Max Reger: Variationen und Fuge h-Moll über ein Thema von Joh. Seb. Bach für Klavier op. 81

  • (um eine wieder drohende Account-Deaktivierung abzuwenden :))


    Wenn ich nichts übersehen habe, gibt es hier noch keinen Thread zu diesem interessanten, großen (größten Reger-Klavier-?) Werk, das sogar mich als Klavierskeptiker (oft ist mir vieles einfach zu sehr "draufgehauen" und langweilig) sehr berührt. Das Bach-Thema ist ja bekanntlich das Ritornell des Duetts der Bach-Kantate Auf Christi Himmelfahrt allein.

    Muss es noch mit "arrivierten" Einspielungen vergleichen (Markus Becker zB ist ja bekannt als Reger-Klavierinterpret), ich will hier aber auf die Darbietung (nicht ganz live, aber sehr wenig geschnitten, vielleicht deswegen schon ein Vergleich mit Produktionen etwas unfair) des jungen Pianisten und Organisten Christoph Preiß hinweisen, die mir ausnehmend gut gefällt. Der war bisher (auch als Organist, wo ich denke, mich ein bisschen auszukennen) unter meinem Radar geflogen, trotz einiger Wettbewerbsgewinne - und klaviermäßig ein Veröffentlichungsdatum der ersten CD, die an das "W....k..."-Attribut denken lässt, was denjenigen aber erfahrungsgemäß meist gar nicht gefällt... Würde mich interessieren, was das Forum über diese Interpretation und das Werk überhaupt denkt. Dass das quasi "neu gelernt" war und er einen Tag vorher noch Regers schwieriges op. 73 auf der Orgel gespielt hat, nur nebenbei (dieser Mitschnitt übrigens live/schnittlos). Seine beiden Professoren lassen da natürlich auch Bestes weiterhin erwarten. Nebenbei: Klavier und Orgel auf wirklich hohem Niveau können m.E. nur wenige.

    Hier die Timestamp-Links auf die Werke, beide leider ziemlich versteckt in den nichtsdestotrotz interessanten "Feierstunden":



    (Orgel, Halb-OT)


  • Kleine Anmerkung. Ich habe Deine Youtube Links richtig gesetzt. Du kannst gerne in deinem Beitrag noch einmal schauen, wie es gemacht wird. Zusätzlich habe ich die Beiträge in der Moderne angesiedelt. Da mag man bei Reger vielleicht streiten wollen. Aber so ist's entschieden :)


    astewes als mod

  • Ich schätze neben der natürlich ganz hervorragenden Aufnahme von Marc-André Hamelin noch ein alte von David Levine für das Koch-Schwann Label.


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    Bei beiden Einspielungen werden die im Vergleich unterhaltsameren Telemann-Variationen mitgeliefert

  • Danke, muss mich hier erst wieder einfinden. Mobil getippt ist es auch noch. Übrigens auch hinreißend: die "Tagebuch"-Zugabe...

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    (um eine wieder drohende Account-Deaktivierung abzuwenden :))


    Schreib doch einfach, weil Du Lust hast. Wenn Du keine haben solltest, kann ja auch die Deaktivierung nichts wirklich Problematisches sein :)

  • Muss es noch mit "arrivierten" Einspielungen vergleichen (Markus Becker zB ist ja bekannt als Reger-Klavierinterpret), ich will hier aber auf die Darbietung (nicht ganz live, aber sehr wenig geschnitten, vielleicht deswegen schon ein Vergleich mit Produktionen etwas unfair) des jungen Pianisten und Organisten Christoph Preiß hinweisen, die mir ausnehmend gut gefällt.

    Grundsätzlich geht er das Werk, so glaube ich richtig an. Es gibt halt doch noch eine Menge Fehler. Das Werk gehört aber auch zu der schwierigen Sorte .... :)


    Der Flügel ist klanglich nicht ganz einfach zu bedienen (Blüthner aus der Mitte des 19. Jahrhunderts) Übergänge vom piano zum forte überzeugen mich nicht wirklich .....


    Ich denke, dass ein Vergleich mit der Einspielung Hamelins, Levines oder auch Oppitz oder Becker nicht ganz fair ist .... Es sieht aus wie eine Prüfungssituation?

