Sinn oder Unsinn - Regietheater

  • n Bayreuth würde ich den Anteil fachkundiger auf maximal 30 % schätzen und von denen beschwert sich ein wesentlicher Teil (wesentlich im betriebswirtschaftlichen Sinne).

    Beim doch sehr interessierten Verfolgen dieses Threads, gewann ich keineswegs den Eindruck, dass die Fachkundigen sich auf der Seite der Verfechter der sog. "werkstreuen" Inszenierungen befanden.


    Ich hatte eher den Eindruck, dass da sehr viel Geschmacksurteile zu lesen waren, wo aber, bis auf wenige Ausnahmen, keine Begründungsversuche kamen. Es war so, dass enttäuschte Opernbesucher sich einen Kreis Gleichgesinnter zusammenreden wollten und mit verschwörungstheoretischem Blick auf die Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre schauten ...


    Übrigens, in dieser Form nur durch das Medium Internet denkbar!


    Bei solchen sozialen Phänomenen werde ich innerlich etwas unruhig. Für mich ist tatsächlich eine sehr unangenehme Entwicklung im Internet die Schaffung von immer mehr "hirnfreien" Zonen. "Vollhonks" machen Meinung. Man schaue sich die Beiträge zur "Scheibentheorie" der Erde an .... Das erinnert an die Demo-Dame, die während eines Protests gegen die "Freiheits"-Beschränkungen während der Corona-Krise in die Kamera blökte, ob denn jemand schon mal einen Virus gesehen habe ...


    Auch wenn es formal so aussieht, sind das alles keine Äußerungen kritischen Denkens. ;)

  • Das sag ich nicht aber diejenigen, die sich beschweren sind mutmaßlich fachkundig, woher wüssten sie sonst worüber sie sich beschweren?

    Na ja, bloß weil jemand weiß, dass die Handlung der Meistersinger lt. Libretto im mittelalterlichen Nürnberg verortet ist (wobei die Musik ja nun nicht wirklich mittelalterlich ist, worüber sich noch nie jemand beschwert hat; das Wagner natürlich auch auf Musik des Mittelalters referenziert, werden die wenigsten "fachkundigen" Besucher heraushören/verstehen/erklären können), würde ich ihn noch als als fachkundig bezeichnen. Sogar jemanden, der den kompletten Schiller und Goethe gelesen, aber eben auch nur das, würde ich bzgl. dem Thema Literatur nicht als fachkundig bezeichnen. - Beschwert wird sich m.E. einfach nur darüber, dass man aus der eigenen Komfortzone herausgeholt wird; wohl der Grund für ca. 99% aller Beschwerden in allen Bereichen - es geht in der Hauptsache um persönliche Befindlichkeiten und den verzweifelten Versuch, diese zu verteidigen.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Na ja, bloß weil jemand weiß, dass die Handlung der Meistersinger lt. Libretto im mittelalterlichen Nürnberg verortet ist

    Wo im Libretto steht das?

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Na ja, bloß weil jemand weiß, dass die Handlung der Meistersinger lt. Libretto im mittelalterlichen Nürnberg verortet ist

    Wo im Libretto steht das?

    Keine Ahnung! - Zumindest im Verzeichnis der Personen wird angegeben, dass der Ort der Handlung Nürnberg um die Mitte des 16 Jahrhunderts sei. Und auch ohne das würde der Text dies wohl ziemlich Nahe legen. - Auf der Basis, dass Sachs nirgendwo singt "Ach wie schön ist doch dies mittelalterliche Nürnberg!" eine Diskussion zu entfachen, finde ich dann doch lächerlich. Und wohlgemerkt: Auch, wenn das Libretto - ich sage es gerne nochmal - die Handlung im mittelalterlichenh Nürnberg verortet, sage ich damit ja nicht gleichzeitig, dass es in der jeweiligen Inszenierung genau so gemacht werden muss oder das keine Deutung bzw. Interpretation möglich wäre.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Wo im Libretto steht das?

