Quo vadis, Orgelmusik

Thomas Pape · 126 Beiträge · letzte Antwort von Gerhard Calaminus

126 Beiträge
  • Es gibt/gab in D zwei unverbundene, weit voneinander entfernte Orgelbau Simon.

    Die Wambeler Orgel stammt von dem Simon aus Borgentreich (bei Höxter), ein Ort, den ich zuvor nur durch eine vorzügliche Dissertation zur Subsistenzökonomie und deren Fortleben bis in die 1990er Jahre am Beispiel eben von Borgentreich kannte.


    Lieb Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zukunft der Orgel: Aggregate macht mich aggro - trotzdem. Eher keine tollen Aussichten (immer imho!). Klar ist da auch die verunstaltete Hedwigsorgel in maximal verunstalteter Kathedrale dabei. Waren die nicht auch bei der Wiedereinweihung tätig? War auch so ein trakturbeanspruchendes Gedöns, gesteuert von Leuten, die selbst überhaupt nicht Orgel spielen können, wahrscheinlich nicht mal Musiker sind. Und das soll die Zukunft sein? Oh je.... Ich will übrigens gar nicht wissen, ob/bzw. wieviel Fördermittel in solche Projekte fließen. Wer diesen undifferenzierten Lärm aber nicht toll findet, ist natürlich ewiggestrig und engstirnig. Fehlt nur noch ein Landeskirchenmusikdirektor bzw. hier Diözesanmusikdirektor, der einen religiösen Background herbeifantasiert.

    https://gamutinc.org/aggregate/


    "newly restored St. Hedwig’s Cathedral,": schlechter Witz, passt aber zur "Musik"

  • Nachtrag: Weil ich es erst später ergänzt hatte: Als Angehöriger (Beileid) scheint man oft zu vergessen, dass diese Stücke bereits im Repertoire des Organsiten sein müssen, ich halte es für schwer bis ausgeschlossen, besonders vortuose Stücke innerhalb weniger Tage ordentlich einzuüben, selbst für Hauptamtler (die ja weiß Gott auch noch anderes zu tun haben, Nebenamtler oder Ehrenamtliche erst recht). Das wird leider immer mehr vergessen, auich weil die Damen und Herren Zuständigen auch das versäumt haben, klarzumachen - und die Leute vor Ort meist komplett alleinlassen. Hier sind ja wohl vorwiegend Hörer und nicht Spieler, die sich das merkwürdigerweise manchmal gar nicht vorstellen können oder wollen. Da findet man dann sicher was anderes Passendes oder sogar Ähnliches. M.E. sind Kasualien auch nie "Wunschkonzerte" von Angehörigen.

  • Als Angehöriger (Beileid) scheint man oft zu vergessen, dass diese Stücke bereits im Repertoire des Organsiten sein müssen, i

    Das ist mir sehr wohl bewusst, aber fragen steht ja nun bekanntlich frei. Man könnte die Musik vom Band laufen lassen, aber genau das wollte ich ja nicht. Unser Dortmunder Dekanatsorganist konzertiert auch und hat die Toccata von Guillou im Programm und auch auf CD eingespielt. Ich bin mir nicht sicher, ob meine alte Gemeinde überhaupt noch einen eigenen Organisten hat, weshalb ich sicherhaltber einen Organisten von außen angefragt habe, ggf. würde ich auch den Dekanatsorganisten fragen, der Organist in der Hauptkirche des Pfarrverbundes ist. Bis zum Requiem sind's noch drei Wochen hin, mal schauen, was sich ergeben wird. Ansonsten wird der Verlauf der Liturgie folgen.

    M.E. sind Kasualien auch nie "Wunschkonzerte" von Angehörigen.

    Ist heute gängige Praxis, die Du nicht in dieser Form abwerten solltest. Wie Menschen diesen traurigen Abschied gestalten wollen, solltest Du schon den Hinterbliebenen überlassen.


    Letztlich hatte ich die Frage gestellt, ob das ein paar Posts weiter oben vorgestellte Instrument mit Guillou und Widor bespielbar ist. Auch ein Aspekt für die endgültige Werkauswahl.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ja, Musik vom Band - obwohl mittlerweile üblich, halte ich das für unsäglich und völlig unpassend, gehört einfach nicht in Kirchen. Maschinen/automatische Darbietungen haben überhaupt nichts in der Liturgie zu suchen, genausowenig wie eine Kasualie ein Wunschkonzert der Angehörigen ist, ich kann mich nur wiederholen. Wenn also etwas örtlich/instrumental/personell/zeitlich/inhaltlich nach Meinung der Zuständigen nicht geht, geht es eben nicht. Da muss sich keiner deswegen zum Deppen machen oder künstlerisch Unbefriedigendes abliefern, was aber nicht selten so passiert. Das müssen und sollten die Kunden-Könige eben noch lernen. Würden sie auch, wenn sie diese Institution ernstnehmen würden und eben auch könnten. Eine Kasualie ist übrigens ein öffentlicher Gemeindegottesdienst.

