Kurzberichte von Opernbesuchen

Tristan2511 · 98 Beiträge · letzte Antwort von mbshu

98 Beiträge
  • Die Eröffnung dieses Threads liegt darin begründet, dass ich relativ häufig eigentlich nur einen kurzen Gedanken oder groben Überblick zu einem Opernerlebnis teilen möchte ohne einen eigenen Thread mit einem größeren Bericht zu eröffnen. Dieser Thread hier soll die ausführlicheren Berichte in keiner Weise ersetzen, lediglich dafür sorgen, dass noch mehr Eindrücke von Opernbesuchen geteilt werden können, auch wenn Zeit und/oder Motivation zu einem größeren Bericht fehlen. Diese wird es weiterhin geben. Ich schreibe sie gelegentlich gerne und lese sie immer mit Vergnügen.

    Hier also nur kurze Eindrücke und Erlebnisse. :cheers:

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Gestern war ich im schönen Staatstheater von Oldenburg - ein tolles Haus. Wenn irgendwie machbar, besuche ich immer gerne im fahrbaren norddeutschen Bereich selten gespielte Opern und welche, die ich absehbar nicht in Hamburg zu sehen bekomme. Kiel besonders häufig und gerne, aber auch Lübeck, Landestheater SH (Flensburg, Schleswig, Rendsburg), Schwerin, Bremen, Hannover und nun Oldenburg.

    Walter Braunfels - Die Vögel mag ich sehr gerne und es war ein toller Abend. Die Oper ist recht dankbar aufzuführen und die Inszenierung von Holger Potocki macht Spaß. Dezente Vogelmasken, überwältigende und bunte Massenszenen, ein eindrucksvoll untergehendes Wolkenkuckucksheim. Ratefreund und Hoffegut und auch Prometheus als Geschäftsleute bzw. erstere als gelangweilte Büroarbeiter - das geht alles wunderbar auf. Und gesanglich war besonders die Nachtigall von Penelope Kendros toll, aber auch der Ratefreund von Paul Bruce war toll. Hoffegut (Jason Kim) hätte etwas lauter sein dürfen. Das Oldenburgische Staatsorchester unter Vito Cristofaro war großartig - auch äußerst virtuose Stellen z.B. der Flöten oder Trompeten gelangen mitreißend. Wieder ein gutes Orchester entdeckt! Das war ein überraschend toller Opernabend mit dieser äußerst sehens- und hörenswerten Oper.


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    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Hier also nur kurze Eindrücke und Erlebnisse. :cheers:

    Danke, Tristan. Diese Idee finde ich sehr gut. Hoffentlich schaffe ich es auch, hier einige Kurzeindrücke zu teilen.

    Deine erste Beschreibung war für mich schon recht interessant, weil ich dadurch erfuhr, dass Jason Kim offenbar weg ist aus Wien (derzeit scheint niemand an der Volksoper bleiben zu können/dürfen). Habe mir auch gleich einen Clip mit ihm aus Oldenburg (Hoffmann) angesehen, er hat ja wirklich eine phänomenale Stimme. Mich wundert, dass er leise war.

  • Ich freue mich immer, wenn ein Tamino über sog. Provinzhäuser und selten gespielte Opern berichtet, denn das ist ein Vorzug Deutschlands, der einzigartig in der Welt ist. Dazu ist die Qualität meist sehr hoch, sowohl bei den Sängern wie auch bei den Orchestern.

    Es gibt ja richtige Zentren, etwa in Ostdeutschland, auch im Süden und jetzt dank Tristan auch im Norden. Ich bin ja der Tamino für die Schiene Rhein/Ruhr, wobei mein Stammhaus Gelsenkirchen ist. Diese nur "sogenannte" Provinz ist aber bedroht. Ich sehe es hier in Gelsenkirchen. Da gibt es jede Menge Sonderaufführungen für alle Bevölkerungsteile, meist Musicals. Dann gibt es im Monat 2 Operetten, die wohl gut sein müssen, aber nicht meine Kost. "Richtige" Opern gibt es nur eine im Monat, die allerdings von hoher Qualität ist. Die wird allerdings auch nur 5x angeboten, und wenn es Rigoletto oder die Bohème ist, stehe ich ohne Oper da. Allerdings gibt es Deutsche Oper am Rhein und Essen. Aber die Auswahl ist geringer geworden. Eins aber ist geblieben: die Preise sind nach wie vor zivil. Das ist ja der Vorteil gegenüber Wien, Berlin, Hamburg und München.