    Auf der 2. Seite im Verzeichnis unterhalb der handelnden Personen steht “Nürnberg um die Mitte des 16. Jahrhunderts”.

    „Puccini ist der Verdi des kleinen Mannes, und Lehár ist dem kleinen Mann sein Puccini.“

  • Schon aus den Lebensdaten des Hans Sachs ergibt sich die Handlungszeit. Frühneuzeitlich würde ich es allerdings nennen. Mittelalterlich trifft hier kaum mehr zu. Nürnberg bekannte sich bereits 1524 als erste deutsche Großstadt zum Protestantismus lutherischer Prägung. Darauf verweist Wagner ja auch am Anfang in der Katharinenkirche mit dem deutschsprachigen Choral.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Zumindest im Verzeichnis der Personen wird angegeben, dass der Ort der Handlung Nürnberg um die Mitte des 16 Jahrhunderts sei.

    Eben, deswegen bin ich ja über die Aussage "Mittelalter" gestolpert. Natürlich kann man dessen Ende nicht mit einer bestimmten Jahreszahl festlegen, aber gemeinhin werden dafür doch Dinge wie die Erfindung des Buchdrucks, die "Entdeckung" Amerikas oder der Beginn der Refomation angesehen, und die waren alle ab der Mitte des 15. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Im Stück wird ja auch Albrecht Dürer erwähnt, der gemeinhin nicht als Vertreter der Gotik sondern der Renaissance gilt. Dürer starb 1528, Hans Sachs 1576. "Mitte des 16. Jahrhunderts" ist in den Meistersingern also doch ziemlich eindeutig nicht Mittelalter sondern Renaissance, sogar ziemlich spät, denn gut 20 Jahre nach Sachs' Tod entstand in Florenz bereits die erste Oper, die das zentrale musikalische Genre des Barock-Zeitalters ist. Wenn man also Hans Sachs noch zum Mittelalter rechnet, würde die Renaissance auf einen Zeitraum von gerade einmal 20 Jahren schrumpfen ;).

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Ales gut! - Man verzeihe mir das schnell formulierte, offensichtlich falsche Beispiel. Ich lasse mich da gerne korrigieren, bleibe aber natürlich bei meiner Feststellung, dass es mit der Fachkundigkeit so eine Sache ist ... wie hier in Bezug auf meine unzureichenden Geschichtskenntnisse unmittelbar einzusehen ist :wacko:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Das sag ich nicht aber diejenigen, die sich beschweren sind mutmaßlich fachkundig, woher wüssten sie sonst worüber sie sich beschweren?


    Ab welchem Punkt ist man denn in Sachen Wagner "fachkundig" (und wer stuft das auf welcher Basis ein)? Wenn man die Literatur zur musiktheoretischen Deutung des "Tristan"-Akkords vollständig kennt?


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

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  • Meine Bayreuth-Erfahrungen reichen nicht Jahrzehnte zurück. Aber einen derart enthusiastischen Jubel wie nach dem gestrigen "Tannhäuser" habe ich dort noch nicht erlebt. Den infernalischen Temperaturen zum Trotz stand am Ende der komplette Saal, es erschall "Bravo" über "Bravo", es gab Getrampel, später rhythmisches Klatschen - ein großer Erfolg.

    Und der überrascht mich wenig. Denn selten habe ich die Geschichte Tannhäusers - eher Elisabeths - so intensiv erlebt, wie in der Kratzer-Aufführung. Diese kannte ich bereits, aber diesmal hat sie mich noch mehr "erwischt". Vielleicht lag das auch am Wechsel der "Elisabeths" - nicht mehr Lise Davidsen, sondern Elisabeth Teige sang die Partie. Nun hat die Davidsen eine großartige Stimme, mit der sie auch mühelos alles niedersingen kann, was ihr auf der Bühne begegnet (zuletzt im "Tannhäuser" in der Linden-Staatsoper erlebt), aber sie war mir im nachhinein vielleicht auch "too much". Elisabeth Teige jedenfalls gelang ein bewegendes Porträt, mit kleinerer, aber in meinen Ohren sehr passender Stimme.

