SCHREKER, Franz: DER SCHMIED VON GENT

  • Franz Schreker (1878-1934)


    Der Schmied von Gent



    Oper in drei Akten


    Libretto: Franz Schreker nach Charles de Coster: Smetse Smee (in: Légendes flamandes)

    Entstehung: 1929-1931

    Uraufführung: 29. Oktober 1932

    Ort: Städtische Oper (heute: Deutsche Oper) Berlin

    Dauer: ca. 135 Minuten


    Personen


    Erde

    Smee - Bass

    Seine Frau - Alt

    Flipke, Geselle - Tenor

    Slimbroek, Schmied - Tenor

    Bürger - Bass

    Knappe - Tenor

    Drei Adlige - Tenor/Bariton/Bass

    Chor


    Hölle

    Asarte - Sopran

    Herzog Alba - Bass

    Jakob, Henker - Tenor

    Luzifer - Stumme Rolle


    Himmel

    Heiliger Josef (als Bürger) - Tenor

    Maria mit dem Kinde - Sopran

    Heiliger Petrus - Bass

    Chor der Engel


    Ort & Zeit der Handlung

    Gent im 16. Jahrhundert; Himmelsstadt


    Handlung


    1. Aufzug

    fünf Bilder

    Als Smee und seine Gesellen in guter Stimmung bei der Arbeit sind kommt ein Knappe um das Pferd seines Herren beschlagen zu lassen. Weil die Gesellen sich ungebührlich verhalten, warnt Smees Frau davor, den Auftrag an den Konkurrenten Slimbroek zu verlieren. Sie betet um ein baldiges Ende Slimbroeks am Misthaufen, da seinetwegen die Auftragslage ihres Mannes schlecht aussieht und die Familie verelendet.

    Unterdessen sieht Slimbroek sich überschwemmt mit Aufträgen der Adligen, die auf baldige Fertigstellung drängen. Selbstsicher weist er daraufhin, dass die Adligen zu seinem Konkurrenten Smee gehen könnten, allerdings sei dieser ein Geuse - ein Reformierter. Betrunken macht er sich wieder an die Arbeit. Die Adligen tauschen sich verärgert über diesen Auftritt aus, trauen sich aber nicht zu Smee zu wechseln, der einen angenehmeren Charakter hat.

    Wenig später verhöhnt Slimboek Smee, der seinen Konkurrenten daraufhin zur Erheiterung des Volkes in den Fluss stößt. Slimboek schwört Rache.

    Trotzdem Smee sich an Slimboek rächen konnte, ist seine Lage ohne Aufträge verzweifelt. Er beschließt sich das Leben zu nehmen. In diesem Moment hört er Stimmen aus der Hölle, die ihm einen Handel vorschlagen: Wenn er seine Seele verkauft darf er sieben Jahre in Reichtum leben und wird anschließend von der Hölle verschlungen. Smee unterschreibt auf einem schwarzen Papier.

    Kurz darauf rollt eine flammende Kugel auf die Schmiede zu, die beim Zerplatzen laut donnert. Im Anschluss räumt sich die Werkstatt von alleine auf, das Feuer entzündet sich neu und verschiedene Händer bringen Brot und Wein im Überfluss. Seiner Frau gegenüber behauptet Smee, dass es sich im Vorschüsse für neue Arbeiten handle. Kurz darauf wird im Boden der Schmiede auch noch ein Sack mit Gold ausgegraben.


    2. Aufzug

    ein Bild

    Smee ist inzwischen reich und hoch angesehen. Er unterstützt die Armen in der Stadt selbstlos und soll Senator werden. Doch macht ihm Sorgen, dass die Frist von sieben Jahren ihrem Ende entgegen geht.

    Ein ärmlicher Bürger, seine Frau und ein kleines Kind erscheinen und bitten daraum ihren Esel neu beschlagen zu lassen. Smee erledigt die Arbeit kostenlos und schenkt der armen Familie Essen und Kleidung. Daraufhin geben sich die Bettler als die Heilige Familie - Josef, Maria und Jesus - zu erkennen und gewähren Smee zum Dank drei Wünsche. Smee legt sich einen Plan zurecht und wünscht sich dass niemand mehr gegen seinen Willen 1) vom Pflaumenbaum klettern, 2) vom Lehnstuhl aufstehen und 3) aus seinem Sack schlüpfen kann. Josef erfüllt ihm diese Wünsche.

    Wenig später erscheint Jakob der Henker aus der Hölle um Smee mitzunehmen. Smee bietet ihm an vor der Abreise noch einige Pflaumen aus dem Baum zu probieren. Jakob steigt auf den Pflaumenbaum und kann diesen gemäß des Wunsches Smees nicht mehr verlassen. Da Jakob als bloßer Handlanger den Vertrag nicht bei sich hat, lässt Smee ihn schließlich laufen, nachdem er ihn verprügelt hat. Nächster Abgesandter der Hölle ist Herzog Alba, dem Smee zum Ausruhen nach der beschwerlichen Reise einen Lehnstuhl bringen lässt. Alba sitzt fest, hat jedoch ebenfalls den Vertrag nicht bei sich. Schließlich verschwindet er in einer Stichflamme im Boden. Zuletzt erscheint Astarte, nackt unter einem Purpurmantel und voller Wunden. Sie behauptet, dass sie selbst damals den Pakt zur Rettung Smees eingefädelt hatte. Smee behauptet einen Sack zu haben, der Wunden heilen könne. Astarte schlüpft hinein und ist gefangen. Smee verlangt die Herausgabe des Vertrages. In diesem Moment erscheint seine Frau und bespritzt Astarte mit Weihwasser. Diese kann nicht anders als den Vertrag herauszugeben. Doch in diesem Moment erscheint Luzifer mit einem Schild "schöner als Gott" in der Hand, die Schmiede zerbricht und wird von Wasserfluten verschlungen.


