Opernsaison 2025/26

  • Im Frühling werden jedes Jahr die neuen Spielpläne der Opernhäuser präsentiert.

    Hamburg war dieses Jahr besonders früh und hat bereits heute die Pläne veröffentlicht. Hier steht alles ein wenig auf Neuanfang, denn die drei Intendanzen haben gewechselt. Für das Ballett geht Demis Volpis in seine zweite Saison, aber die erste stand noch sehr unter dem Vorzeichen Neumeiers. Tobias Kratzer übernimmt in der Oper von Georges Delnon (von dem ich nie ein riesiger Fan war) und wird erstmals Chefintendant eines großen Hauses sein. Diese Personalie erzeugt natürlich Neugier, bei manchen auch Skepsis, bei anderen Vorfreude. Zeitgleich übernimmt Omar Meir Wellber das Staatsorchester von Kent Nagano. Alle drei wollen enger zusammenarbeiten und frischen Wind bringen. Das macht einerseits Hoffnung - die Staatsoper HH wirkt gelegentlich etwas angestaubt - andererseits macht es mir aber auch Sorge vor zu vielen Experimenten.

    Es sind einige Kleinigkeiten, die Aufbruch signalisieren sollen, sei es ein neues Design oder auch die besonders frühe Programmvorstellung in den Werkstätten.


    Das neue Programm hält einerseits spannende neue Projekte parat und zahlreiche Opernaufführungen, die ich besuchen werde. Andererseits sind es nur sechs Premieren und darunter ist mir zu viel Experimentelles. Interessant ist sicherlich noch die szenische Umsetzung von Schumanns "Paradies und die Peri". Dazu an klassischen Opern neu "Ruslan und Ljudmila", sowie der "Barbiere di Siviglia". Hinzu kommen aber auch eine Uraufführung von Olga Neuwirth und zwei Mix-Stücke, von denen ich in der Regel nicht viel halte. Eines mit Mozart-Musik, eines klingt zugegeben spannend weil immerhin zwei komplette Opern zusammengeschnürt werden: Bartoks "Blaubart" mit Zemlinskys "Florentinischer Tragödie".

    Hinzu kommen 20 Repertoire-Produktionen, bei denen ich mich vor allem freue, dass Lohengrin zurückkehrt und dass Ariadne noch dabei ist, die ich wieder besuchen werde um sie dieses Mal szenisch zu sehen.


    Nachzulesen ist das alles hier. Das Programmheft allerdings sieht furchtbar aus, ist stilistisch überhaupt nicht mein Fall.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • […] dass Lohengrin zurückkehrt […]

    Grundgütiger! Wer ist denn auf die Idee gekommen, dass es gut ist, dem Publikum die traurigen Ruinen einer vor fast 30 Jahren erfolgreich (und wohl auch gut) gewesenen Produktion zu präsentieren?


    (Nebenbei: Zemlinskys Einakter ist nicht besonders komisch und soll es auch nicht sein, weshalb er auch einen Titel hat, der das nicht verspricht.)

  • (Nebenbei: Zemlinskys Einakter ist nicht besonders komisch und soll es auch nicht sein, weshalb er auch einen Titel hat, der das nicht verspricht.)

    Ups, schon geändert.


    Grundgütiger! Wer ist denn auf die Idee gekommen, dass es gut ist, dem Publikum die traurigen Ruinen einer vor fast 30 Jahren erfolgreich (und wohl auch gut) gewesenen Produktion zu präsentieren?

    Ich bin Publikum und ich freue mich drüber. Scheint also nicht so eine schlechte Idee zu sein...

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Grundgütiger! Wer ist denn auf die Idee gekommen, dass es gut ist, dem Publikum die traurigen Ruinen einer vor fast 30 Jahren erfolgreich (und wohl auch gut) gewesenen Produktion zu präsentieren?


    Du musst Dein Licht nicht unter den Scheffel stellen ;): In Hamburg gilt dieser "Lohengrin" als geradezu legendäre Kult-Produktion. Wieso ich Trottel es hinbekommen habe, diesen "Lohengrin" bis heute nicht zu besuchen, obwohl er mehrmals wieder aufgenommen worden ist, weiß ich nicht... :untertauch: Du hast aber natürlich vollkommen recht, dass die x-malige Wiederaufnahme einstmals großartiger Produktionen in der Regel bestenfalls eine vage Andeutung von dem liefert, was man in der jeweiligen Premierenspielzeit geboten bekommen hat.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Wieso ich Trottel es hinbekommen habe, diesen "Lohengrin" bis heute nicht zu besuchen, obwohl er mehrmals wieder aufgenommen worden ist, weiß ich nicht.