    We hold these truths for self-evident: that all men are created equal that they are endowed by their Creator with certain unalienable rights; that among these are life, liberty and the pursuit of happiness.

    (Amerikanische Unabhängigkeiterklärung)

  • Hallo,

    ich bin vorgestern auch in Oldenburg gewesen und kann Dir in allem nur zustimmen. Eine tolle Inszenierung, überzeugend gesungen und glänzend gespielt. In Braunschweig lief das Stück auch, die Kritiken waren deutlich schlechter. Ich habe es mir wegen Stroboskop nicht angetan. Schade, dass die Oldenburger Inszenierung jetzt durch ist und nicht übernommen wird.

    Schöne Grüße

    wega

  • Letzte Woche sah ich die frühe Mozart-Oper "Mitridate, re di Ponte" in der Staatsoper Hamburg. Es war einerseits toll diese selten gespielte Oper mal zu erleben und gesanglich war der Abend ebenfalls sehr zufriedenstellend. Die sog. Inszenierung allerdings war leider sehr schwach. Im Grunde eigentlich eine Regie-Verweigerung. Wichtigste Idee von Birgit Kajtna-Wöning ist im Grunde, das Orchester auf der Bühne zu platzieren. Der Orchestergraben bleibt abgedeckt, die Musiker werden Teil der Inszenierung, was vor allem bedeutet, dass sie gelegentlich von Mitridate instrumentalisiert bzw. angepampt und von der Bühne geschickt werden. Das lockt gelegentlich ein kurzes Lächeln auf die Lippen (auch der Musiker in ungewohnter Rolle), ist aber ja noch keine Regie. Die Folge ist, dass auf der Bühne kaum noch Platz ist, so dass die Aufführung größtenteils nahezu konzertant wirkt, mit den Sängern am vorderen Bühnenrand. Hinzu kommen einige unmotiviert wirkende Felsbrocken bzw. Meteoriten (?), die regelmäßig von der Decke abgeseilt und wieder hochgezogen werden. Warum eigentlich? Tiefere Deutungen zum Thema Krieg und Frieden die möglich wären können leider nicht entstehen.

    Stimmlich war das hingegen durchwegs ziemlich gut bis teilweise herausragend. Am großartigsten war Nikola Hillebrand als Aspasia. Die schöne Sopranistin sang und spielte mit drei Männern (von denen zwei freilich Frauen waren) nach Belieben und war erstens technisch perfekt und zweitens voll in ihrer Rolle. Das war ein Erlebnis!


    Staatsoper Bühne

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Meiner zum gestrigen Besuch von Il Giasone in Münster wird morgen kommen. Heute bin ich zu müde (3 1/2 Stunden Schlaf... nach der Argonautenfahrt mit der Deutschen Bahn... ^^ )


    :hello:

  • Hallo,

    ich war am Wochenende in München und habe mir dort den "Waldmeister" von Johann Strauß angetan. Dass dieses Stück so selten gespielt wird, ist mir völlig unverständlich. Zugegeben, das Libretto ist schwach, aber die "Fledermaus" ist auch kein tiefschürfendes literarisches Meisterwerk. Gesanglich war alles top, flott gespielt, mit feiner Ironie und im 3. Akt auch mit viel nackter Haut, aber die Unterhosen blieben an. Ein vergnüglicher Abend