  • Gerade finde ich es nicht mehr, aber auf Favebook, wo ich bewusst nur lese und nicht schreibe, ploppte mir eine Werbung für eine CD zum Mitsingen entgegen, das könnte die liturgische Zukunft sein, wenn die Organisten und Kirchenmusiker weiterhin schlecht behandelt und bezahlt werden. Eben dort war auch kûrzkcuh eine ellenlange Anweisung in harschen Ton zu lesen, was er n Orgabist alles zu tun und zu lassen hätte. Moderne Musik ist verpönt, weil angeblich traurige g, schwermütig o.ä. Und es soll immer "fr9hlcih

  • Wenn alle Organisten so dermassen selbstgefällig, selbstgerecht und überheblich wären, wie Du Dich Beitrag für Beitrag gibst, wäre das, was Dir Drohkulisse ist, eine echte Option, weil dann nienand Lust auf Austausch haben wird. Aber ich bin da hoffnungsvoll: bislang bin ich nur freudigen Musikern an der Orgel begegnet.

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  • Tja, den Austausch habe ich oft genug erlebt. Das letzte waren vorgeschriebene YouTube-Hits (mit Band und Schlagzeug natürlich), mitgeteilt vom Beerdigungsinstitut um 19:30h am Vorabend - Bestattung auf dem Friedhof. Das ist mir natürlich viel zu blöd. Übrigens kassieren diese Herrschaften für den Dienst "Orgel" oft nicht schlecht mit, keine Ahnung, warum. Und dann stehen da die dämlichsten Elektronien, angeschafft oft von Rathausmitarbeitern, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Und dem Herrn Bezirkskantor ists wurscht, weil er diese niederen Dienste ja nicht versehen muss. Da wäre jede Blockflöte oder Gitarre oder Harmonium schöner. Ob das Schlusstück (wie gesagt, prinzipiell m.M. nach schöne, angemessene Stücke, eigentlich völlig atypisch) erfüllt werden konnte? Wenn es jemand nicht im Repertoire hat, halte ich das für fast ausgeschlossen. Da wird es dann sicher was Ähnliches geben, was er/sie kann und was genauso passt. Hie rmüssten und sollten die "Profihörer" durchaus auch den Dienst der Musiker zu schätzen wissen und beurteilen können. Übrigens finde ICH es überheblich, wie die "Kasualchristen" glauben, auch Neben- und Ehrenamtlern oft genug schwierige oder unpassende Stücke quasi vorzuschreiben glauiben. Mag sein, dass sie es nicht besser wissen, weil "die Musik" ja andauernd aus dem CD-Player kommt, fehlerfrei natürlich, und weil es heutzutage zum guten Ton gehölrt, dass "Kunden" "Leistungserbringer" im Quadrat jagen. Und weil - cih wiederhole mich - die sog. "Fachberater" sich aufs Reden und Lappalien feiern und Wegducken verlegt haben, und offensichtlich die einfachsten Dinge, die für einen geregelten Betrieb notwendig sind, nicht zu vermitteln in der Lage sind. Musikalisch und persönlich freudig bin ich übrigens durchaus, dann v.a., wenn ich das spielen kann, was ich will und kann und was instrumental/örtlich passt.

    PS Sonderwünsche müssen m.E. natürlich extra bezahlt werden, da ist ein Aufschlag von 100-200 EUR absolut angemessen. Durchaus auch bei Angestellten. Jeder Autoschrauber lacht doch über die depperten Musiker, die sich alles bieten lassen...

  • Wenn alle Organisten so dermassen selbstgefällig, selbstgerecht und überheblich wären, wie Du Dich Beitrag für Beitrag gibst, wäre das, was Dir Drohkulisse ist, eine echte Option, weil dann nienand Lust auf Austausch haben wird. Aber ich bin da hoffnungsvoll: bislang bin ich nur freudigen Musikern an der Orgel begegnet.

    Ich habe zum Glück dienstlich schon mit drei sehr versierten A-Kantoren zu tun gehabt, die es hinbekamen gleichzeitig mit Bach und Reger an der Orgel zu glänzen oder große Oratorienkonzerte zu leiten und dennoch bei Kasualien völlig unprätentiös und unüberheblich Wünsche - und seien sie auch noch so sehr am persönlichen Geschmack vorbei - möglich zu machen!

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Um das einmal klarzustellen: dass ein angemessenes Honorar bezahlt wird halte ich für selbstverständlich. Kasualien sind zwar öffentlich, aber ausserhalb der üblichen Gottesdienstordnung. Dass ein Stück gekonnt werden muss steht ebenfalls ausser Frage. Gigout tauch zuweilen tatsächlich gelegentlich als Schluss einer heiligen Messe. Das Stück eigens einzuüben würde ich als Wunsch für verwegen halten. Tatsächlich muss das Instrument das Ganze hergeben. Und genau darauf bezog sich meine Frage, den sicher bin ich mir nur bei Bach.


