Schostakowitsch: Streichquartette

  • Ich habe mir die Box mit den 6 CDs der GA (1978-1983) mit dem Borodin-Quartett (Melodiya 2006) zugelegt. Es gab ja hier einige gute Kritiken. In der Tat, die teilweise extremen und unpolierten Interpretationen, die ich bisher gehört habe, finde ich sehr spannend, der Klang ist auch gut.


    Aber: Ich habe massive Abspielprobleme mit der CD Nr. 6 (Streichquartette Nr. 14 und 15). Mein Hifi-CD-Spieler findet kaum oder meist garnicht die Tracks, keinen einzigen! Mein CD-Spieler ist aber nicht als zickig bekannt. Auch mit verschiedenen (!) CD-Spielern in Computern habe ich Abspielprobleme. Teilweise werden hier zwar Titel gefunden und angespielt, aber dann meist nur unsauber und mit Aussetzern bis zum Komplettausstieg nach kurzer Zeit. Mit den anderen 5 CDs scheint es keine Probleme zu geben.


    Mein freundlicher (Versand)-Händler hat mir die CD Nr. 6 sofort unkompliziert durch eine andere ersetzt. Leider mit demselben Ergebnis! Nun wurde mir eine dritte CD Nr. 6 zugesendet. Mein Händler sagte mir am Telefon (und ich glaube ihm das), diese dritte CD Nr. 6 auf zwei CD-Spielern getestet und alle Titel angespielt zu haben. Aber: Auch hier habe ich dasselbe Problem!! Auf verschiedenen CD-Spielern. Das gibt es doch nicht! Soetwas ist mir noch nicht untergekommen.


    Jetzt möchte ich hier fragen, ob auch andere Teilnehmer dieses Problem mit dieser CD kennen. Oder kann sich jemand vorstellen, woran es liegen könnte? Ich würde ja sagen, es ist ein Serienfehler. Aber wenn die CD auf anderen Playern läuft? Was soll ich jetzt machen? Ich finde die Interpretationen sehr gut und möchte nur ungerne das ganze Set zurückgeben, und hätte es am liebsten komplett (funktionierend natürlich). Bin ratlos.


    maticus


    P.S. Gerade nach Verfassen dieses Artikels kam mir noch die Idee, die CD mit meinem DVD-Player (am Fernseher) zu testen. Und: Es scheint damit zu funktionieren!!! Erklärt das, warum es mit den anderen CD-Playern Probleme gibt? Immerhin spielen die Laufwerke in meinen Computern doch auch DVDs ab. Dass es auf dem DVD-Player nun anscheinend läuft, nützt mir aber nicht wirklich etwas. Ich kann und will nicht nur für diese eine CD meinen DVD-Player an die Hifi-Anlage anschließen. Ich stehe vor einem Rätsel.

  • Zitat

    Ich kann und will nicht nur für diese eine CD meinen DVD-Player an die Hifi-Anlage anschließen. Ich stehe vor einem Rätsel.


    Du kannst Dir immer noch am PC eine Kopie dieser CD erstellen.
    Wenn Du Glück hast, wird diese CD-R dann von Deinem CD-Player richtig gelesen.


    Das ist ein Versuch wert, wenn gar nichts hilft, schick mir die CD und ich mache eine Kopie davon.
    Ich denke, meine Plextor Scsi-Laufwerke sollten das hinbekommen.


    :hello:
    Michael

  • Hallo Maticus,


    bei mir läuft die CD wunderbar, auch auf dem billigsten CD-Player.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Erstmal vielen Dank für die Angebote (auch per PN), mir, wenn nichts anderes mehr geht, eine Kopie zu machen. Ich werde es erst noch selbst versuchen, vielleicht nehme ich die Angebote später dankbar an.


    Ich will jetzt aus diesem Thread keinen Technik-Thread machen, aber gerade nochmal zusammenfassen. Es sieht ja für Außenstehende so aus, als sei mein Hifi-CD-Player "schuld".