    Schöne Grüße

    wega

  • Ich muss sagen, Il Giasone in Münsterwar einer der unterhaltsamsten und schönsten Opernabenden, die ich erlebt habe. Für mich fast am wichtigsten ist beim Theater, insbesondere bei der Oper, das Spielfreude vermittelt wird. Und das geschah. Kein Moment, wo man drohte mal wegzudösen, wie es bei etwas schlechterer Luftzufuhr und der Länge im Opernhaus schon mal passieren kann. Dazu trug auch die Barockmusik bei - völlig unmetaphysisch, sinnlich-lebenslustig, geradezu von einem "Lebensdurst" bestimmt. Es ist wahrlich eine große Leistung, so eine Barockoper auf die Bühne zu bringen. Es sind erst einmal nur die Musik zu zwölf Bildern überliefert, die Ritornells müssen eingefügt werden, was damals mehr oder weniger spontan geschah. Die Aufführung ist also zwangsläufig eine Mischung aus Originalteilen und Arrangements bis hin zur Eigenkomposition. Es gab aber keinerlei Bruch - das "Unternehmen" Rekonstruktion eines Barockstückes war geglückt. Die Inszenierung konzentrierte sich auf die scharfe Zeichnung der Charaktere - und das war genau der richtige Weg. Die Komik resultierte daraus. Jason hatte nur das "Poppen" im Kopf und war ein fast schon debiler Anti-Held. Um seine Heldentat zu vollbringen, braucht er die Hilfe der Magie, weil er selber dazu gar nicht in der Lage ist. Genau das ist das Moderne an dem Stück - die Gattungsgrenzen von Komödie und Tragödie werden durcheinandergemischt, was ihm die zeitgenössische Kritik auch vorwarf. Für den heutigen Opernbesucher macht aber genau das dieses Opernereignis zum Vergnügen. Die Musik ist eingängig, aber hervorragend. Die "Verzeihungsarien" am Schluss sind ergreifend, das ist Opernpathos von der besten und psychologisch plausibelsten Art. Lustig ist das Programmheft, wo tatsächlich ein Interview mit einer Psychotherapeutin abgedruckt ist, um vorzubeugen, dass wegen des riesigen Spinnentiers auf der Bühne Jemand mit Spinnenfobie den Krankenwagen rufen muss. Das Publikum jedenfalls war begeistert - und mir ging es auch so. Kein deutscher Bierernst - das Regietheater wurde spielerisch leicht verulkt mit einem großen Mülleimer mit der Aufschrift "Regietheater-Müll" - wo hinein dann die völlig funktionslosen rein dekorativen Maschinengewehre weggeworfen wurden inclusive moderner Orchesterinstrumente. Nachher tauchten sie wieder auf. Alles nur Spiel und Theater! Die Zeitebenenen wurden bewusst gemischt - das Spiel als reines Fantasieprodukt betont. Lebenslust siegt - der "tragische" Konflikt von Amor mit dem Schicksal löst sich selbst auf in einer Komödie, einem typisch barocken Intrigenspiel mit seinen unübersichtlichen Fäden, die alles unvorhersehbar durcheinander bringen, gerade auch die Beschlüsse der Götter, die in diesem alles in Verwirrung bringenden Gesellschaftsspiel schlicht außerstande sind, Schicksal zu spielen. Die Götter können angesichts dieses barocken Intrigen-Wirrwars nichts mehr ausrichten, sie sind im Grunde nur Statisten, bloße Spielfiguren. Köstlich Zeus als etwas debiler Einstein, der als trotteliges "Genie" mit der Elektrik spielt. Wenn man dem nun unbedingt einen ernsten Sinn geben will, kann man das auch beschreiben mit Irwing Goffman: Wir alle spielen Theater. Die Theatralisierung als Grundzug unserer heutigen wie auch insbesondere der barocken Gesellschaft macht dieses Opernsujet in die Jetzt-Zeit transportierbar. Hier eine schöne Beschreibung und positive Kritik der Auffüherung:


    https://www.omm.de/veranstaltu…242025/MS-il-giasone.html


    Die letzte Aufführung ist am Samstag dem 12.7. Wer Interesse hat, sollte die Aufführung nicht verpassen, sonst entgeht ihm ein wirklich vergnüglicher Opernabend.


    Nur zum Schluss eine kleine Anmerkung angesichts unserer Brahms-Diskussion: Im Bild, wo die Gespenster der Unterwelt beschworen werden, ertönt das "Klopfmotiv" als musikalische Vokabel des Erschreckens. ^^

  • "Cassandra" in der Staatsoper Unter den Linden (die Linden dufteten gestern Abend übrigens ganz wunderbar).