    3. Aufzug

    Drei Bilder

    Smee ist unnatürlich gealtert und liegt auf dem Sterbebett. Nur sein Kleid und seinen Sack möchte er mitnehmen, um im Jenseits weiterhin als Schmied umherzuwandern. Smee verlässt die Bühne (es wird nicht explizit erwähnt, dass er stirbt) und kommt an das Höllentor, an dessen Pforte Jakob wacht. Dieser erkennt Smee und schließt eilends die Tore. So wandert der Schmied weiter und kommt schließlich zum Himmelstor, an welchem Petrus wacht. Dieser weist Smee jedoch ab, da er noch seinen Sack bei sich trägt. Er öffnet den Sack und stellt überrascht fest, dass er voller Nahrungsmittel ist, die ihm Astarte dagelassen hat. Er beschließt direkt vor dem Himmelstor eine Schenke für müde Wanderer zu eröffnen. Wenig später kommt sein beim Einsturtz der Schmiede umgekommener Geselle Flipke vorbei und berichtet Smee, dass seine Frau sehr krank sei. Wenig später kommt ihre Seele zum Himmelstor und Smee bittet sie, ihn unter ihrem Rock versteckt mitzunehmen. Doch Petrus entdeckt ihn und verwehrt ihm den Einlass. Seine Frau verspricht ihm bei Josef ein gutes Wort für ihn einzulegen. Wenig später gesellt sich auch Slimboek hinzu und die ehemaligen Konkurrenten zechen gemeinsam vor dem Himmelstor. Endlich erscheint der heilige Josef und fragt Petrus, weshalb Smee nicht eintreten darf. Nun wird deutlich, dass der Sack das Problem dartellt, weil er Lebensmittel enthält, die der Teufel, in Form von Astarte, selber besorgt hatte. Smee gibt den Sack auf und Josef wiegt seine guten und schlechten ab. Den Ausschlag zum Heil gibt, dass er den Teufel, in Form von Jakob, verprügelt hatte. Das Himmelstor öffnet sich und Smee tritt ein. Die Heerscharen begrüßen ihn mit den Worten: "Heil dem tapfren Smee, der den Teufel verhauen hat."


    Anmerkungen

    Schrekers letzte Oper ist eine reine Märchenoper mit ironischen Untertönen. Schreker wählte diesen Stoff, weil die Vorgängerwerke kaum Erfolg hatten und er "einmal ein ganz primitives, naives Theaterwerk, eine Oper für jedermann" komponieren wollte. Die zu Grunde liegende flämische Märe nannte er eine "Oper à la Breughel". Die Vermutung, dass Schreker mit dem Höllenpersonal der Oper die Nationalsozialisten karikaturieren wollte, lässt sich nicht belegen. Dennoch wurde die Uraufführung 1932 von Antisemiten gestört, war aber abgesehen davon ein Erfolg. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten wenig später, hatte die Oper keine Chance, sich nachhaltig auf den Spielplänen zu etablieren. Schreker und seine Werke galten nun als "entartet". Es dauerte bis zum Jahr 1981, bis die Oper - erneut in Berlin - wiederaufgeführt wurde.

    Die musikalische Gestaltung dieser Oper ist überaus vielseitig und durchaus innovativ. Den Orcheterapparat verstärken Messingrohr und Lautsprecher für die Teufels- und Knabenstimmen. Auf der Bühne symbolisiert ein Harmonium samt Naturtrompeten die Himmelsmusik. Hinzu kommt eine große Auswahl an Perkussionsinstrumenten, Celesta, Wind- und Donnermaschine. Damit steht die Oper in der langen Tradition der Zauberopern, die schon im Barock mit aufwendigen Mitteln umgesetzt wurden.

    Die Oper ist weniger deklamatorisch durchkomponiert, als die anderen Bühnenwerke Schrekers (mit Ausnahme des "Schatzgräbers"). Gemäß der Handlung gibt es abgeschlossene Formen, wie das Geußenlied der Gesellen, Tanz- und Trinklieder und sogar eine Passacaglia, mit der Bischof Alba charakterisiert wird. Diese verschiedenen musikalischen Elemente werden montageartig miteinander verbunden und ergeben ein äußerst heterogenes Klangbild.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Danke für die interessanten Schreker Einträge, lieber Tristan. Als großer und langjähriger Freund seiner Musik, muss mich mein Weg in der nächsten Spielzeit (2024/25) nach Mannheim führen. Ich kenne soweit nur die Chemnitzer Aufnahme, sicherlich nicht schlecht, mit dem Live-Erlebnis erhoffe ich mir andere/stärkere Eindrücke. Und dann noch in Mannheim, ein Haus was mich selten enttäuscht hat (...ehm, eigentlich noch nie :)).



    Meine einzige Aufnahme der Oper:

  • Meine einzige Aufnahme der Oper:

    Dies ist auch die einzige verfügbare Aufnahme: Chemnitzer Oper, Schumann PO (Frank Beermann)


    Ansonsten sieht es diskographisch leider tatsächlich düster aus, was dieser interessanten Oper nicht angemessen ist.

    Bei youtube gibt es noch einen Livemitschnitt aus der Berliner Staatsoper vom 07.07.1981:


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)