Giuseppe GAZZANIGA
DON GIOVANNI
O sia: Il Convitato di Pietra
_____________________________________________________
Dramma giocoso
Libretto von Giovanni Bertati
Uraufführung am 5. Februar 1787 im Teatro Giustiniani di San Moisé, Venice
Seviglia, 17. Jahrhundert
Die Personen
Don Giovanni, ein junger Edelmann [Tenor]
Pasquariello, sein Diener [Bass]
Il Commendatore [Bass]
Donna Anna, seine Tochter [Soprano]
Duca Ottavio, ihr Verlobter [Tenor]
Donna Elvira, Don Giovannis Verlobte [Soprano]
Donna Ximenia, eine Edeldame [Mezzo-/Soprano]
Biagio, ein Bauer [Bass/Bariton]
Maturina, seine Verlobte [Soprano]
Lanterna, ein weiterer Diener [Tenor]
2 Bedienstete, Sklaven [nur handelnd]
Bürger [Chor]
Anmerkung: Die Oper ist eine der vielen Vorgängerinnen des auf der gleichen Vorlage basierenden Gemeinschaftswerkes von Mozart/Da Ponte. In der Version Gazzaniga/Bertati sind einige Namen anders besetzt; Marturina entspricht im Mozart-Pendant der Zerlina, Biagio dem Massetto, Pasquariello ist identisch mit Leporello. Wohl aus Gründen der Einheitlichkeit gab Da Ponte Ottavio den Titel Don anstelle von Duca. Da Ponte stärkte die Position der Donna Anna, welche im hiesigen Werk nach ihrem Auftritt in der dritten Szene nicht mehr auftritt, was ihm offenbar unausgenutzt und verschwenderisch erschien, und kombinierte diese Figur mit Donna Ximenia, welche er infolgedessen vollständig herausnahm. Die hier abhanden gekommene Donna Anna wird bei Da Ponte zur Rivalin Don Giovannis ausgebaut; Lanterna, ein Gehilfe Pasquariellos, wurde offenbar für überflüssig erklärt und vollständig eliminiert. Der italienische Text Bertatis ist spitzfindiger und witziger als Da Ponte, was sich aber in der folgenden Synopsis kaum darstellen lässt:
Erster Akt
Die Oper beginnt im Vorgarten Donna Annas Domizil mit dem Auftritt des Pasquariello, der singender Weise über seinen Herrn, Don Giovanni, herzieht: La gran bestia è il mio padrone…. Es kommt zum Streit zwischen Donna Anna und Don Giovanni. Der Commendatore, Vater von Donna Anna, wird durch die lautstarke Auseinandersetzung angelockt, mischt sich fataler Weise ein und wird von Don Giovanni während eines Gefechtes tödlich verletzt. Er sackt unter den Worten: Sen’ fugge l’anima… Già vò à spirar… zusammen. Der leblose Körper wird auf Anweisung Duca Ottavios von zwei Bediensteten ins Haus gebracht. Don Giovanni und Pasquariello verlassen nach getaner Arbeit unauffällig das Schlachtfeld. Duca Ottavio hält den blutigen Degen in der Hand und Donna Anna beklagt den Verlust des geliebten Vaters. Danach verlässt sie die Szene und wird im Verlauf der Handlung nicht mehr auftreten. Duca Ottavio beschließt die Szene mit der Arie: Vicin sperai l’istante….
Szenenwechsel: Ein kleiner Platz mit rustikalen Häusern, einem Casino und der Stadtmauer. Don Giovanni bietet Pasquariello an, seine Freiheiten zu behalten, sofern er über das Gewesene schweigen wird. Man sinniert über das angenehme Leben, welches die beiden führen. Während man so daher plaudert, kommt Donna Elvira mit zwei Bediensteten. Der Padrone und sein Servitore ziehen sich unauffällig zurück und lauschen der Cavatina von Donna Elvira: Povere femmine, noi siam chiamante… Don Giovanni springt plötzlich aus seinem Versteck hervor und Donna Elvira zeigt sich sichtlich überrascht. Sie möchte den Grund für Don Giovannis Erscheinen erfahren. Dieser drückt die unangenehme Frage an Pasquariello ab, der wiederum ins Stottern gerät. Schließlich flüstert Don Giovanni ihm ins Ohr, er wisse schon, was er ihr zu sagen habe - und macht sich vom Acker. Pasquariello und Donna Elvira betreten das Casino. Donna Elvira lässt nicht locker und bringt Pasquariello in Verlegenheit. Während eines erbärmlichen Erklärungsversuches rutscht es Pasquariello heraus, dass sein Beschützer einige hundert Frauen unterhält… Wie interessant! Sogleich inspizieren beide gemeinsam die Liste von Don Giovannis Liebschaften. Die „Registerarie“ wird man hier vergeblich erwarten, jedoch ein schönes Pendant, ein Duett: Dell’Italia, ed Alemagna ve n’ho scritte cento, e tante. Della Francia, e della Spagna ve ne sono non so quante… Nachdem Pasquariello das Casino verlassen hat, erscheint Don Giovanni mit Donna Ximena.