    Vorweg: Verkopfte zeitgenössische (2023) Oper in der Inszenierung und - fast - Originalbesetzung der Uraufführung in Brüssel.


    Cassandra, die Seherin, der niemand glaubt, obwohl sie recht hat. Sandra, die Wissenschaftlerin, die auf den Klimawandel hinweist, und der - niemand glaubt. Um diese beiden Personen, die wechselweise und am Ende auch gemeinsam auf der Bühne stehen, geht es. Und zusätzlich auch um die Ermächtigung der Frau, die Entscheidung für oder gegen Kinder, die richtige/effektive Art des (Klima-)Protests. Also um ganz schön viel. Etwas zu viel vielleicht. Denn so ganz können Musik (Bernard Foccroule), Libretto (Matthew Jocelyn) und Inszenierung (Marie-Ève Signeyrole) das nicht einlösen/umsetzen. Erschütterung könnte sich bei den Themen einstellen, doch bei mir zumindest gelingt dies nicht.

    So bleiben schöne, auch intensive Momente und Ideen, aber kein wirklich erfüllender Opern-Abend.

    Thematisch geht es durch die Jahrhunderte, musikalisch ebenso. Da wird ein Bach-Choral eingewoben, gibt es Jazz-Anklänge und das Moderne kann dissonant sein, wird aber eher nicht geräuschhaft. Eine Art Wohlklang, der mir nicht ganz einleuchtet. Aber vielleicht muss man sich auch nur intensiver als einen Aufführungsabend lang mit dem Werk befassen.


    Wer dies möchte kann dies übrigens (mit portugiesischen Untertiteln zum englischen Libretto) hier tun:


    Oder hier auch den Komponisten über sein Werk sprechen hören:


    Kurz noch zu den Musikern: Die Staatskapelle unter Anja Bihlmaier gefiel mir, auch wenn ich mich frage, ob sie mehr Heftigkeit aus den Noten hätte holen können. Sängerisch gab es kaum etwas zu kritisieren; sehr gut gefielen mir Cassandra (Katarina Bradić), Apollo (Joshua Hopkins) und vor allem Sandra (Jessica Niles). Valdemar Villadsen als Sandras Freund Blake hatte dagegen gar keine Stimme - vielleicht war er indisponiert, ich möchte es hoffen.


    Am 11. Juli wird "Cassandra" letztmals in dieser Spielzeit an der Lindenoper gezeigt. Wir überlegen, nochmals hinzugehen. Zumal wir mittlerweile eigentlich nur zeitgenössische und Wagner-Opern sehen.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung des Threads. Auf die Weise erfährt man kurze Schlaglichter von wesentlich mehr Opernaufführungen, als bisher.

    Mich wundert, dass er leise war.

    Vermutlich Tagesform oder auch eine Erkältung...

    Provinzhäuser und selten gespielte Opern berichtet, denn das ist ein Vorzug Deutschlands, der einzigartig in der Welt ist. Dazu ist die Qualität meist sehr hoch

    Das ist mir erst mit der Zeit so klar geworden: Wir leben in Deutschland landesweit gesehen im größten Opern-Paradies der Welt. Es gibt derartig viele Häuser, wie du sagst mit guter und sehr guter Qualität, in denen unglaublich regelmäßig Opernaufführungen verschiedenster Werke zu sehen sind. Mehr als überall sonst auf der Welt, wie man auch auf Operabase feststellen kann. Ein Luxus der uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt...

    ich war am Wochenende in München und habe mir dort den "Waldmeister" von Johann Strauß angetan

    Diese Operette kenne ich überhaupt noch nicht. Aber es spiegelt die oben angesprochene Vielfalt an deutschen Opern!

    um vorzubeugen, dass wegen des riesigen Spinnentiers auf der Bühne Jemand mit Spinnenfobie den Krankenwagen rufen muss

    Die Zeit der Triggerwarnungen nimmt schon merkwürdige Züge an ^^

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Da wird ein Bach-Choral eingewoben, gibt es Jazz-Anklänge und das Moderne kann dissonant sein, wird aber eher nicht geräuschhaft.