    Es mag ja sein, dass Du ungute Erfahrungen gemacht hast. Ich gebe auch offen zu, dass mir persönlich viele Vermengungen im kirchlichen Ritus nicht gefallen. Das müssen sie auch nicht, denn andere Generationen müssen auch mut dem geistlichen Pfade glücklich und von dem Sinn und Heilsweg der Religion überzeugt werden. Dennoch: hier bei Tamino sind wir unter Musikliebhabern. Da ist Deine Kompetenz als Organist eher gefragt als die ausschließliche Dokumentation Deines -sicherlich verständlichen- Berufsfrustes. Immerhin scheinst Du ha konzertierenden Ausgleich zu haben und die Kunst der Fuge live aufzuführen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Schön, wenn man das Glück hat, versierte A-Kantoren zu haben, die Wünsche erfüllen können und mögen. Hoffentlich müssen die sich dabei nicht zu sehr zum Kasper machen und können es aus halbwegs eigener Überzeugung tun. Dürfte immer schwieriger werden bei dem, was da heute so auf der Speisekarte steht. Aber damit sind sie ja nicht allein: die Leute versuchen heute teilweise auch, dem Pfarrer seine Predigt quasi vorzuschreiben. Verrückt. Ich bleibe trotzdem dabei: das letzte Wort hat der Musiker im Benehmen mit dem Pfarrer - und wenn der irgendwas nicht spielen will oder kann, ist das schlicht zu akzeptieren. Diese ganzen merkwürdigen Wünsche können dann gerne später vom DJ bei einer Feier erfüllt werden, da passt es dann auch.

    Übrigens stehen Kasualien mitnichten außerhalb irgendwelcher Gottesdienstordnungen. Das erscheint nur so, weil die Leute glauben, sie seien die Hauptpersonen. Dann kann es auch sehr schnell vorkommen, dass man weiß und bestimmt, wie alles zu laufen hat, selbst aber noch nichtmal das Vater unser hinbekommt oder annähernd weiß, wann gestanden oder gesessen wird.

    Man denke an die heutigen durchgestylten und -geknallten Trauungsevents. Da kenne ich übrigens wirklich viele OrganistInnen, die sich das nachvollziehbar nicht mehr antun wollen.

  • Mit Gottesdienstordnung meine ich nicht den liturgischen Ablauf, sondern die üblichen Zeiten, zu denen ein Gottesdienst angeboten wird. Kasualien wie Hochzeit oder Beisetzung finden üblicherweise ausserhalb dieser Zeiten statt. Und speziell bei den beiden Sakramenten sind das Brautpaar oder die Verblichene die Hauptpersonen. Musikwünsche Werden üblicherweise mit dem Pastor und den Musikern, ggf. Chor abgesprochen.


    Was der Kommentar mit dem „zum Kaspar machen“ bedeuten soll, weißt wahrscheinlich nur Du allein.

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  • Was der Kommentar mit dem „zum Kaspar machen“ bedeuten soll, weißt wahrscheinlich nur Du allallein.

    Ist aber schon selbsterklärend. Ich habe zu Hochzeiten und Beerdigungen auch schon manchen Wunsch abmoderieren müssen, etwa das Cohen-Hallelujah. Mit der Begründung, dass es per Orgel solo einfach schlimm klingen würde, ich es nicht kann oder weil es vor allem einfach litgurgisch unpassend ist. Kommt schon oft vor soetwas. Deine Wunsch-Stücke könnte ich zwar aus Unvermögen auch nicht spielen, finde sie aber geschmackvoll ausgewählt, da würde sich niemand unter Niveau zum Kasper machen.

    Er hat Jehova gesagt!

  • Man sucht bei Kirchens halt immer mehr hauptsächlich pflegeleichte Wünscheerfüller. Wie das dann passiert und klingt (und aus welchen Gründen auch immer), ist letztendlich egal, kann eigentlich beliebig grausam sein, Hauptsache der Wünschende hat seinen Wunsch irgendwie wiedererkannt. Nun denn, wem's Spaß macht...

  • Um das Thema erfreuliche weiterzuführen: Anna Lapwood hat in Troisdorf-Siglar in der St. Johannes-Kirche ein umjubeltes Konzert gegeben. Ich verlinke mal den entsprechenden Artikel des Kölner- Stadtanzeiger:


    Orgelstar Anna Lapwood begeistert Fans in Troisdorf


    In dem Artikel bin ich über folgende Zitate gestolpert:


    Zitat

    Ihre erste Reaktion galt indes jedes Mal der Orgel von St. Johannes, der sie sich zuwandte und Respekt zollte. Schon beim achtstündigen (!) Registrieren des Instruments am Vortag habe die Britin, die zudem singt, Chöre leitet, Klavier, Harfe und Geige spielt, die Orgel in höchsten Tönen gelobt, berichtete

    Über dergleichen wird ja gerne hinweggegangen: die junge Frau spielt im Grunde Stücke, diesie alle im Repertoire hat, passt sie aber offenbar Klang und Möglichkeit des Instrumente (in dem Fal eine Seifert Orgel aus 1959 mit einer verbundenen Chororgel von Klais aus 2001). Kantor Hans-Peter Reizmann lässt sich wie folgt vernehmen:


    Zitat

    Sie sei eine „Vermittlerin der Gegenwartsmusik“ mit der Orgel, sagte Retzmann in Richtung Lapwood. Die Programmzusammenstellung gab dem Recht.