[Da in meiner Ausgabe die Scena VIII nicht enthalten ist, kann ich nicht rekonstruieren, ob Donna Elvira die nachfolgende Szene miterlebt]:
Er führt seine Dolcezza ein wenig herum und spricht von sich als Ihrem Ehemann. Als Donna Ximena seine Worte als Humor abtut und auch noch behauptet, er habe ja wohl noch einige andere Damen zur Hand, ist Don Giovanni beleidigt. Er beteuert, dass es keine andere Frau auf der Welt neben ihr gäbe – die entsprechende Aria darf nicht fehlen: Per voi nemmeno in faccia io guarderò le belle… Während dieser Treue- und Liebesarie singt er allerdings auch in Klammern, dass er offenbar vergaß, die Gute in seinem Katalog zu verewigen…
Szenenwechsel: Die Bürger der Stadt feiern tanzend die Hochzeit Maturinas und Biagios und es wird fröhlich gesungen: Tarantella con tarantà. Sù via, allegri balliamo, e saltiamo. Pasquariello tritt hinzu und beobachtet verzückt das fröhliche Treiben, dann nimmt er Maturinas Hände und tanzt mit ihr. Don Giovanni tritt scheinheilig hinzu und schafft es scherzend, Biagio, der sich mit einer Arie: A me schiaffi sul mio viso! verabschiedet, zu vertreiben. Nun macht sich Don Giovanni, ganz in seinem Fache daheim, an Maturina heran und unterbreitet ihr sogleich einen Heiratsantrag. Maturina jedoch kann es nicht glauben, was Don Giovanni da sagt und fühlt; das Angebot ist schon verlockend, doch liebt sie ja Biagio. Der erste Akt endet folglich mit einer verzweifelten Arie der Maturina: Se pur degna voi mi fate, bevor Don Giovanni mit ihr in ihrem Haus verschwindet.
[In der mir vorliegenden Ausgabe endet der erste Akte an dieser Stelle. Die Oper wird jedoch vielfach lediglich als Einakter geführt. Sofern eine Unterteilung in zwei Akte überhaupt als notwendig erachtet wird, sollte der zweite Akt meines Erachtens erst bei dem folgenden Szenenwechsel – von mir mit * markiert - einsetzen.]
[Zweiter Akt]
Donna Elvira kommt ins Geschehen. Don Giovanni wirkt leicht überrascht und versucht nervös, Herr der Lage zu werden. Ein kleiner Kampf zwischen Maturina und Donna Elvira entsteht. Don Giovanni versucht Donna Elvira auf seine Seite zu ziehen, indem er Maturina als kleines Dummchen darstellt und lässt die beiden mit ihrem Schicksal allein. Es folgt ein köstliches Duett Donna Elvira/Maturina, in dem es um diverse Eheversprechen Don Giovannis geht. Das wird Folgen haben.
Zweiter Akt
[*] Szenenwechsel: Ein von Zypressen umgebener Platz, in dessen Mitte sich ein kleines Mausoleum – das Grabmahl des Commendatore – befindet, geziert von einer Statue des Verstorbenen. Don Giovanni nebst seinem Gefolgsmann Pasquariello betreten den Ort der Ruhe. Nach einem Herumgealbere Don Giovannis entdecken sie die Statue, auf der sich die Inschrift
DI COLUI CHE MI TRASSE A MORTE RIA, DAL CIEL QUI ASPETTO LA VENDETTA MIA
befindet. Sie bedeutet: „Jener, welcher mich in den Tod beförderte, erwarte meine Rache vom Himmel.“ Zunächst etwas überrascht, hält Don Giovanni diese Inschrift für lächerlich. Pasquariello jedoch bekommt es mit der Angst zu tun, was sein Padrone wiederum lächerlich findet. Er befiehlt Pasquariello spöttisch, die Statue zum Essen einzuladen. Diese Einladung erfolgt innerhalb eines dramatisch-komischen Duettes, in dem die Statue ganz beiläufig mit „Ci veniro“ [Ich werde kommen] antwortet. Pasquariello ist durch diese Antwort völlig gestört und Don Giovanni tut das Geschehene als eine Illusion ab.
