicht ich, wer dann? Was sind deine Kriterien?

    Ich nehme an, daß die ganzen Leute gemeint sind, die zur Eröffnungspremiere kommen um als kulturell beflissen in die Tagesschau zu kommen. Söder, Gottschalk Merkel und Co.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Ich nehme an, daß die ganzen Leute gemeint sind, die zur Eröffnungspremiere kommen um als kulturell beflissen in die Tagesschau zu kommen. Söder, Gottschalk Merkel und Co.


    Jo, so war das gemeint. Angesichts der gesellschaftlichen und medialen Bedeutung dieser Premiere wüsste ich nicht, warum die Karten für diese spezielle Vorstellung nicht deutlich teurer sein sollten als die Karten für die anderen Vorstellungen.


    Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch, ob an die politische Prominenz eigentlich Freikarten vergeben werden oder ob Söder, Aiwanger et al. für ihre Karten bezahlen. Da sie über die Subventionen für die Festspiele mitentscheiden, müsste eigentlich jeder Verdacht der Korruption strengstens vermieden werden. Das geht aber natürlich nur, wenn die betreffenden Politiker keine Zuwendungen von den Festspielen erhalten, also auch keine Freikarten.


    Ich meine mich zu erinnern, dass die recht großzügige Freikarten-Vergabe durch die Festspielleitung sogar mal ein Thema für den Rechnungshof war. Praktischer Lösungsvorschlag: die Festspielleitung erhält ein Steuerkarten-Kontingent, das dem eines üblichen deutschen Opernhauses der A-Kategorie entspricht, damit die Angehörigen der Mitwirkenden etc. gesicherten Zugang zu den Vorstellungen erhalten. Darüber hinaus gibt es keine Freikarten, auch und gerade nicht für den 25.7.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Hier noch ein Link zu einem Bericht aus 2011 zur Rechnungshof-Rüge in Sachen Freikarten:


    https://www.merkur.de/politik/…reikarten-zr-1288685.html


    Ich weiß nicht, was sich an der Freikarten-Praxis seitdem verändert hat. Irgendwas wird da sicherlich passiert sein, aber was genau, ist mir nicht bekannt.


    LG :hello:

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  • Ich nehme an, daß die ganzen Leute gemeint sind, die zur Eröffnungspremiere kommen um als kulturell beflissen in die Tagesschau zu kommen. Söder, Gottschalk Merkel und Co.

    Jo, so war das gemeint. Angesichts der gesellschaftlichen und medialen Bedeutung dieser Premiere wüsste ich nicht, warum die Karten für diese spezielle Vorstellung nicht deutlich teurer sein sollten als die Karten für die anderen Vorstellungen.

    Nicht schwurbeln. Wollt ihr erhöhte Preise für Premieren? Die gibt's schon. Wollt ihr noch höhere Aufschläge? Dann bitte explizit die Höhe des gewünschten Aufschlags nennen.


    Nicht schwurbeln.


    Weiter im Text:

    Wer genau geht zur Premiere, um als "kulturell beflissen in die Tagesschau zu kommen"? Wie wollt ihr das ermitteln?


    Ihr schwurbelt. Und ihr wisst das. Ihr versucht, den Söder in der Disziplin "Populismus" zu übertreffen. Aber das schafft ihr nicht. Söder ist da unübertreffbar.

  • Nicht schwurbeln. Wollt ihr erhöhte Preise für Premieren? Die gibt's schon. Wollt ihr noch höhere Aufschläge? Dann bitte explizit die Höhe des gewünschten Aufschlags nennen.


    Das habe ich bereits getan, Du Keks. ^^ 2000 € pro Karte. Die Differenz zum aktuellen Preis kannst Du bei Bedarf selbst ausrechnen. ^^


    Ihr versucht, den Söder in der Disziplin "Populismus" zu übertreffen. Aber das schafft ihr nicht. Söder ist da unübertreffbar.


    Wenn dem so wäre, würde er nicht über 10 Prozentpunkte an Herrn Aiwanger abtreten müssen, aber das ist OT. Ich halte es auch nicht für populistisch, wenn man eine Praxis kritisiert, die nicht logisch vermittelbar ist (Freikarten für gutverdienende Premierenbesucher, während das gemeine Volk in den restlichen Vorstellungen hohe Preise zahlen muss). Trag' doch einfach mal inhaltlich etwas zur Diskussion bei, anstatt hier den Oberschlaumeier zu spielen - das machst Du nämlich noch schlechter als Söder (hin und wieder mal) den seriösen Politiker mimt. ;)^^


    LG :hello:

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  • Das habe ich bereits getan, Du Keks. ^^ 2000 € pro Karte. Die Differenz zum aktuellen Preis kannst Du bei Bedarf selbst ausrechnen. ^^

    Premieren haben übrigens ihren eigenen Reiz. Euer Vorschlag läuft darauf hinaus, dass Premieren den Bonzen vorbehalten sind. Aber die Zeiten des Feudalismus sind vorbei. Das scheint sich nur noch nicht überall herumgesprochen zu haben.