    Stimmen aus dem Publikum:

    Zitat

    „Es ist schön, auch mal etwas anderes als Klassisches auf der Orgel zu hören“, sagte der Kölner. „Damit zieht es ja auch wieder mehr jüngere Leute in die Konzerte“, betonte Schwager Lothar Denne und deutete auf das bunt gemischte Publikum aus Familien, Kindern, Jugendlichen und Älteren.

    ...

    Darunter war auch Tanja Bender aus Neunkirchen-Seelscheid. Es war ihr erstes Anna-Lapwood-Konzert, und sie zeigte sich hellauf begeistert. „Es ist großartig, was sie hier spielt. Ich hatte früher eine Freundin, die Orgel spielte, und war schon immer beeindruckt, was für einen Körpereinsatz das erfordert.“

    Wahrscheinlich war das alles wirklich beeindruckend, und Menschen zu beeindrucken ist ein Potential, das in der Orgel nun mal steckt. Alles, was dazu dient, die Orgel nicht als ledigliche Gottesdienstbegleiterin zu nutzen sondern Menschen abseits dessen durch ihren Klang zu begeistern sollte unternommen werden.


    An der Marienorgel in Witten findet am 9.11. ein ähnlich geartetes Konzert statt.

    Zitat

    Am Sonntag, den 9. November 2025 findet um 17 Uhr in der Marienkirche zu Witten wieder ein besonderes Orgelkonzert statt: Unter dem Motto “Can you see the light? – Orgel, Elektronik und Licht” werden Tobias Hagedorn und Dominik Susteck an der großen Marienorgel ein abwechslungsreiches musikalisches Programm darbieten. Es erklingt nicht nur die Orgel, sondern zusätzlich elektrische Klanginstallationen, begleitet von einer aufwändigen Live-Lichtshow. Dabei werden Tobias Hagedorn und Dominik Susteck am Konzertspieltisch im vorderen Kirchenschiff musizieren: So können alle Interessierte die Interpreten nicht nur hören, sondern deren Musizieren auch aus nächster Nähe optisch mitverfolgen.

    Der vorzügliche Kantor dieser Kirche und Orgel, der auch ein vorzüglicher Improvisator ist, Dr. Christian Vorbeck, bricht sich mit solchen Veranstaltungen keinen Zacken aus der Krone, er selbst leitet zusätzlich die Schola Cantorum Wittensis und tritt regelmäßig jenseits von Gottesdiensten mit Orgelkonzerten auf. Besonders reizvoll: seine Frau ist Sopranistin und die Eheleute geben Konzerte für Sopran und Orgel


    Umme Ecke ist dann bei uns in Dortmund Dekanatskantor Simon Daubhäußer mit seinem Orgelsommer in der Propsteikirche. Auch Daubhäußer spielt eigene Transkritionen, Kompositionen und Improvisationen, der Tisch ist hier schon gut gedeckt und ich bin davon überzeugt, daß von der PR-Arbeit die Anna Lapwood nach oben trägt, auch andere Organisten und ihr Orgelspiel profitieren.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Gerade gefunden: Das Dortmunder Mallinckrodt-Gymnasium, zu meinen Schülerzeiten das einzige Dortmunder Lyzeum, hat eine eigene Schulkapelle. Die hat jetzt eine neue Orgel bekommen, die Schüler in Kontakt mit Orgelmusik bringen sollen (der in dem Fall eigentlich vorhanden sein sollte, da das Gymnasium eine katholische Gründung und Einrichtung ist). An dem Instrument soll zudem die C-Ausbldung stattfinden.


    Kooperation mit Klang: Neue Orgel des Mallinckrodt-Gymnasiums stärkt Verbindung von Schule und Kirchenmusik


    Wenn mann ein wenig die Augen aufhält findet man (zumindest im Dortmunder Umfeld, in Köln war das nicht anders) ein munteres Leben in Bezug auf Orgelveranstaltungen. Man müsste sich vielleicht eher fragen, warum das Instrument als solches nicht so prominent ist.Auch kennt die Organistenszene meiner Wahrnehmung keine "Stars", da ist Anna Lapwood ein Novum. Schon deshalb sollte man das Auftauchen dieser jungen Dame begrüßen, in der Hoffnung, daß es mehr werden.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Ich gestehe, nicht genau zu wissen, wo ich diesen Post unterbringen kann; ich versuche es mal hier und teile den Orgelfreunden mit, was mir in den letzten Tagen so zugekommen ist:


         




       Martini: Complete Organ Music   Hassler: Complete Organ Music   Krebs: Complete Organ Music


    Ein Erwerb von der Witwe eines Verstorbenen, das ich zu gerne angenommen habe

    .


    MUSIKWANDERER

  • Da weiß ich ja jetzt schon, was du mir beim nächsten Treffen vorspielen kannst!:cheers:

    We hold these truths for self-evident: that all men are created equal that they are endowed by their Creator with certain unalienable rights; that among these are life, liberty and the pursuit of happiness.

    (Amerikanische Unabhängigkeiterklärung)

  • Ja wo wird sie hingehen künftig - die Orgelmusik?