    Obwohl die CD auf dem DVD-Player und auf dem Laufwerk eines meiner Computer (nennen wir ihn B) läuft, kann etwas mit der CD nicht in Ordnung sein:


    1. Mein Hifi-CD-Player hat im Laufe des letzten Dutzend Jahre nicht die geringsten Probleme bzgl. Aussetzern etc. gezeigt, auch nicht in letzter Zeit.


    2. Die 5 anderen CDs der Box spielt der Hifi-CD-Player ohne Probleme ab (soweit ich das bisher feststellen konnte.)


    3. Das Problem taucht auch auf (wenn auch nicht so extrem) mit dem Laufwerk eines meiner Computer (nennen wir ihn A), unter zwei verschiedenen Betriebssystemen. Das Equippment ist nicht einmal ein Jahr alt.


    4. Das Problem tauchte auch bei den anderen beiden CDs der Nr. 6 auf. Mein Hifi-CD-Player spielt bei allen drei dieser CDs nicht einen einzigen Track an (einmal habe ich es geschafft), manchmal schafft er es nicht einmal, die Trackanzahl und die Gesamtzeit anzuzeigen und rödelt hilflos vor sich hin. Auch mit Computer A und B gab es massive Probleme. Dieser Fehler, der ja offensichtlich vorhanden ist, betrifft also eine Serie.


    Die CD (bzw. die drei CDs) kann also nicht vollständig in Ordnung sein, andererseits kann sie auch nicht komplett defekt sein, da es ja Laufwerke gibt, die sie abspielen. Mich würde interessieren, welches Problem bei der CD meinen Hifi-CD-player komplett aussteigen lässt.


    Da die dritte CD Nr. 6 anscheinend von (dem älteren) Computer B akzeptiert wird (so hoffe ich), werde ich demnächst eine Kopie machen (habe gerade keinen Rohling zur Hand). Voll befriedigend finde ich das auch nicht (sollte es klappen), liest man doch, dass solche gebrannten CDs nicht lange halten.


    maticus


    P.S. Sorry für die Belastung des Threads. Gibt es ein geeignetes Unterforum für mein Posting? Vielleicht sollte man es verschieben.

  • Zitat

    Original von maticus
    Ich finde die Interpretationen sehr gut und möchte nur ungerne das ganze Set zurückgeben, und hätte es am liebsten komplett (funktionierend natürlich). Bin ratlos.


    Und das gerde beim so wunderbaren 14. Quartett: mein Beileid! :(


    Nein, ich kenne das Problem nicht; außer bei uralten Geräten, die kaum eine CD über 60 min Länge lesen konnten.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo a.b.,


    ich bin auf eine ältere Aussage von Dir gestoßen:


    Zitat

    Zitat von a.b.
    Das Beethoven Quartett war sozusagen auf die Uraufführugnen abonniert, auch zum Leiden des Komponisten selbst, der die Borodions technisch und interpretatorisch mehr schätzte.


    Kannst Du für die Aussage eine Quelle nennen?


    Ich will die Aussage nicht bezweifeln. Nur wundert sie mich ein wenig. Denn wenn ich es recht verstehe, war er mit den Mitgliedern des Beethoven Quartetts mehr oder weniger befreundet, widmete er doch jedem von ihnen ein Quartett. Obwohl er wohl auch viel mit dem Borodin Quartett zusammengearbeitet hat, wie man liest.


    maticus

  • Ich höre heute zum ersten mal das 3. Streichquartett. Ich bin ja eher ein Kammermusik-Neuling, allerdings mit schnell wachsender Begeisterung. Bisher kannte ich nur die SQe 1,8,9,10,13,14,15, von denen mir alle sehr gut gefallen, vielleicht weniger nur das 1.


    Von dem 3. Streichquartett (mit den Borodins) bin ich restlos begeistert. Den mittleren Satz "Allegro non troppo" musste ich erstmal eine Weile auf "repeat" schalten, der Satz mit seiner Vehemenz ist unglaublich mitreißend. Danach die düstere Trauer...


    maticus

  • Hallo Maticus !