    Das erinnert in der Melange an Weinbergs "Passagierin". Gibt es da Ähnlichkeiten?

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Gestern war ich im nahen Kiel und habe dort Händels meisterhafte Barockoper "Rodelinda" gesehen. In Kiel bin ich immer gerne, zum einen da ich in 50 Minuten hier bin, zum anderen da ich das Jugendstil-Opernhaus und die Stadt mag und zum dritten weil ich hier bisher noch nie enttäuscht wurde - beachtliches Niveau für ein kleineres Haus. Gestern erstmals Barockoper und auch das kann Kiel.

    Schön hip - ohne an die großen Referenzen dieser Oper und der Händel-Einspielungen heran zu reichen - war das durchweg schön und ansprechend. Kleine Überraschungen wie die Kastagnetten zu "Un zeffiro spiro" inklusive.

    Gesanglich überzeugten Carlotta Colombo als Rodelinda, auch wenn sie sich erst warm singen musste (um nach der Pause in Top-Form zu sein), Mauro Borgioni als kräftiger und sehr präsenter Garibaldi und vor allem Margherita Maria Sala als kolloraturensichere und schlicht wunderschön singende Bertarido. Letztere bemerkenswerterweise mit gebrochenem Arm! Die Kollegen haben beim Spielen wunderbar Rücksicht genommen und das Ganze fiel kaum auf. Kritisieren muss man Francesco Luciis Grimoaldo, der viel zu schwach auf der Brust war und im Vergleich mit allen Kollegen unangenehm deutlich abfiel.

    Die Inszenierung mit einem einzigen Bühnenbild hat mir gefallen. Ein riesiger Friedhof mit hunderten Metallkreuzen und einer mächtigen Marmor-Pieta in der Mitte, wird zum passenden Hintergrund für die Rückkehr des Totgeglaubten Bertarido. Insgesamt ein ziemlich gewaltiger Eindruck, der sich noch steigert, als im 3. Akt die Bühne halb nach oben fährt und in morbider Ästhetik den unterirdischen Bereich des Friedhofs zeigt. Ein Gruselfilm wird zwar nicht draus, dafür aber ein kluges Bild-Spiel zwischen Leben und Tod.


    Presse_Rodelinda_11.jpg

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Und Unulfo?


    Die rodelnde Linda ist für mich das beste Opern-Libetto, das Händel je vertont hat.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Und Unulfo?


    Die rodelnde Linda ist für mich das beste Opern-Libetto, das Händel je vertont hat.

    Tatia Jibladze als Unulfo hat zwar viel Applaus bekommen, ich fand die Vorstellung sängerisch allerdings eher im Mittelfeld (darstellerisch recht gut). "Fra tempeste" und das erwähnte "Un zeffiro spiro" hat man einfach schon besser und dynamischer gehört...


    Das Libretto und die Personenzeichnung würde ich schon auch als ziemlich stark bezeichnen!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich durfte ein verlängertes Wochenende in Zürich mit drei Einladungen zu Besuchen im Opernhaus verbringen.


    4. Juli

    "Les Contes d'Hoffmann" in der Fassung von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck. Inszenierung von Andreas Homoki mit Saimir Pirgu und Marina Viotti.

    Opera Vision wird die letzte Vorstellung am 12. Juli 2025 live aus dem Opernhaus streamen. Die Aufnahme wird im Anschluss als Video-on-Demand zur Verfügung gestellt.

    Les Contes d'Hoffmann | Operavision https://share.google/tLrvi3ggll5LoYHQo


    5. Juli

    Zum Ende der Intendanz von Andreas Homoki dirigiert Fabio Luisi, ehemaliger Züricher Generalmusikdirektor, ein Galakonzert mit Ensemblemitgliedern und den Gästen Camilla Nylund, Klaus Florian Vogt und Bryn Terfel. Zu hören waren Ausschnitte aus "Tannhäuser", "Das Rheingold", "Lohengrin', das Duett «Glück, das mir verblieb» aus "Die tote Stadt" (Nylund/Vogt), das Duett «I can do better» aus "Annie Get Your Gun" (Terfel/Nylund), «Vissi d’arte» (Nylund) und das «Te deum» (Terfel) aus "Tosca" und «Miei rampolli femminini» (Terfel) und das Finale «Zitto zitto, piano piano» aus "La Cenerentola".


    Man spürte, wie sehr das Publikum in Zürich die 13 Jahre der Ära Homoki zu schätzen wusste.


    6. Juli

    "Elias" - Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy, szenische Aufführung in der Inszenierung von Andreas Homoki mit u.a. Christian Gerhaher und Julia Kleiter. Mit seiner wunderbaren Baritonstimme vermochte Gerhaher den Propheten überzeugend als Eiferer und Fanatiker, aber auch als Zweifler und im zweiten Teil als resignierten und gebrochenen Mann eindrucksvoll darzustellen.

  • Ich kann nur jedem empfehlen in der Rheinoper den Otello mit Martin Muehle noch anzuschauen. Am 10. und 13.7.

    Muehle singt den Otello wie Del Monaco, wenn man es mag, ich tue es !! Auch die anderen Partien sind sehr gut besetzt.

    Dazu gibt es eine tolle Kritik im Opernfreund ! Bin leider zu blöd zum verlinken !


    Weiterhin sollte man die Rusalka wegen Nicole Chevalier, auch in der Rheinoper heute und Freitag 11.7, nicht verpassen.

    Selten eine so fesselnde Kombi aus Gesangskunst und Schauspiel wie bei der Amerikanerin gesehen !

    Habe schon Karten für ihre Salome in Berlin im Dezember !

  • Weiterhin sollte man die Rusalka wegen Nicole Chevalier, auch in der Rheinoper heute und Freitag 11.7, nicht verpassen.

    Selten eine so fesselnde Kombi aus Gesangskunst und Schauspiel wie bei der Amerikanerin gesehen !

    Habe schon Karten für ihre Salome in Berlin im Dezember !

    Das schaffe ich leider nicht, dabei bin ich schon lange auf der 'Jagd' nach einer "Rusalka", die ich irgendwie immer verpasse ;(

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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  • Das schaffe ich leider nicht, dabei bin ich schon lange auf der 'Jagd' nach einer "Rusalka", die ich irgendwie immer verpasse

    Das ist typisch Meerjungfrau: glitschig ... und *flitsch* isse weg ... geht mir auch so.


    Ich hatte vor Jahren das Fairgnüngen, sie in München in einer kleinen Kammeroper (Pasinger Fabrik ohne volles Orchester) im Netz zu haben.

    „Heute ist Tag des Deutschen Butterbrots.“
    „Kannst Du das auch belegen?“

  • Das ist typisch Meerjungfrau: glitschig ... und *flitsch* isse weg ... geht mir auch so.


    Ich hatte vor Jahren das Fairgnüngen, sie in München in einer kleinen Kammeroper (Pasinger Fabrik ohne volles Orchester) im Netz zu haben.

    Ja ^^

    Ich hatte sie in Schwerin sogar vor Jahren schon im Netz, als das Netz ein Loch bekam und die Aufführung wegen Krankheit mehrerer Sänger abgesagt wurde...

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Off topic. Früher war für die Rheinoper der Kollege "rodolfo" zuständig. In der RT-Debatte gehörten wir zu den Liberal-Neutralen. Ich vermisse ihn!

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    (Amerikanische Unabhängigkeiterklärung)

  • Die Kritik in Opernfreund ist bei weitem nich positiv. Zwar lobt der Kritiker die Sänger, doch die Regie, die, wie ich verstehe, komplett fehlt und durch bloße Extravaganz kompensiert wird, wird Stein für Stein auseinander genommen. Für mich eine schlechte Regie-Arbeit ist ein Grund nicht hinzugehen. Jeder möge aber für sich selbst entscheiden…

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Was soll das denn?

    Eine neun Jahre alte Kritik zu einer aktuellen Aufführung zu veröffentlichen ist doch wohl total daneben, besonders da es in Der Opernfreund auch eine neue Kritik vom 1. Juli 2025 gibt.