    Es ist eine Gratwanderung, das erklärt der Hoeneß hier recht anschaulich:


    Bei Hoeneß wird das "normale Volk" eben gerade nicht von den interessanten Spielen ausgeschlossen. Hoeneß ist nämlich kein Feudalist.


    Ja, man muss Bayreuth subventionieren. Aber man muss es auch zu einem Ort machen, an dem die größten Künstler der Welt gerne arbeiten, ohne das Maximum an Gage zu fordern. Das gilt insbesondere auch für die Regisseure. Dort sollte man deutlich kompromissloser sein als bei den Sängern. Wenn ein Startenor überzogene Gagen fordert, kann man ihn durch einen halbwegs vergleichbaren Sänger ersetzen. Aber bei den Regisseuren darf man keine Kompromisse machen. Das Publikum kann die letzten 10% bis zur absoluten Perfektion bei den Sängern eh nicht erfassen. Aber eine gescheiterte Regie erkennt ein interessierter Laie durchaus. Und man zahlt keine 100 Euro, um irgendwelche Experimente zu verfolgen. Das tut man in der Edelgastronomie auch nicht. Wer 100 Euro aufwärts für ein Menü verlangt, darf keine Experimentalküche bieten. Ja, der experimentiert durchaus. Aber ohne Publikum. Erst wenn das Menü den erforderlichen Perfektionsgrad erreicht hat, stellt man es dem Publikum vor. Dann schmerzen 100 oder gar 200 Euro immer noch. Aber man sagt sich: Qualität kostet. Man versteht, warum das so teuer ist. In Bayreuth versteht man es bisweilen eher nicht.

  • Zitat aus der FAZ - die Argumentation der Anwälte finde ich in jedem Fall interessant (das ist nicht ironisch gemeint). Dem kompletten Artikel ist im weiteren zu entnehmen, dass Netrebko auch in ihrer Heimat große Probleme bekommen hat.


    „Netrebko zieht nun vor das Bundesbezirksgericht in Manhattan: Sie sei wegen ihrer russischen Herkunft benachteiligt worden, heißt es in der Anklageschrift. Bis zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine war Netrebko einer der größten Stars der 143 Jahre alten Metropolitan-Oper. Sie verlangt mindestens 360.000 Dollar (rund 327.000 Euro) für entgangene Gagen – ihr Honorar pro Auftritt lag zuletzt bei 17.000 Dollar (rund 15.500 Euro).


    Erniedrigung, Beschämung, Stress

    Ein arbeitsrechtliches Schiedsgericht hatte der Sängerin zum Teil recht gegeben: Die Oper habe Tarifvereinbarungen verletzt und schulde Netrebko rund 209.000 Dollar (etwa 190.000 Euro). Mit den Vorwürfen der Diskriminierung und Verleumdung musste sie sich jetzt an die Richterinnen und Richter wenden, die im Distrikt Süd-New York Bundesrecht sprechen. Es gehe um die Benachteiligung am Arbeitsplatz mit negativen psychischen und materiellen Folgen, sagte Netrebkos Anwältin Julie Ulmet. Der Rausschmiss habe ihrer Mandantin „ernste emotionale Probleme“ bereitet, diese habe unter „Depression, Erniedrigung, Beschämung, Stress und Ängsten“ zu leiden gehabt, so die Klageschrift.“

  • Das wird aber nicht reichen, sonst könnte ja jeder Strafgefangene auf "Schadensersatz" klagen. Die Frage ist, ob sie sich etwas zuschulden kommen hat lassen, nach amerikanischem Recht. Nach deutschem Recht wäre der Rausschmiss wahrscheinlich gerechtfertigt. Wenn du dich hier als Hitler-Fan outest, fliegst du raus. In den USA fällt das aber unter "freie Meinungsäußerung". Andererseits wurden meines Wissens in den USA durchaus schon Verträge gekündigt (also gebrochen), weil der Angestellte des Kindesmissbrauchs bezichtigt wurde. Und zwar vor dem Urteilsspruch. Die Frage ist, ob man der Netrebko Förderung von Krieg und Massenmord vorwerfen kann. Falls ja, muss sie "Erniedrigung, Beschämung und Stress" hinnehmen. Ihr potenzieller Freund lässt jeden Tag Zig Menschen ermorden, größtenteils Zivilisten. Ein Ende ist nicht absehbar.