    Ich kann verstehen, daß die Quartette von Schostakowitsch bei Dir einen
    grossen Eindruck hinterlassen haben.


    Meine Favoriten sind allerdings, das Rasumowsky Quartett.
    Diese, finde ich, spielen die Quartette ausgeglichener und weniger "hektisch" als die Borodins.
    Das 3. Quartett hast Du mit den Borodins gehört.
    Von wem waren die anderen ?


    Übrigens wurde die Gesamteinspielung der Rasumowskys von Maxim Schostakowitsch ( Sohn des Komponisten ) als eine der besten Interpretationen der Musik seine Vaters bezeichnet.




    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Hallo Holger,


    witzig, die GA mit den Rasumowskys hatte ich gestern in einem CD-Laden in der Hand... Habe allerdings nicht lange hingeschaut. Wann wurden die produziert?


    Die anderen Streichquartette habe ich sowohl mit dem Eder als auch mit dem Borodinquartett gehört. Das Eder-Quartett (Naxos) ist klanglich (aufnahmetechnisch) sehr gut, und auch an den Interpretationen ist nichts auszusetzen. Sie spielen zahmer und wohlklingender als die Borodins, wenn ich das mal so pauschal sagen kann, die Borodins dagegen riskieren auch mal falsche Töne, was ich aber nicht schlimm finde, manchmal verstärkt es sogar die Dramatik. Das 9. SQ mit (Borodin, live) ist teilweise schon fast überdreht. Im 13. schaffen sie einen unglaublichen unter die Haut gehenden choralartigen, schwebenden Klang und später mit erschreckenden Glissandi.


    Also, ich kann beide sehr empfehlen.


    maticus

  • Hallo Medicus !


    Zitat

    Habe allerdings nicht lange hingeschaut. Wann wurden die produziert?


    Die GA der Rasumowskys ist von 2005 ( Aufnahmedatum )
    Heraus gekommen ist die Einspielung 2006.


    Deine Aufnahmen des Eder Quartetts kenne ich nicht.


    Bei den Gesamteinspielungen besitze ich :
    Borodin, Rasumowsky und die Emersons.
    Deine Aussagen zu den Borodins kann ich bestätigen, sehe bzw. höre diese genau so.


    Also, noch viel Spass beim hören.


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Ich schreibe das lieber hier als im DVD-Unterforum:


    Es gibt eine ganz neue DVD mit dem Borodin-Quartett:



    Mit Tschaikowsyks 1. und 2. SQ und Schostakowitschs 3. und 8. Die Aufnahmen entstanden 1987 in London (Henry Wood Hall). Tonqualität ist gut. Bildqualität und Kameraführung könnte man sich besser vorstellen, ist aber okay.


    Bisher kann ich nur zu den Aufnahmen der beiden Streichquartette von Schostakowitsch etwas sagen. Beide gehören zu meinen Favoriten. Das 3. finde ich in der CD-Aufnahme der Borodins (in selber Besetzung) von 1983 (Melodiya 2006) noch besser. Das 8. ist auf der DVD aber sehr gut gelungen, finde ich, sehr intensiv gespielt.


    Man merkt dem Borodin Quartett die Erfahrung und Routine an. Kommunikative Blicke und sichtbare Gefühlsregungen finden kaum statt. Umso beeindruckender die Mimik des 1. Geigers Mikhail Kopelman in einigen ergreifenden Passagen des 8. Quartetts.


    maticus

  • Lieber Michael,


    danke, dass du darauf hinweist. Sehr traurig!


    Ich habe inzwischen auch die Aufnahmen mit dem Borodin-Quartett und bin von ihnen begeistert. Das war wirklich ein großer Cellist!


    :hello: Matthias

  • Hallo!


