Monteverdi, Claudio "SESTO LIBRO DEI MADRIGALI"

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    >I sesto libro de madrigali a cinque voci<


    1. Lamento d'Arianna, SV 107
      Lasciatemi morire
      O Teseo, Teseo mio
      Dove, dove è la fede
      Ahi, ch'ei non pur risponde
    2. Zefiro torna e'l bel tempo rimena, SV 108
    3. Una Donna fra l'altre honesta e bella vidi, SV 109
      "Concertato nel Clauicimbano" (5vv bc)
    4. A Dio, Florida bella, SV 110
      "Concertato" (5vv bc)
    5. Lagrime d'amante, SV 111
      Incenerite spoglie, avara tomba
      Ditelo, o fiumi e voi ch'udiste
      Darà la notte il sol
      Ma te raccoglie, o ninfa
      O chiome d'or, neve gentil del seno
      Dunque amate reliquie
    6. Ohimè il bel viso, SV 112
    7. Qui rise, O Tirsi, SV 113.
      "Concertato" (5vv hpd)
    8. Misero Alceo, SV 114.
      "Concertato" (5vv bc)
    9. Batto, qui pianse Ergasto, SV 115.
      "Concertato nel Clavicembano" (5vv bc)
    10. Presso un fiume tranquillo, SV 116.
      "Diologo a7 concertato" (7vv bc)

    "Wo Worte enden, beginnt Musik"

    Heinrich Heine


    Das sechste Buch ist vielleicht Monteverdis emotionalstes Buch.


    Monteverdis sechstes Madrigalbuch ist sein dunkelstes und schwierigstes und erfordert konzentrierteres Zuhören als jedes andere. Das vorherrschende Verlustthema hatte der Komponist in den Jahren nach der Veröffentlichung seines fünften Buches im Jahr 1605 reichlich Gelegenheit, einzustudieren – sowohl in seiner ersten Oper "Orfeo" als auch im wirklichen Leben. Verlust ist das Thema der anspruchsvollsten Stücke des sechsten Buches, der polyphonen Version (Madrigalfassung) des "Lamento d'Arianna" und des"Lacrime d'Amante", die wegen ihrer sechs Verse, die jeweils als separates Madrigal vertont sind, auch Sestina genannt werden * . Sogar der unbeschwerte Anfang von "Zefiro torna“ weicht schließlich einer erstaunlich ergreifenden Fortsetzung, während eine Unterbrechung nach der anderen die Spannung steigert und zu einem schaurigen Schluss führt.


    Das Sechste ist ein Übergangsbuch, in dem sich einige der großen Veränderungen, (die Monteverdi dann in seinem Siebten Buch begründen wird) bereits erahnen lassen. Seine literarischen Texte sind voller direkter und miteinander verflochtener Dialoge, in denen die dritte Person durch die erste ersetzt wird und die Beschreibung durch die Darstellung ersetzt wird. Die Instrumente kommen zaghaft zum Vorschein, und der äußerst subtile Fabio Bonizzoni (Professor für Cembalo) verleiht nach neuesten Erkenntnissen den Stücken, die sich zu wahren Miniaturdramen entwickeln, eine gewisse Magie.

    Zitat von Villa Musica

    *......
    Den Tod der Caterina Martinelli hat Monteverdi in seinem schönsten Madrigalzyklus besungen: der sogenannten „Sestina“ mit dem Untertitel „Tränen des Liebenden am Grab der Geliebten“. Der Begriff Sestina bezeichnet eine besonders kunstvolle Form der Dichtung: sechs Gedichte von je sechs Zeilen, deren letzte Worte in allen Gedichten wiederkehren, aber in neuer Reihenfolge. In Monteverdis Sestina wird dieses Schema streng durchgehalten – mit einer zusätzlichen Strophe am Ende. Die sechsmal vertauschten Endwörter der Zeilen bezeichnen den Inhalt der Geschichte und die Spanne des Affekts: „Glaucus“, der Name des Geliebten (Glauco), das „Grab“ seiner Geliebten Corinna (tomba), Himmel und Erde (cielo, terra), die Brust der Geliebten (seno) und das Weinen des Glaucus (pianto). Zwischen diesen Wörtern ist die sechsteilige Trauerrede gewissermaßen eingespannt. Scheinbar gefasst sehen wir zu Beginn den Hirten Glaucus (Monteverdi selbst) an das Grab seiner Corinna (alias Caterina) treten. Doch bald schon und immer wieder bricht der Schmerz aus ihm heraus, bis am Ende die Winde mit ihm unaufhörlich wiederholen: „Ahi Corinna, ahi morte, ahi tomba“ – Ach Corinna! Ach Tod! Ach Grab!