    Und auch wenn die Hitze im Festspielhaus nur schwer erträglich war, so bleibt doch die besondere Akustik. Die Sänger so verständlich wie selten, da sie nicht permanent gegen das Orchester (exzellentes Dirigat von Natalie Stutzmann übrigens) anbrüllen müssen. Der viel gescholtene Klaus Florian Vogt auch in dieser Hinsicht herausragend. Zuletzt schien mir seine Stimme enger zu werden, doch davon war gestern Abend nichts zu spüren. Und der Chor!

    Die Inszenierung gefiel mir schon immer. Sie ist unterhaltsam, häufig rasant, manchmal turbulent, am Ende sehr bewegend. Wenn das Regie-Theater sein sollte, dann mehr davon! Andererseits: Wenn ich mal Wikipedia zum Stichwort Regietheater heranziehe, dann sehe ich hier weder die Intention Wagners verletzt, noch wird vom eigentlichen Gehalt abgelenkt, noch werden entbehrliche Charakteristika (Nacktheit zB) herausgestellt. Insofern ist Kratzers Inszenierung kein Regietheater. So sagte es übrigens auch Sven Friedrich (Leiter des Richard-Wagner-Museums Bayreuth) in seinem informativen Einführungsvortrag.

    Der "Tannhäuser" ist auf jeden Fall ein guter Grund, nach Bayreuth zu pilgern (um im Bild/der Oper zu bleiben).

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Danke für den Bericht vom Hügel !


    Mir hat dieser Tannhauser vor einigen Jahren nicht so gefallen, ich fand ihn überladen mit Figuren die da nichts zu suchen haben, aber : jeder Jeck ist anders ! und Gould hat gesungen, was schon reicht hinzugehen.

    Die Reaktion des Publikums ist nicht immer ein Zeichen für Qualität. Ich erinnere mich daran wie der Schlingensief -Parsifal gegen Ende seiner Laufzeit bejubelt wurde, bei der Premiere ist er noch durchgefallen. Füßestampfen gehört inzwischen zum normalen Verhalten des Publikums, man feiert sich eben selbst. Da zeigt die Nordkurve auf Schalke meistens deutlich mehr Fachkompetenz !

  • bei der Premiere ist er noch durchgefallen

    s. auch "Jahrhundertring". Entsprechend kein Qualitätsmerkmal, oder?

    Da zeigt die Nordkurve auf Schalke meistens deutlich mehr Fachkompetenz !

    Die blauweißen Wagnerianer, wer kennt sie nicht.


    Im Ernst, ich war einen Tag zuvor im "Parsifal", einer doch recht gut "weggekommenen" Inszenierung. Auch dort gab es Bravos, auch dort wurde kräftig applaudiert und, ja, getrampelt wurde auch. Nur alles eben nicht in dem Maße, wie bei "Tannhäuser". Und - da ich ja nun mal dabei war - ich denke, dass es mit der Begeisterung des Publikums korrespondierte.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Danke für den Bericht vom Hügel !


    Ich erinnere mich daran wie der Schlingensief -Parsifal gegen Ende seiner Laufzeit bejubelt wurde, bei der Premiere ist er noch durchgefallen. Füßestampfen gehört inzwischen zum normalen Verhalten des Publikums, man feiert sich eben selbst.

    Alex Ross, der sehr gute Musikkritiker des New Yorker wurde einst gefragt, welche die schrecklichste Inszenierung einer Oper in seiner Erinnerung war. Es war Schlingensiefs Parsifal. Er kritisierte dort den optischen Overkill durch Videoeinblendungen. Das scheint sich jetzt durch die Brillen zu wiederholen.