    Mir gefällt neuerdings Schostakowitschs Streichquartett Nr. 2 A-dur ganz hervorragend, und es ist mir derzeit das liebste seiner Quartette. Der Beginn des 1. Satzes verfolgt mich schon lange als Ohrwurm, ohne daß ich zunächst wußte, was das ist.
    Da das Werk im thread noch nicht angesprochen wurde, gehe ich mal davon aus, daß ich mit meiner Präferenz des 2. Quartetts wahrscheinlich alleine dastehe. Oder kann jemand meine Begeisterung nachvollziehen?
    (meine bisherigen Favoriten waren Nr. 8 c-moll und Nr. 15 es-moll)


    Viele Grüße,
    Pius.

  • hallo pius!
    ich bin von allen begeistert, so auch vom 2.
    ich kann aber keinem präferenz erteilen, vielleicht "kenne" ich sie noch zu wenig.
    jedesmal, wenn ich mir vornehme, mich mit einem näher zu beschäftigen, höre ich sie mir als entscheidungshilfe alle durch (so innerhalb einiger tage) und bin dann wieder so klug wie zuvor...


  • In welcher Einspielung hörst Du es denn?


    (Das zweite mag ich auch sehr gerne, während mich das 1. ziemlich kalt lässt und das 15. zu wenig fesselt, was wohl maßgeblich an den Interpretationen liegt. Ganz besonders schätze ich das 14.!)


    :hello:

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Guten Morgen,
    ergänzend möchte ich zwei Miniaturen für Streichquartett vorstellen.Das Borodin Quartett ( in seiner ich glaube vorletzten Formation mit Kopelman,Abramenkov,Shebalin und Berlinsky) hat bei Teldec eine liebenswerte CD mit dem Titel "Russian Miniatures" herausgebracht.Sie beinhaltet Mini-Stücke (teils Bearbeitungen) von Borodin,Tchaikovsky,Rachmaninov,Stravinsky und eben Shostakovich.Die Miniaturen hat das Borodin Quartett häufig als Zugaben gespielt.
    Von Shostakovich sind das Elegy und Polka.
    Die Polka ist eines der witzigsten Stücke in der gesamten Quartettliteratur (quasi "Ein musikalischer Spaß" Shostakovichs).Ich habe nie erlebt,daß bei dieser Zugabe das Publikum ernst bleiben konnte - spätestens wenn Shebalin mit seiner Bratsche "hineinrotzte",war es mit der Beherrschung gänzlich vorbei.
    Eine herrlich entspannende Aufnahme - meine Empfehlung zum Frühstück
    Santoliquido

    M.B.

  • Hallo a.b.!


    Zitat

    Original von a.b.


    In welcher Einspielung hörst Du es denn?


    (Das zweite mag ich auch sehr gerne, während mich das 1. ziemlich kalt lässt und das 15. zu wenig fesselt, was wohl maßgeblich an den Interpretationen liegt. Ganz besonders schätze ich das 14.!)


    Das 14. müßte ich mir auch mal wieder konzentriert anhören. So richtig beschäftigt habe ich mich mit dem Stück noch nie.


    Meine einzige Einspielung des 2. Quartetts ist die mit dem Rubio Quartet (brilliant Box). Die gefallen mir eigentlich recht gut.
    Als Alternative plane ich den Kauf von:



    Ich nehme an, das lohnt sich?


    Viele Grüße,
    Pius.


    P.S.: Du hast eine PN von Ulli.

  • Hallo Pius,


    es gibt die 4-CD- Box von Chandos derzeit unglaublich günstig bei prestoclassical (genauer: dort ist alles von Chandos zurzeit im Angebot). Meines Erachtens empfiehlt es sich daher dringend, dort diese Box zu bestellen:


    "http://www.prestoclassical.co.uk/wx/81057"


