Schostakowitsch: Streichquartette

  • Ich Dussel.


    Da hatte ich bei "Schostakowitsch für Einsteiger" noch geschrieben, dass die kleinen Besetzungen mir zu spröde seien. Und dann mache ich am Sonntag den Fernseher an und bleibe wie vom Donner gerührt bei Arte kleben: Streichquartett 14 (oder 15?) mit dem Emerson String Quartet. Was für Musik!


    Ich denke nach dem, was ich hier gelesen habe, dass ich mit dem Emerson String Quartet nichts falsch machen werde. Morgen wird eingekauft. Da sage noch mal einer, dass das Fernsehen nicht auch seine guten Seiten hätte.


    :hello:


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • servus lohengrins


    wenn du einkaufst, pass auf: ich hab vor ein paar wochen die streichquartette
    mit dem emerson qaurtett gekauft (1-15) - es gab sie in zwei versionen:


    einmal als box (jewel case) um ca. 100 euro
    dasselbe in kartonschachtel (mit papier CD-hüllen) um die hälfte


    (beides von der DG)


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl



    Im ersten "Zyklus" fehlen IIRC die letzten beiden, weil die noch nicht geschrieben waren...bei Chandos ist der inzwischen wohl gelandet, weil einer oder beide der Emigranten dort u.a. als "Borodin-Trio" aufgenommen haben.
    Die Sache wird dadurch verkompliziert, dass es vereinzelte noch spätere Aufnahmen des Quartetts in etwas anderer Besetzung bei Teldec und Virgin gibt...die abgebildeten einzelnen Melodiya/BMG CDs sind evtl. vereinzelt noch zu finden


    Das Borodin Trio ist mE mit ganz anderen Leuten, nämnlich mit dem Cellisten Yuri Turovsky (der mE die Referenz im Sachen Dirigat der 14. Sinfonie vorgelegt hat!) Oder?


    Beim Borodin Quartett gab es mindestens fünf verschiedene Besetzungen. Bloß der Cellist war bis jüngst noch stets dabei. Die Virgin-Aufnahmen kann ich sehr empfehlen!


    Meine Geschmacks-Reihung in Punkto Musikalität:
    1. Schostakowitsch Quartett
    2. Brodsky Quartet
    3. Borodin Quartet
    Dann kommt für mich lange nichts, auch nicht die Emersons, (die aber ausgezeichnet interpretieren!).

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Das Beethoven Quartett war sozusagen auf die Uraufführugnen abonniert, auch zum Leiden des Komponisten selbst, der die Borodions technisch und interpretatorisch mehr schätzte.


    Ich kenne eine alte Aunfhame mit dem Beethoven Quartett: sehr klangschön gespielt, zu Herzen gehend (sozusagen das russische Pendant zu Mann vom Juilliard Quartet) in der Tradtion von Tschaikovsky und Borodin. Durchaus hörenswert!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Derzeit werden die Aufnahmen des Beethoven-Quartetts bei Melodija in technisch ziemlich guten Editionen neu aufgelegt. Zu bekommen sind (eine Zeile = 1 CD)
    1, 3, 4
    7, 8, 10, Oktett
    11, 12, 13
    14, 15


    Für mich interessant: Ein völlig anderer Ansatz als bei den Borodins: Nicht dieser extreme Hochdruck, sondern eine Art später Glanz klassischer Schönheit. Ausgewogener, "schöner" als die Borodins, aber ohne diese Verzweiflungsgestik. Resignation und Bitterkeit sind bei den Beethovens stärker, Aufbäumen und Trotz bei den Borodins.
    Beide Ansätze zeugen geradezu vollkommene Ergebnisse, deren Erfahrung ich nicht missen möchte.


    :hello:

    ...

  • Hallo Faun!



    Danke für den Hinweis!


    Ich bin jetzt allerdings noch etwas günstiger zum Emerson Quartett mit Schostakowitsch gekommen. Und zwar mit der jüngst veröffentlichten Eisnpielung der Live-Aufnahmen aus Aspen. Nun habe ich zwar keinen großen Vergleich, aber ich darf sagen, dass mir die Einspielung in jeder Hinicht ungemein zusagt. Ich bin sehr froh, dass ich diese Streichquartette kennen gelernt habe.


