Otto Klemperer - Ein Gigant

  • Nochmal eine Frage:


    Ist es eigentlich möglich, sich einen Brahms-Zyklus unter Klemperer zusammenzustellen, wenn man nicht die berühmte Studio-Aufnahme aus den 50ern (die mich damals nicht sooo umhaute) will?


    Sehr positiv überrascht war ich von der 1. unter Klemperer mit den Dresdnern von 1956 (angeblich Knappertsbusch; das Thema hatten wir ja schon). Von der 1. gibt es noch weitere Aufnahmen aus Köln 1955 und mit dem Orchestre National de Radio France 1954. Es gibt noch diese allerletzte Aufnahme, die 3. von 1971, sowie eine 3. von 1956 aus Wien. Dann fand ich noch eine 4. mit dem BRSO von 1957 sowie mit den Dänen. Gibt's auch bei der 2. eine "Ausweichmöglichkeit"?


    Erste:



    Dritte:



    Vierte:



    LG
    Joseph
    :hello:

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Hallo LT,


    ja, den kenne ich. Nur, wie gesagt, er gefiel mir seinerzeit nicht 100%ig. Klemperer live ist oftmals viel besser, auch bei seinem Beethoven, wie ich finde.


    Apropos: Ich kann mir meine Frage selber beantworten: Es gibt tatsächlich auch eine Live-Aufnahme der 2. Brahms:



    Johannes Brahms Symphony No. 2 in D, Op. 73
    RIAS Sinfonie-Orchester, Berlin | Hochschule fuer Musik, Berlin | 1957 | Live


    Bisserl schwierig zu kriegen, aber immerhin.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Ich selbst sammle von Klemp bei weitem nicht alles und habe von seinen Live-Aufnahmen mit Sinfonien von Brahms auch nur
    die 1. 2-mal (aus den 20iger Jahren und die aus Köln),
    die 4. aus Bayern und
    die 3. aus seinem Abschiedskonzert.
    Mir reicht das völlig, auch würde ich von meiner "Regierung" für vollends bekloppt erklärt werden, wenn ich meiner Sammelleidenschaft ungezügelt nachgehen würden. :D


    Aber eine Anmerkungen sei mir gestattet:

    Zitat

    Sehr positiv überrascht war ich von der 1. unter Klemperer mit den Dresdnern von 1956

    Meines Wissens war er nie in Dresden. Die Kna Aufnahme aus Dreden war also nicht nur vom Dirigenten her falsch, auch das Orchester. Es sollte die 1955-er Kölner Aufnahme sein.
    Eine relative gute Diskographie findest Du übrigens hier (Stand ca. Ende 2006)
    Discography
    Gruß Hans

  • Es gibt tatsächlich auch eine Live-Aufnahme der 2. Brahms:

    Bisserl schwierig zu kriegen, aber immerhin.


    Hallo Joseph,
    diese 1957er Klemperer-Aufnahme ist ein toller Tipp: die Hörsamples haben mich so überzeugt (auch bei der Mozart-Sinfonie), dass ich sie mir gleich bestellt habe. Die CD kostet zwar in Deutschland Mondpreise auf dem Gebrauchtmarkt. In den USA kannst Du sie aber (wie so oft) zu völlig normalen Preisen bestellen. 11,96 US-Dollar (entspricht 8,71 Euro) plus Versand war der eben von mir bezahlte Preis - und das sogar für Neuware.


    Da ich nun schon mal auf Klemperer-Shopping tour war, habe ich auch gleich noch diese Stokowski-CD mit in den Warenkorb gelegt: er eröffnete sein letztes Londoner Konzert (im Alter von 92 Jahren!) mit einer Komposition von Otto Klemperer. Auch hier klingen die Hörsamples, wie ich finde, vielversprechend.