    Wenn man in 10 Jahren die richtiigen Schnittstellen hat, braucht man nur noch eine Klaviatur, um sie im Auto oder am Strand in Japan oder Würzburg spielen zu können.

    Grausliger Gedanke


    A.

    Orgelbroschuere_2026_final.pdf https://share.google/aEh42sIcORDgLeoLv

    B.

    Digital vernetzte Orgel in Würzburg: Revolution oder technische Spielerei? | News und Kritik | BR-KLASSIK | Bayerischer Rundfunk https://share.google/klsIkMcau51i1EwV0

    LGr,GC

  • Sollte es unter den Taminos Orgelfreunde geben, die vorgenannte Artikel komplett gelesen/gehört haben, vermute ich, dass es niemanden geben wird, der sich den Zukunft-Ideen wird anschließen können. Argumente dazu erübrigen sich angesichts des komplexen Musikinstruments Orgel in noch komplexerem Zusammenhang mit seiner Klangmöglichkeiten in letztlich dem komplexesten Dritten - dem Raum, in dem das Instrument steht mit seinem Bediener.


    Oder gibt es die doch?

    Ich habe Kontakte zur Orgel und ihren Adepten, keiner glaubt an den Segen vom Lernen an Fernorgeln - außer, sie steht im selben Raum.


    Mir fehlt dafür ebenfalls die Leidenschaft für Kommentare., eher schafft mir das Beschriebene Leiden.


    Fakt ist, dass Prof em. Bossert und Philipp Klais sich von den Möglichkeiten der Technik haben anregen lassen, den Weg dazu versuche ich zu ergründen.

    Die Verselbständigung scheint mir durch fernöstliche Vorgaben zum zwanghaften Mitmachen mutiert zu sein.

    Denn die Initiatoren kommen aus völlig anderem Stall.

    Den baulichen Verbesserungen zu folgen, wird das Ohr nicht können.


    Ob es hierher gehört oder nicht, - es muss nicht sein, dass der Organo-Auftakt wie in meiner Jugend zum Sonntagmorgen stets J.S.Bach war.

    Heute ist es der sonntagmorgendliche Klang der Cavaille-Coll-Orgeln mit dem Gesamtwerk von Cesar Franck - sozusagen als Schutzschild -

    incl "Final". Und möglichst in St Sulpice, Paris. Eine Katharsis!



    GC

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  • Ich kann dem absolut zustimmen. Ich liebe Orgelmusik, bin aber kein Kenner, bin also die Person, die die großen Orgelkomponisten im Auge hatten.

    Also:

    1. Bach: siehe oben. Tunder, Buxtehude und die ganze norddeutsche Riege gehört dazu. Dazu Max Reger.

    2. Live in der Kirche. Ausnahme Essener Philharmonie. Auf CD oder im Internet nur zum kennenlernen.

    3. Von den Franzosen höre ich nur César Franck. Keinen Messiaen, vor allem nicht die gewaltigen Orgelsinfonien. In Essen wurde vor einigen Wochen die letzte Orgelsinfonie von Saint-Saens gespielt. Wahrhaft ohrenbetäubend.


    Bericht: vor einiger Zeit habe ich ein Orgelkonzert hier in unserer Klosterkirche gehört.

    Es begann mit einer jener furchtbaren Vorreden, die uns die Musik erklären, statt sie einfach zu spielen. Dazu kommt, dass die Mikrofone viel zu laut und dumpf sind, sodass man nur die Hälfte versteht.

    Das Programm: drei Triosonaten von Bach (BWV 525,526,527). Ich wusste bisher nicht, dass man sich bei Bach langweilen kann, wo doch jede Orgel die schönsten Register hat.

    Dann ein moderner Komponist, der selber spielte (hier in #37 erwähnt, ich sage aber nicht, welcher es war).

    Es waren Improvisationen mit jenen hochgestochenen, prätentiösen Titeln, die den zweifelhaften Wert dieser Musik erhellen sollten. Also: Wandlungen, Raumtiefe, Einstimmiges Echo, Schlaf, Strahlen, Schraffuren, Mars. Die Musik: Raunen!

    Meine Improvisation: Abhauen! Verduften! Dazu war die Pause gut geeignet.

    We hold these truths for self-evident: that all men are created equal that they are endowed by their Creator with certain unalienable rights; that among these are life, liberty and the pursuit of happiness.

    (Amerikanische Unabhängigkeiterklärung)

  • Machen wir uns nichts vor: Die Großkirchen liegen - zumindest in Deutschland und Österreich - im Sterben (und die Entwicklung der Freikirchen ist für die Entwicklung und den Fortbestand der Orgelmusik größtenteils irrelevant).


    Der Anteil der Mitglieder der evangelischen Kirche an der Gesamtbevölkerung Deutschlands ist im Zeitraum von 2004 bis 2024 von 25,6 Millionen auf 17,98 Millionen Personen geschrumpft. Tendenz weiter abnehmend. Das sieht bei den Katholiken nicht anders aus.

