Aktive Pianisten unserer Tage - Marc-Andre Hamelin - Reinkarnation Godowskys

  • Hallo Walter,


    linke Hand- Werke gab es auch schon vor Wittgenstein.

    Zitat

    Wozu der Aufwand? Selbstdarstellung?


    Vielleicht.
    Aber eher Training für die linke Hand und der Reiz der absichtlichen Beschränkung.
    Das hat natürlich auch durchaus etwas sportives.


    Ich finde, daß linke Hand-Werke durchaus ihren eigenen Reiz haben, auch klanglich, denn die Hauptstimme liegt ja nun öfter im Daumen, der einen ganz anderen Klang erzeugen kann als der kleine Finger der rechten Hand.


    Ein Werk wie das Prelude Nr.6 für die linke Hand von Mompou z.B ist weit davon entfernt, zur Selbstdarstellung des Pianisten zu taugen.
    Und musikalisch wird mit der einen Hand alles gesagt, da braucht es keine rechte Hand.


    LG,
    Michael

  • Hallo lieber Michael,


    Danke für die Korrektur. Ich bin in saloppe Argumentation abgeglitten. Aber ich weiss nicht weshalb: jedesmal, wenn ich L-H.-Stücke live erlebe, wird mir physisch unwohl.


    Deinen Hinweis auf die Daumenmelodieführung finde ich sehr bedenkenswert. Das habe ich mir noch gar nie überlegt. Danke. Mompou kenne ich leider nicht.


    Lieber Gruss


    Walter

  • Ich kann dieses befremdliche Gefühl nachvollziehen. Andererseits bleibt einem Pianisten, der z.B. das Ravel-Konzert aufführen will, nichts anderes übrig, als es so zu spielen wie vom Komponisten angelegt. Eine Verteilung des Solopartes auf beide Hände würde ein anderes Stück daraus machen. Wenigstens ist bei diesem Werk die Gefahr des Zirzensischen recht klein. Die emotionale Seite dieses Stückes, das man vielleicht als eine Art überdrehte Trauermusik bezeichnen könnte, überwiegt den virtuosen Aspekt, und das, was an virtuoser Spannung gefordert wird, steht auch im Zusammenhang mit dem Ausdrucksgehalt des Stückes, vielleicht auch in Richtung einer heroischen Geste, die Beschränkung durch die körperliche Behinderung, die ja beim Widmungsträger des Werkes gegeben war, zu überwinden.



    Bei anderen Werken für die Linke allein finde ich die geforderte Spielweise teilweise unsinnig, auch wenn auch hier eine Umverteilung des Klavierpartes nicht in Frage kommt. In Godowskys 51 Studien nach den Chopin-Etüden jedenfalls überzeugen mich die Studien für die linke Hand allein viel weniger als die anderen. Die Übertragung der monumentalen C-moll-Etüde Opus 25 Nr. 12 für die linke Hand wirkt für mich selbst in der Darstellung durch den unübertroffenen Großmeister Hamelin eher dürftig (natürlich nicht als Aufführung, sondern als Komposition), denn hier wird wirklich eine heroische Geste in die Nähe eines artistischen Klavierspiels transformiert, und das gelingt Godowsky nicht. Wie beeindruckend wäre es gewesen, wenn er für die Opus 25,12 eine ähnliche Übertragungstechnik gefunden hätte, wie es ihm bei seiner großartigen Steigerung der C-Dur-Etüde Opus 10,1 (der ersten der 51 Studien) gelungen ist.


    Mompou ist übrigens ein fantastischer Komponist, der nicht so viele Noten schreibt.

  • Zitat

    Mompou ist übrigens ein fantastischer Komponist, der nicht so viele Noten schreibt


    Genau!
    :hello:
    Das macht ihn auch so wertvoll.


    Zitat

    denn hier wird wirklich eine heroische Geste in die Nähe eines artistischen Klavierspiels transformiert, und das gelingt Godowsky nicht


    Völlig richtig m.e.

    Orginalkompositionen für die l.H. sind da schon eher mein Ansinnen gewesen.


    Ich denke fast, daß es klanglich unbefriedigender sein würde, linke Hand Kompositionen mit beiden Händen zu spielen.

    Zitat

    Daumenmelodieführung


    Ja , das ist eigentlich eine tolle Sache:
    Daumenmelodieführung mit Pedalunterstützung und Herübergleiten des starken Daumens zwischen den Tönen.
    Dies ergibt einen überaus markanten Ton.


    Bekanntestes Beispiel ist natürlich das Ravel-Konzert- gleich, nachdem das Klavier das Thema nach den D-Dur-Girlanden mit dem Daumen herausstellt.

  • ...für die linke Hand


    Hallo zusammen,


    den Eindruck des Zirzensischen bei Werken für die linke Hand teile ich - aber ich teile auch den Eindruck, dass das Ravel-Konzert für linke Hand nur so gespielt werden kann.