  • Offenbar ist es wirklich die Aufnahme mit dem Kölner RSO vom 17.10.1955. Das "Remastering" von Andromeda ist nur leider unter aller S..., vergleicht man mit Medici Arts:



    "Newly remastered using state-of-the-art restoration techiques" heißt es bei der Andromda-Box – wohl ironisch gemeint ... 8|



    Wie eine '55er Klemperer-Aufnahme aus Köln zu einer '56er Knappertsbusch-Aufnahme aus Dresden wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht wollte man einfach auch eine 1. unter Kna präsentieren, und da bot sich zeitlich Klemp gut an, obwohl der Dirigierstil der beiden ja ziemlich konträr war, würde ich meinen. Schade, daß wohl keine echte Kna-Aufnahme davon existiert, wäre sicher ein Knüller gewesen, wie die 2. und 3. aus Dresden.


    LG
    Joseph
    :hello:

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Hallo,
    auf der Webseite
    SWR2-Musikstunde
    findet man in 5 Folgen eine Zusammenfassung des Lebens von Old Klemp bis ca. 1951.
    Titel: Katharina Eickhoff
    "Ich bin Immoralist"
    Otto Klemperer dirigiert sich durchs 20. Jahrhundert (1-5)
    (Runterscrollen bis in den Frebruar)
    Das Manuskript ist äußerst lesenwert, etwas zeitgemäß gepimpt, aber VIEL VIEL besser als der Biografie Schmus einer Frau Weissweiler.


    Ach ja!
    Dank Joseph II habe ich Beethoven 3, 6 und 7 mit Klemp aus Philadelphia (Herbst 1962) gefunden. Oh weh, was war er da depressiv drauf!
    So etwas von Buchstabieren!
    Erstaunlicherwesie kommen 3 und 7 dabei gut weg, die 3. finde ich sogar großartig. Aber die Pastorale! Welche Großtat er mit der Pastoralen dagegen 2 Jahre später in Berlin ablieferte, kann man bei Testament erwerben. Die Beste der Besten.


    Gruß S.

  • Wieder da!
    Otto Klemperers Long Journey through His Times Ein Film von Philo Bregstein.
    Meiner Meinung nach DAS Ultimative Filmdokument über Klemp.
    Zugreifen, bevor es wieder gelöscht wird.
    Gruß S.

  • Da gerade von der Musikstunde auf SWR 2 die Rede war, der Hinweis, dass seit heute - oh, das war wohl gestern - eine Sendefolge zu dem legendären Tonmeister der EMI Walter Legge läuft. Und just an der oben erwähnten "Pastorale" wurde anhand einer Anekdote der Perfektionismus von Legge einerseits und Klemperer andererseits veranschaulicht (sinngemäß wiedergegeben; im Manuskript der Sendung nachzulesen): Legge wohnt - wie immer - einer Probe der "Pastoralen" mit Klemperer bei. Bei dem Scherzo (3. Satz) fragte Legge per Telefon aus seiner Tonkabine an, ob das Tempo dieses Satzes nicht doch etwas zu gemächlich sei, worauf Klemperer antwortete: "Sie werden sich daran gewöhnen". Einige Zeit später griff nun Klemperer seinerseits zum Telefon und fragte Legge: "Nun, haben Sie sich daran gewöhnt?" Ob er nun oder ob er nicht, wurde nach meiner Erinnerung nicht gesagt; dafür gab es aber diesen Satz in Klemperers Interpretation (ich glaube aus Ende der 50er Jahre) zu hören, und er war wirklich recht (ungewohnt) langsam, aber nichtsdestotrotz sehr überzeugend, von einer makellosen Klarheit und Prägnanz. Was mir besonders angenehm auffiel, war die deutliche Präsenz der Einzelinstrumente bzw. Instrumentengruppen, aber ohne jedes Plakative oder penetrante Übertreibung. Zudem war das Klangbild der Aufnahme für die Entstehungszeit ausgesprochen gut. Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen: Die Aufnahme hat mich auf weitere Entdeckungen von Klemperer-Interpretationen neugierig gemacht. Ich kenne bisher leider nur sehr wenig von ihm.
    Viele Grüße,
    harry

  • Zitat

    eine Sendefolge zu dem legendären Tonmeister der EMI Walter Legge läuft.