    Trauer und Klage haben in den Madrigalen auch andere Gründe als den Tod. Verlassen zu werden, ist das Schicksal vieler Heldinnen in Monteverdis Madrigalen, vom Lamento d’Arianna bis zum Lamento della Ninfa. Letzteres, das vom Liebesleid einer namenlosen Nymphe erzählt, entstammt Monteverdis achtem und letztem Madrigalbuch.


    Zitat

    Der bekannte Dirigent Rinaldo Alessandrini beschreibt das Sechste Buch als das Buch der Trennungen: schmerzlich endgültig, die durch den Tod verursachten; oder süß leidenschaftlich wie die Leiden zweier Liebender bei Sonnenaufgang nach einer Liebesnacht. Es ist ein Buch, das sich durch eine intensive Ausdruckskraft auszeichnet, die in den beiden Klageliedern gipfelt, deren autobiografischer Charakter bekannt ist. Seine Ausdrucksdichte, sein „Italienischsein“, das nicht immun gegen Theatralik ist, machen es zu einem Ort, an dem die Interpretation ein grundlegendes Element ist, das sogar den zeitgenössischen Hörer schockieren kann.

    Für mich ist die Sestina "Lagrime d'amante al Sepolcro dell'Amanta" das wohl ergreifendste Madrigal im sechsten Buch, aber was sag ich da, das ganze sechste Buch ist für meine Ohren ganz besonders wertvoll.


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Sestina:

    "Lagrime d'amante al sepolcro dell'amata"


    "Tränen eines Liebenden am Grabe der Geliebten" SV 111


    Incenerite spoglie, avara tomba

    Fatta del mio bel Sol, terreno Cielo
    Ahi lasso! I' vegno ad inchinarvi in terra
    Con voi chius'è 'l mio cor a marmi in seno
    E notte e giorno vive in foco, in pianto
    In duolo, in ira, il tormentato Glauco

    [Zu Asche gewordene Geliebte, bitteres Grab, zu der meine schöne Sonne des irdischen Himmels wurde! Ich komme, um auf der Erde niederzuknien. Mit dir ist mein Herz im marmornen Busen eingeschlossen, und der gequälte Glauco wird Tag und Nacht in feurigen Tränen, in Schmerzen, in Zorn verbringen.]

    Ditelo, O fiumi, e voi ch'udiste Glauco
    L'aria ferir dì grida in su la tomba
    Erme campagne - e'l san le Ninfe e 'l Cielo:
    A me fu cibo il duol, bevanda il pianto
    - Letto, O sasso felice, il tuo bel seno -
    Poi ch'il mio ben coprì gelida terra

    [Verkündet es, o Flüsse und öde Felder, die ihr Glauco hörtet, wie er die Luft über dem Grab mit seinen Klagen füllte (und das wissen die Nymphen und der Himmel): Der Schmerz wurde mir zur Speise, die Tränen zum Trank und schließlich dieser glückliche Stein zum Bett, seit die kalte Erde deinen Busen bedeckt.]


    Darà la notte il sol lume alla terra
    Splenderà Cintia il di, prima chе Glauco
    Di baciar, d'honorar lasci quel seno
    Che fu nido d'Amor, chе dura tomba
    Preme; né sol d'alti sospir, di pianto
    Prodighe a lui saran le sfere e 'l Cielo!

    [Die Sonne wird nachts die Erde beleuchten und die Mondgöttin Cynthia (Artemis) am Tag scheinen, bevor Glauco aufhört, diesen Busen zu küssen und zu verehren, der einst der Liebe gehörte, doch nun dem Grab. Die wilden Tiere und der Himmel stimmen ihm nicht nur mit Seufzern, sondern auch mit Tränen bei.]