    :hello:
    Thomas

  • Bin vor ein paar Tagen bei 2001 auf die hier schon häufiger empfohlene Box mit dem Rubio Quartett gestoßen, bei einem Preis von 11,99 Euro konnte ich nicht widerstehen. Heute öffne ich die Box und lege das 3. Quartett ein, auf das ich als erstes gespannt bin. Nebenbei bin ich hier im Forum unterwegs. Dann der dritte Satz, einer meiner Lieblingssätze. Zunächst fällt mir ein relativ dumpfes, distanziertes Klangbild auf, die Schläge des Cellos find ich wenig mitreißend. Obwohl ich wenig konzentriert zuhöre, möchte ich ab etwa Mitte des Satzes die CD am liebsten aus dem CD-Player reißen. Bevor ich hier schreibe, höre ich den Satz aber nochmal. Der Grund: Mir kommt es so vor, als seien die Ausführenden mit dem Stück stark überfordert. Immer wieder höre ich falsche Töne, manche liegen in der Intonation doch arg daneben. Dazu kommen einige schnelle Passagen sehr unsauber herüber, so wie mit Mühe gerade noch hinbekommen. Das bestätigt sich auch beim zweiten und dritten Hören. Kann bei einer spannungsvollen und mitreißend Einspielung der eine oder andere falsche Ton durchaus noch zur Dramatik beitragen, finde ich hier die Anhäufung und Auffälligkeit der falschen Töne und die Unbeholfenheit am Ende des Scherzos unerträglich. Auch die weiteren Sätze gefallen mir nicht, allzu "brav" vorgetragen.


    Geht es anderen auch so? Habe ich mit dem 3. gleich das "falsche" aus der Box gewählt? Ich kenne ansonsten vom 3. nur die Einspielungen des Borodin-Quartetts (1983) und auf DVD (1987), die sicherlich vorbildlich sind.


    maticus

  • Hallo maticus,


    ich teile deine Einschätzung. Die Rubio-Aufnahmen habe ich mir glücklicherweise erst ausleihen können und dann lieber nicht angeschafft. Die Interpretationen sind nichtssagend, dafür voller spieltechnischer Unzulänglichkeiten - auch für den günstigen Preis, völlig überflüssig.


    Ich habe inzwischen neben den Brodsky Quartet ( ziemlich gut, sehr ausgewogen, aber wenig die Extreme auslotend) und dem Schostakowitsch-Quartet (sehr resignativer Grundton, mir zu wenig Dynamik) auch die älteren Borodin-Einspielungen, von denen ich sehr begeistert bin.


    :hello: Matthias

  • Hallo!


    Andererseits: Ich kannte, als ich mir diese Box gekauft hatte, keines der Schostakowitsch-Streichquartette (ich glaube, sogar gar nichts von Schostakowitsch). Und die Rubio-Aufnahmen haben mit einen guten und günstigen Einstieg in die Welt der Schostakowitsch-Quartette ermöglicht.
    Erst langsam stellt sich bei mir der Wunsch nach Alternativaufnahmen ein.
    Für Hör-Anfänger auf diesem Gebiet muß die Box also doch nicht überflüssig sein.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Kenne das Rubio Q. nicht (meine aber, nicht nur hier auch positive Stimmen gelesen zu haben). Allerdings kostet die Brodsky-Box seit 2006 oder so auch nur 20-25 Euro, und es gibt noch einige weitere recht preiswerte Alternativen. Ich fand zum Einstieg auch die einzige CD der Naxos-Reihe (Eder Q.) mit 3 & 5, die ich gehört habe, nicht schlecht.
    Momentan reicht mir aber jedenfalls Borodin II (Melodiya bzw. BMG) und Brodsky (obwohl die vielleicht etwas zu glatt und nüchtern sind); trotz einiger verlockender Angebote (wie der älteren Borodin-Einspielung mit 1-13) brauche ich erstmal nicht mehr.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Khampan
    noch ganz unbekannt in diesem Forum scheint das englische Sorrel Quartet zu sein. Nach den Britten-Quartetten und einzelnen Aufnahmen mit Mendelssohn, Schubert, Elgar u.a. hat dieses aus vier Damen bestehende Ensemble erstmals mit den Schostakowitsch-Quartetten einen größeren Zyklus eingespielt. Ich kenne bisher nur den Schubert (frühe Quartette, anläßlich des Threads zu D.87 gekauft) und Schostakowitsch Vol. 3 (Nr. 8, 9, 13). Beide haben mich restlos überzeugt, letztere sogar regelrecht süchtig gemacht, so dass ich nun auf die Lieferung dieser Box warte:


    Ich besitze vom Sorrel Quartett Vol. 5 mit den Quartetten 5 und 15. Ich finde die Aufnahmen ebenfalls ganz hervorragend.