    Na dann nächstes Jahr! ;)

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich bin Publikum und ich freue mich drüber. Scheint also nicht so eine schlechte Idee zu sein...


    Die Termine sind Ende März und Anfang April 2026. Vielleicht bekomme ich es ca. 28 Jahre nach der Premiere ja endlich hin mal hinzugehen... :)


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • In diesem Falle kann man da vollkommen sicher sein. Eine Produktion, bei der es vor allem auf äußerste Präzision des Spiels und des Zusammenspiels ankommt, ist über einen solchen Zeitraum selbst bei ernsthaftesten Bemühungen aller Beteiligten nicht zu halten. Und schon gar nicht, wenn der Anteil humoristischer Elemente hoch ist, weil die besonders viel Genauigkeit und Strenge erfordern und nahezu unwiderstehlich dazu verführen, dem »Affen Zucker zu geben«. Aber es kann natürlich auch einen gewissen Reiz haben, durch Ruinen zu wandeln.

  • Vielleicht bekomme ich es ca. 28 Jahre nach der Premiere ja endlich hin mal hinzugehen... :)

    Es gibt eine DVD. Dokumentiert ist der zweite (oder schon dritte?) Aufguss. Ganz frisch ist das auch nicht, aber doch immerhin näher an dem, was das mal war.

  • In diesem Falle kann man da vollkommen sicher sein. Eine Produktion, bei der es vor allem auf äußerste Präzision des Spiels und des Zusammenspiels ankommt, ist über einen solchen Zeitraum selbst bei ernsthaftesten Bemühungen aller Beteiligten nicht zu halten. Und schon gar nicht, wenn der Anteil humoristischer Elemente hoch ist, weil die besonders viel Genauigkeit und Strenge erfordern und nahezu unwiderstehlich dazu verführen, dem »Affen Zucker zu geben«. Aber es kann natürlich auch einen gewissen Reiz haben, durch Ruinen zu wandeln.


    Meine sehr viel bessere Hälfte hat die Produktion damals in den späten 90ern gesehen. Sie kann mir dann ja eine Einschätzung geben, ob die Ruinen den Zauber des seinerzeit Gebotenen noch etwas wiedergeben. :) Generell ist das natürlich ein Schwachpunkt des Repertoire-Theaters.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Es gibt eine DVD. Dokumentiert ist der zweite (oder schon dritte?) Aufguss. Ganz frisch ist das auch nicht, aber doch immerhin näher an dem, was das mal war.


    Ich weiß, dass es eine Aufzeichnung gibt, aber ich schaue Opern generell nicht sonderlich gerne am Bildschirm an. Vielleicht tut es ja eine Kombination aus der Live-Ruine und danach der DVD. Mal sehen...


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

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  • Generell ist das natürlich ein Schwachpunkt des Repertoire-Theaters.

    Nicht generell. Sondern vornehmlich in der Oper. Im Schauspiel kommt es äußerst selten vor, dass eine Produktion so lange künstlich am Leben gehalten wird, bis sie nur noch aus Prothesen besteht. Das liegt wohl daran, dass dort eine Aufführung nicht viel zu bieten hat, wenn die theatralische Qualität durch Abnutzung dem Nullpiunkt zustrebt, während diese in der Rezeption von Opernproduktionen grundsätzlich von untergeordneter Bedeutung ist.

  • während diese in der Rezeption von Operproduktionen grundsätzlich von untergeordneter Bedeutung ist.


    Aber nicht doch! In der Oper ereifert man sich über das angeblich vollkommen missratene Bühnenbild, die hässlichen Kostüme, lastet beides dem Regisseur an, ohne sich zur Regie nennenswert zu äußern, und betont dann, wie "werktreu" die Aufführungen früher waren. ^^


    LG :hello:

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  • Ja, naja. Stimmt. Daran habe ich jetzt aber gar nicht gedacht, sondern eher an die in aller Regeln von keiner Kenntnis angekränkelten Elaborate der Opernkritiker. Allerdings wird das ja auch nicht für die gemacht. ;)

  • Diesen Hamburger Lohengrin habe ich mit Stephen Gould und Wolfgang Koch gesehen. Die Damen sind mir nicht erinnerlich, was ein schlechtes Zeichen ist. Wenn der Dramaturg selbst einen Abgesang auf die Produktion serviert, sollte man vielleicht nochmal hingehen, bevor jemand wirklich den Stecker zieht.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Der Dramaturg hat darauf absolut keinen Einfluss (und auch übrigens gar keine Beziehung zu der Sache mehr) und würde sich nicht äußern, wenn er ihn hätte. Es handelt sich auch um keinen Abgesang, wenn man darauf hinweist, dass eins der grundlegenden Charakteristika des Theaterkunstwerks dazu führt, dass die Vorführung solcher Titurel-Aufführungen höchst fragwürdig ist. Er handelt sich lediglich um eine Feststellung, die sich zwingend aus der Natur der Sache ergibt.


