Zu CARL LOEWE, seiner Bedeutung, seinen Balladen, und ueber andere Komponisten gleicher Themen hat Helmut Hofmann 2024 schon eine unglaublich umfassende, hochinformative Doktorarbeit abgeliefert, so dass es geradezu verwegen und anmassend waere, zu versuchen, dem noch etwas hinzuzufuegren.
So will ich nur noch etwas zu meiner Lieblingseinspielung der wichtigsten LOEWE-Balladen anfuehren. Nicht jeder war ein Freund dieser so poetischen Balladensprache, vor allem wenn diese schon etwas larmoyant vorgetragen wurde wie frueher von dem Bariton HERMANN PREY, der damals wohl am haeufigsten in Funk und Fernsehen mit den LOEWE-Balladen zu hoeren und sehen war. Normalerweise werden diese Balladen wohl auch von einem Bariton gesungen, wie dies mit DIETRICH FISCHER-DIESKAU der Fall war, der meiner Meinung nach die Lieder von SCHUBERT und auch CARL LOEWE so unuebertrefflich vortrug. Dass aber auch ein Tenor diese Balladen in ueberzeugender Weise interpretieren kann - CARL LOEWE selbst sang seine Balladen in dieser Stimmlage - bewies JOSEF TRAXEL in seiner Aufnahme zusammen mit dem hoch angesehenen Pianisten und Hochschulprofessor ERICH APPEL (07.07.1929 - 22.10.2022) auf dem Nuernberger Label COLOSSEUM, fuer mich ein wahres Juwel. Hier offenbart TRAXEL, dass er nicht nur ein vorzueglicher Opern-Saenger war, sondern auch ueber aussergewoehnliche Qualitaeten als Lied-Interpret verfuegte. Er traf in seinem Vortrag m. E. genau die ausgepraegte Sinnlichkeit dieser Balladen, wie diese besonders in der Ballade "Das Erkennen" zum Ausdruck kommt, und mit der Interpretation der an den Saenger hohe Ansprueche stellenden Ballade "Archibald Douglas" legt er einen Beweis seiner hervorragenden Stimmtechnik ab. Die kongeniale Klavierbegleitung durch ERICH APPEL macht fuer mich das Hoeren dieser Aufnahme von 11 LOEWE-Balladen zu einem Erlebnis und musikalischen Genuss. Beide Interpreten lernte ich persoenlich kennen und schaetzen, JOSEF TRAXEL mit dem Weihnachtsoratorium von BACH in Hannover, und ERICH APPEL 1960 in Nuernberg mit dem SCHUMANN-Klavierkonzert. ERICH APPEL war damals neben ELLY NEY der einzige, der bis dahin BEETHOVENS letzten GRAF--Fluegel mit dessen Bagatellen op. 33, und seinem Klavierkonzert Nr. 1 mit den NUERNBERGER SYMPHONIKERN nach seiner Renovierung bespielen durfte.