    Legge war kein Tonmeister, sondern Produzent der EMI. Allerdings michte er sich in alle Belange ein und war - so es möglich war - auch bei Proben im Studio anwesend. Ich erinnere mich, daß er von Klemperer etsetzt gewesen sein soll als er ihn nach dessen Schlaganfall erstmals sah. Aber die Verträge waren schon unterschrieben...
    Legge zweifelte übrigens zumeist an seinen Künstlern und auch Tontechnikern.
    Desungeachtet - oder vielleicht gerade deshalb- waren die meisten von ihm produzierten Aufnahmen erstklassig.
    Jene von Klemperer machen da keine Ausnahme...


    mfg aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Wieder da!
    Otto Klemperers Long Journey through His Times Ein Film von Philo Bregstein.
    Meiner Meinung nach DAS Ultimative Filmdokument über Klemp.
    Zugreifen, bevor es wieder gelöscht wird.
    Gruß S.



    Der Film hat mich sehr beeindruckt.
    Klemperer war lange Zeit für mich uninteressant,weil fast unbekannt.Ich hatte nur die CD mit Mozarts Zauberflöte.
    Seit einigen Monaten habe ich Aufnahmen von Klemperer (Bach,Händel) angehört und durch den Film wurde meine Neugierde gesteigert.
    Natürlich kann man seinen Lebenslauf auch bei Wikipedia u.a. nachlesen,aber ein Film macht alles anschaulicher.
    Klemperer,den man auf Beethoven festlegen wollte,hat sich auch den damals zeitgenössischen Komponisten angenommen,auch im Bereich der Oper.
    Für die Opernfreunde muß das Problem des Regietheaters auch schon in den 1920er Jahren bestanden haben,wenn man die Bilder der damaligen Aufführungen sieht.
    Man konnte sich auch einen Eindruck von den Aufnahmesitzungen für EMI verschaffen.Wie für die damalige Zeit üblich,wurde geprobt und geschnitten,bis das optimale Ergebnis für die LP herauskam.Der Zeit- und Geldaufwand für die Aufnahmesitzungen muß enorm gewesen sein.

    mfG
    Michael

  • Guten morgen,
    um mal vielen verbreiteten Halbwahrheiten über Klemperers Gesundheiten, besser seinen vielen Krankheiten, ein paar Fakten zur Seite zu geben:
    Klemp hatte nie einen Schlaganfall, vielmehr wurde ihm 1939 ein großer Hirntumor entfernt. Als Folge war er rechtsseitig gelähmt und seine Sprache war infolge einer teilweisen Zungenlähmung schwer und schleppend. Man höre ihn in Bregsteins Film sprechen.
    Legge lernte also den bereits schwerst gehandikapten Klemp kennen. Aupßerdem wusste er von Klemps bipolaren Störungen, immerhin gab es genügend Berichte vom exzentrischen Verhalten Klemps in Budapest (Dirigieren in Gummistiefeln, mit Pfeife im Mund etc.etc.)


    Er hat ihn 1951 unter Vertrag genommen und war sogar bereit, dem in Amerika wegen Entzug des Passes festsitzenden Klemperer fast 1 Jahr "Verspätung" zu genehmigen.


    Also Alfred, welchen Gerüchten Du da aufgesessen bist? Ich habe keine Ahnung. Mit dem, was historisch verbrieft ist, hat das jedenfalls nix zu tun. ;(


    Es kann aber sein, dass Legge, als er ihn 1954 wieder sah,- Klemp hatte sich inzwischen die Hüfte gebrochen, war also schwerst gehbehindert und steckte in einer tiefen Depression, einen weiteren Schreck bekam.
    Klemps Gesundheitszustand besserte sich erheblich in den Jahren 1955- 1958, bis, ja bis er sich im Herbst 1958 in Brand setzte und man um sein Leben fürchten musste. 1959 und 1960 muss er gesundheitlich wieder in einem fürchterlichen Zustand gewesen sein. Orchestermitglieder, die ihn 1959 nach fast einem Jahr wieder sahen, waren der Ansicht, dass er wohl nicht mehr lange zu leben hätte, und die Konzerte waren oft sehr schlecht.
    Auch hier könnte sich Legge beim Wiedersehen sehr erschrocken haben.
    Allerdings war Klemp ab 1963 wieder in Bestform, so dass die Orchesterauflösung 1964 wohl nicht mit Klemps Verfassung begründet werden konnte, was Legge und „Her Masters Voice“ in ihren Memoiren (In and off the record) anklingen lassen.