    Ma te raccoglie, O Ninfa, in grembo 'l Cielo
    Io per te miro vedova la terra
    Deserti i boschi e correr fium'il pianto
    E Driade e Napee del mesto Glauco
    Ridicono i lamenti, e su la tomba
    Cantano i pregi dell'amante seno

    [Doch der Himmel nimmt dich, o Nymphe, in seinen Schoß auf. Deinetwegen sehe ich die Erde verwaist, die Wälder verwüstet und die Flüsse voller Tränenströme. Dryaden und Napaien wiederholen die Klagen des betrübten Glauco und besingen auf dem Grab die Tugenden des geliebten Busens.]

    O chiome d'or, neve gentil del seno
    O gigli della man, ch'invido il cielo
    Ne rapì, quando chiuse in cieca tomba
    Chi vi nasconde? Ohimè! Povera terra
    Il fior d'ogni bellezza, il Sol di Glauco
    Nasconde! Ah! Muse! Qui sgorgate il pianto!

    [O goldene Haare, sanfter Schnee des Busens, o lilienweiße Hände, die der Himmel neidisch raubte. Wer verbarg euch, als ihr im düsteren Grab verschlossen wurdet? O weh, arme Erde, die Blüte aller Schönheit, die Sonne Glaucos ist verborgen? Ach, Musen, lasst hier eure Tränen quellen.]


    Dunque, amate reliquie, un mar di pianto
    Non daran questi lumi al nobil seno
    D'un freddo sasso? Eco! L'afflitto Glauco
    Fa rissonar »Corinna«: il mare e 'l Cielo
    Dicano i venti ogn'or, dica la terra
    »Ahi Corinna! Ahi Morte! Ahi tomba!«

    [Nun, geliebte Überreste, strömt nicht ein Meer von Tränen aus diesen Augen zum edlen Busen eines kalten Grabes? Hört hier, wie der gequälte Glauco in Himmel und Erde den Namen Corinna widerhallen lässt. Zu jeder Stunde sagen der Wind und die Erde: O weh Corinna, o weh Tod, o weh Grab!]


    Cedano al pianto
    I detti! Amato seno
    A te dia pace il Cielo
    Pace a te, Glauco
    Prega, honorato tomba
    E sacra terra

    [Die Worte weichen den Tränen, geliebte Brust; der Himmel gebe dir Frieden, Frieden auch dir, Glauco; bete, ehrenvolles Grab und heilige Erde.]


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Hier noch ein paar Anregungen zu Aufnahmen, (neben den Gesamtaufnahmen) welche die "Sestina" beinhalten.


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    Eine fällt aus dem Rahmen, die Cantus Cölln Aufnahme, Junghänel hat mit den beiden Tenören sich keinen Gefallen getan, hier merkt man deutlich das singen nicht gleich singen ist!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Meine Sammlung der Gesamtaufnahmen!



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)