    Wer also für liturgische Orgelmusik werben will oder deren zunehmende Irrelevanz beklagt, muss für den Eintritt in eine der beiden Großkirchen werben. Wo sich der Unterhalt von Kirchengebäuden nicht mehr lohnt, verlieren auch säkulare Orgelfreunde die Möglichkeit, Orgelmusik im Kirchenraum zu erleben.


    Die Kirchen könnten ein alternatives Mitgliedschaftsmodell anbieten für diejenigen, die dem Vollzug des Hauptgottesdienstes bzw. der Messe und sonstiger liturgischer Feiern aus musealen oder kirchenmusikalischen Gründen beiwohnen und deren Erhalt sichern und unterstützen wollen, ohne den Hokuspokus eines Glaubensbekenntnisses inklusive Taufe, Konfirmation, Erstkommunion, Firmung, etc. zu verlangen, anbieten. Die Teilnahme an den Sakramenten sollte - undogmatisch - auch diesen Mitgliedern freigestellt sein, um das Gemeinschaftserlebnis der liturgischen Feier nicht zu schmälern. Diese Mitgliedschaft könnte auch den freien Zugang zu allen kirchenmusikalischen Veranstaltungen der entsprechenden Kirche, zumindest des jeweiligen Bistums, quasi als Flatrate für Mitglieder, enthalten. Der Mitgliedsbeitrag wäre gezielt dem Erhalt und Neubau von Gebäuden, insbesondere von Orgeln, der Vergütung des kirchenmusikalischen Personals, der Organisation und Durchführung von Konzertveranstaltungen wie auch Organistenwettbewerben sowie die anlassbezogene Vergabe von Kompositionsaufträgen zuzuführen. Im Rahmen eines jährlichen Orgelfestes sollte es in jeder orgelbestückten Kirche vor Ort das Angebot geben, in welchem Kindern und Jugendlichen die Orgel erklärt und en Detail gezeigt wird und sie auch selbst - unter Anleitung - sich spielend etwas ausprobieren dürfen, ergänzt durch kindgerechte Musikdarbietungen, wie etwa einer moderierten Aufführung des "Karneval der Tiere" von Saint-Saens in Bearbeitung für die Orgel (vierhändig pedaliter), und in Kooperation mit der örtlichen Musikschule (sofern es die noch gibt), welche den Orgelunterricht vor Ort anbietet und durchführt.

    Die Kirchen könnten außerdem darüber nachdenken, mehr Sponsoren aus der Wirtschaft zu gewinnen: "Die Deutsche Bank präsentiert Ihnen hier das gesamte Orgelwerk Johann Sebastian Bachs an 12 Abenden mit führenden Organisten aus der ganzen Welt".

    Natürlich gibt es hie und da auch private Vereine und Initiativen mit ähnlichen Zielen: "Orgelbaufreunde", "Freunde der Kirchenmusik", "Verein zur Förderung ..." etc., doch durch das von mir skizzierte Modell würden Kräfte gebündelt und auf eine breite Basis gestellt.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Was die neuen digitalen Möglichkeiten betrifft, welche es ermöglichen, an jedem beliebigen Ort der Welt eine berühmte Orgel in der Akustik ihres Kirchenraumes zu reproduzieren, Manual, Pedal und Software vorausgesetzt, so bietet dies Lernenden völlig neue Möglichkeiten zu sehr geringen Kosten. Von daher ist dies zu begrüßen.

    Während die bisherige Technik auf Klangsampling beruht, welche immer ein konkretes, historisches Instrument zum Ausgang hat, ist dies bei der neuen Technik der digitalen Klangmodellierung zwar noch genau so, doch besteht zukünftig die Gefahr, dass sich die Klangmodellierung von konkreten Vorbildern entfernt, indem auch neue Orgelklänge rein virtueller Instrumente designt werden. Damit würde in letzter Konsequenz die Kunst des Orgelbaues obsolet.

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    (Louis Spohr)

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    (Igor Levit)

  • Ich bin weit davon entfernt ein Orgelspezialist zu sein, aber ein wesentliches Element der digitalen Schnittstelle scheint es doch zu sein, dass grundsätzlich Registrierungen möglich werden, die eine alte Mechanik gar nicht erlaubt hätte. Zudem scheint mir die Technik weniger wartungsintensiv (Ich bitte um kompetente Gegenstimmen) .

  • Ja, eine Fernsteuerung mit digitalen Schnittstellen, also nicht, wie bisher, auf elektrischem oder elektropneumatischem Weg, eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Das ist aber nichts, was den Bestand der Orgel oder Orgelmusik bedroht, sondern wohl eher eine Bereicherung darstellt.

    Mir ging es darum aufzuzeigen, worin die Orgelmusik in ihrem Fortbestand konkret bedroht ist und was Abhilfe schaffen könnte.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

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  • Ja, eine Fernsteuerung mit digitalen Schnittstellen, also nicht, wie bisher, auf elektrischem oder elektropneumatischem Weg, eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Das ist aber nichts, was den Bestand der Orgel oder Orgelmusik bedroht, sondern wohl eher eine Bereicherung darstellt.

    Eine Bereicherung ist möglich, liegt aber in den Fingern und Händen künftiger Kompositeure.