    Legge war nicht nur EMI Produzent, sondern quasi auch BESITZER des Philharmonia Orchesters und verkaufte Aufnahmen mit seinem Orchester an die EMI, ein nicht unerheblicher Interessenkonflikt in heutigen Tagen!


    Gruß S.


    Ein Nachtrag:
    Ende 1954 starb Furtwängler mit der Folge, dass HvK als dessen Nachfolger von EMI zur DGG wechselte.
    Cantelli, auf den Legge "scharf" war, starb Ende 1956 tragisch. Allerdings war Cantelli auch bei den New Yorkern gesetzt, der Job wurde dann von Lennie übernommen.
    Damit war Klemp fast unverzichtbar geworden und Legge froh, ihn zu haben.

  • Jeder kennt den berühmten Studio-Zyklus von EMI, entstanden in den 1957–1960. Vielfach wurde angemerkt, daß diese zwar guten Aufnahmen von diversen Live-Mitschnitten noch getoppt werden. Es gibt einen kompletten Wiener Zyklus von 1960 (leider in Mono), daneben noch diverse Einzelaufnahmen aus den 50ern und 60ern. Zudem existiert der allerletzte Zyklus von 1970 aus London mit dem NPO (Video). Ich habe damals die Mühe gemacht und mir letzteren komplett besorgt (war nur kurze Zeit auf einer bekannten Video-Plattform zu finden). Mittlerweile habe ich mir die Aufnahmen größtenteils auch in mp3-Audios konvertiert zum besseren Anhören (auch wenn es faszinierend ist, dem 85jährigen Klemperer zuzuschauen). Mein Eindruck: Vom Londoner "Letzt-Zyklus" unbedingt empfehlenswert sind die Aufnahmen von der 2., 6., 7., 8. und 9. Symphonie (letztere paßt mit über 82 Min. nicht mal auf eine CD!). Die 1. und 3. gelingen ihm in Bonn 1970 noch besser (mit freilich noch extremeren Tempi). Für die 4. und 5. greife ich lieber auf das BRSO 1969 zurück (hier war er wiederum noch langsamer unterwegs als im Jahr darauf in London). So kommt ein 1969/70er-Zyklus zusammen, der nichts für Puristen, aber für beinharte Fans ist. Man sollte es zumindest mal gehört haben. ;)

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • "Dr. Otto Klemperer, vor der Hitlerzeit in Deutschland Dirigent, später Leiter der Philharmoniker in Los Angeles, war auf der Suche nach dem echten Jazz. Er wollte ihn an Ort und Stelle studieren. Zwei Männer erboten sich, den in Nachtklubs Unerfahrenen zu führen. Ehe er sich versah, hatte man ihn mit Faustschlägen bearbeitet und seiner 30 Dollar beraubt." (DER SPIEGEL 12/1947) :D


    Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, in was Klemperer promoviert hat. Wer bringt Licht ins Dunkel?

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven


  • Zum 40.Todesjahr (gest.1973/2013) Otto Klemperers brachte EMI Classics 11 CD-Boxen mit Aufnahmen des legendären Dirigenten heraus.
    Bachs Matthäus Passion und h-moll Messe sowie Händels Messias mit Klemperer fehlen bisher in dieser 2012/2013-Edition.
    Damit wäre noch genug Material für eine 12.Box vorhanden und das Dutzend wäre voll.

    mfG
    Michael

  • Das ist eine wunderbare Initiative. :jubel:


    Leider, oder glücklicherweise habe ich schone viele Aufnahmen in einzelnen CDs, so dass sich die meisten Boxen für mich nicht lohnen.
    Ich habe mir nur das Paket mit Sinfonien und Ouvertüren von Mozart gekauft.


    Vielleicht nehme ich noch die Mahler-Symphonien mit, denn 7 und 9 fehlen mir noch. Nr. 2 habe ich in der besseren bayrischen Aufnahme :yes:


    Otto Klemperer ist und bleibt für mich einer der Größten, mit denen ich viele Werke der klassischen Musik vor gut 30 Jahren zum ersten mal gehört und entdeckt habe und den ich immer wieder gern auflege.
    Mein erstes Avatar bei TAMINO war eine Foto von ihm, ich hielt das dann aber für etwas vermessen ...