    Es gibt noch ein Werk für die linke Hand, welches ich gut begründet finde, obwohl es von einem Komponisten stammt, der beide Hände hatte: Brahms' Einrichtung von Bachs Chaconne aus der d-moll-Partita Nr. 2 für Solovioline für das Klavier, und zwar für die "linke Hand". Dazu Brahms aus einem Brief (geschrieben im Juni 1877) an Clara Schumann:


    ...Auf ein System, für ein kleines Instrument, schrieb der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken und gewaltigsten Empfindungen. Wollte ich mir vorstellen, ich hätte das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher, die übergroße Aufregung hätte mich verrückt gemacht. Hat man nun keinen größten Geiger bei sich, so ist es wohl der schönste Genuss, sie sich einfach im Geist tönen zu lassen.
    Aber das Stück reizt, auf alle Weise sich damit zu beschäftigen. Man will Musik auch nicht immer bloß in der Luft klingen hören, Joachim ist nicht oft da, man versucht's so und so. Was ich aber nehme, Orchester oder Klavier - mir wird der Genuss immer verdorben.
    Nur auf eine Weise, finde ich, schaffe ich mir einen sehr verkleinerten, aber annähernden und ganz reinen Genuss des Werkes - wenn ich es mit der linken Hand allein spiele.Mir fällt sogar bisweilen die Geschichte vom Ei des Columbus ein! Die ähnliche Schwierigkeit, die Art der Technik, das Arpeggieren, alles kommt zusammen, mich - wie ein Geiger zu fühlen!...


    Brahms war nicht nur ein großer Komponist, er konnte auch Briefe schreiben! Und was hat das mit Hamelin zu tun? Bitte, lieber Monsieur Marc-Andre, wie wäre es mit einer Einspielung dieses Stücks? - Im Voraus vielen Dank!


    Gruß
    Pylades

  • MAH hat die Chaconne-Version von Busoni (beidhändig) mehrfach live gespielt, jedoch nie auf CD. Die linke Hand-Bearbeitung kennt er 100% und hat sie vielleicht auch schonmal live gespielt.
    Seinlive-Repertoire ist ja schätzungsweise 10 mal so groß wie das seiner 60 (?) CDs.


    PS: btt bitte.

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Ich freue mich ungemein auf diese CD, die bald erscheinen wird:


    "Marc-André Hamelin in a state of jazz"


    April 2008 release


    http://www.hyperion-records.co…earch/al.asp?al=CDA67656&


    Das Beiheft gibt es schon jetzt online (ich LIEBE hyperion):


    http://www.hyperion-records.com/notes/67656-B.pdf


    Unter anderem auch die Jazz-Sonate von Weissenberg, die er bei seinem letzten Konzert in München ebenfalls spielte - unglaublich. Gottseidank kann ich mir die Zeit bis April mit einer Live-Radioaufnahme derselben die Zeit versüßen :)
    Sehr gespannt bin ich auch auf die Kapustin Sonate.


    :hello:

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Hallo zusammen,


    bin gerade bei JPC über Hamelins neueste CD "gestolpert". Hatte bubbas Ankündigung hier drüber bisher gar nicht gesehen. Also jetzt ist sie zu haben!


    Marc-Andre Hamelin - In A State Of Jazz
    Erscheinungstermin: 25.4.2008
    Gulda: Exercises Nr. 1, 4, 5 aus "Play Piano Play"; Präludium & Fuge
    + Kapustin: Klaviersonate Nr. 2
    + Weissenberg: Sonate en etat de jazz; 6 Arrangements of songs sung by Charles Trenet
    + Antheil: Jazz Sonata
    Künstler: Marc-Andre Hamelin, Klavier
    Label: Hyperion , DDD, 2007


    Schon wieder mehr für meine Wunschliste...


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
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  • Eine meiner seit Jahren meistgehörten Klavierplatten ist aufgrund seiner faszinierenden atmosphärischen Dichte die Folgende:



    M.A. Hamelin spielt LISZT
    Liveaufnahme aus der Londoner Wigmore Hall
    Hyperion, 1 CD


    Eine auch klangtechnisch absolut gelungene Aufnahme, in der Hamelin den Lisztschen Stimmungswechseln wie natürlich auch seinen virtuosen Ansprüchen mehr als gerecht wird. Ich kenne keine bessere Liszt-CD!


    :)Philipp


  • Die habe ich letztens gehört und das hat mich fast umgehauen!
    Die Musik ist unglaublich fetzig, hoch virtuos und macht einfach Spaß. Und Hamelin meistert das Ganze, als wäre es ein Kinderspiel. Im Booklet schrieb er, dass er z.B. keinen Komponisten außer Medtner kennt, dessen Stücke so gut in den Fingern liegen wie die von Kapustin. Also alles ganz problemlos und absolut empfehlenswert!



    LG, Peter.