    :hello:


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Hauptsächlich, um den thread zum gerade begonnen Nicht-Schostakowitsch-Jahr wieder in Erinnerung zu rufen, weise ich darauf hin, dass die schon mehrfach rühmlich erwähnte (2.) Einspielung mit dem Borodin-Quartett vor einigen Wochen bei Melodiya in einer Box zum sehr fairen Preis wiederveröffentlicht wurde. Aufg. 1964-83, einige wenige Stücke, u.a. das Klavierquintett mit Richter wurden live aufgezeichnet, was man auch hört. aber insgesamt ist der Klang sehr gut. Wie schon oben gesagt, sind das außerordentlich intensive Interpretationen, bei einigen eher ironisch-klassizistischen Stücken (wie dem 1. Quartett) vielleicht etwas übertrieben.



    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Danke für den Tip Johannes,


    das hätte ich doch glatt übersehen 8o :O


    :hello:
    Stefan


    PS: Die erste Aufnahme (Quartette 1-13; Chandos) mit dem Borodin Quartett stammt laut jpc von 65, diese (komplette; Melodija) von 64-83, sie überschneiden sich also etwas ?(
    Gibt es da Dubletten oder haben sie nur wieder neu angefangen, während sie den alten Zyklus zu Ende gebracht haben?

    Viva la libertà!

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  • Zitat

    Hauptsächlich, um den thread zum gerade begonnen Nicht-Schostakowitsch-Jahr wieder in Erinnerung zu rufen, weise ich darauf hin, dass die schon mehrfach rühmlich erwähnte (2.) Einspielung mit dem Borodin-Quartett vor einigen Wochen bei Melodiya in einer Box zum sehr fairen Preis wiederveröffentlicht wurde. Aufg. 1964-83,...


    Da kann etwas nicht stimmen. die erste Einspielung musste Anfang der 70er unvollendet eingestellt werden, da das Quartett zwei Musiker verlor. Die vollständige 2. Einspielung muss später datiert werden.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus


    Da kann etwas nicht stimmen. die erste Einspielung musste Anfang der 70er unvollendet eingestellt werden, da das Quartett zwei Musiker verlor. Die vollständige 2. Einspielung muss später datiert werden.


    Es stimmt, die Quartette wurden 1978-83 aufgenommen (so steht es auch auf der Box). Von 1964 stammen nur die ebenfalls enthaltenen zwei kurzen Stücke für Oktett op.11, die Jahreszahlen hatte ich von jpc beim Einfügen des Links übernommen. Sie sind mithin streng genommen nicht falsch, aber etwas irreführend.
    Es besthet allerdings keine Verwechslungsgefahr, da die ältere Einspielung inzwischen bei Chandos erhältlich ist und nur 13 Quartette enthält (wobei ich dachte, die letzten beiden fehlten, weil sie schlicht noch nicht geschrieben waren).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
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    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Es stimmt, die Quartette wurden 1978-83 aufgenommen (so steht es auch auf der Box). Von 1964 stammen nur die ebenfalls enthaltenen zwei kurzen Stücke für Oktett op.11, die Jahreszahlen hatte ich von jpc beim Einfügen des Links übernommen. Sie sind mithin streng genommen nicht falsch, aber etwas irreführend.
    Es besthet allerdings keine Verwechslungsgefahr, da die ältere Einspielung inzwischen bei Chandos erhältlich ist und nur 13 Quartette enthält (wobei ich dachte, die letzten beiden fehlten, weil sie schlicht noch nicht geschrieben waren).


    Wenn man sich das auch mal ansieht wird es noch ungewöhnlicher: die Jahreszahl 1965, die jpc bei der Chandos-Box angibt beißt sich etwas mit den Kompositionsdaten, denn Quartett Nr. 11 entstand erst 1966, Nr. 12 1968 und Nr. 13 1970. Sie (die Aufnahmen) sind also später entstanden als angegeben und es wäre durchaus möglich, dass die letzten beiden Quartette (1973 u. 74) einfach erst komponiert wurden, nachdem das Ensemble zwangsweise auseinander gerissen wurde...


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Zitat

    Sie (die Aufnahmen) sind also später entstanden als angegeben und es wäre durchaus möglich, dass die letzten beiden Quartette (1973 u. 74) einfach erst komponiert wurden, nachdem das Ensemble zwangsweise auseinander gerissen wurde...


    Hätte sein können, tatsächlich musste aber ein Musiker 1974 aus Gesundheitsgründen aufhören und der Primarius emigrierte 1976 in die USA.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus


    Hätte sein können, tatsächlich musste aber ein Musiker 1974 aus Gesundheitsgründen aufhören und der Primarius emigrierte 1976 in die USA.