  • In der F.A.Z. vom 07. August findet sich ein Interview mit Frau Edda Moser unter dem Titel: "Wir geben die Heimat in unserer Sprache auf".


    Es geht um Nachwuchsförderung im Gesang, Pflege der Tradition in Lied, Oper und Sprache und auch kurz um Regietheater.


    Schöne Zitate:


    "Die sträfliche Vernachlässigung des deutschen Liedes zum Beispiel, überhaupt die Verkümmerung dieser wunderbaren, intimen Kommunikationsform „Liederabend“ – da drohen Traditionen abzureißen, deren Verlust wir erst spüren werden, wenn sie nicht mehr da sind. Es ist, deutlich gesagt, einfach eine Schande. Im Umkreis meiner Engagements in den USA bin ich oft älteren Damen und Herren begegnet, die ihrer jüdischen Herkunft wegen nach 1933 ins Exil gehen mussten – und mein Gott, was sprachen die, fünfzig Jahre später, für ein differenziertes, gepflegtes Deutsch! Für sie war diese Sprache wirklich, wie das Heinrich Heine einmal in Bezug auf die hebräische Bibel gesagt hat, ein „portatives Vaterland“. Dieses Bewusstsein geht, glaube ich, gerade verloren."


    "Natürlich erlaubt unsre Zeit Sichtweisen, von denen die Komponisten noch nichts ahnen konnten, und ich kann da bis zum Heulen angerührt und mitgerissen sein wie bei Pountneys Leipziger „Meistersingern“ in diesem Puppenstuben-Nürnberg, das den Sängern gerade mal bis zum Knie geht. Andererseits gab es in Dresden einen „Fliegenden Holländer“, der einfach eine Fälschung, nämlich eine Ver-Fälschung ist – und leider hat der von mir verehrte Christian Thielemann sich gegen dieses Spektakel nicht gewehrt. Ich würde mich mit ihm gern mal darüber unterhalten, aber wir sind noch nicht dazu gekommen. Riccardo Muti jedenfalls, auch ein Maestro, den ich sehr schätze, hat sich solchen Anmaßungen verweigert und das in einem Satz zusammengefasst: „Ich bin gegen einen Regieansatz, dem egal ist, was die Musik sagt.“ Mehr Worte braucht’s dafür auch gar nicht."


    Hier der Link zu Artikel: "Wir geben die Heimat in unserer Sprache auf"


    Gutes Hören

    Christian Hasiewicz

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



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  • Lieber Christian,


    herzlichen Dank für Link und Text, die mir in jeder Hinsicht aus dem Herzen sprechen.


    Ein Schwenk zu den Salzburger Festspielen: Jordi Saval war dort zu Gast. Der Bayrische Rundfunk rühmt seinen Beethoven:


    https://www.br-klassik.de/aktu…urger-festspiele-100.html


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • [Zitat Edda Moser] Andererseits gab es in Dresden einen „Fliegenden Holländer“, der einfach eine Fälschung, nämlich eine Ver-Fälschung ist


    Frau Moser (die ganz gewiss eine sehr verdienstvolle Sängerin ist) übersieht hierbei leider, dass dies logisch keinen Sinn ergibt (das ist m. E. hier im Forum auch bereits diskutiert worden). Die Fälschung einer Sache kann nicht die Kategorie der Sache wechseln, soll heißen: ein gefälschtes Bild bleibt ein Bild, eine gefälschte Komposition bleibt eine Komposition, und ein gefälschtes Tagebuch bleibt ein Tagebuch (zu letzterem gab es ja vor ca. 40 Jahren eine einschlägige Geschichte...).


    Eine Operninszenierung kann aber keine Verfälschung einer Opernkomposition sein, weil dies zwei verschiedene Kategorien sind. Ein Beispiel für eine verfälschte Operninszenierung wäre, wenn man behaupten würde, dass die Inszenierung vom Regisseur X gemacht worden ist, obwohl dies nicht stimmt und es in Wirklichkeit der Regisseur Y gewesen ist. Eine Inszenierung kann miserabel sein, sie kann mit dem Text der Opernkomposition sinnlos verfahren etc., aber eines kann sie nicht sein: eine Verfälschung der Opernkomposition, denn das müsste eine andere Opernkomposition sein, die man dann wiederum inszenieren könnte.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Was das deutsche Liedgut angeht, da hab ich mich gestern mit einem Bekannten, der eine eigene Musikschule hat und selbst unterrichtet, darüber unterhalten. Seiner Meinung nach soll ein Lieder Abend von Sängern gesungen werden, die verstehen was sie singen. Und der deutsche Nachwuchs will zu schnell an die Spitze und ist beim Lernen auch sehr unkonzentriert, im Gegensatz zu asiatischen oder russischen Sängern.

  • Ah, die Moderation hat durchgefegt und aufgewischt. Besser ist es.


    Gutes Hören

    Christian Hasiewicz

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Gerade im Kölner Stadtanzünder gefunden:


    https://www.ksta.de/kultur-med…iskriminierung-ein-630892


    Der WDR wiederholt aus Anlass des 75. Geburtstags von Otto Waalkes die alten Oto-Shows und versieht die mit Warnhinweisen: "Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden"


    Wie tief kann man noch sinken?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Wie tief kann man noch sinken?

    Für uns sieht das so aus. Wenn ich aber nun in der nichts und niemanden mehr diskrimierenden (?) :/ Atmosphäre der Jahre > 2000 großgeworden bin, ist das vielleicht nötig. ;)


    Sieh mal das Positive: man hat die Beiträge nicht manipuliert und mutet dem heutigen Zuschauer so etwas zu! Die Alternative, solche Texte stillschweigend zu manipulieren, finde ich eigentlich schlimm. Da findet man irgendwann seine Geschichte nicht mehr wieder!

  • Lieber Thomas,

    ich verstehe dein Problem nicht? Der Sender hat doch völlig Recht damit, dass manche der Passagen heute anders bewertet werden als damals. Der Umgang des Senders damit ist doch komplett in Ordnung so? Die damaligen Otto-Shows werden (so lese ich es aus dem Text heraus) an sich nicht verändert, sondern als historisches Dokument betrachtet und für die Zuschauerinnen und Zuschauer wird ein Hinweis auf die Rezeptionsdiskrepanzen damals - heute gegeben. Hätte man nichts unternommen, hätte es (zu Recht) Beschwerden gegeben, hätte man die betroffenen Stellen herausgeschnitten oder abgeändert, hätten wahrscheinlich Otto und gewisse politische Kreise gemeckert. Zeiten ändern sich nun einmal und das ist doch wohl wirklich ein moderater Umgang mit der Thematik.


    Liebe Grüße

    Amdir

  • Die damaligen Otto-Shows werden (so lese ich es aus dem Text heraus) an sich nicht verändert, sondern als historisches Dokument betrachtet und für die Zuschauerinnen und Zuschauer wird ein Hinweis auf die Rezeptionsdiskrepanzen damals - heute gegeben.

    Die Frage ist, ob die Zuschauer tatsächlich zu blöd sind, um ohne einen solchen Hinweis selbst denken zu können.

  • Lieber Thomas,

    ich verstehe dein Problem nicht? Der Sender hat doch völlig Recht damit, dass manche der Passagen heute anders bewertet werden als damals. Der Umgang des Senders damit ist doch komplett in Ordnung so? Die damaligen Otto-Shows werden (so lese ich es aus dem Text heraus) an sich nicht verändert, sondern als historisches Dokument betrachtet und für die Zuschauerinnen und Zuschauer wird ein Hinweis auf die Rezeptionsdiskrepanzen damals - heute gegeben.

    Genauso sehe ich das auch. Es wird ja mit gutem Grund auch bei der Wiederholung anderer älterer Fernseh-Sendungen so gemacht, z.B. bei den Schimanski-Tatorten.


    Die Frage ist, ob die Zuschauer tatsächlich zu blöd sind, um ohne einen solchen Hinweis selbst denken zu können.

    Da mache ich mir keine Illusionen. Es gilt immer noch das Einstein-Zitat:


    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • in der niemanden mehr diskrimierenden (?) :/ Atmosphäre der Jahre > 2000 großgeworden bin,

    :hahahaha::hahahaha:, der war gut. Aber, Hand aufs Herz, politisch korrekt war das schon damals nicht. Meine erzkatholische Mutter bekam einen Anfall, als ich mit der ausgeliehenen ersten Otto-Platte nach Hause kam (ich habe mich aber geweigert, das Abhören und Wiedererzählen beichten zu gehen).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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