    Übrigens kann es auch schön sein, in Ruinen zu wandeln. Ich habe letzte Woche die des Karnak-Tempels besucht, und es war wieder ein großes Erlebnis. Allerdings macht mir da auch niemand vor, ich würde das Bauwerk so sehen, wie es einst war. Das ist der Unterschied. Theater ist nun mal eine grundsätzlich zeitgenössische Kunst. Altes Theater kann es nicht geben. Was man so präsentiert, ist bestenfalls eine gut konservierte Mumie, oder eben so etwas wie ein rosig geschminkter Titurel.

  • Ich habe am Donnerstag in Rom eine Tosca gesehen, in dem Bühnenbild nachgebaut der ersten Aufführung in diesem Theater 1900 !

    Herrlich, jedes Detail der Inszenierung stimmte mit dem gesungenen Text/ Libretto überein. Das Bühnenbild mit den 3 Schauplätzen orientierte sich an den baulichen Gegebenheiten in prächtiger Farbgebung.

    Das würde hier als fürchterliche traurige Ruine gelten !

    Meine Frau und ich, und alle mehr als 2000 Anwesende, haben es aber trotzdem sehr genossen.

  • Die Bayerische Staatsoper hat nun ebenfalls den neuen Spielplan vorgelegt.

    An der Isar gibt es u.a. einen neuen Rigoletto, Henze zum 100. Geburtstag ("Die englische Katze") und die seltene Rimski-Korsakow Oper "Die Nacht vor Weihnachten". Beim Kratzer-Ring hat die Walküre Premiere. Hinzu kommen sagenhafte 27 Wiederaufnahmen!


    https://www.staatsoper.de/spielzeit-2025-26

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Nun geht es in Berlin voran. Es gibt die Spielpläne der Staatsoper und der Komischen Oper.


    Die Staatsoper bringt als Premiern u.a. "Les contes d'Hoffmann", "Das schlaue Füchslein", "Un ballo in maschera" und eine "Entführung". Dazu gibt es fast 30(!) Repertoire-Opern, mit Thielemann Strauss' "Schweigsame Frau", "Wozzeck" und den "Rosenkavalier". Und Thielemann wird (natürlich) auch zweimalig komplett den Ring leiten. Im Repertoire außerdem u.a. "Aida", "Ariadne auf Naxos", "Don Carlo", "Don Giovanni", "Lohengrin", "Nabucco", "Pelleas et Melisande", "Samson et Dalila", "Tosca", "Turn of the screw" und einiges mehr.

    Staatsoper unter den Linden


    In der Komischen Oper gibt es u.a. Neuproduktionen von "Salome", "Lady MacBeth von Mzensk", Händels Oratorium "Belshazzar" szenisch und der zeitgenössischen Olga Neuwirth Oper "Orlando". Wie in den letzten beiden Jahren wird im Schillertheater gespielt.

    Im Repertoire-Bereich fallen mir "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagony" und Schostakowitschs "Nase" ins Auge.

    Komische Oper


    Interessant ist da schon einiges, aber ob mich irgendetwas davon in die Hauptstadt lockt muss ich noch sehen. Vielleicht sogar eher Repertoiresachen. "Die schweigsame Frau" werde ich mir im Juli am Ende der Saison nach ansehen.

    Gespannt warte ich auf das Programm der DOB, welches aber erst im Mai bekanntgegeben wird.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Die Dresdner Vorschau ist da: Premieren Oper 2025/26


    Zu den Karmeliterinnen, inszeniert von von Jetske Mijnssen, möchte ich fahren. Ihre Karmeliterinnen in Zürich, die ich vor drei Jahren sah, haben mich sehr beeindruckt. Wie in Zürich wird Evelyn Herlitzius die Mme. Crossy in Dresden singen.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Die Dresdner Vorschau ist da: Premieren Oper 2025/26


    Zu den Karmeliterinnen, inszeniert von von Jetske Mijnssen, möchte ich fahren. Ihre Karmeliterinnen in Zürich, die ich vor drei Jahren sah, haben mich sehr beeindruckt. Wie in Zürich wird Evelyn Herlitzius die Mme. Crossy in Dresden singen.