    :hello:


    Dann halt nicht, aber weswegen haben wir denn unser wandelndes Lexikon, den Theo? :D


    :hello:
    Stefan


    PS: Hier weiß man gar nicht, wen man als Telefonjoker angeben sollte, wenn man mal zu "Wer Wird Millionär" kommt. ?( ;)

    Viva la libertà!

  • Kann mir jemand mal erklären, wo der Unterschied zwischen diesen beiden Einspielungen liegt:




    Stehe irgendwie grad auf der Leitung, der Preisunterschied liegt schließlich beim Faktor drei!


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Kann mir jemand mal erklären, wo der Unterschied zwischen diesen beiden Einspielungen liegt:
    Stehe irgendwie grad auf der Leitung, der Preisunterschied liegt schließlich beim Faktor drei!


    Gruß
    Sascha


    Hallo Sascha,


    im Preis und wahrscheinlich im Booklet (aber das ist nicht einmal sicher).
    Das viel günstigere ist zu Ehren des Geburtstages letztes Jahr herausgebracht worden...
    Habe damals die Werbetrommel fleißig gerührt.
    Und scheinbar war die Zeit reif für eine günstigere Ausgabe, die andere ist ja unbezahlbar und wird gegen Ende wenig Umsatz gebracht haben :rolleyes:


    :hello:
    Stefan


    PS:
    1. War wohl ein paar Sekunden schneller als Johannes :angel:
    2. Hab die Quartette mit den Borodins und Emersons (na ja, und noch einiges andere... :rolleyes: ) - doppelt genäht hält besser :D Und die Interpretationen sind ja seeehhhhr verschieden :pfeif: (das Emerson SQ spielt wesentlich unterkühlter...)

    Viva la libertà!


  • Der Unterschied besteht im Cover und - wie Du schon festgestellt hast - im Preis. Evtl. auch im Beiheft. Die Aufnahmedaten sind lt. jpc gleich.
    Ich kenne das Emerson Q. hier zwar nicht, würde dennoch zur Borodin-Aufnahme (Melodiya) greifen, die für wenig mehr als die preiswerte Emerson-Version zu haben ist. Die Emersons sind brillant, aber meiner Erfahrung nach "kalte Fische". Außerdem kriegt man bei den Borodins eine Aufnahme des Klav.Quintetts mit Richter dazu.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo JR,


    danke, habe mir schon gedacht, dass es offenbar nur die "Vollpreis"-Edition ist, die noch im System vorhanden ist. Die Borodin-Aufnahme bei Melodya habe ich bereits und bin sehr zufrieden. ;) Halte jetzt halt die Augen offen nach einer zweiten Einspielung und da kamen mir die Emersons ins Blickfeld. Es gibt ja bei Brilliant noch eine sehr günstige Aufnahme des Rubioquartetts, mal sehen.
    Ich denke, ich werde im Laden mal reinhören, was mir so behagt.


    Gruß
    Sascha

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  • Weiß ich doch....beide sind berauschend, wobei die erste zusätzlich noch rauschend ist. :D
    Aber da JR die mit Richter ansprache, denke ich mal, er meint die zweite. Die würde ich auch immer als Einstieg empfehlen, auch wenn die frühe Einspielung noch intensiver sein mag (was ich nicht so finde). Hatte die aber nur mal aus der Bibliothek geborgt. Vielleicht auch ein Schutzmechanismus, dass ich sie nicht so viel besser fand, sonst hätte ich sie ja glatt auch kaufen müssen. :D


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Halte jetzt halt die Augen offen nach einer zweiten Einspielung und da kamen mir die Emersons ins Blickfeld.


    Da würde ich allemal die vom Brodsky Quartet (Teldec bzw. Warner) vorziehen!


    (Heißer Tipp auch: Schostakowitsch Quartett (Ocd ) und für eine mehr romantische Aufnahme als Alternative das Beethoven Quartett (Consonance), das ja auch die meisten uraufgeführt hat.)