  • Auf der gleichen CD ist ein pianistisches Gegenteil zu finden: Die Weissenberg Sonate. Der letze Satz ist, so scheint mir es nach Hören mehrerer zweier Aufnahmen und dem Versuch, die Noten mitzulesen, durchaus im Bereich von Sorabji anzusetzen. Polyphon und polyrhythmisch bis zum Nervenkollaps und gleichzeitig völlig verrückte aber tolle Musik.
    :jubel:

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Marc-André Hamelin - zweites Klavierkonzert von Brahms


    Hallo zusammen,


    bereits mehrfach in diesem Thread angesprochen - aber nicht besprochen - wurde die ziemlich neue Aufnahme des zweiten Klavierkonzerts von Brahms von Marc-André Hamelin und dem Dallas Symphony Orchestra unter Andrew Litton (aufgenommen Anfang 2006).


    Diese Aufnahme hatte ich mir vor einiger Zeit beschafft und in der letzten Zeit vielfach gehört - hier meine (sehr persönliche) Sicht zu dieser Interpretation:


    Die Partitur ist überaus genau realisiert. Dass Hamelin dem Werk technisch gewachsen ist, wird wohl Niemanden wirklich überraschen, eher hat mich überrascht, dass das Dallas Symphony Orchestra eine Klasseleistung erbringt - dass es nicht zu den "großen" amerikanischen Orchestern gehört, ist nach Anhören dieser CD kaum zu verstehen. Und die Aufnahmetechnik ist ebenfalls sehr gut.


    Über den interpretatorischen Ansatz kann man, wie immer, unterschiedlicher Meinung sein. Sowohl Solist wie auch Orchester spielen außerordentlich farbenreich, und dennoch bleibt das Ganze unter geradezu klassizistischer Kontrolle, zügig und dennoch gemessen, nirgendwo wird romantisch geschwelgt. Hamelin stellt nirgens seine Virtuosität als Selbstzweck heraus, der Anschlag ist einigermaßen weich und bleibt dies auch bei den dynamischen Höhepunkten. Ich persönlich finde, dass das gerade dieser Musik hervorragend bekommt, sie wirkt auch ohne verdeutlichende Nachhilfe durch die Interpreten.


    Vom zweiten Klavierkonzert gibt es eine ganze Reihe von großen Einspielungen, von der emotionalen von Richter/Leinsdorf, dem "mittleren" Weg, wie z.B. von Arrau/Giulini, Ashkenazy/Haitink und der relativ neuen Aufnahme von Freire/Chailly repräsentiert, bis zu den eher "klassischen" von Backhaus/Böhm, Gilels/Jochum und Fleisher/Szell. Hamelin/Litton sind eher an letzterem Ende des Bogens anzusiedeln - und sie spielen durchaus auf vergleichbarem Niveau. Hamelin ist auch außerhalb seines hochvirtuosen Spezialrepertoires ein großartiger Pianist.


    Wer eine sehr gute Aufnahme in neuester Aufnahmetechnik sucht, sollte sich Hamelin/Litton anhören.


    Gruß
    Pylades


    Gruß
    Pylades

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    ?(
    Das Dallas S.O. gehört zu den größten und besten amerikanischen Orchestern.


    :angel:


    Es gehört nicht zu den traditionellen "Big Five": Chicago, Boston, Philadelphia, New York, Cleveland (?).
    Was natürlich nicht viel heißen muß und vermutlich gehört es zu den 10 oder 12 größten und besten amerikan. Sinfonieorchestern.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Michael, hallo Johannes,


    dass es in Nordamerika mehr als nur die "großen", sprich: "Big Five" gibt, ist mir völlig klar, und so wie von Johannes dargestellt war meine Bemerkung gemeint: als nicht verständlich, dass das Dallas Symphony Orchestra nicht zu den "Big Five" aufgerückt ist in eine Riege der, sagen wir mit Johannes: "Big Ten" oder "Big Twelve", denn neben dem Dallas SO gibt es noch so wunderbare Klangkörper wie den von San Francisco oder den von Los Angeles (man höre z.B. deren Klangkultur in den Brahms-Aufnahmen unter Giulini), und den Montrealern (Dutoit hat dort ein Klasse-Ensemble geformt). Auch das Cincinnati SO hat eine Aufnahme abgeliefert wie die Orchesterversion von E. F. Arbos und C. Surinach der "Iberia" von Albeniz (unter Lopez Cobos - erschienen 1998 auf Telarc, aufnahmetechnisch ein absolutes Highlight des Katalogs), die ein Spiel auf absolutem Weltklasse-Niveau beweist. Man muss sich eher fragen, ob noch alle aus dem erlauchten Kreis der "Big Five" den von diesen Konkurrenten gesetzen Standards genügen.


    Gruß
    Pylades

  • Marc-André Hamelin – die „Reinkarnation Godowskys“ einmal im nicht-hochvirtuosen Repertoire mit Klaviersonaten von Haydn


    Hallo zusammen,


    inzwischen ist die weiter oben von Christian avisierte Doppel-CD mit Aufnahmen von Klaviersonaten Joseph Haydns erschienen (aufgenommen im Dezember 2005, veröffentlicht 2007 - auf Hyperion CDA67554).