    Die Dresdner Karmeliterinnen sind eine Übernahme aus Zürich.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*

  • Das Repertoire der Deutschen Oper Berlin in der kommenden Spielzeit ist auf der Webseite der DOB zu finden.


    Repertoire 25/26


    Auf den neuen Tristan und die Violanta freue ich mich. Und daß Fr. Berzhanskaya kommt, ist auch schön.

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    -- Aydan Ö*oğu*

  • Das Repertoire der Deutschen Oper Berlin in der kommenden Spielzeit ist auf der Webseite der DOB zu finden.

    Darauf habe ich schon gewartet. Auf jeden Fall wird mich "Violanta" und "Die Schatzgräber" nach Berlin führen. Da die jeweils an zwei Abenden nacheinander laufen, kann ich da einen ausgedehnten Berlin-Besuch einplanen - das ist optimal!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die Oper Kiel hat auch ihr Programm für die neue Saison vorgelegt. Ich freue mich besonders auf Mozarts "Idomeneo" worauf ich aber quasi noch ein Jahr bis zum Ende der Spielzeit warten muss. Auch für "La forza del destino", eine Lieblings-Verdi-Oper von mir, werde ich wohl rüberfahren. Im Interview mit der Intendanz ist außerdem zu lesen, dass wegen Fachkräftemangel (!) eine Premiere in die nächste Saison verschoben werden musste. Es handelt sich mit Prokofjews "Krieg und Frieden" mit Sicherheit auch um eine aufwendige Produktion. Schade, dass man da jetzt noch länger warten muss!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die Spielzeit an den Häusern ist vorbei, die Sommerpause ist gekommen. Zeit für einen Rückblick: Unter 59 Konzerten die ich besuchen durfte, waren 28 Opernabende, etwas weniger als letztes Jahr. Nach einigen aufregenden Opernreisen in der letzten Spielzeit lag der Fokus dieses Mal mehr auf der heimischen Hamburgischen Staatsoper und anderen Städten im Norden, sowie einigen Opernbesuchen in Berlin. In Hamburg wehte mit dem neuen Duo aus Intendant Tobias Kratzer und Musikdirekter Omer Meier Wellber ein spürbar frischer Wind. Vieles davon ist positiv und hat die unter Delnon etwas eingestaubte Staatsoper wieder aufgeweckt.

    Stand die letzte Spielzeit sehr unter dem Stern Richard Strauss', so war die Mischung in dieser Spielzeit sehr ausgewogen, ohne einen einzigen überrepräsentierten Komponisten. Highlights in Hamburg waren der Konwitschny-"Lohengrin" mit KFV in der Titelrolle, die Tscherniakow-"Ariadne" und weitere starke Repertoire-Abende mit "Freischütz", "Luisa Miller" oder "La traviata". Zwei Premieren gehörten zu den eindrücklichsten Opernabenden der ausgehenden Spielzeit: Die szeneische Aufführung von Schumanns Oratorium "Das Paradies und die Peri" zu Beginn der Spielzeit mit Vera-Lotte Boecker. Und der starke Dreifach-Abend aus Schumanns "Frauenliebe und -sterben", Bartoks "Herzog Blaubart" und Zemlinskys "Eine Florentinische Tragödie" ist vielleicht mein Opernabends des Jahres gewesen. Auch weitere Premieren wie "Ruslan und Ljudmila" und "Il barbiere di Siviglia" hatten ihre Stärken (wenn auch gewisse Schwächen).

    Im Norden war ich zudem je zwei Mal in Bremen und Kiel, drei Mal in Lübck und einmal in Flensburg. Highlights waren "Der feurige Engel" in Bremen; im Zuge dieser eindrücklichen Aufführung wurde Nadine Lehnert zur Kammersängerin ernannt. Sowie der Lübecker "Rosenkavalier" mit Karola Sophia Schmid als Sophie und auch der Kieler "Idomeneo" und vor allem die Flensburger "Karmeliterinnen" waren tolle Abende. Besonders die Poulenc-Oper am kleinen Haus in Flensburg war äußerst eindrücklich, unter den besten drei Aufführungen des Jahres.

    Erwähnenswert ist zudem ein tolles Wochenende an der DOB mit Korngolds "Violanta" und Schrekers "Schatzgräber" an zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Besonders die Violanta hat mich noch recht nachhaltig beeindruckt.

    Echte Enttäuschungen waren dieses Jahr kaum dabei. Eine "Cosi fan tutte" in Hamburg zündete nicht so richtig, "Candide" in Lübeck war mir zu albern und "Il viaggo a Reims" in Bremen zu ausufernd mit einer eigenen, erfundenen Geschichte (was bei dieser Oper zwar nicht unüblich ist, hier aber übertrieben wurde).