    Überhaupt dieses letzte Quartett - das ist in meinen Augen schon ein extrem außergewöhnliches Stück: 6 ineinander übergehende Sätze, alle im gleichen Tempo: Adagio (bis auf den 5. und Reminiszenzen aus diesem 5. Satz im 6.: diese sind noch langsamer) Als Tonart wird Es-moll genannt... ja, aber schon im 1. Satz... da lasse ich lieber Diether de la Motte zu Wort kommen:


    "Dieses Spätwerk eines Komponisten, der einst alle Register pathetischer Expression und dramatischer Spannung beherrschte, ergreift durch seine äußerste Zurücknahme, es berührt, indem es verschweigt. Reduktion der Mittel in allen Dimensionen. Nur an wenigen Stellen geht der erste Satz, die Elegie, über ein äußerst begrenztes rhythmisches Vokabular hinaus, bestehend aus Ganzen, Halben und Vierteln in Zweiergruppen. Ähnliche Sparsamkeit im Tonmaterial. 48 Takte lang genügen sieben Töne. Aber ich glaube nicht, dass es sich dabei noch um das alte es-moll handelt. Zitierte Tonsatzmittel früherer Epochen assoziieren stets eine bestimmte Musiksprache. [...] Schostakowitschs Elegie aber ruft keine frühere in Moll komponierte Musik herbei. Dieses Siebentonmaterial, klanggleich mit es-moll, bringt eine neue, assoziationsfreie Musik hervor. Es gibt mehrere Gründe dafür: es-moll-Musik stellte den Dreiklang ins Zentrum, hier überwiegt die leere Quinte Es-B sowie dissonanter Klang, es-moll-Musik braucht B-dur oder b-moll als zweitwichtigsten Klang, hier fehlt die Dominant-Tonika-Bindung. Erstarrung im rhythmischen Modell kannte wohl das Organum Perotins, nicht aber die Musik der Dur-Moll-Zeit. [...] Mit sieben Tönen, die wir aus Kenntnis der Musikgeschichte es-moll nennen, bringt hier ein Komponist, der von der Welt Abschied nimmt, der alles Raffinement, der Brillanz und Effekt hinter sich gelassen hat, eine neue Musik hervor, deren Einfachheit uns bestürzt; das Ego des Komponisten ist aus dieser Musik bereits herausgetreten." (aus: de la Motte, "Kontrapunkt")


    Sowohl das Werk als auch die Worte de la Mottes über den ersten Satz waren für mich ganz wichtige musikalische Erlebnisse.


    Tharon.

  • Das Eder Quartett (Naxos) kann ich auch sehr empfehlen. Mit den 3 CDs, die ich von ihnen habe, bin ich sehr zufrieden.


    Die Elegie aus dem 15. Quartett finde ich auch unbeschreiblich schön. Oft höre ich nur diesen ersten Satz. Der Satz drückt für mich eine tiefe Traurigkeit und Wehmut aus, verhaltenes Schreiten fast ohne Antrieb, alte Erinnerungen ... und das auf sehr sanftmütige, friedliche Weise.


    :hello: maticus

  • Hallo Tharon,
    es freut mich, daß das Sorrel Quartet noch mehr Anhänger hat.



    Diese Box besitze ich längst und bin begeistert.
    Ich habe mich nur noch nicht dazu geäußert, weil ich zu wenig Vergleich mit anderen Einspielungen habe.
    Nur eins kann ich schon mal festhalten: Was Intonationssicherheit und intelligenten (sparsamen und gezielten) Vibratoeinsatz angeht, ist das Sorrel Quartet zusammen mit dem Artemis-Quartett das beste was es zur Zeit überhaupt gibt.
    (Dank an Michael Sch., der mich in dieser Meinung bestätigt hat, sonst hätte ich mich nicht getraut, das so plakativ zu schreiben).