  • . Grundsätzlich geht er das Werk, so glaube ich richtig an. Es gibt halt doch noch eine Menge Fehler. das Werk gehört aber zu der schwierigen Sorte .... :)


    Der Flügel ist klanglich nicht ganz einfach zu bedienen (Blüthner aus der Mitte des 19. Jahrhunderts) Übergänge vom piano zum forte überzeugen mich nicht wirklich .....


    Ich denke, dass ein Vergleich mit der Einspielung Hamelins, Levines oder auch Oppitz oder Becker nicht ganz fair ist .... Es sieht aus wie eine Prüfungssituation?

    Schrieb' ich ja, das ist deutlich mehr live als "produziert", so 90/10, also dann wieder eigentlich doch quasi "live") und das kann man mit Produktionen nicht in Gänze vergleichen. Aber in Details oder Herangehensweisen durchaus. Falsche Töne interessieren mich da kaum (eher hörbare Schnitte :)). Interessant Deine Einschätzung des Flügels (wobei auch die Mikrofonierung deutlich reinspielt). Gerade fand ich doch ziemlich viele Produktionen davon, werde mal in Ruhe reinhören - aber kann es sein, dass das Werk live eher selten gespielt (weil gefürchtet) wird? Werde demnächst mal in Ruhe vergleichen, das Werk gefällt mir jdf. ausnehmend gut (der arme Reger, wie gut hätte er das wohl selbst spielen können? Naja, musste er ja auch nicht - gab es eigentlich einen "Straube des Klaviers"?).

    Keine Ahnung, ob das auch eine Prüfung war, könnte durchaus sein. Das waren kurzfristig von der HfM Würzburg nach Giengen verlegte Reger-Tage, weil dort die Orgel wegen Lieferproblemen noch nicht (vollständig) fertig war.

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  • Ich wusste gar nicht, dass Du Reger eingespielt hast :).

    :hahahaha: Schön wäre es! Das kommt raus, wenn man kurz vor einem Termin noch etwas schnell in die Tastatur hackt. Gemeint war meine alte Aufnahme von Levine ....

  • Kuzer (unfairer) Vergleich mit der Becker- (und anderen, da war ich auch verrutscht) Produktion (welcher Flügel?): letztere insgesamt klanglich angenehmer, "Kugeln im Spiel", oft recht breites Stereobild (bis in die Gegenphasigkeit), die Giengener Aufnahme empfinde ich als relativ eng und trotz offensichtlch Haupt- (oder alleiniges) ORTF gar nicht wirklich guit winkelmäßig aufgefächert und erwartungsgemäß im Baß "künstlich" und vergleichsweise schwach. Wie der Flügel "wirklich" klingt oder sich spielt, weiß ich mangels jeder Klaviererfahrung nicht, auch kann ich mangels Erfahung mit Klavieraufnahmen nicht wirklich kompetent mitreden. Denke aber, da wäre technisch noch "was gegangen". Aber, wichtiger, zur Interpretation dieses nach Blick in die Noten doch wirklich superschwierigen Stücks: bin weiterhin begeistert, das scheint mir einer der Glücksfälle zu sein, wo technische Potenz und goßer Gestaltungswille und -kraft zusammenkommen. Auf Instagram schrieb er übrigens im Februar 2021, er würde sich seit einigen Wochen mit dem Stück beschäftigen. Bin gespannt, was da noch kommt.

    PS 90/10 ist wie gesagt eher mal "Pause zwischen Sätzen" und "ein paarmal Neuansetzen" als wirkliche Produktion - was ja teilweise abstruse Züge angenommen hat, ich denke an einen bekannten perfektionistischen süddeutschen Kammerchor, bei dem der Dirigent immer den Schnittplan quasi im und für den Sekundentakt erstellt. So kann man Musik und ihren Zusammenhang auch kaputtmachen . und tatsächlich liest man immer mal wieder "berührt mich nicht, trotz Perfektion".

  • ich denke an einen bekannten perfektionistischen süddeutschen Kammerchor, bei dem der Dirigent immer den Schnittplan quasi im und für den Sekundentakt erstellt. So kann man Musik und ihren Zusammenhang auch kaputtmachen

    Das kann man, muss man aber nicht. Es ist einfach eine Frage der Erfahrung und des Könnens, sowohl der Musiker als auch des Tonmeisters, ob eine Aufnahme trotz kleinteiliger Schnitte am Ende den "großen Bogen" hat.