    Allen, die Marc-André Hamelin für einen auf „Virtuosenfutter“ spezialisierten Pianisten halten, kann man diese Aufnahmen ans Herz legen: Hamelin spielt einen sachlichen, klaren und genauen Haydn auf dem modernen Steinway. Dass die Technik funktioniert, ist wohl nicht verwunderlich, aber das spielt bei diesen wunderbaren Stücken nicht die Hauptrolle. Die Interpretation betont nicht die originelle Seite (und die Komik) der Musik, sie behindert aber auch nichts. Dies ist eine Interpretation für konzentrierte, bewusst aufmerksame Hörer mit offenen Ohren, und sie steht dem Haydn-Bild Alfred Brendels nicht fern – ist allerdings klangtechnisch deutlich besser als dessen CD von 1983 aus der Anfangszeit der Digitalaufnahmen, und sie verzichtet auch etwas mehr auf das auf dem modernen Flügel mögliche „singende Legato“.


    In meiner ganz persönlichen, subjektiven Wertung würden diese Aufnahmen für Haydn–Sonaten Referenzcharakter haben – gäbe es da nicht die Einspielung der sechs letzten Sonaten durch Hamelins großen Landsmann Glenn Gould (aus den Jahren 1980/81), der zwar auf die Exzesse verzichtet, die er sich bei Mozart leistet, aber der die Pfade des teilweise abseitig Skurrilen und des trockenen Humors Haydns in doch ganz anderem Maße verfolgt als Hamelin, und der gleichzeitig mit seinem pointierten Nonlegato, unterstützt durch die Aufnahmetechnik, die Erinnerung an den Klang historischer Instrumente immer präsent hält.


    Gruß
    Pylades

  • Hallo zusammen,


    auch mit seiner nächsten CD bewegt sich Marc-André Hamelin wieder im Standardrepertoire


    Frédéric Chopin (1810-1849)


    Berceuse in D flat major, Op 57
    Piano Sonata No 2 in B flat minor, Op 35
    Nocturne in C sharp minor, Op 27 No 1
    Nocturne in D flat major, Op 27 No 2
    Barcarolle in F sharp major, Op 60
    Piano Sonata No 3 in B minor, Op 58


    Recording details: March 2008 Henry Wood Hall, London, United Kingdom
    Release date: January 2009
    Total duration: 75 minutes 59 seconds



    Quelle: hyperion-records.co.uk


    Ich bin gespannt!


    Viele Grüße
    Frank

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  • Interessant auch vor allem, da er ja die 2. Sonate schon vor langer Zeit auf dieser GRANDIOSEN CD aufgenommen hat. Dort ohne diese nervige Hyperion "wir kastrieren auch nen Fazioli bei 120db zu 60db"-Komprimierung.
    Wer mal hören will, was Hamelin EIGENTLICH an Dynamik so macht, hört ihn am besten live oder hier mal Rudepoema.
    http://www.amazon.de/Rachmanin…sic&qid=1224635778&sr=1-2


    :jubel: :jubel:

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Die neue CD gefällt mir insgesamt sehr gut, obgleich ich die 2. Sonate in der Aufnahme von Port Royal aus dem Jahre 1994 vorziehe. Das mag aber auch an der Aufnahmetechnik liegen, die dort einfach meilenweit besser ist. Ich versteh echt nicht, welchen home-producer mit cubase Hyperion beschäftigt. Geradezu abgeschmackt diese Weichzeichnerei. Es soll wohl ein Markenklang aufgebaut werden. :no:

    Das Frühstück ist ihm viel zuviel Zeremonie. Die ganze Lächerlichkeit kommt zum Ausdruck, wenn ich den Löffel in die Hand nehme. Die ganze Sinnlosigkeit. Das Zuckerstück ist ja ein Anschlag gegen mich. Das Brot. Die Milch. Eine Katastrophe. So fängt der Tag mit hinterhältiger Süßigkeit an.

  • Hallo bubba,


    wie kommt es denn, dass du die neue CD schon kennst, wo sie doch erst bald erscheinen soll (am 23.1.):


    Frederic Chopin (1810-1849)
    Klaviersonaten Nr. 2 & 3; Berceuse op. 57; Nocturnes Nr. 7 & 8; Barcarolle op. 60
    Erscheinungstermin: 23.1.2009
    Künstler: Marc-Andre Hamelin, Klavier
    Label: Hyperion , DDD, 2008



    Auch interessant, was du zur Klangtechnik schreibst - gerade im Zusammenhang mit Villa-Lobos Rudepoema. Selbst habe ich beide Aufnahmen:



    Die erste dürfte die von dir genannte, nur mit anderem Cover, sein. So aus meiner Erinnerung heraus, fand ich bei dieser ersten den Klang aber schlechter, da viel zu hallig. Muss ich aber auf jeden Fall noch mal neu vergleichshören. Ich gebe dir aber recht, dass eine gewisse Tendenz zur Weichzeichnerei bei Hyperion schon besteht. Extrem gut finde ich aber den Klavierklang bei z.B. Rzewskis "The people united will never be defeated!" - zumindest laut meinem Geschmack.


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
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  • Zitat

    Original von bubba
    Die neue CD gefällt mir insgesamt sehr gut, obgleich ich die 2. Sonate in der Aufnahme von Port Royal aus dem Jahre 1994 vorziehe. Das mag aber auch an der Aufnahmetechnik liegen, die dort einfach meilenweit besser ist. Ich versteh echt nicht, welchen home-producer mit cubase Hyperion beschäftigt. Geradezu abgeschmackt diese Weichzeichnerei. Es soll wohl ein Markenklang aufgebaut werden. :no:


    Ok, ich habe wohl Holzohren, aber eine soooooo schlechte Aufnahmequalität konnte ich der Einspielung nun nicht anhören. Vielleicht hat mich aber auch einfach die Musik abgelenkt. Mir gefällt das Spiel von Hamelin einfach ausnehmend gut. Ich kenne von der 2. Sonate nur die Einspielung von Rubinstein und die hat mich nun wirklich nicht so berührt, wie jetzt die Aufnahme von Hamelin. Mit welcher Intensität, Wut und Wucht, ohne je die Kontrolle oder Balance zu verlieren: das ist schon ganz große Kunst - meiner bescheidenen Meinung nach. Er hat mir zum ersten Mal die Ohren dafür geöffnet, dass die Musik von Chopin mehr ist, als bloßes Salongesäusel (ja, ja, ich bin ein Banause und eigentlich viel lieber in der Barockmusik beheimatet).



    VG, Bernd



    P.S.: Seit seinen Einspielungen der Godowsky Bearbeitungen der Chopin Etudes bin ich ein hemmungsloser Bewunderer von Hamelin und kann mich fürchterlich in den Allerwertesten dafür beißen, dass ich kürzlich ein Konzert von ihm in erreichbarer Nähe schlicht verpasst habe *groll*

  • Hamelin würde ich auch zu gerne mal live erleben. Leider scheint er Wien zu meiden; jedenfalls habe ich die letzten Jahre keinen Hinweis gefunden, dass er hier mal einen Klavierabend geben würde.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von zatopek
    Seit seinen Einspielungen der Godowsky Bearbeitungen der Chopin Etudes bin ich ein hemmungsloser Bewunderer von Hamelin und kann mich fürchterlich in den Allerwertesten dafür beißen, dass ich kürzlich ein Konzert von ihm in erreichbarer Nähe schlicht verpasst habe *groll*


    Das kann ich gut verstehen!
    Am Freitag erscheint das Programm der nächsten Auflage des Klavierfestivals Ruhr. Wenn wir Glück haben, ist er wieder dabei. Das Konzert im letzten Juni in Bonn war schon ziemlich geil...


    Grüße,
    Micha

  • Tach,


    aus lauter Ärger über meine Schusseligkeit, das Konzert in Düsseldorf verpasst zu haben, habe ich mir jetzt gerade die DVD des Konzertes in Bonn aus dem Jahre 2007 bestellt (20 EUR Import aus Kanada; schien mir jetzt nicht zu teuer):



    Kennt die schon jemand ?


    VG, Bernd

  • Zitat

    Original von zatopek



    Ok, ich habe wohl Holzohren, aber eine soooooo schlechte Aufnahmequalität konnte ich der Einspielung nun nicht anhören. Vielleicht hat mich aber auch einfach die Musik abgelenkt. Mir gefällt das Spiel von Hamelin einfach ausnehmend gut. Ich kenne von der 2. Sonate nur die Einspielung von Rubinstein und die hat mich nun wirklich nicht so berührt, wie jetzt die Aufnahme von Hamelin. Mit welcher Intensität, Wut und Wucht, ohne je die Kontrolle oder Balance zu verlieren: das ist schon ganz große Kunst - meiner bescheidenen Meinung nach. Er hat mir zum ersten Mal die Ohren dafür geöffnet, dass die Musik von Chopin mehr ist, als bloßes Salongesäusel (ja, ja, ich bin ein Banause und eigentlich viel lieber in der Barockmusik beheimatet).


    Hallo Bernd,


    Du hast die Einspielung schon? Ich warte noch meine Bestellung, aber ich hoffe bis zum Wochenende ist es hoffentlich soweit! Insbesondere auf die Interpretation der b-moll-Sonate bin ich sehr sehr gespannt!


    Welche Einspielung mit Rubinstein meinst Du denn? Es gibt einen Livemitschnitt von Rubinsteins Konzert in Moskau in den 60er Jahren- und da brennt bei der b-moll-Sonate die Luft, besonders beim Finale.


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hi Christian


    Zitat

    Original von Caesar73
    Du hast die Einspielung schon? Ich warte noch meine Bestellung, aber ich hoffe bis zum Wochenende ist es hoffentlich soweit! Insbesondere auf die Interpretation der b-moll-Sonate bin ich sehr sehr gespannt!