  • RossoPorpora Ensemble, Walter Testolin


    Diese Aufnahme zeichnet sich durch eine sehr klare Einbindung der Continuo-Instrumente aus. In „A dio, Florita bella“ stützen die Continuo-Instrumente die monodischen Passagen. Der Komponist nutzte die Solo-Abschnitte, um die dramatische Handlung der Dichtung zu gliedern. Die Besetzung mit einer Solostimme und Continuo entwickelte sich schon bald zu einer eigenständigen Instrumentalform, aus der Solosonaten für Violine, Zink (Cornetto) usw. hervorgingen. In „Ohimè il bel viso“ wird die Distanz zur Sopranstimme – und die damit verbundene Ferne – wunderbar eingefangen: Ach, das schöne Antlitz! Ach, der sanfte Blick, ach, die anmutige und stolze Haltung; ach, die Rede, die jede harte und wilde Seele demütig und jeden Geringen mutig machen konnte. Und ach, das süße Lächeln, dem der Pfeil entwich, der mir den Tod brachte – keine andere Freude erwarte ich nun. Königliche Seele, einer Krone höchst würdig – wärst du doch nicht erst so spät zu uns herabgestiegen! Um deinetwillen muss ich brennen, und in dir muss ich atmen, denn ich gehörte dir; und wenn ich nun deiner beraubt bin, schmerzt mich kein anderes Unglück so tief. Du erfülltest mich mit Hoffnung und Verlangen, als ich jenen lebendigen Gipfel des Glücks verließ; doch der Wind trug deine Worte davon. Diese Madrigale waren somit der Versuch, die in dieser klassischen Dichtung enthaltenen menschlichen Regungen – Unglück, Tod, sinnliche Berührungen inmitten von Naturphänomenen wie dem Wind – in etwas zu übertragen, das wir nachempfinden können. Sie stießen daher bei der gebildeten Schicht auf Interesse. Die musikalische Darstellung des Geschehens im kurzen Stück „Batto qui pianse Ergasto“ ist hervorragend gelungen, ebenso wie die Art und Weise, wie die Soprane durch ihren Klang ausdrucksstarke Verzierungen schaffen. Wer die Werke ohne Italienischkenntnisse hört, wird die Kunstfertigkeit darin zwar erahnen, doch erst wer den Worten folgt, erkennt, wie Monteverdi hier Wortmalerei betreibt. Gerade in diesem Stück zeigt sich der Beginn des *stile concitato*, des „erregten Stils“: Beben, Flammen und Feuer. Dieses Album ist voller Ausdruckskraft. Es handelt sich nicht um Stücke, die zu Ohrwürmern werden; doch auch wer vor solchen Beispielen frühbarocker Musik vielleicht zurückschreckt, sollte der stilistischen Entwicklung und der Art und Weise, wie der Komponist die Dichtung musikalisch umsetzt, Beachtung schenken. Die Aufnahme veranschaulicht die weitere Entwicklung – insbesondere den Übergang von der Vokalmusik hin zum Aufstieg der Instrumentalmusik – und zeigt, wie gezielt Komponisten Musik einsetzten, um jene Affekte zu vermitteln, die in dieser Epoche der Musikgeschichte ihren Ursprung hatten.

    >Biberfan<


    So schön habe ich das sechste Madrigal-Buch bisher nicht gehört.


    LG Fiesco



    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco, Monteverdi-Hinweise von Dir sind stets eine sichere Bank, um dem Schaffen dieses Meisters näher zu kommen. Ich hoffe, heute Abend ein wenig Muße zu finden. Die Aufnahme habe ich mir schon gesichert. Ich werde berichten.


    Dir liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Lieber Thomas, DANKE. Und viel Freude damit!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Es gibt noch dies...



    Claudio Monteverdis Il sesto libro de madrigali (Sechstes Madrigalbuch), veröffentlicht 1614 in Venedig, ist eine der emotional tiefsten und melancholischsten Sammlungen des Frühbarocks.

    Hier:

    Concerto Italiano

    Rinaldo Alesssandrino



    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • In meiner Sammlung finde ich gerade Aufnahmen der Madrigalbücher 7 und 8. Aber in dieser Box finde ich auch das Buch Nr. 6 und bin gespannt, wie diese Aufnahme klingt. Die Rosso Porpora Aufnahme habe ich gestern Abend mit großer Begeisterung ohne Unterbrechung gehört. Bei Qobuz ist in diesem Falle auch das Booklet hinterlegt, so daß ich die Texte mitlesen konnte. Eine der schönsten Platten der letzten Monate, wirklich wahr. Danke für diesen Hinweis, lieber Fiesco (und die Einladung mich ein wenig mehr mit Monteverdi zu befassen)



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat von Thomas

    Liebe Grüße vom Thomas


    2CDs



    Hallo lieber Thomas, die Longhini Aufnahme ist deshalb interessant..........