  • Weiß ich wohl. Wenn aber ein Chor schon so "quasi perfekt" ist und unbedingt sein will, stört dieses massive Geschneide (zugunsten der einen Feinheit, zuungunsten der anderen) alles nur, selbst wenn man es technisch (bei seinen Tonmeistern vorauszusetzen) und musikaklisch nicht hören sollte. So ein extremes Kunstprodukt widerspricht m.E. durchaus dem Sinn von Musik.

  • Wie der Flügel "wirklich" klingt oder sich spielt, weiß ich mangels jeder Klaviererfahrung nicht, auch kann ich mangels Erfahung mit Klavieraufnahmen nicht wirklich kompetent mitreden.

    Wir hatten hier schon einmal an anderer Stelle im Forum gesehen, dass es schwierig ist von einer Aufnahme auf den Flügelklang zu schließen, weil zu viele technische Parameter in die Aufnahme einfließen.


    die Giengener Aufnahme empfinde ich als relativ eng und trotz offensichtlch Haupt- (oder alleiniges) ORTF gar nicht wirklich guit winkelmäßig aufgefächert und erwartungsgemäß im Baß "künstlich" und vergleichsweise schwach


    Die Bassschwäche höre ich auch, die gerade bei Regers Werk zu klanglichen Defiziten führt. Die Variationen sind für meine Begriffe auch musikalisch komplex. Sie besitzen eine (vielleicht barocke) Schichtendynamik, wo es aufgrund der Polyphonie darauf ankommt, jeder Stimme ihre eigene Lautstärke zu verpassen. Der Flügel scheint mir da schwierig zu sein. Für mich hört es sich so an, als hätte der junge Mann zu wenig auf dem historischen Instrument spielen können. Ich habe gestern noch einmal die Aufnahme von Hamelin gehört, da werden die kaskadenartigen Schichten auch rhythmisch klarer gespielt und die Klanggewalt des Regerschen Werke wird zum Ende hin unwiderstehlich :hail:

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  • Wir hatten hier schon einmal an anderer Stelle im Forum gesehen, dass es schwierig ist von einer Aufnahme auf den Flügelklang zu schließen, weil zu viele technische Parameter in die Aufnahme einfließen.


    Die Bassschwäche höre ich auch, die gerade bei Regers Werk zu klanglichen Defiziten führt. Die Variationen sind für meine Begriffe auch musikalsich komplex. Sie besitzen eine (vielleicht barocke) Schichtendynamik, wo es aufgrund der Polyphonie darauf ankommt, jeder Stimme ihre eigene Lautstärke zu verpassen. Der Flügel scheint mir da schwierig zu sein. Für mich hört es sich so an, als hätte der junge Mann zu wenig auf dem historischen Instrument spielen können. Ich habe gestern noch einmal die Aufnahme von Hamelin gehört, da werden die kaskadenartigen Schichten auch rhythmisch klarer gespielt und die Klanggewalt des Regerschen Werke wird zum Ende hin unwiderstehlich :hail:

    Schichtendynamik, genau. Eben nicht "nur" fantasievolle Harmonien. Das mit der wenigen Übezeit kann ich mir gut vorstellen, immerhin wurde wie gesagt die ganze Veranstaltung kurzfristig von der Würzburger Hochschule nach Giengen verlegt (wegen der Reger-geeigneten Orgel) und dieser Flügel musste extra ausgeliehen und hertransportiert werden. In Würzburg wäre es sicher bequemer gewesen. Neben der Klaviertechnik (des Spielers und Instruments) spieilt auch da m.E. die Aufnahmetechnik (und, nicht zu vergessen, halbwegs ordentliche Abhörmöglichkeit) beträchtlich mit rein.

  • So ein extremes Kunstprodukt widerspricht m.E. durchaus dem Sinn von Musik.

    Das ist etwas hart formuliert. Je nachdem wie man den Sinn von Musik auslegt, könnte man überhaupt einer Aufzeichnung widersprechen. Das soll es auch schon gegeben haben.