    Das normale Verhalten des Publikums durch nicht aufhörendes Trampeln, Klatschen und Kreischen lässt sich jedesmal bei den Comedysendungen im Fernsehen beobachten; das aber schon, wenn der Moderator auftritt (Welke, Nuhr, Ehring). Ich drücke dann immer für 3 Minuten die Wohlfühltaste (mute).

    Was grenzt an grenzenlose Dummheit? Mexiko und Kanada (Urban Priol)

  • Die Reaktion des Publikums auf eine Theateraufführung betrifft meines Wissens nur diejenigen, die sich nach der Vorstellung auf der Bühne verbeugen. Eine musikalisch überdurchschnittliche Vorstellung wird immer den Applaus bekommen, der ihr gebührt, auch personalisiert. Dabei sind auch schon Sänger oder Dirigenten bestraft worden.


    Das Regieteam zeigt sich nur zur Premiere. Es nimmt die Reaktion des Publikums entgegen und zieht weiter. Egal, wie diese ausgefallen war, sein Geldbeutel ist schwerer geworden. Das wars.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Zitat : Die Reaktion des Publikums auf eine Theateraufführung betrifft meines Wissens nur diejenigen, die sich nach der Vorstellung auf der Bühne verbeugen. Eine musikalisch überdurchschnittliche Vorstellung wird immer den Applaus bekommen, der ihr gebührt, auch personalisiert. Dabei sind auch schon Sänger oder Dirigenten bestraft worden.


    Ja, in den meisten Fällen hast du recht. Aber manchmal gibt es schon Unmutsäußerungen kurz nach dem Fallen des Vorhangs , die mit dem Auftreten der Sänger verstummen, und dann schon der Regie zugeordnet werden können. Früher wurde auch schon mal ein Bühnenbild beklatscht, zB. in der alten La Boheme in Düsseldorf im Quartier Latin, das ist bei den i.d.R. jetzt überwiegend tristen Bühnenbildern eher selten.

  • Das normale Verhalten des Publikums durch nicht aufhörendes Trampeln, Klatschen und Kreischen

    Bei Fernsehsendungen ist es üblich, dass das Publikum "in Stimmung gebracht" wird. Da gibt es sogar eine Art Berufsbezeichnung: Warm-Upper. Was das mit der Reaktion des Opernpublikums, hier: in Bayreuth, zu tun hat, ist mir nicht ganz klar.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Die Reaktion des Publikums auf eine Theateraufführung betrifft meines Wissens nur diejenigen, die sich nach der Vorstellung auf der Bühne verbeugen.

    Ach wirklich? Ich hatte in Erinnerung, dass der Applaus üblicherweise unmittelbar an das Ende der Vorstellung anschließt. Da verbeugt sich aber noch keiner.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Das Regieteam zeigt sich nur zur Premiere.

    Im Gegensatz zu Dirigent:innen, Sänger:innen und Orchestermusiker:innen hat das Regieteam seine Arbeit mit der Premiere ja auch abgeschlossen. Welchen Sinn würde es machen, es zu jeder Aufführung noch einmal anreisen zu lassen, nur um sich dann für 5 Minuten vor dem Publikum zu verbeugen und Applaus oder Buh-Rufe entgegenzunehmen?

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Im Gegensatz zu Dirigent:innen, Sänger:innen und Orchestermusiker:innen hat das Regieteam seine Arbeit mit der Premiere ja auch abgeschlossen. Welchen Sinn würde es machen, es zu jeder Aufführung noch einmal anreisen zu lassen, nur um sich dann für 5 Minuten vor dem Publikum zu verbeugen und Applaus oder Buh-Rufe entgegenzunehmen?