    Die hier in Rede stehenden Techniken werden an der Qualität der Kompositionen der bisherigen klassischen Orgelliteratur deshalb nichts ändern - gar verbessern - weil diese zumeist für bestimmte Orgellandschaften (z. B. Französische, Norddeutsche, alpenländische barocke etc.) geschrieben wurden. Das haben einige Taminos in verschiedenen Orgel-Threads berits korrekt vermerkt.

    Eine denkbare Interpretation entbehrt sonst des Klangs im dafür bestimmten Raum, auf dafür bestimmten Instrumenten und mit dafür bestimmten Spieltechniken. Es wird ein Streichquartett mit elektrischen Streichern von Mozart odewr Beethoven nur demjenigen zum

    Referenzklang werden, der nichts anderes kennt. Es ist deshalb Vorisicht geboten, bei der grundsätzlichen Abwehr. Wer weiß schon, was künftige Generationen von derart erzeugten Live- oder Konserven-Konzerten halten.

    Meine eigene - heutige - Abwehr wäre jetzt schon aktiv, wenn z.B. eine Cesar-Franck-Komposition auf einer herkömmlichen

    Konzertsaal-Orgel gespielt würde. Das würde schon reichen, dafür bräuchte es gar keine digitalen Sperenzchen

    Geniale Bearbeitungen hingegen wie jene der von Iveta Apkalna gespielten Camille-Saint-Saens "Danse Macabre"-Bearbeitung blühen geradezu auf , wenn sie im Konzertsaal und nicht in einer Kirche gespielt wird. Gleiches gilt für ihre Arvo-Pärt-Aufnahmen im Konzertssal in Lettland: Diese wären in der Kirche fehl am Platz.

    Ich denke, man muss ein großes Stilgefühl dafür entwickeln, wie und ob man mit modernen Orgeltechniken ältere Kompositionen spielt und vorführt.

    Ein anderes Problem scheint mir die Hartleibigkeit der obersten Kirchenbehörden zu sein, wenn ihre hochgebildeten Kirchenmusikschul-Absolventen sich gemäß ihrem Ruf und ihren Fähigkeiten um Orgelkonzerte abseits des kirchlichen Kanons bemühen.

    Mir ist nicht bekannt, wie das heute bei Evangelens ist, aber es gab eine Zeit, da die Gesamteinnahme eines vom A-Organisten mit enorm guten Ruf durchgeführten Konzerts zu 50% an die Kirche abgeführt werden musste. Ich selber habe es für mein Ensemble nie errichen Können, eine Kirche ohne Glockenläuten und Segen etc. zu erhalten und ohne, dass die Kirche dafür kassierte.

    Die Militanz, mit der sich die älteren Bestimmer in den Landeskirchen heute noch gegen die "Verweltlichung " des Musikinstruments Kirchenorgel stemmen, scheint ungebrochen. Es sei denn, ich bin nicht modern informiert. Bei Katholen weiß ich dazu sowieso nichts mitzuteilen.

    Fazit: Die Konkurrenz auf dem Orgelkonzert-Sektor könnte das Geschäft durchaus beleben, meinetwegen dann auch mit modernen Schnittstellen-Geräten. Grauslich nur, wenn durch Fehler hier das seltene Publikum verschreckt würde.

    Daß es keine Vorzeige-Organisten-Solisten gibt, stimmt nicht, die Rangelei um die beste Publicity ist bei desen nur gedämpft verenehmbar, aber leider auch schon vorhanden.


    meint

    GC

  • Die hier in Rede stehenden Techniken werden an der Qualität der Kompositionen der bisherigen klassischen Orgelliteratur deshalb nichts ändern - gar verbessern - weil diese zumeist für bestimmte Orgellandschaften (z. B. Französische, Norddeutsche, alpenländische barocke etc.) geschrieben wurden

    Würde dieses Argument stimmen, würde es, auf das Instrument Klavier übertragen, bedeuten, dass man eine Schubert-Sonate nur auf einem Flügel der Schubert-Zeit spielen könne, weil es für diese Instrumente komponiert sei. Natürlich ist der HIP-Gedanke interessant, aber es gibt unendlich viele Gegenbeispiele, wo aus einem historischen Klavierstück auf einem modernen Instrument Aspekte zum Vorschein kommen, die auf einem alten Instrument der Zeit nicht hörbar gemacht werden können. Dabei ist es auch völlig unerheblich, ob der Komponist sich das hat vorstellen können.


    In diesem Sinne ist es auch interessant, ob auch einer solchen Orgel durch eine neuartige Registrierung bestimmte Orgelwerke nicht interessanter klingen können. Auch die Anpassung an einen Konzertsaal bietet wahrscheinlich unendlich mehr Möglichkeiten als die alte Mechanik.