    Das auf Alte Musik spezialisierte Vokal- und Instrumentalensemble Delitiae Musicae setzt sein Projekt, sämtliche Madrigale Monteverdis für das Label Naxos einzuspielen, mit dem 1614 veröffentlichten sechsten Buch fort. Dieses sechste Buch war die erste Madrigalsammlung, die nach seinen epochemachenden Opern *La Favola d’Orfeo* und *L’Arianna* sowie der *Vespro della Beata Vergine* erschien. Die fünfstimmigen Madrigale blicken auf den *stile antico* seines Schaffens vor der Opernzeit zurück und stellen gewissermaßen seinen Schwanengesang auf diese Phase seines kompositorischen Lebens dar. Das sechste Buch wird durch das Thema Verlust und Trauer sowie die Notwendigkeit, die Vergangenheit loszulassen, zusammengehalten. Die ersten vier Madrigale bilden eine polyphone Bearbeitung des *Lamento d’Arianna* aus der gleichnamigen Oper, deren übrige Partitur verloren gegangen ist. Dieses Lamento galt seinerzeit als das beliebteste Musikstück überhaupt; ein Zeitgenosse Monteverdis berichtete: „Es gab kein Haus mit Cembalo oder Laute, das nicht auch eine Abschrift dieses Lamentos besaß.“ Weitere sechs Madrigale sind unter dem Titel „Sestina: Lacrime d’amante al sepolcro dell’amata“ zusammengefasst – ein Denkmal für die 1607 verstorbene Ehefrau des Komponisten. Die Interpretation durch Delitiae Musicae unter der Leitung von Marco Longhini zeichnet sich durch hohe Ausdruckskraft und extrem langsame Tempi aus. Während eine Aufführung des sechsten Buchs durchschnittlich etwa 65 Minuten dauert, benötigt Longhini fast anderthalb Stunden. Angesichts der eigenen Anweisung des Komponisten, dass „Geschwindigkeit und Qualität nicht gut zusammenpassen“, sowie der Kommentare von Zeitgenossen zur angemessenen Aufführungspraxis von Monteverdis Madrigalen sind diese Tempi theoretisch durchaus zu rechtfertigen. Es bleibt die Frage, ob die extremen Tempi auch in der Umsetzung überzeugen – und hier ist Longhini absolut überzeugend: Die Madrigale wirken von fast unerträglicher Eindringlichkeit. Die Musiker lassen die Spannung zu keinem Zeitpunkt abfallen, und die schmerzlichen, lang ausgehaltenen Dissonanzen machen die verzögerten Auflösungen umso beglückender. Diese Aufführungsästhetik mag nicht jedermanns Geschmack treffen, ist aber durchaus vertretbar, und manche Hörer dürften sie als absolut überzeugend empfinden. Auch der Klang des reinen Männerensembles – im Gegensatz zu einer gemischten Besetzung – ist Geschmackssache; beide Varianten standen den Interpreten zu Monteverdis Zeit offen. Der Countertenor von Delitiae Musicae ist kein typischer, lieblicher und reiner männlicher Sopran; seine Stimme ist dunkler, kehlig und durchdringend, mit genügend Biss, um sich gegen das Klanggefüge des übrigen Ensembles durchzusetzen. Auch hier entscheidet der persönliche Geschmack des Hörers darüber, ob der Klang gefällt. Neben dem sechsten Buch enthält die Sammlung eine Solo-Version des „Lamento d’Arianna“ sowie weitere, sonst nicht gesammelte Madrigale, von denen einige hier erstmals eingespielt wurden. Der Klang der Naxos-Aufnahme ist lebendig und natürlich. Diese eigenwillige Einspielung dürfte für Hörer von Interesse sein, die offen für Neues sind und sich auf Alternativen zu den gängigen Konventionen der Aufführungspraxis des frühen Barock einlassen möchten.

    (allmusic)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

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  • Lieber Fiesco, zwischenzeitlich konnte ich in die Naxos-Aufnahme hineinhören. Ihr Vorhandensein in meiner Sammlung verdankt sich Deiner Empfehlung (ist schon länger her, wir unterhielten uns hier über das 7 Madrigalbuch). Das 6. Buch verteil sich hier auf zwei CDs (CD 2 wird mit weiteren Madrigalen gefüllt). Die langsam Aufführung kommt dem Werk sehr zu Gute. Allerdings stehen Deliciae Musicae vorzügliche Sänger zur Verfügung.