Szenenwechsel: Die Gemächer Don Giovannis. Lanterna ist gerade dabei, die Tafel einzudecken und ist sehr überrascht, plötzlich Donna Elvira zu erblicken, welche sogleich angibt, nicht ohne Grund zu erscheinen und er möge bitte seinen Herrn rufen. Vorgetäuscht erfreut kommt Don Giovanni blitzschnell herbei und lädt die offenbar Entrüstete zum Mahl ein. Donna Elvira lehnt dankend ab und wirft ihrem Verlobten die Wahrheiten vor, die sie jüngst in Erfahrung gebracht hat. Sehr erbost macht Donna Elvira nach ihrer Arie: Sposa più a voi non sono… [frei: Deine Frau bin ich längstens gewesen…] den Abgang. Don Giovanni ist sein leerer Magen offenbar wichtiger, als der Verlust der Geliebten und er begibt sich zu Tische. Lanterna und Pasquariello bedienen ihren Herrn. Immer wieder fragt sich Don Giovanni, was Pasquariello wohl habe, da er sich so merkwürdig aufführt? Der Diener versichert ihm, dass nichts sei, er vermute lediglich, das Essen sei ein wenig versalzen. Don Giovanni bittet Pasquariello zu Tisch und darum, nach der Beendigung seiner Tafel mit Musik aufzuwarten, was sogleich im Anschluss geschieht. Während der Musik wird eifrig gespeist, getrunken und herumgealbert. Nach einer Arie des Pasquariello auf die venezianischen Frauen wird der quirlige Abend durch den turbulenten Auftritt von Lanterna gestört: Jemand pocht lautstark an die Türe! Wer mag das sein? Don Giovanni schickt Lanterna aus, die Türe zu öffnen. Dieser folgt und kommt entsetzt zurück… „Na, welche Hübsche besucht uns an diesem wunderschönen Abend?“, fragt Don Giovanni. Lanterna bringt nur Rufe des Entsetzens aus sich heraus, so dass Don Giovanni nun Pasquariello ausschickt, nach dem unerwarteten Besuch zu schauen: Ach, Du Scheiße! Es ist tatsächlich die Statue des Commendatore. Pasquariello verkriecht sich unter dem Tisch. Nun denn, er wurde geladen: Hier ist er! Don Giovanni nimmt die Situation nicht für voll und bittet seinen Diener wieder an den Tisch – nein, er verspüre derzeit absolut keinen Hunger. Die Statue des Commendatore meint, sie habe die Einladung Don Giovannis befolgt – ob denn nun auch er bereit sei, einer Gegeneinladung zu folgen? Pasquariello empfiehlt seinem Chef geistesgegenwärtig, abzulehnen. Don Giovanni jedoch zeigt keine Anzeichen von Furcht und sagt spitz, er komme in Geleit seines Dieners. Pasquariello glaubt, sich verhört zu haben…. Die Statue möchte zum Ehrenwort Don Giovannis Hand – der greift einwilligend zu… und erstarrt ob der Kälte! Der Aufforderung der Staue, sich zu bessern, begegnet Don Giovanni mit einem „Laß mich in Ruhe, alter Irrer!“ [Lasciami, vecchio insano!] Doch der denkt gar nicht daran und reißt Don Giovanni unter einem Flammeninferno in die Tiefe.
Durch diese Turbulenzen werden Maturina, Donna Elvira, Donna Ximena und Duca Ottavio angelockt. Sie sehen nur noch Staub und Asche… Pasquariello erzählt die unglaubliche Geschichte und zunächst macht sich Betroffenheit breit. Dann aber stimmen alle ein in ein fröhliches Liedchen, zu dem sie tanzen:
Che bellissima pazzia!
Che sreanissima armonia!
Così allegri si va a star.
***Ende der Oper***
©2005 by “Only for Engelbert” Ltd. • Ulrich Blees für TAMINO-Klassikforum, Wien
Haftungsausschluss
Ich habe mich um eine möglichst dem italienischen Originaltext folgende Synopsis bemüht. Meine ohnehin unbefriedigenden Italienischkenntnisse wurden jedoch durch den Gebrauch eines [offenbar Venezianischen?] Dialektes eingeschüchtert.