    Ich habe sie bei Saturn erstanden.


    Zitat

    Original von Caesar73Welche Einspielung mit Rubinstein meinst Du denn? Es gibt einen Livemitschnitt von Rubinsteins Konzert in Moskau in den 60er Jahren- und da brennt bei der b-moll-Sonate die Luft, besonders beim Finale.


    Hier die beiden Einspielungen aus der Chopin-Collection:



    Eine stammt aus 1961, eine von 1946.


    VG, Bernd

  • Zu Hamelins neuer Chopin-Platte mein >Protokoll<:


    Die Erwartungshaltung -- auch bei mir -- war hoch, und sie bekommt gleich zu Beginn mit der Berceuse einen kräftigen Dämpfer. Die Schwierigkeit der Interpretation besteht darin, dass die Melodiestimme den Berceuse-Rhythmus nicht auflösen, aber sich ihm auch nicht einfach unterordnen darf. So spielt etwa Vladimir Ashkenazy den Rhythmus mit sturer Gleichmäßigkeit und dieses Gleichmaß bewirkt dann auch nichts als Langeweile. In dieselbe Richtung geht auch Hamelin, freilich ist sein Vortrag facettenreicher, was aber leider nichts an dem Gesamteindruck der Leblosigkeit ändern kann. Maurizio Pollini hat hier durch ein gekonntes Rubato-Spiel der Melodiestimme und ihren glitzernden Läufen eine dramatische Bewegtheit verleihen können. Bei Benedetti Michelangeli gewinnt dieses Stück eine wahrlich genialische, dämonische Magie der Klänge. Auch hier befreit sich die tragende Melodiestimme von der Pendelbewegung in der linken Hand. Rubinsteins Aufnahme von 1949 nimmt gefangen durch eine tänzerische Beschwingtheit und Freizügigkeit. Die spätere Aufnahme ist da zurückhaltender, bewahrt aber diese Leichtigkeit. Auch Stefan Askenase vermag diesem Stück Lebensglut einzuhauchen – von all dem ist Hamelin doch weit entfernt!


    Und die b-moll-Sonate (Nr. 2) – die mit dem Trauermarsch? Schon der erste Akkord ruft ein doch verwundertes Kopfschütteln hervor. Da wird einfach unüberlegt in den Flügel gelangt. Chopin notiert zwar Forte, darüber aber auch die Ausdrucksbezeichnung >Grave<. Von gravitätischem Gewicht, von einer bedeutungsschweren Verweisung auf den Trauermarsch keine Spur! Auch die Exposition ist eine einzige Enttäuschung. Hamelin gelingt es wie vielen anderen nicht, Chopins dynamische Dramaturgie, die im Notentext präzise notiert ist, umzusetzen: Takt 5 Piano und Takt 25 Forte. Das wird bei Hamelin nivelliert zu einem unbestimmten Mezzoforte. Das ist alles kraftvoll gespielt, aber eher indifferent-burschikos als wirklich dramatisch. Das Seitenthema ist alles andere als verführerisch und dahinschmelzend im Melos, eher unspezifisch. Die Durchführung, wo die brutalen Naturgewalten entfesselt werden, wird bei Hamelin einfach nur laut --pianistischer Rummel ohne Dramatik. Wenn man den gealterten Maurizio Pollini kritisiert seiner zunehmend unscharfen Phrasierungen wegen, dann muß man diese Kritik beim deutlich jüngeren Hamelin wiederholen: Das ist alles reichlich pauschal, den verwaschen vorgetragenen Motiven fehlt die Prägnanz und auch emotionale Sprengkraft. Der verstorbene Altmeister Stefan Askenase hat zwar von der Natur nicht diese pianistischen Fähigkeiten in die Wiege gelegt bekommen, aber seine messerscharfe Phrasierung und tiefe Auslotung der dramatischen Gegensätze macht diesen vermeintlichen Mangel mehr als wett. Von einem Chopin-Spieler erwartet man ein individuelles Rubato – das braucht man z.B. im Trio des Scherzo. Das ist bei Hamelin einfach nur blaß und ausdruckslos.


    Und der Trauermarsch? Eigentlich noch nie habe ich ihn so langweilig gehört. Er nimmt ihn sehr langsam – ähnlich Maurizio Pollini in seiner Aufnahme aus den 80igern. Doch was Pollini gelingt, eine organische Steigerung zu entwickeln, die auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuert, dazu ist Hamelin nicht in der Lage. Es wird wieder einmal nur laut – und mehr nicht! Das Intermezzo ist eine Fata Morgana unmöglichen Glücks. Bei Hamelin – trotz pianistischer Kultur – eine musikalische Belanglosigkeit.