    Die Intonationssicherheit eröffnet den Sorrel-Damen unglaubliche klangliche Möglichkeiten, die zumindest auf mich eine ungeheure suggestive Wirkung haben.
    Zum Beispiel 5. Quartett: vom 1. zum 2. Satz erstreckt sich ein minutenlanges Unisono über mehrere Oktaven, das ohne das geringste Korrekturzucken und ohne Vibrato, wie eine Registerkombination auf der Orgel durchgezogen wird - Gänsehautstelle für mich.
    Solcherart "stehende" Klänge gibt es bei Schostakowitsch allenthalben, sie werden immer (zunächst) vibratolos gespielt, bis sich daraus Themen lösen, die Vibrato erfordern.
    Ein solches Beispiel ist der Beginn des 9. Quartetts, das seitdem mein Lieblingsquartett von Sch. ist.
    Nur den letzten beiden Quartetten konnte ich bisher nicht soviel abgewinnen, muß wohl an mir liegen, wenn Nr. 15 in der Sorrel-Einspielung auf Tharon solchen Eindruck macht.


    Ich hoffe, daß sich auch noch die anderen beiden Herren äußern, denen ich die Box "aufs Auge gedrückt" habe.


    :hello:Khampan

  • gerade habe ich bemerkt, daß es die Sorrel-Box als UK Import regulär zu einem ziemlich günstigen Preis gibt. Hier draufklicken:



    Einen Unterschied zwischen der normalen Version und dem UK-Import gibt es wahrscheinlich nicht, da man im Booklet laut Auskunft von Chandos "aus Platzgründen" (sprich: Kostengründen) auf einen deutschen Text verzichtet hat.


    :hello: Khampan

  • Hallo !


    Ich möchte auch hier noch einmal auf die Einspielung der Quartette von Schostakowitsch durch das Quatuor Danel hinweisen, welche in diesem Thread noch nicht genannt wurden :




    Das Quartett beweist in den Aufnahmen der Quartette,Mut zum Risiko ohne dabei den Sinn für Klangschönheit zu verlieren, aber auch an der richtigen Stelle die teilweise "Abgrundtiefen" Dissonanzen voll auszukosten.
    Die kompositorischen Motive bleiben auch im grössten Getümmel durchhörbar.
    Es ergibt sich ein wunderbares transparentes Klangbild.
    Obwohl es grosse, mustergültige Einspielungen gibt ( allen voran mit dem Borodin Quartett ) möchte ich diese Einspielung zu den ganz grossen zählen.


    Abslolute Empfehlung von mir.


    :hello:


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Schostakowitsch ist ein Komponist, der mir eigentlich sehr fern steht. Trotzdem wollte ich mir demnächst eine Gesamteinspielung der Streichquartette zulegen und habe dabei an folgende Einspielung gedacht, da mich dieses Quartett mit seinem Mendelssohn sehr beeindruckt hat:



    Kennt jemand diese Einspielung und kann mir dazu etwas sagen?

  • Schostakowitsch ist ein Komponist, der mir eigentlich sehr fern steht. Trotzdem wollte ich mir demnächst eine Gesamteinspielung der Streichquartette zulegen


    Wenn Dir Schostakowitsch eh schon sowieso "fern" steht, und das auch noch "sehr", verstehe ich gar nicht, weshalb es gleich eine GA sein muss, insbesondere viele seiner Streichquartette alles andee als sehr eingängig sind, ja viele geradezu als sperrig empfinden. Ich empfehle Dir da eher, mit den eingängigen (Nr. 3 & 8) zu beginnen. Gerade die von Puis anvisierte mit dem Borodin Quartet bei Virgin empfhiehlt sich da in jeder Hinsicht!
    :hello:


    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke