Giacomo Torelli - Erfinder der Bühnentechnik

  • Giacomo Torelli (1604-1678) revolutionierte die Bühnentechnik grundlegend. Sein Wissen als Schiffsarchitekt in Venedig half ihm, da er für viele der Bühnenmaschinen Techniken der Segelschifffahrt verwendete. Die Ankerwinde und die Seile und Flaschenzüge zum Hochziehen der Segel fallen mir ein. Er erfand Bühnenwagen unter der Bühne, die mit Seilen und Flaschenzug verbunden waren.


    Versenkungen (Falltüren) im Bühnenboden, deren Bedienung durch Gegengewichte aus Stein vereinfacht wird, dienen dazu, Schauspieler unerwartet erscheinen oder verschwinden zu lassen. ... Die Maschinerie im Schnürboden bewirkt den Wechsel der Prospekte (Hintergründe) und Soffitten. Die Schnüre führen zu den Prospekten, die über der Bühne aufgehängt sind. Der Wellbaum unter der Bühne dient zum Wechsel der Seitenkulissen. Diese sind auf fahrbare Rahmen montiert, welche aus der Unterbühne durch Schlitze im Bühnenboden bis auf die Bühne reichen. Die Prospekte und Soffitten befinden sich im engen Raum des Schnürbodens über der Bühne. Zusätzlich muss hier auch die Soffittenbeleuchtung Platz finden. Quelle Theater Krumlov


    Im Schlosstheater in Drottningholm ist ein Theater mit dieser Bühnentechnik erhalten, die von Giacomo Torelli stammt.


    Wie diese Technik funktionierte, sieht man schön in diesem Modell.



    Die blitzschnellen Szenenwechsel verblüffen heute noch das Publikum.



    Das bewegte Meer und das vorbeiziehende Meer beleben die Szenerie.



    Was eine historisch fundierte Aufführung und ihre Bühnentechnik ist, kann man im Barock Theater in Krumlov in Tschechien besichtigen und erleben. Das Schloss gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Eine Aufführung der Oper Das neue Sonntagskind von Wenzel Müller aus dem Jahr 2018 ist ein lehrreiches Beispiel. Kerzenlicht und Perücken im Orchestergraben inklusive. Szenenwechsel bei 17 min 10 s. Mit einem besonderen Regieeinfall wie ein Bett auf die Bühne kommt.


    Anti-Regietheater-Anhänger werden ihre Freude haben und für Karten Schlange stehen. :love::jubel:Oder nicht?

    Bevor das Abendland untergeht, ist ein Besuch in diesem Theater angesagt. ;)



    Informationen zum Schloss und zum Theater in dieser Dokumentation.

    Besichtigung: täglich Theaterführungen um 10.00, 11.00, 13.00, 14.00 und 15.00 Uhr (Mai–Okt.), jeweils max. 20 Personen


    Vor Schuberts Musik stürzt die Träne aus dem Auge, ohne erst die Seele zu befragen:
    so unbildlich und real fällt sie in uns ein. Wir weinen, ohne zu wissen warum; Theodor W. Adorno - 1928