    Das irrlichtende Presto-Finale, das selbst Robert Schumann so irritierte, ist wahrlich eine klaviertechnische Herausforderung. Auch hier ist meine Erwartung an Hamelin hoch und wird gründlich enttäuscht! Die Godowski-Paraphrasen von Chopin-Etüden mag er souverän meistern, hier liefert er – in gemächlichem Tempo – pianistisch nicht mehr ab als biederstes Mittelmaß! Der Abstand zu Benedetti Michelangelis wahrlich atemberaubender Virtuosität ist da doch eklatant. Auch andere absolute Klaviergrößen wie Horowitz oder Rubinstein spielen da deutlich sauberer und präziser als Hamelin. Und musikalisch gibt es bei Hamelin auch nicht den geringsten Anflug von Dämonie oder gar schwarzer Magie!

    Die beiden Nocturnes und die Barcarolle bilden das Intermezzo zwischen den beiden gewichtigen Sonaten. Hamelins Nocturnes jedenfalls sind am ehesten Anlaß für eine Siesta -- schlicht und einfach einschläfernd! Keine Linie, keine zupackende Phrasierung, ein Klangbrei, der dann wieder von einem kräftigen Forteeinsatz unterbrochen wird. Hier-- wie auch in der noch am ehesten gelungenen Barcarolle -- zeigt sich eine grundlegende Schwäche von Hamelin: Er hat keinen Sinn für organische Entwicklungen. Dynamische Höhepunkte platzen einfach herein, ohne dass sie dramatisch vorbereitet werden.


    Die h-moll-Sonate (Nr. 3) kontrastiert mit der b-moll-Sonate durch ihre Bellini verpflichtete Kantabilität. Was Hamelin hier fabriziert, kann ich nur als unreif bezeichnen. Auf einem Klavierwettbewerb würde man sagen: ein vielversprechendes Talent, dass sich seine Sporen noch abwetzen muß. Aber jung ist auch Hamelin nicht mehr! Der 1. Satz ist überschrieben mit Allegro maestoso -- von >maestoso< bei Hamelin keine Spur. Emil Gilels wählte extra einen Bechstein-Flügel bei seiner Aufnahme, um die >polnische Dramaturgie< herauszuarbeiten. Bei Hamelin ist das nicht mehr als ein virtuoses Spielstück, wieder gelingt ihm keine organische Entwicklung. Beim Seitenthema bemüht er sich sichtlich, aber wirkliches Belcanto kommt da nicht heraus! Das Scherzo ist technisch stupend gespielt, aber völlig seelenlos, eine reine Fingergeläufigkeitsetüde. Im wunderschönen langsamen Satz wiederholt sich das, was schon bei den Nocturnes zu bemerken war: Kein musikalischer Fluß, die Musik steht auf der Stelle, so dass die an sich schöne Weile unendlich lang wird. Das Finale ist ein Virtuosenstück, aber auch ein Kehrausfinale, dem eine gewisse Leichtigkeit innewohnen muß. Von der einnehmenden Brillianz eines Vladimir Ashkenazy z.B. ist Hamelin mit seinem virtuosen Theaterdonner doch weit entfernt -- es fehlt bei allem virtuosen Eifer die Selbstverständlichkeit -- so etwas wie musikalische Gelassenheit.


    Fazit: Es dürfte Hamelin mit dieser Aufnahme aus dem >konventionellen< Repertoire schwer fallen, die selben Lorbeeren zu ernten wie bei seinen Ausflügen ins Erlesene und Abseitige! Er muß sehr aufpassen, dass es nicht in naher Zukunft heißt, man habe ihn überschätzt!


    Beste Grüße
    Holger

  • Lieber Holger,


    das ist ja ein- allerdings überaus fundierter- Verriss der kapitalen Sorte! Da bereue ich es schon fast, mir die CD bestellt zu haben, aber eben nur fast. Nach Deiner Besprechung muss ich die Aufnahme einfach einmal selbst hören. Es scheint, lese ich Deine Rezension, als spiele Hamelin mehr oder minder konsequent am Notentext vorbei, aus welchen Gründen auch immer. Letzteres wundert mich sehr. Denn wenn man die bisherigen Aufnahmen Hamelins zum Vergleich heranzieht, so ist das ungewöhnlich. Hamelin gehört eigentlich- meiner Erfahrung nach- nicht zu den Pianisten, die Stücke einfach nur so herunternudeln um ihrer Plattenliste eine weitere Trophäe hinzufügen zu können.



    Zitat

    Fazit: Es dürfte Hamelin mit dieser Aufnahme aus dem >konventionellen< Repertoire schwer fallen, die selben Lorbeeren zu ernten wie bei seinen Ausflügen ins Erlesene und Abseitige! Er muß sehr aufpassen, dass es nicht in naher Zukunft heißt, man habe ihn überschätzt!


    Hier klingt etwas an, was ziemlich zu Beginn dieses Threads bereits von Richard geäußert wurde: Hamelin verdanke seinen außerordentlichen Erfolg nur der Tatsache, dass er möglichst ausgefallenes Repertoire spiele, also die Vergleichsmöglichkeiten fehlen würden.