    Die Brahms-Symphonien mit Mackerras sind fantastisch, aber wenn ich den Beginn der Ersten mit Klemperer höre, dann packt es mich.
    Seine Interpretationen sind für mich von einer Ernsthaftigkeit und Tiefe, dass auch HIP-Interpretationen sie nicht überflüssig machen.


    Ich wenn es für mich beinahe zu spät kommt, freue ich mich, dass so viele von Klemperers Einspielungen jetzt so mühelos und günstig zu bekommen sind.

    Freundliche Grüße von der Nordseeküste sendet Andrew :thumbsup:

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Da bin ich ganz Deiner Meinung, lieber Andrew. Auch ich habe alles in Einzelaufnahmen was mit interessiert von Klemperer. :( Bis auf den FIGARO. Der muss vielleicht auch nicht sein. Oder?


    Gruß in den Norden von Rheingold

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Da bin ich ganz Deiner Meinung, lieber Andrew. Auch ich habe alles in Einzelaufnahmen was mit interessiert von Klemperer. :( Bis auf den FIGARO. Der muss vielleicht auch nicht sein. Oder?

    Na ja, muß wirklich nicht, kann aber auch nicht schaden. Das Klemp in den FIGARO übergroße Erdenschwere transportiert hat, ist für viele ein kritikwürdiger Nachteil, dennoch ist es ein Zeugnis von einem der ganz großen Dirigenten und von daher hörenswert. Ich habe mitunter durchaus Spaß an dieser Einspielung.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

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  • Zum 40.Todesjahr (gest.1973/2013) Otto Klemperers brachte EMI Classics 11 CD-Boxen mit Aufnahmen des legendären Dirigenten heraus.
    Bachs Matthäus Passion und h-moll Messe sowie Händels Messias mit Klemperer fehlen bisher in dieser 2012/2013-Edition.
    Damit wäre noch genug Material für eine 12.Box vorhanden und das Dutzend wäre voll.

    Die 12.Klemperer Box kündigt EMI für den 16.08.2013 an.
    Geistliche Werke von Bach,Händel,Beethoven auf 8 CDs.
    Eine genauere Beschreibung und ein Cover der Box liegen noch nicht vor.
    M.E. könnte es sich um die Matthäus-Passion(3 CDs) und h-moll-Messe(2 CDs) von Bach,den Messias(2 CDs) von Händel und die Missa Solemnis(1 CD) von Beethoven handeln.
    Mit der 12. Klemperer Box liegen dann fast die gesamten EMI-Aufnahmen Klemperers in dieser Reihe vor.(Es fehlen wahrscheinlich noch ein paar Alternativaufnahmen).

    mfG
    Michael

  • Wunderbar, dass Emi diese ganzen Klemperer-Aufnahmen noch einmal so günstig herausbringt. Dieser Dirigent war für meine Musikbildung sehr prägend, vieles habe ich durch seine Einspielungen kennengelernt. Praktisch alles was in den 12 Boxen angeboten wird, habe ich schon auf Vinyl, deshalb muss ich hier nicht aktiv werden, aber den Jüngeren hier kann ich es wärmstens empfehlen. Manches ist sicher ein wenig knorrig und auch etwas zu langsam, aber alles hat "Charakter". Den vermisst man heute oft.


    Sehr empfehlen kann ich auch die hervorragende Biografie in zwei Bänden von Peter Heyworth. Die ist leider bisher nicht ins Deutsche übersetzt worden. Aber für alle die des Englischen mächtig sind, dies ist eine der besten Musikerbiografien überhaupt.



  • Da Testament (und einige graue Labels) bei den (wenigen) EMI-Prä-Stereo (sowie den Nicht-EMI-Aufnahmen und Mitschnitten) schon tätig geworden sind, erwarte ich nicht unbedingt, dass da bei EMI noch was folgt (und es ist aus den genannten Gründen auch zu verschmerzen).