    Der Countertenor von Delitiae Musicae ist kein typischer, lieblicher und reiner männlicher Sopran; seine Stimme ist dunkler, kehlig und durchdringend, mit genügend Biss, um sich gegen das Klanggefüge des übrigen Ensembles durchzusetzen.

    Das ist ein der sehr beeindruckenden Hörerfahrungen bei dieser Platte, ein Counter, der seine Stimme teilweise wie ein begleitendes Instrument einsetzt. Daneben lässt sich (ich habe noch nicht ins Booklet geschaut) ein zweiter Counter vernehmen, der höher und schärfer singt.


    Bei den Madrigalen stellt sich für mich die Frage nach dem Aufführungsraum. Die Naxos-Aufnahmen sind in einer Kirche entstanden, was bei weltlichen Gesängen kein naturgegebener Aufführungsort ist. Auch wenn das 6. Buch Monteverdis in seiner vorvenezianischen Zeit entstanden ist denke ich da an ein piano nobile in einem der venezianischen Paläste. Die haben ein achtbare Raumhöhe von gut 5 m, und, da sie repräsentative Funktion hatten, waren die Wände zumeist mit Fresken, also glatt, dekoriert, es gab wenig Schallbremser oder -schlucker (ich bin jetzt in der Palladio-Zeit, eine Generation vor Monteverdi). In einem solchen Umfeld dürften die Madrigale vorzüglich gelungen haben.


    Die Naxos-Platte ist jedenfalls hinreißend, ebenso die Tatsache, daß hier ein reines Männerensemble aufführt. Es verleiht der doch (inhaltlich) profanen Musik etwas Sakrales. Das gefällt mir.

    Die Musiker lassen die Spannung zu keinem Zeitpunkt abfallen, und die schmerzlichen, lang ausgehaltenen Dissonanzen machen die verzögerten Auflösungen umso beglückender.

    Zudem finde ich das reine Männerensemble hinreißend. Der Eindruck des Schmerzlichen wird sich im Zusammenklingen mit dem Text ergeben. Den muss ich mir allerdings erst vertraut machen. So bleibt für mich im Klang wie schon zu Tallis angemerkt, etwas, was ich als die Schönheit der Traurigkeit beschreiben würde.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Was ich jetzt schreibe, wollte ich mir eigentlich für später aufhen. Aber der Lauf dieses Threads veranlasst mich, das jetzt zu tun.

    Fürs erste: Auch ich habe mir, animiert durch Fiesco die hier gezeigte CD bestellt.

    Anschliessend hbe ich drüber nachgfedacht, wie ich die Monteverdi Sammlung ergänzen könnte. Ich fand etliche große namen, das meiste ist gestrichen oder nur teilweise Lieferbar, das betrifft insbesondere Libro 8, wo viele Labels einzelne Folgen veröffentlichen, von denen aber die eine oder ander gestrichen oder nur schwer erhältlich ist. Dann landete ich bei der von Euch gezeigten NAXOS Gesamtaufnahme:

    Ich zögerte lange, sie zu bestellen, bis ich herausfand, daß sie mit Preisne und begeisterten Kritiken gradezu überhäuft wurde.

    Man findet bei Naxos oft relativ Preiswerte Aufnahmen mit hervorragenden Labeln alter Musik, weil hier das Angebor grösser ist als die Nachfrage. Viele Label scheine sich Musik aus jener Zeit aufzunehmen und zu veröffentlichen, die Interessentenkreis ist zu klein.


    Es wird eine Weile dauern bis ich zum Hören kommen, meine Warteliste ist endlos. Aber was man hat, das hat man....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • SOeben habe ich mir die Track 8.13 angehört, die ja eingeschlossenes Ganzes bilden. Hier waren die Übersetzungen in Fiescos Beitrag hilfreich. Der Gesang ist ja herrlich, aber ich werde dennoch sparsam mit dem Marterial umgehen, denn es fördert ja Depressionen exzessiv.

    Dennoch werde ich in die ebenfalls neulich gekaufte Longhini Aufnahme hinein hören, obwohl: Inniger als in dieser Aufnahme kann das wohl kaum gesungen werden...


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU