Schostakowitsch: Streichquartette

  • Den Zyklus hat fast niemand, weil es ihn vermutlich jahr(zehnte)lang höchstens auf Melodiya-LPs gab, er jedenfalls nicht leicht einfach zu kaufen war. Das Taneyev-Quartett war eines der großen russischen Quartette der 50er-70er, nur international nicht ganz so bekannt wie das Borodin-Quartett. Sie haben u.a. auch die Werke ihres Namenspatrons, Miaskowsky und anderer noch weniger bekannter Komponisten und auch einen kompletten Schubert-Quartettzyklus eingespielt. Ich weiß nichts genaueres über diese DSCH-Aufnahmen, aber sie dürften ähnlich authentisch und interessant sein wie die des Borodinquartetts


    Hier ist eine Rezension auf englisch, allerdings dürfte die Aulos-Box auch nicht mehr leicht zu kriegen sein.


    http://www.musicweb-internatio…ich_Quartets_AMC20551.htm

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Bearbeitungen für Streichorchester und Pauken

    Nun muß ich sagen, das ich diese Art Musik nicht jeden Tag hören kann.

    Die Streichquartette sind sehr tiefgehende Musik (wie die Sinfonien), aber der Klang selbst mit vier Solostreichern läßt Erwartungen in mir offen. Das hat etwas mit Musik- und Klangästhetik zu tun.
    Mit dem folgenden Satz werde ich warscheinlich auf Unverständnis bei einigen Forianern stoßen, aber ich muß ich fast witzig sagen: Dieses andauernde Gequische kann ich mir nicht jeden Tag anhören :D .


    :yes: Da gefallen mir die DG-Aufnahmen von Rudolf Barshai für Streichorchester gesetzten Quartette op.110a und op.118a doch wesentlich besser.
    Weil ich diese Barshai-Aufnahmen sehr schätze und bestens kenne, liegt mir auch das Streichquartet Nr.8 op.110 am nächsten.

    teleton schrieb diese Zeilen vor bereits fast 16 Jahren. In den letzten Tagen habe ich mich auch an die Streichquartette herangewagt und bin dann schnell auch auf die besagten Orchestrierungen gestoßen, die mir, der ich eben nicht von der Kammermusik komme, den Einstieg erleichtern.


    Die bekanntesten Fassungen für Streichorchester stammen, wie gesagt, von Rudolf Barschai. Er hat insgesamt fünf Quartette orchestriert: op. 110a (Quartett Nr. 10), op. 118a (Quartett Nr. 8), op. 83a (Quartett Nr. 4), op. 73a (Quartett Nr. 3) und op. 49a (Quartett Nr. 1; "Eine kleine Symphonie").



    Es gibt allerdings vom Quartett Nr. 8 c-Moll op. 110 auch noch eine Reihe weiterer Bearbeitungen für Orchester. Bereits 1961 (ein Jahr nach der Komposition) hat der sowjetische Dirigent Abram Stasewitsch (Stasevich) mit Genehmigung des Komponisten die sog. Sinfonietta c-Moll für Streichorchester und Pauken op. 110b arrangiert. Paavo Järvi hat diese Bearbeitung vor einigen Jahren mit dem Estonian Festival Orchestra für Alpha eingespielt. Das Ergebnis lässt durchaus aufhorchen. Der Paukenpart ist sehr prominent und für Kenner von op. 110 wohl auch gewöhnungsbedürftig, aber durchaus stimmig und steht für das entsetzliche Bombardement von Dresden.


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    Eine weitere Bearbeitung für Streichorchester und Pauken op. 110a lieferte der litauische Dirigent Saulius Sondeckis ab. Eine Einspielung unter seinem Dirigat ist bei Sony erschienen. Die genauen Unterschiede zur Stasewitsch-Fassung habe ich nicht überprüft, es dürfte aber welche geben, dann wieso hätte Sondeckis sonst ein eigenes Arrangement angefertigt.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • In Beitrag 5 ist erstmalig von der Quartette-GA mit dem Rubio-Quartett (BRILLANT, DDD) die Rede.
    In Beitrag 30 berichtete ich ebenfalls von dieser preiswerten GA.
    Leider wurde auf beide Beiträge nie mehr Bezug genommen.


    :?: Sind diese Aufnahmen bei den Taminos unbekannt ? Wer kennt diese Brillant-GA ? Welche Eindrücke über Einspileung und Qualität würdet ihr beschreiben ?


    Ich habe und brauche im Prinzip eigendlich nur diese GA der 13 Quartette, da Streichquartette rein hörpsychologisch nicht ganz meine Musik sind - aber bei Schostakowitsch war das für mich ein MUSS.

    Ein Vorteil dieses Forums ist es tatsächlich, dass man 10 Jahre nach der Frage noch antworten kann :). Ich habe die Aufnahmen des Rubio Quartettes, und zwar schon sehr lange. IMO damals (2003) noch bei Saturn in Köln gekauft, und auch damals schon zu einem Spottpreis! Das war sicher auch der Auslöser.



    Meine Box sieht noch anders aus und war wahrscheinlich noch günstiger ....


    Das Rubio Quartett war ein belgisches Ensemble, 1991 gegründet und hat sich 2005 aufgelöst. Bekannt geworden ist meines Wissens nur durch die Schostakowitsch Einspielung (Wer mehr weiß, melde sich bitte!)


    Die Einspielung des Rubio an sich ist IMO nicht schlecht.


    Es wird in diesem Therad viel über die Bedrängnis und auch die Angst gesprochen, die einige wohl gerne in diesen Quartetten hören wollen. Da führt dann wohl kein Weg an den Einspielungen des Borodin oder Beethoven Quartettes vorbei. Mein Start damals war diese 8 LP Box, die beliebig viel Angst und Bedrängnis ausliefern kann.


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    Die Aufnahmen vom Borodin (1-13) befinden sich noch auf dieser CD Box



    Das Rubio spielt völlig anders. Wesentlich analytischer! Der Klang und die Aufnahme sind ausgezeichnet. Ich höre diese Aufnahme hin und wieder recht gerne. Selbstverständlich sind auch bei der RubioEinspielung Schostakowitsch Quartette keine Äußerungen reiner Lebensfreude, aber die Trauer ist reflektierter und hat schon etwas Abstand.


    Meiner Meinung nach für diesen Preis ein sehr guter Einstand. Man kann dann immer noch ausbauen. Die Quartette geben ja schon einiges her ... :)