Franz Schubert: Klaviersonate Nr. 4 D 537 - Schuberts erste vollständige Klaviersonate


  • Die Klaviersonate Nr 4 D 537 ist die erste von drei Klaviersonaten die Schubert im Jahre 1817 schrieb. Er hat sie selbst als "Erste Sonate" bezeichnet - und es ist die erste, welche als "vollwertige" Sonate gesehen wird. Ich find,e, daß insbesondere der erste Satz sehr "schubertisch" klingt - oder was man immer darunter verstehen mag. Ich habe dies Sonate nun dreimal gehört. Zuerst mit Kempff, dessen Interpretation sehr ausgewogen, aber insgesamt einen Touch neutral ist. Er vermeidet allzu starke Kontrastem was insbesondere dann auffällt wenn man anschliessend eine Aufnahme mit Paul Badura Skoda hört, den man gelegentlich auch mit "klassischer Ausgewogenheit" in Verbindung bringt, was sich indes bei diversen Aufnahmen Lügen straft. Als Dritte im Bunde meiner Hörsitzungen war Ingrid Habler mit dabei. Auch sie spielt - wieder entgegen ihrem Ruf ,- nicht verzärtelt, sondern tendenziell energisch.

    Schubert scheint die Sonate gemocht zu haben, denn er verwendete Themen aus dem 2. Satz später im Finalsatz von D 959 erneut.

    Ausser Kempff sind die hier erwähnten Aufnahmen bereits gestrichen


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Alfred_Schmidt

    Hat den Titel des Themas von „Franz Schubert: Klaviersonate Nr. 4 D 537 - Schubertert erste vollständige Klaviersonate“ zu „Franz Schubert: Klaviersonate Nr. 4 D 537 - Schuberts erste vollständige Klaviersonate“ geändert.
  • Die Klaviersonate Nr 4 D 537 ist die erste von drei Klaviersonaten die Schubert im Jahre 1817 schrieb. Er hat sie selbst als "Erste Sonate" bezeichnet - und es ist die erste, welche als "vollwertige" Sonate gesehen wird. Ich find,e, daß insbesondere der erste Satz sehr "schubertisch" klingt - oder was man immer darunter verstehen mag.

    Lieber Alfred,


    die Sonate D 537 hat man glaube ich als Schubert-Liebhaber kaum "auf dem Schirm". Man kennt die großen Sonaten, die mittleren, die späten. Die früheste Schubert-Sonate, die ich z.B. als solche wahrgenommen habe, war D 664 - als Aufgabe im Klavierunterricht. Die Interpreten wiederum, die auch immer mal wieder eine Schubert-Sonate spielen neben Beethoven, Chopin, Schumann und Brahms, lassen sie meist links liegen - nur wenn sie das Projekt einer Gesamtaufnahme aller Schubert-Sonaten angehen, ist sie dann der Vollständigkeit halber mit dabei. ^^ D 537 ist einer der Fälle, wo ein großer Pianist bewirkt hat, dass ein wenig beachtetes Werk plötzlich Aufmerksamkeit bekommt. Von Michelangeli hatte man noch nie gehört, dass er sich mit Schubert überhaupt beschäftigt. Und dann nimmt er - der sich auch im Aufnahmestudio so rar machte - ausgerechnet diese völlig unbekannte und eigentlich weniger attraktive Sonate auf - zusammen mit den Brahms-Balladen:



    Das Faszinierende ist, dass man durch Michelangeli hören kann, dass Schubert hier doch noch nicht ganz "erwachsen" ist. Zwar sind das schon originär Schubertsche Klänge, das höre ich auch so, doch was die Sonatenkonzeption angeht steckt Schubert hier immer noch in den Schuhen seines großen Vorbildes, Übervater Beethoven. Die Unfertigkeit, Widersprüchlichkeit, auch gewisse Unbeholfenheit bei Schubert bügelt Michelangeli eben nicht glatt, sondern macht sie geradezu dramatisch hörbar - abgesehen von der unglaublichen musikalischen und pianistischen Qualität. Das ist letztlich lehrreicher, als die Versuche bei den meisten anderen Schubert-Spezialisten, die alle Schubert-Sonaten in einem unterschiedslos einheitlichen Schubert-Stil vortragen, als ob von Anfang an klar wäre, dass Schubert nicht Beethoven ist. Nein, es ist eben nicht so klar, zeigt Michelangeli! Der Selbstfindungsprozess bei Schubert findet einen vorläufigen Abschluss erst in D 664. Da haben wir dann den Schubert als Anti-Beethoven, wie ihn Wilhelm Kempff beschreibt. Das Hauptthema ist schon ein fließendes Liedthema, und das Seitenthema ist dann noch fließender: Schuberts Musik als fließender Fluss von Anfang bis Ende. Hier in D 537 gibt es noch sehr viel Schroffheiten und Kontrastextreme, wie man sie von Beethoven her kennt. :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger,


    es gibt voin ABM doch noch eine Live-Aufnahme der Sonate, oder? Mit seinen DG-Aufnahmen tue ich mich ja immer ein bisschen schwer und finde sie teilweise "überproduziert" - das soll jetzt aber keine Einladung zu einer Diskussion sein, die wir schon zu oft hatten -, aber was ist denn mit seine Live-Aufnahme? Kennst Du sie? Ich muss abends mal nachsehen, ob ich die habe.