    Stimmt. Wenn das Regieteam bei der Premiere gnadenlos ausgebuht wird, dann bin ich der Meinung, daß man das bei Repertoirevorstellung als nebensächlich betrachtet und die aktuelle Tagesleistung der Sänger/Dirigenten/Musiker beurteilt. Die Premierenbuhs betreffen auch Nachfolgevorstellungen, es ist aber keiner da, den man damit treffen würde. Also mache ich auch nicht BUUUUUUUUH, wenn keiner da ist, den ich damit treffen will. Also muß ich in Premieren gehen, was ich aber nicht mache, weil ich vorher nicht weiß, wofür ich mein Geld vergeude. Damit bin ich Deiner Meinung.

    Die Doppelpunkte in Deinem Beitrag sind grammatikalisch sehr umstritten: Zitat : "2021 empfiehlt der Rat für deutsche Rechtschreibung zwar nicht die Aufnahme des Gender-Doppelpunkts ins offizielle Regelwerk, beobachtet ihn und andere mehrgeschlechtliche Schreibweisen jedoch weiterhin. Die Gesellschaft für deutsche Sprache erkennt den Doppelpunkt, andere Genderzeichen oder Gender-Pausen nicht als geeignetes Mittel an, um diskriminierungsfreie Sprache umzusetzen."


    Ach wirklich? Ich hatte in Erinnerung, dass der Applaus üblicherweise unmittelbar an das Ende der Vorstellung anschließt. Da verbeugt sich aber noch keiner.

    Danke. Ich war auch schon im Theater. Wohl nicht so oft wie Du.

    Früher wurde auch schon mal ein Bühnenbild beklatscht, zB. in der alten La Boheme in Düsseldorf im Quartier Latin, das ist bei den i.d.R. jetzt überwiegend tristen Bühnenbildern eher selten.

    Das habe ich bei der Premiere der "schweigsamen Frau" vor 10 Jahren in Chemnitz zuletzt erlebt. Warum? Das siehst Du hier.:


    Die schweigsame Frau - Opernhaus Chemnitz - YouTube


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

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  • Aber die Doppelpunkte in Deinem Beitrag sind grammatikalisch falsch

    Stimmt. Wenn das Regieteam bei der Premiere gnadenlos ausgebuht wird, dann bin ich der Meinung, daß man das bei Repertoirevorstellung als nebensächlich betrachtet und die aktuelle Tagesleistung der Sänger/Dirigenten/Musiker beurteilt. Die Premierenbuhs betreffen auch Nachfolgevorstellungen, es ist aber keiner da, den man damit treffen würde. Also mache ich auch nicht BUUUUUUUUH, wenn keiner da ist, den ich damit treffen will. Also muß ich in Premieren gehen, was ich aber nicht mache, weil ich vorher nicht weiß, wofür ich mein Geld vergeude. Damit bin ich Deiner Meinung. Aber die Doppelpunkte in Deinem Beitrag sind grammatikalisch falsch

    Wasser - Wein


    Und bevor du wie schon einmal darauf hinweisen möchtest, dass es das ß in der deutschen Sprache gibt: Du hast Recht.

    Allerdings gilt seit 1996 (also seit lächerlichen 27 Jahren) die Rechtschreibereform, nach der die Worte "daß", "muß", eines deiner Lieblingsworte "mißfallen", etc. in dieser alten Schreibweise im Deutschen nicht mehr existieren. Das ß wird für den stimmlosen s-Laut nur nach lang gesprochenen Einzelvokalen (wie z.B. in "Spaß") oder lang gesprochenen Diphthongen (wie z.B. in "fleißig") verwendet (weitere Sonderregeln existieren ebenfalls, nachzulesen z.B. hier).


    Wer derart beharrlich offiziell falsches Deutsch verwendet und gleichzeitig andere Personen über korrektes Deutsch belehren will, sollte sich vielleicht zunächst seiner eigenen Doppelmoral bewusst werden.