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Kleine Anmerkung zum Borodinquartett:


    Ich finde (u.a.) in den Schostakowitschquartetten vor allem eine bestimmte Art des Tons faszinierend, ausgeprägt bei den tiefen Instrumenten und gut zu hören in den diversen elegischen Melodien. Ist schwer zu beschreiben, bei einer Stimme würde ich wahrscheinlich von "behaucht" sprechen , der Ton wirkt so immer etwas rau und gleichzeitig fragil. Kann das jemand nachvollziehen, ich habe das so ausgeprägt sonst noch nicht bei Kammermusik bemerkt ?
    Ich bin leider kein Experte für Streichinstrumente (Genaugenommen auch sonst für nix :D), aber das fällt mir irgendwie auf. Oder ist das eine Verfälschung durch planwirtschaftliche Aufnahmetechnik ? :stumm:



    :hello:
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis
    Kleine Anmerkung zum Borodinquartett:


    Ich finde (u.a.) in den Schostakowitschquartetten vor allem eine bestimmte Art des Tons faszinierend, ausgeprägt bei den tiefen Instrumenten und gut zu hören in den diversen elegischen Melodien. Ist schwer zu beschreiben, bei einer Stimme würde ich wahrscheinlich von "behaucht" sprechen , der Ton wirkt so immer etwas rau und gleichzeitig fragil. Kann das jemand nachvollziehen, ich habe das so ausgeprägt sonst noch nicht bei Kammermusik bemerkt ?


    Findst Du diese Charakterisitk auch bei anderen Komponisten, aufgenommen durch das Borodin Quartet? Findest Du dies auch bei jenen Quartetten Schostakowitschs, die in den 1990ern vom Borodin Quartet bei Virgin eingespielt worden sind (die ich sehr empfeheln kann!)?


    Dein Bild von "behaucht" in Zusammenhang mit Stimmen, kann ich eigentlich nur in Zusammenhang bringen mit ihrem eher starken Dauervibrato. Sollte dies gemeint sein, kann ich das durchaus nachvollziehen.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo Sascha,


    das von Dir beschriebene kann ich sehr gut nachvollziehen; ich glaube, ich weiß, was Du meinst.


    Ich empfinde diesen Ton bei den Schostakowitsch-Einspielungen des Borodin Quartetts ebenfalls, und zwar sowohl in den CD-Einspielungen wie auch - besonders - bei Live-Konzerten des Borodin Quartetts, die ich bereits häufiger besucht habe.Das Resultat ist natürlich eine wahnsinnig emotionale Spannung im Konzertraum.


    Wie ich meine bzw. mir einbilde, gilt dies in der Tat hauptsächlich für die DSCH-Quartette. Warum das so ist, weiß ich auch nicht. In den DSCH-Quartetteinspielungen anderer Formationen ist dies nicht so extrem beobachtbar. Ich halte es für möglich, dass die vier Musiker zum Verstärken der ohnehin extremen Intimität und Verletzlichkeit in der Musik Schostakowitschs und besonders in den langsam-melancholischen Passagen jeweils den Bogen etwas langsamer streichen.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)


  • Hallo Matthias,


    mir geht es wie dir. Schätzungsweise Anfang der Neunziger habe ich mir die Brodsky-Gesamtaufnahme zugelegt. Mit dieser war ich seither immer zufrieden, so dass ich mir - mit einer gleich genannten Ausnahme - nie eine weitere Gesamtaufnahme zugelegt und deshalb, abgesehen von weiteren Einzelaufnahmen keine Übersicht über die verschiedenen Einspielungen habe.


    Vor einiger Zeit habe ich mir als Ergänzung die günstige Brilliant-Box mit dem Rubio Quartett gekauft. Beim ersten Hören gefiel sie mir ebenfalls sehr gut. Just heute hingegen hatte ich zunächst zum Rubio Qt. gegriffen, jedoch nach wenigen Minuten des 1. Quartetts ausgeschaltet und Brodsky eingelegt - das gefiel mir deutlich besser. Bei den Brodskys würde ich mir inzwischen an manchen Stellen mehr Leidenschaft, mehr Hingabe wünschen. Also werde ich mir beizeiten vielleicht doch die ältere. Borodin-Aufnahme zulegen.


    Bei der Gelegenheit weise ich auf zwei lesenswerte Texte zu den Streichquartetten hin:


    "www.zeit.de/2000/34/200034_schostakowitsch.xml"
    "http://www.feuchtner.de/musik_inhalt/schost_dateien/quartette.html"


    Viele Grüße
    Thomas

  • Danke, Thomas, für den Hinweis auf die Texte.


    Ich habe noch die Einspielungen des Shostakovich-Quartets, die mir aber allzu spröde, streng, im Grundton zu einseitig resigniert sind. Vom 8. Streichquartett besitze ich dann noch die Aufnahme des Kronos Quartetts auf der in diesem Thread schon erwähnten CD "Black Angel", die mich wirklich begeistert. Von daher kann ich mir noch Verbesserungen gegenüber den Brodskys sowohl in die eher expressive als auch in die "dunklere" Richtung vorstellen. Aber in diesem Thread gibt es ja noch viele interessante Hinweise. (Schluck, die Besorgungsliste wird länger und länger.)


    :hello: Matthias

  • Hallo,


    Zitat

    Zitat Uwe Schoof: Ich halte es für möglich, dass die vier Musiker zum Verstärken der ohnehin extremen Intimität und Verletzlichkeit in der Musik Schostakowitschs und besonders in den langsam-melancholischen Passagen jeweils den Bogen etwas langsamer streichen.


    Ich denke, nachvollziehen zu können, was gemeint ist:


    Die Fachausdrücke hier sind "flautando" oder "sul tasto" .
    Der letzte Begriff meint, daß über dem Griffbrett, dort, wo der Ton im allgemeinen nicht besonders gut anspricht und wesentlich matter klingt, gestrichen werden soll.


    Der erste Begriff kann einen ähnlichen Ton erzeugen und ist durchaus auch in Kombination mit dem "sul tasto" zu erzeugen:


    Hier wird mit überhaupt keinem Bogendruck mehr gespielt, aber, und das ist der Unterschied zu Uwes Gedanke, man muß schneller streichen.


    Überhaupt muß, um den Effekt des hauchigen zu erzeugen, durchaus eher schneller gestrichen werden.


    Natürlich, man kann auch sehr langsam streichen bei "sul tasto" oder beim "flautando" .
    Dann wird der Ton extrem brüchig.
    Auch ein sehr schöner Effekt, es gibt halt die verschiedensten Kombinationsmöglichkeiten.


    Der Vibratovarianten gibt es auch sehr viele:
    Das geht vom non-Vibrato über ein sehr kleines Fingervibrato und normalschnelles Vibrato, dessen Relation sich an der Bogengeschwindigkeit orientieren sollte zum mittlerweile allseits unbeliebten Dauerschleudern größerer Amplitude.


    Und überhaupt hat auch die Stärke des Fingeraufsatzes der linken Hand Auswirkungen, man kann auch zwei Finger für einen Ton aufsetzen, das Resultat wird ein anderes sein.


    Wir (das Turina-Quartett) führen übrigens nächste Saison das 8.Quartett mehrfach auf, allerdings nicht in einem Kammerkonzert, sondern als Live-Begleitung für unser hervorragendes Tanztheater.


    LG,
    Michael

  • noch ganz unbekannt in diesem Forum scheint das englische Sorrel Quartet zu sein. Nach den Britten-Quartetten und einzelnen Aufnahmen mit Mendelssohn, Schubert, Elgar u.a. hat dieses aus vier Damen bestehende Ensemble erstmals mit den Schostakowitsch-Quartetten einen größeren Zyklus eingespielt.


    Ich kenne bisher nur den Schubert (frühe Quartette, anläßlich des Threads zu D.87 gekauft) und Schostakowitsch Vol. 3 (Nr. 8, 9, 13). Beide haben mich restlos überzeugt, letztere sogar regelrecht süchtig gemacht, so dass ich nun auf die Lieferung dieser Box warte:



    Über meinen bisherigen Eindruck schrieb ich schon im Britten-Thread:
    - lupenreine Intonation (da können Emerson, Brodsky, Hagen nicht mithalten)
    - sehr intelligenter und sparsamer Vibrato-Einsatz
    - überwältigender Klang (bedingt durch die vorangehenden beiden Punkte, sowie ein unglaublich sonores Cello, hervorragende Saalakustik und Aufnahmetechnik)
    - auch für die Interpretation würde ich die Bestnote vergeben, wobei dies sicher am ehesten Geschmackssache ist. Bin selbst gespannt, ob das Niveau über den ganzen Zyklus gehalten wird.


    Beim Marketplace ist die Box normalerweise zum Gegenwert einer Hochpreis-CD erhältlich, da kann man eigentlich nix falsch machen.


    Gruß,
    Khampan

  • Ich weiss nicht so recht, welches das beste Unterforum ist, um die folgende Frage zum 8. Streichquartett zu stellen:


    Gerade beim Reinzappen in den Film "Read Heat" ( USA 1988 ) mit Arnold Schwarzenegger und James Belushi spielt bei einer Beerdigungsszene (in Russland) eine Trompete eine Melodie, die mir vorkommt wie aus dem 8. Streichquartett von Sch., 4. Satz, vor dem Thema aus der Lady Macbeth. (Ist das ein Zitat eines Revolutionsliedes?) Kann das jemand bestätigen? Vielleicht hat ja einer die DVD zum Film und kennt das 8. Streichquartett gut.


    maticus

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