    Es gab jedenfalls Beethovens 3., 5., 7. schon in Mono von EMI, evtl. auch einige Mozart-Sinfonien u.ä. Und EMI hatte in einer älteren Klemperer-Edition auch einige spätere Mitschnitte, so etwa Mahler 2 vom Bayrischen Rundfunk.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Heute vor 40 Jahren gestorben:



    Otto Klemperer (gebürtig Otto Nossan Klemperer; * 14. Mai 1885 in Breslau; † 6. Juli 1973 in Zürich) war ein deutscher Dirigent und Komponist. Er gilt als einer der großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts.


    LG

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)


  • Sind wohl in dieser Box enthalten:



    Beethoven 3 und 5 jeweils von 1955 und 1959
    Beethoven 7 von 1955, 1960 und 1968


    Ah ja, das wusste ich nicht; dort sind anscheinend auch die älteren Aufnahmen einiger Ouverturen enthalten.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige"


    Hallo zusammen, ich las hier mit großem Interesse.
    Und erinnerte mich auch des kleinen Anekdoten-Bändchens, das ich leider nicht mehr besitze.
    An so schöne Geschichten, in denen er, nachdem er die Probenzeit weit überzogen hatte, ein Musiker wiederholt auf die Uhr blickt, den Herren fragt: "Und? Geht sie noch?"


    Zeit, Tempo und Klemperer, so ein "sonderbar Ding".
    Als ich selbst begann, Musik zu hören, also vor beinahe vierzig Jahren, waren seine Aufnahmen mir viel zu langsam. Die Ungeduld der Jugend wohl. Heute, mit abnehmender Lebenszeit, bringe ich viel mehr Geduld mit und die Aufnahmen zu langsam? Nein!


    Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir den Beethoven-Zyklus von 1970 zu DVDs verarbeitet, sah sie dabei natürlich allesamt wieder.
    In sich stimmt einfach alles, mir stellt sich auch nicht die Frage nach dem Tempo oder gar Metronomangaben.
    Dazu ist es viel zu lebendig musiziert und diese Energie, die Klemperer sich abtrotzt, geht weit über alle Fragen um Tempowahl hinaus.
    Sicher, ein eherner Beethoven.
    Der mir verständlich macht, warum man über Klemperer einfach nicht wirklich streiten kann: man begreift es (ihn) oder eben nicht.
    Ein Zyklus, der mir auch nach Monaten des Sehens und Hörens noch in lebendiger Erinnerung ist als ein Erlebnis, als etwas Besonderes.


    "Der Tod hat so oft vergeblich mit Klemperer gerungen", so beginnt die Biographie Peter Heyworths.
    Ich glaube, er tut es noch heute. Vergeblich.


    Herzliche Grüße,
    Mike

  • Ich besitze von Klemperer nur zwei Aufnahmen: das Lied von der Erde und Don Giovanni (mit Ghiaurov). Überwältigend ist ein geringer Ausdruck dafür!

    Computer kaufen keine Autos (Jochen Hensel)

  • Nun, Dr.Pingel, hast Du vor, das zu ändern? Also: mehr als nur diese beiden Aufnahmen zu besitzen?
    Was heißt überhaupt Besitz?
    Vor ein paar Jahren habe ich meine vollständige Sammlung, ca. 5000 CDs, etwa ebenso viele LPs, verschenkt.
    Doch besitze ich sie sehr wohl!
    Ich erinnere mich an Wunderlich in Klemperers Beethoven-Zyklus aus Wien von 1960.
    Seltsamerweise nicht an ihn im "Lied von der Erde", dagegen steht ein Mitschnitt Szells von 1970, der auf unbeschreibliche Weise das Jenseits berührt, dass auch ein Wunderlich verblasst.
    Auch ein Klemp.
    Gemocht haben die beiden sich nicht, grins, das "Szell am See" sagt alles.


    Wie auch immer, Klemperer und Musik, sei es sein granitener Beethoven, sein schwerblütig schöner Mozart, seine "posthume" "Cosi"-Aufnahme, sein sprachgewaltiger Haydn, sein oft erstaunlich leichtfüßiger Bruckner .... ohne ihn wäre meine nicht nur musikalische Welt ärmer.


    Herzliche Grüße,
    Mike

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