    Düsseldorf: „Otello“, Giuseppe Verdi (zweite Besprechung) – Der Opernfreund https://share.google/yGkHFtv5KP8t6p4XC

    Zugeben, das Datum habe ich übersehen. Sonst hätte ich das auch erwähnt. Doch da es um die gleiche Inszenierung handelt, die bei der Neuaufnahme lediglich ein paar politisch korrekte Striche bekommen hat, und der ältere Artikel sich wesentlich ausführlicher mit der Regie auseinandersetzt, finde ich den weiterhin lesenswert. Trotzdem, danke für dein Hinweis!

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Selbstverständlich habe ich Bezug genommen auf die aktuelle Kritik im Opernfreund mit der aktuellen Besetzung. Damit sollte gezeigt werden, daß ich mit meiner Begeisterung für die sängerischen Leistungen nicht alleine stehe. Mir hat die Inszenierung, abgegesehen von der lächerlichen Bevormundung des Publikums durch Streichungen in der Übertitelung, gefallen, aber klar Geschmacksache !

  • Düsseldorf: „Otello“, Giuseppe Verdi (zweite Besprechung) – Der Opernfreund https://share.google/yGkHFtv5KP8t6p4XC

    Das mit der Political Correctness und den durchgestrichenen Titeln ist wirklich lächerlich - erinnert mich an die geschwärzten "Zigeuner" aus der Otto Mueller-Ausstellung in Münster. Hier hatte ich darüber berichtet:


    Aufgespießt. Dr. Kalethas Kuriositätenkabinett. Humoristische und ernst gemeinte Antworten auf Merkwürdigkeiten


    :D :hello:

  • Selbstverständlich habe ich Bezug genommen auf die aktuelle Kritik im Opernfreund mit der aktuellen Besetzung. Damit sollte gezeigt werden, daß ich mit meiner Begeisterung für die sängerischen Leistungen nicht alleine stehe. Mir hat die Inszenierung, abgegesehen von der lächerlichen Bevormundung des Publikums durch Streichungen in der Übertitelung, gefallen, aber klar Geschmacksache !

    Lieber Suelzenfuss, es hat mich in der Tat überrascht, das Du die Kritik, die mein googeln mir vor den Augen geführt hat, als eindeutig positiv bezeichnest… Nimm, bitte, mein Kommentar dazu nicht als einer Korrektur deiner Aussage (das war die auch objektiv gesehen nicht, denn du sprachst ausschließlich über die Sänger), sondern als Ausdruck meiner Frust über die schlechte Inszenierungen, die zur Normalität geworden sind. Ich rede nicht über einen oder anderen Regie-Einsatz, der meinem persönlichen Geschmack nicht entspricht, sondern darüber, dass die Regisseure oft dessen Handwerk nicht beherrschen oder sogar solchen nie gelernt haben. Genau das las ich leider aus dem Artikel, den ich verlinkt habe raus, und beschloß aus diesem Grund nicht hinzugehen. Ich gehe tatsächlich in letzter Zeit fast nur zu den konzentranten Aufführungen oder nehme mir ganz lange Wege in Kauf um ein schönes Opern-Erlebnis zu haben.
    Wir Ich lasse meinen Beitrag am besten so stehen, damit auch die weitere Beiträge Sinn ergeben. Mein Fehler wurde ja schon korrigiert.

    „Eppur si muove!“

    Galileo Galilei

  • Nimm, bitte, mein Kommentar dazu nicht als einer Korrektur deiner Aussage ..... sondern als Ausdruck meiner Frust über die schlechte Inszenierungen, die zur Normalität geworden sind.

    Geht das wieder los, dass Inszenierungen beurteilt werden, die man gar nicht kennt.

    Was einer als schlecht empfindet kann vielen anderen ja durchaus gefallen.

    .... und beschloß aus diesem Grund nicht hinzugehen.

    Das hatten wir doch schon bis zum Abwinken im Thread "Gestern in der Oper".

    Man sollte vielleicht einen neuen Thread einrichten mit dem Titel

    "Kurzberichte von nicht stattgefundenen Opernbesuchen"

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