    Man könnte sagen, dass ein solches Produkt eben einen anderen Aspekt der Musik zeigen kann, als zum Beispiel eine Liveaufnahme mit Risiko

  • Das ist etwas hart formuliert. Je nachdem wie man den Sinn von Musik auslegt, könnte man überhaupt einer Aufzeichnung widersprechen. Das soll es auch schon gegeben haben.


    Man könnte sagen, dass ein solches Produkt eben einen anderen Aspekt der Musik zeigen kann, als zum Beispiel eine Liveaufnahme mit Risiko

    Und beides, Studioproduktion und Live-Aufnahme, unterscheidet sich vom aufgezeichneten musikalischen Ereignis vor allem durch die Wiederholbarkeit. Das verändert tatsächlich die Wahrnehmung. Ob eine Aufnahme hingegen keine oder ein paar hundert Schnitte enthält, ist meines Erachtens egal - wenn man es nicht hört. Es gab mal das Gerücht, Brendels "Live-Aufnahme" der Beethoven-Konzerte enthielte über 500 Schnitte....

  • Nicht nur Rudolf Serkin, auch sein Sohn Peter waren große Freunde der regerschen Musik. Im Internet findet sich eine Live-Einspielung (vor Publikum) des Op. 81 und wie ich finde, auf großartigem Niveau


  • Danke, höre ich mir gerne an - fahre sowieso voll auf "live" in großen Zusammenhängen ab (welcher Abstufung auch immer - aber ist es unüblich, auch ggf. mal 'korrigierter Livemitschnitt" zu schreiben?). HIer wird man schon mal nicht durch zum Bild asynchronen Ton belästigt (es lebe die Masterclock, Totalen von Ferne, oder "Unsichtbarkeit")

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  • Wir hatten hier schon einmal an anderer Stelle im Forum gesehen, dass es schwierig ist von einer Aufnahme auf den Flügelklang zu schließen, weil zu viele technische Parameter in die Aufnahme einfließen.



    Die Bassschwäche höre ich auch, die gerade bei Regers Werk zu klanglichen Defiziten führt.

    Diese Basschwäche ist der hier verwendeten (ggf. Haupt-)Aufnahmetechnik und den dazu notwendigen Mikrofonen inhärent. Leider höre ich auch nicht die mit dieser Anordnung erwartbaren Vorzüge. Außerdem glaube ich auch nicht, dass ausgerechnet ein Blüthner so schmalbandig bei 400-500 Hz "heraussticht". Oder ich täusche mich... Kann wer was zur Spielbarkeit und Klang dieses Modells sagen?

  • Zwischenzeitlich habe ich noch einige ältere gefunden. Eine Entdeckung war der Russe Alexander Slobodyanik, der zwar schon "auf YT war" sowie den ganzen ähnlichen Portalen, aber durch ausschließlich "russische Schrift" wahrscheinlich großteils unentdeckt "bei uns". Steht bei mir momentan wohl an der Spitze. Oh, von wegen. Man sollte doch mehrmals hineinhören. Sehr virtuos, aber auch hart und vermutlich öfter an den Komponistenintentionen vorbei.

    Aber auch die anderen gefallen mir sehr: Vivien Harvey Slater, Frank Merrick und Richard Laugs.

    Außerdem erscheint Ende nächster Woche eine Produktion mit Michael Schöch (die ich schon habe, aber noch ordentlich reinhören muss. Die Klangqualität ist jedenfalls erstklassig.).

  • Jetzt kam noch Willi Stech dazu, gefällt mir gerade ausnehmend gut. Unter dem Namen findet man sonst eigentlich nur andere bzw. "leichte Muse". Im Begleittext ist zu lesen, dass Reger sich das öffentliche Spiel dieses Werks gar nicht zutraute.

  • Nicht nur Rudolf Serkin, auch sein Sohn Peter waren große Freunde der regerschen Musik. Im Internet findet sich eine Live-Einspielung (vor Publikum) des Op. 81 und wie ich finde, auf großartigem Niveau

    Jetzt habe ich erst intensiver reingehört, ganz große Klasse. Dazu noch live, kaum vorstellbar. Muss er sehr lang verinnerlicht haben, denke ich.

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