Sinn oder Unsinn - Regietheater

  • Der Papst hatte den gesunden Menschenverstand (ital: "quel buon senso") in Anführungszeichen gesetzt ("tra virgolette"), was bedeutet, dass er den angeblich gesunden Menschenverstand meinte.

    ... es ist hier nicht der Platz, darüber zu streiten, aber ich empfehle Dir mal diese Lektüre:

    Der Diktatorpapst: Aus dem Innersten seines Pontifikats : Colonna,  Marcantonio, Janszen, Benjamin, Liehs, Philipp: Amazon.de: Bücher

    Du hast Recht, damit sollte das Thema durch sein. Deiner Lektüre Empfehlung werde ich sicher nicht nachkommen, der Autor Henry Sire (Marcantonio Colonna ist nur ein Pseudonym) scheint mir wenig seriös zu sein und er ist deshalb auch als Mitglied des Souveränen Malteserordens vorläufig suspendiert worden

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Henry_Sire

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Für diejenigen, die nicht in den Klemperer-Thread hineingeschaut haben, möchte ich diesen meinen Beitrag zum Thema auch hier einstellen:


    • BR-Klassik zum 50. Todestag Otto Klemperer am 6.Juli 2023 - lohnt sich zu lesen, sowohl für die Klemperer-Gemeinde als auch zum Thema "Regietheater":


      Mit dem Schlachtruf "Werktreue!" gehen konservative Opernfans gern auf die Barrikaden gegen das sogenannte "Regietheater". Einer, der zwar die Partituren absolut textgetreu ausdeutete, gleichzeitig aber mit liebgewonnenen, oft nur schludrigen Aufführungs-Konventionen brach, war der deutsche Dirigent Otto Klemperer. "Klemperer galt als Exponent eines Interpretationskonzepts, das gegen die romantische Espressivo-Tradition eine Werkdarstellung setzte, die als klar, sachlich, streng und zugleich leidenschaftlich beschrieben werden kann", so Andreas Eichhorn im "Handbuch Dirigenten". Und weiter: "Die vermeintliche Sprödigkeit seiner Wagner-Aufführungen fiel dem Publikum negativ auf, Klemperers Kölner Kapellmeister Paul Dessau hingegen lobte die Kühle und das 'Antikulinarische' an dessen Stil." Der Philosoph Ernst Bloch, der mit Klemperer in freundschaftlichem Austausch stand, hat in einer Rezension über Klemperers "Fidelio" die Janusköpfigkeit von dessen Musizierstil pointiert auf den Punkt gebracht: "Nirgends brennen wir genauer."


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      BR-KLASSIK

      https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/dirigent-otto-klemperer..

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • Hallo Bernd,


    dazu habe ich bereits gestern im "Klemperer-Thread" meine Meinung gesagt. Was Klemperer vorschwebte, war nicht das "Regietheater", wie es die heutigen Regisseure verstehen, sondern eine Versachlichung des Bühnenbildes und der Kostüme. Eine Verfremdung der Aufführung, wo Bühnenbild, Kleidung und Gebaren der Ausführenden mit dem Werk selber nicht oder kaum in Verbindung gebracht werden können, hat dem großen Dirigenten ferngelegen. Oder ist irgendwo eine Äußerung Klemperers überliefert, die in diese Richtung deutet? Mir ist keine bekannt.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • damit sollte das Thema durch sein.

    Einverstanden, doch eine kurze Klarstellung sei noch gestattet: Natürlich ist mir der wahre Autor des Buches bekannt. Mir ist aber auch bekannt, warum er ein Pseudonym verwendet hat. Die Reaktion von Franziskus nach Offenlegung des Verfassernamens hat es gezeigt. Sein Markenzeichen: Gnadenlos zuschlagen, wenn sich einer in den Weg stellt. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn sein Vorgänger so gehandelt hätte.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Was Klemperer vorschwebte, war nicht das "Regietheater", wie es die heutigen Regisseure verstehen, sondern eine Versachlichung des Bühnenbildes und der Kostüme. Einer Verfremdung der Aufführung, wo Bühnenbild, Kleidung und Gebaren der Ausführenden mit dem Werk selber nicht oder kaum in Verbindung gebracht werden können, hat dem großen Dirigenten ferngelegen. Oder ist irgendwo eine Äußerung Klemperers überliefert, die in diese Richtung deutet? Mir ist keine bekannt.

    Nein, und damit Hallo nemorino, natürlich gibt es eine solche Äußerung von Klemperer nicht. Die bewusst von mir in diesem THREAD eingestellte BR-Klassik-Geschichte ist dennoch interessant für die Diskussion, finde zumindest ich. Das andere Video (last concert) im Klemperer-Thread kanntest Du ja sicher schon. Da sind soviel interessante Sachen drin...


    LG Bernd

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • Was Klemperer vorschwebte, war nicht das "Regietheater", wie es die heutigen Regisseure verstehen, sondern eine Versachlichung des Bühnenbildes und der Kostüme. Einer Verfremdung der Aufführung, wo Bühnenbild, Kleidung und Gebaren der Ausführenden mit dem Werk selber nicht oder kaum in Verbindung gebracht werden können, hat dem großen Dirigenten ferngelegen.

    otto-klemperer-dirigent-der-republik-1885-1933.jpg?dataSource=1


    So ist es, lieber nemorino. Näher und vertiefter lässt sich das nachlesen in dem Buch von Peter Heyworth Otto Klemperer - Dirigent der Republik 1885-1933, das mir in der Siedler-Ausgabe vorliegt. Die Literatur über die Kroll-Oper in Berlin ist nach einer Beobachtung leider sehr übersichtlich. In besagtem Buch findet sich eine umfangreiche zusammenhängende Schilderung ihrer aufregenden Geschichte. Das Haus wurde von 1927 bis 1933 von Klemperer geleitet und geprägt.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Näher und vertiefter lässt sich das nachlesen in dem Buch von Peter Heyworth Otto Klemperer - Dirigent der Republik 1885-1933

    Ein in der Tat sehr lesenswertes Buch, lieber Rheingold. Gruß Bernd

    "Von Herzen - Möge es wieder zu Herzen gehen"

    (Ludwig van Beethoven über den Beginn des "Kyrie" seiner "Missa Solemnis")

  • Lieber lohengrins, ich hab mir meine Karte für den Tannhäuser gesichert und freu mich schon auf die Aufführung in Bayreuth. Außerdem werde ich mir noch den Parsifal und den Tristan ansehen.

  • Ich war in diesem Jahr zum zweiten Mal in dem Tannhäuser. Und auch wenn ich als Norddeutscher mit dem Gebrauch von Adjektiven sparsam umgehe: Das war überwältigend. Insofern kann ich deine Vorfreude sehr gut verstehen.

    Wir pausieren im kommenden Jahr und sind dann 2025 wieder dabei.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Der Untergang des Abendlands nimmt Formen an: Die einzigen Aufführungen, für die es bei den Bayreuther Festspielen 2024 Stand jetzt keine Karten mehr gibt, sind die vom "Tannhäuser" in der Regie von Tobias Kratzer.

    Ich kenne die Inszenierung "nur" aus der Übertragung: Toll! - Und das Abendland - und nicht nur das - geht leider oder glücklicherweise aus ganz anderen Gründen unter :untertauch:

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.