    Viele Grüße

    Christian

  • es gibt voin ABM doch noch eine Live-Aufnahme der Sonate, oder? Mit seinen DG-Aufnahmen tue ich mich ja immer ein bisschen schwer und finde sie teilweise "überproduziert" - das soll jetzt aber keine Einladung zu einer Diskussion sein, die wir schon zu oft hatten -, aber was ist denn mit seine Live-Aufnahme? Kennst Du sie? Ich muss abends mal nachsehen, ob ich die habe.

    Lieber Christian,


    ja, einmal einen Konzertmitschnitt aus Südfrankreich, wo er sogar einen Bechstein-Flügel spielt! Die Aufnahmetechnik ist aber so grauenvoll schlecht, dass man es kaum glaubt. Da waren Amateure am Werk. Sehr schade! ;( Und dann natürlich die Filmaufnahme aus Lugano aus der Zeit der Studioaufnahme. Die gibt es auf DVD und auf CD. Zur DGG-Aufnahme sagt Cord Garden, sein Produzent, dass sie die meiste Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Flügel verbracht haben. Die Aufnahmen waren sehr schnell im Kasten.


    Schöne Grüße

    Holger

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  • Die Sonate Nr 4 D537 ist in diesen drei Gesamtaufnahmen Boxen enthalten und derzeit noch erhältlich

    Wobei anzumerken ist, daß Schuchter und Brendel in den hier gezeigten Ausgaben noch aus der Analogära (allerdings in einwandfreier Tonqualität) stammen - und daß Die Brendel-Box lediglich eine Auswahl darstellt und KEINE Gesamtaufnahme ist.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Die Sonate D 537 hat man glaube ich als Schubert-Liebhaber kaum "auf dem Schirm"

    Das glaube ich eigentlich nicht. sie hat ein sehr markantes Thema im ersten Satz - und wenngleich ich sie bislang als "D 537" oder "Klaviersonate Nr 4" nicht zugeordnet habe, so habe ich das Motiv immer wieder gehört, wiedererkannt und eindeutig Schubert zugeordnet.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Ich halte D 537 für eine ässerst klangschöne Sonate, vor allem der erste Satz ist IMO ein Ohrwurm. Zahlreiche berühmte Pianisten haben sie gespielt und aufgenommen, auch wenn - aus mir unerklärlichen Gründen - kaum welch in diesen Thread gefunden haben. Ich setze den Thread mit meiner Neuerwerbung fort, wo sich die a-moll Sonate drauf befindet. Es spielt Can Cakmur, der bislang einzige - ausser Elisabeth Leonskaja - noch lebende Pianist in diesem Thread.

    Ich sehe ihn in würdiger Nachfolge von Alfred Brendel und Paul Badura-Skoda.

    Aber es fehlen auch einige vergangene Schubert-Spezialisten. Ich werde diesen Thread im Auge behalten und peu a peu ergänzen, so sich niemand anderer findet. D 537 in der gezeigten Aufnahme habe ich heute bereits 2 mal gehört. Um die Balance zwischen gestern und heute zu wahren werde ich nun Wilhelm Kempffs Aufnahme in den Player legen - und natürlich abspielen.

    Ich kannte, bzw besass einig Kempff Aufnahmen in Vinyl-Version und kann konstatieren, daß das Grundrauschen bei der digitalen Überspielung merklich verringert wurde.


    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Paul Badura-Skoda darf natürlich nicht fehlen, wenn es um Schubert Klaviersonaten geht. Ein amerikanischer Kritiker bezeichnete ihn als hervorragenden Schubert-Interpreten, der den Vergleich mit Arthur Schnabel nicht zu scheuen brauche. Anlässlich seines 90. Geburtstags hat die Tonträgerindustrie in den Archiven gewühlt um dann rasch etliches zu veröffentlichen (bevor es zu spät ist !!) um die so gehobenen Schätze nach dem Tod von Badura-Skoda ebenso rasch wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Ich habe das vorausgeahnt und mich rechtzeitig eingedeckt. Hier die Gesamtausgabe aller Schubert Klaviersonaten von RCA. Sie stammt aus den Jahre 1967 bis 72 und ist dementsprechend sehr gut in Sachen Tonqualität (die Interpretation ist ohnedies über jeden Zweifel erhaben)

    Nur im Rahmen einer Gesamtaufnahme kommt (kam) man in den letzten Jahren an eine Einspielung von Schuberts Klaviersonate Nr 4 D537 heran.

    Anlässlich seines 90. wurde er wieder mit Größen des 20. Jahrhunderts verglichen, diesmal nicht mehr mit Schnabel (wer kennt den noch ?) sondern mit Gulda und Brendel. Ich würde ihn mit Can Cakmur vergleichen (kennt den überhaupt schon jemand ?) obwohl es weitere gute Schubert Interpreten gibt. (?)

    und hier ist die Sonate Nr 4 noch auf Einzel CD erhältlich (siehe ein Beitrag weiter oben)

    mit diesem Beitrag versuche ich wieder eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen. Es soll das Alte nicht vergessen und das Neue nicht boykottiert oder totgeschwiegen werden (so es gut ist) Ich habe in den letzten 24 Stunden beide Aufnahmen mit Vergnügen gehört.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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