  • offiziell falsches Deutsch

    .... ist noch immer richtiges Deutsch, allen bürokratischen Verordnungen und Vorschriften und Deinen Belehrungen über angeblich korrektes Deutsch zum Trotz. Nur kurz: Wörter mit 3 lll, sss oder ttt oder "platzieren" (wer platzt denn da?:D) sehen nicht nur lächerlich aus, sie sind es!


    Kein Geringerer als Rudolf Augstein hat die "neue deutsche Rechtschreibung" als "neue deutsche Schlechtschreibung" bezeichnet, und keineswegs rechtsverdächtige Schriftsteller wie z.B. Günter Grass haben darauf bestanden, daß ihre Bücher und Schriften bei Neuauflagen nicht verändert werden dürfen. Ob man sich daran hält oder nicht, ist eine andere Frage.


    Was die Doppelpunkte betrifft, so sollte man über Sinn oder Unsinn erst gar nicht nachdenken.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • .... ist noch immer richtiges Deutsch, a

    ...zu diesem interessanten Nebenthema nur soviel: Im Morgenmagazin des ZDF von heute hat ein Moderator doch tatsächlich in einem Interview seines Gastes von Mitgliederinnen und Mitgliedern gesprochen. Da wird die ganze Lächerlichkeit rings um das Gendern deutlich. Das Mitglied ist und bleibt sächlich, die Mitglieder sind also weiblich und/oder männlich. Die Befürworter der :, * und _ etc. würden wohl mit Sicherheit in einem Bewerbungsschreiben nicht "Sehr geehrte Herr:innen, sondern wie wir das immer getan haben und auch bei jeglicher Korrespondenz heute noch tun, sehr wohl schreiben: Sehr geehrte Damen und Herren! Oder nicht?

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • Zum richtig mitschreiben(!): Es ist vermutlich so, dass bei einigen "daß, muß, mißfallen" etc. darf obwohl in der deutschen Rechtschreibung (vermutlich gemäß dem Rat für deutsche Rechtschreibung) offiziell nicht mehr vorgesehen, während dieselben Einige so ihre Probleme mit dem schriftlichen Gendern haben, weil dies ja sowieso (bislang) in der deutschen Rechtschreibung nicht offiziell vorgesehen ist ... Ich mach' mir die Welt, Widdewidde wie sie mir gefällt ... :untertauch:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Dirigent:innen

    Besonders merkwürdig an dieser politisch korrekten Legasthenie ist doch auch, dass diejenigen, die sich zu keinem der beiden biologischen Geschlechter bekennen wollen, zufrieden damit scheinen, durch einen schnöden Doppelpunkt repräsentiert zu werden. Wer ist im konkreten Falle überhaupt gemeint? Wo ist ist das (?) "Dirgent:in", das weder das eine noch das andere ist?


    Die mehrheitliche Ablehnung bereits der Rechtschreibreform von 1996 auch viele Jahre danach sowohl in Deutschland als auch Österreich ist durch Zahlen belegt. Gegen den sprachlichen Verfall der letzten Jahre, der mittlerweile sogar schon die Öffentlich-Rechtlichen, also die von der Allgemeinheit finanzierten Leitmedien, erreicht hat, war sie indes noch ziemlich harmlos. Da braucht man sich dann auch nicht zu wundern, dass ein erheblicher Teil des Wahlvolks mittlerweile rot sieht.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Allerdings nicht weniger berechenbar sind die zugrunde liegenden Aktionen.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Allerdings nicht weniger berechenbar sind die zugrunde liegenden Aktionen.

    Aktionen? - Es hat sich doch nicht etwa jemand an der Deutschen Rechtschreibung festgeklebt?

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

  • Da ist er, der mir von Nemorino empfohlene Klemperer-Kenner und -Liebhaber Joseph II. Ich grüße Dich herzlich. Hatte gerade in dem anderen, älteren Thread über Klemperer etwas von Dir gelesen. Aktuell hier, wenn auch zum Thema Gendern, sehe ich Dich zum ersten Male. Auf gute Zeiten! LG Bernd

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

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