    Sängerische Awards würde ich für den Tenor an KFV für seinen Lohengrin in Hamburg vergeben. Sopran-Leistung des Jahres ist ein geteilter Siegpreis: Vera-Lotte Boecker für die Peri und Annika Schlicht für die großartige Judith im Blaubart.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Die Berliner Spielzeit habe ich am 9. Juli mit Zar und Zimmermann an der Berliner Deutschen Oper abgeschlossen. Schön, daß Tristan2511 auch dort war und wir uns zu einem kleinen Gespräch getroffen haben! In Bayreuth werde ich im August noch Rienzi und Parsifal sehen.

    Beklagen muß ich die Tendenz, die ich bei meinen letzten drei Opernbesuchen deutlich bemerkt zu haben glaube: Eine andere Geschichte, als der Librettist erzählen zu wollen. Das wurde in der Toten Stadt in Weimar und Hannover deutlich: Anleihen beim Film Psycho in Weimar, eine inzestuöse Beziehung zwischen Paul und Marie, die dort seine Mutter ist, Veränderungen des Librettos, um es dem Ansatz des Regisseurs anzupassen, eingesprochene erklärende Texte etc.pp. In Hannover anders modifiziert, aber auch mau. Zudem wenig erfreulich gesungen. Zwei enttäuschende Abende! Ich vermisse in solchen Fällen bei der Regie den unbedingten Wunsch, sich auf das Werk einzulassen, seinen Gehalt wirklich auszuloten - den Zug zum Tor, sozusagen. Eine eigene Geschichte erzählen zu wollen und Schotts - oder auch Lortzings - Libretto als nur lästige Vorlage zu betrachten, ist eigentlich unverzeihliche Eitelkeit!

    Ein deprimierender Abend war auch die Elektra an der Deutschen Oper im Februar. Nur Tobias Kehrer als Orest war ein Lichtblick. Michael Thalheimers Tristan im November ebendort hat mich eher ratlos als verärgert zurückgelassen, obwohl ich mit den Sängern (Clay Hilley, Elisabeth Teige, Irene Roberts, Georg Zeppenfeld u. Thomas Lehman) sehr glücklich war.

    Andrea Chenier bin ich in dieser Spielzeit zum ersten Mal begegnet. Im Dezember sah ich ihn an der DOB (Martin Muehle, Roman Burdenko, Maria Motolygina) und ein paar Tage danach die Übertragung aus der Met. Ich finde ihn ambivalenter als die von mir geliebte Tosca. Gérard ist eben kein Scarpia und auch politisch ist das Libretto nicht so direkt, wie die Tosca. Ich bin geneigt zu denken, daß - naiv ausgedrückt - die Tosca eine radikalisierte Fassung des Chenier ist. Und andererseits ist natürlich auch die Dreierkonstellation, zwei Männer, eine Frau immer wieder aufgegriffen worden, am interessantesten in Korngolds Violanta und in der Heliane, wo alles ins Märchenreich verschoben wurde.

    Von der Violanta an der DOB habe ich hier berichtet. Es blieb die leichte Enttäuschung über Inszenierung und die Sängerin der Titelpartie.

    Auch die Karmeliterinnen liegen in der Blutlinie des Chenier. Die von der Semperoper übernommene Zürcher Inszenierung mit Evelyn Herlitzius als Mme. Croissy hat ihre Wirkung auf mich nicht verfehlt.

    Von den Abenden an der Berliner Staatsoper werden mir der Wozzeck (Simon Keenlyside, Anja Kampe, Andreas Schager) und der Rosenkavalier (Patricia Nolz, Julia Kleiter, Nikola Hillebrand) in Erinnerung bleiben. Peter Rose hat sich als Ochs wacker geschlagen, wenn auch die Jupiter-Erzählung eingekürzt war.

    Die drei Höhepunkte der Spielzeit waren für mich: Fedora an der DOB (Vida Miknevičiūtė u. Jonathan Tetelman), Weinbergs Passagierin in Frankfurt und Lohengrin mit Brian Jagde in der Titelpartie am Teatro La Fenice.

    Zurück zu Z&Z: Lortzings feines Gespür für Tempo und Pointe, sein elegantes und heiteres Libretto, seine bemerkenswert deutlich gemachte politische Position - an der DOB kommt das unter die Räder, wird überschrieben mit einer revuehaft vergröberten Handlung mit Extrapersonen und Nebensträngen. Auch wurde nur mäßig gesungen. Amüsiert habe ich mich trotzdem.

    ..., eine spe*ifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifi*ierbar.
    -- Aydan Ö*oğu*