    Nun ist die Chopin-CD ja nicht der erste Ausflug Hamelins in das Reich der Konvention. Er hat zuletzt Haydn aufgenommen, Brahms etc. etc. Und diese Aufnahmen fand ich durch die Bank weg ausgesprochen gelungen. Und ich meine auch hier im Forum dazu die eine oder andere positive Rezension gelesen zu haben. Was natürlich für sich genommen nichts bedeuten muss. Weder bei Haydn noch bei Brahms konnte ich die von Dir bei Hamelins Chopin konstatierten Mängel feststellen. Weder schien mir die Musik unter Hamelins Händen "langweilig", noch "pauschal"


    Aber- und damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt:


    Ich muss diese CD erst einmal selber hören. :D


    Was mir gerade noch einfällt, lieber Holger:


    die Aufnahme Hamelins wäre sicher eine gute Gelegenheit die beiden Threads zu den Sonaten Chopins wieder einmal aus der Versenkung zu holen, denn Du sprichst ja einige Aufnahmen beider Stücke an:


    Chopins Klaviersonate Nr. 2 in b-moll


    Chopins Klaviersonate Nr. 3 in h-moll


    Insbesondere die dritte Sonate scheint mir ein Mauerblümchendasein zu fristen.
    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von Caesar73
    Weder bei Haydn noch bei Brahms konnte ich die von Dir bei Hamelins Chopin konstatierten Mängel feststellen. Weder schien mir die Musik unter Hamelins Händen "langweilig", noch "pauschal"


    die Aufnahme Hamelins wäre sicher eine gute Gelegenheit die beiden Threads zu den Sonaten Chopins wieder einmal aus der Versenkung zu holen, denn Du sprichst ja einige Aufnahmen beider Stücke an:


    Lieber Christian,


    manchmal finde ich es einfach von Nöten, die Maßstäbe ein wenig zurecht zu rücken. Das ändert aber an meiner Wertschätzung für Hamelin nichts. Ich bin z.B. ein Bewunderer der Chopin-Aufnahmen von Adam Harasiewicz, aber seine Chopin-Sonaten sind auch alles andere als berauschend. Sonatenarchitekturen liegen ihm nicht, das muß man dann einfach mal so nüchtern feststellen! Hamelins Schwächen auf dieser CD (der fehlende Sinn für organische Entwicklungen und die mangelnde strukturelle Durcharbeitung) sind mir allerdings auch bei seiner Aufnahme der Scriabin-Sonaten aufgefallen, besonders bei den sehr konstruktiven späten. Auch da hat ihn die Forum-Forum in den Himmel gelobt und seine Aufnahme zur einsamen Referenz gekürt, was ich so nicht nachvollziehen kann. Die Aufnahme ist zweifellos sehr gut - aber die von Ashkenazy eindeutig besser. Da muß ich den Herren von Fono-Forum widersprechen! Hamelins Haydn werde ich mir demnächst einmal zu Gemüte führen!


    Ich trage mich mit dem Gedanken, einen historischen Interpretationsvergleich in bezug auf die b-moll-Sonate zu machen. Das kann aber noch ein bischen dauern. Ich habe so etwas schon einmal mit Beethovens >Pathetique< versucht, vielleicht schaust Du mal den betreffenden Thread, wenn Du Lust hast!


    Schöne Grüße
    Holger

  • Hallo, miteinander!


    Angesichts der so überzeugend formulierten Analyse Holger Kalethas, der man zuzustimmen bereit ist, ohne die Einspielung zu kennen (und eigentlich auch kennenlernen zu wollen):


    Warum stürzt ein technisch derart überragender Pianist, der sich einen Namen mit weniger bis unbekannter Literatur gemacht hat, für die man ihm allein deswegen Anerkennung zu zollen bereit ist, dann doch wieder auf die immergleichen Schlachtrösser wie die beiden Chopin-Sonaten? Kann er dabei überhaupt gewinnen? Die Konkurrenz ist erdrückend, der Bedarf nicht vorhanden beziehungsweise denkbar schwer für den Interpreten zu erwirtschaften, die technische Seite letztlich irrelevant.


    Auch wenn neue Einspielungen neue Seiten offenlegen können und auch wenn viele junge Instrumentalisten sich im Positiven mit dem Kernrepertoire profilieren müssen und profilieren wollen, im Negativen Angst davor haben, sich mit Nicht-Kernrepertoire eben nicht zu profilieren - was bisweilen auch so stimmt, wenn nicht fast alles sonst bei den Einspielungen stimmt ...


    ... so hat ein Hamelin dies doch nicht mehr nötig. Allenfalls kann ihm passieren, was Holger Kaletha andeutet: Prestigeverlust unter wirklichen Kennern.


    Ich habe kürzlich Sorabij mit dem Pianisten Ullén kennen gelernt. Das ist derart beeindruckend, dass ich mir orakelnd wünschen möchte: Schuster, mach weiter nur ganz neue Leisten!


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!