    Eine denkbare Interpretation entbehrt sonst des Klangs im dafür bestimmten Raum, auf dafür bestimmten Instrumenten und mit dafür bestimmten Spieltechniken. Es wird ein Streichquartett mit elektrischen Streichern von Mozart odewr Beethoven nur demjenigen zum

    Referenzklang werden, der nichts anderes kennt


    Diese Orgel kann wie eine gewöhnliche Orgel Klänge erzeugen. Das Beispiel mit den elektrischen Streichern trifft hier nicht den Kern. Ein Beispiel, was treffen könnte, wäre eine HIP-pe Einspielung eines Mozart-Quartettes (so wie es damals wahrscheinlich geklungen haben mag) alternativ zu einer Einspielung auf modern aufbereitetem Streichequipment, wie es ja lange Zeit und bis vor kurzem noch üblich war, mit modernen Bögen etc.. Wenn man mal vom Kollegen Ulli absieht ;), was (oder wer) sollte grundsätzlich dagegen sprechen?

  • Es gibt moderne, universelle Kirchenorgeln, deren Dispositionen mal mehr am französisch-romantischen, mal mehr am barocken Vorbild usw. orientiert sind, die aber praktisch die Ausführung fast jeder Orgelliteratur, von Bach über Widor bis hin zu Reger erlauben. Ich bin ausdrücklich für diese Praxis, genau so, wie ich dafür bin, Klavierliteratur von Byrd über Bach, Beethoven, Brahms, Busoni bis hin zu Boulez auf dem modernen Klavier zu spielen.

    Es kann doch nicht sein, dass ein Orgelschüler oder auch ein arrivierter Organist zu einer Cavaillé-Coll-Orgel reisen muss, um ein Stück von César Franck einzustudieren, und er dieses dann nie an der Orgel in seiner Dorf- oder Stadtkirche, an welcher er üben darf oder bestallt ist, zur Aufführung bringen darf.


    Alles andere, also das Streben nach der bestmöglichen Realisierung der originalen Klanggestalt des Werkes ist HIP. HIP hat seine Befürworter und Klientel. Doch der universelle Ansatz muss genau so möglich sein, wie es einem auf modernen Instrumenten spielenden Sinfonieorchester erlaubt sein muss, Beethoven zu spielen.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

  • Natürlich ist der HIP-Gedanke interessant,

    Und bei der Orgel nicht ganz von der Hand zu weisen. Albert Schweitzer war es, der bereits in den 1930er Jahren die Bachschen Orgelwerke vorzugsweise in seiner Kirche in Günsbach spielte (auch für die Schallplatte) weil er dieses Instrument für die Bachwerke am Geeignetsten hielt. Und der Mann hate durchaus Ambitionen in Richtung der französischen Orgelkunst.

    und er dieses dann nie an der Orgel in seiner Dorf- oder Stadtkirche, an welcher er üben darf oder bestallt ist, zur Aufführung bringen darf.

    Auch das dürfte an der Orgel begründet liegen. Bei der Beisetzung meiner Mutter hatte ich im vergangebnen Jahr Widors Adagio aus der 5. Orgelsinfonie und die Toccata von Guilllamant spielen lassen. Wollen. Der Organist, ein Kantor von Graden meinte Widor kann vielleicht klappen, Guillament nicht und hat stattdessen über die Toccata frei improvisiert. Dem zur Verfügung stehenden Instrument angemessen. Widor ging bis ungefähr zur Hälfte gut, danach musste auch da improvisiert werden. Bei der Beisetzungt meiner Tante in diesem Jahr habe ich dann das "Banquet Celèste" sicherheisthalber vom Band einspielen lassen. Cesar Franck ist wohl auch nicht an jeder Orgel möglich.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Albert Schweitzer war es, der bereits in den 1930er Jahren die Bachschen Orgelwerke vorzugsweise in seiner Kirche in Günsbach spielte (auch für die Schallplatte) weil er dieses Instrument für die Bachwerke am Geeignetsten hielt. Und der Mann hate durchaus Ambitionen in Richtung der französischen Orgelkunst.

    Stimmt, lieber Thomas. Er hatte Ambitionen - und er musste mit ansehen, dass seine (damalig) HIP-en Vorstellungen an zahlreichen ( neuen) Orgelstimmungen scheiterten, gegen die er vergeblich anging. So z.B.in St Thomas, Strasbourg.

    Im Kammerton-Thread habe ich dazu einiges geschrieben.


    Insofern sollten wir hier bei Tamino nicht ein neues HIP-Fass betreffend Kirchenorgeln aufmachen, wenn wir diesen bedeutenden - ja limitierenden - Faktor nicht einbeziehen.

    Allein die modernen und ggf. technisch erweiterten Dispositionen der Orgeln machen noch keine HIP.

    Spätestens, wenn ein oder mehrere zeitentsprechend gestimmte Instrumente hinzukommen, müßte die Orgel auf 415 Htz oder noch unter 400 herabstimmbar sein. Oder das Continuo per Halbton nach unten spielen, bei noch tieferer Temperatur - um der HIP-pen Stimmung willen - muss das Konzert abgesagt werden, dann geht gar nichts mehr.

    Bei Pfeifenorgeln geht das nicht per Knopfdruck oder Kappodaster.

    Barockinstrumente schaffen das, aber nur mit einer Säge.


    Ich habe mir in der heutigen Zeit abgewöhnt, zu sagen: Gibts nicht, also gehts nicht.

    Bin neugierig, ob das nicht doch nur Unwissenheit ist.


    Komplexes Thema.

    Meint GC

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