„Überbewertete“ Komponisten ...
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Da Bruckner oft die Sonatenhauptsatzform verwendet, zwar abgewandelt, mit drei Themenblöcken, und einem auf die Coda hingeführten Schlusshöhepunkt, finde ich nicht, dass man als Hörer planlos allein gelassen ist. Es geht bei Bruckner doch sehr stringent zu.
Nicht zu vergessen: Bruckner hat mit der Weiterentwicklung der Themen in der Reprise die Gattung Symphonie auf eine bis dahin unbekannte und danach nie wieder erreichte Höhe gebracht! Ihn als überschätzt zu bezeichnen ist allenfalls ein von persönlichem Geschmack geprägtes, unkundiges Urteil, das zu diskutieren nicht lohnt.
Und wenn ich die Schwerpunkte in diesem Forum betrachte, würde ich sagen, dass der am meisten unterschätzte Komponist Robert Schumann ist, schon allein deswegen, weil sich hier nur wenige für seine geniale Klaviermusik interessieren. -
Mal festzuhalten den Zwischenstand im Kuriositätenkabinett: Die Behauptung, Brahms sei überschätzt, grenzt an Banausentum.

Berlioz ist natürlich auch nicht überschätzt. Strawinsky sprach von einer "beunruhigenden Originalität". Bis heute sind seine Stücke fester Bestandteil des Repertoires, u.a. die hier nicht erwähnten Orchesterlieder Les nuits d´été, die bedeutendste Komposition dieser Art vor Mahler.
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Bevor hier wieder die Anhänger (Fans klingt wohl etwas kindisch) ihrer Komponisten hohen Blutdruck bekommen wenn jemand schreibt was einem an deren Stilistik missfällt, nochmal meine eigene Aussage zur Erinnerung:
Zitat von âmeLetzten Endes läuft es ja auf "Diese Komponisten werden häufiger aufgeführt und eingespielt aber ich persönlich kann mit diesen nichts anfangen" hinaus, da es ja nicht wie etwa im Sport eindeutige Kriterien gibt anhand dessen ein Komponist über- oder unterbewertet sein kann
Wenn man gugelt findet man einige Leute die mit Bruckner nichts anfangen können, wie sicher wohl bei jedem Komponisten. Der Filmkomponist Hans Zimmer meinte auch einmal welche Komponisten er besonders schätzt "Die mit B beginnen, mit Ausnahme von Bruckner" wobei ich das in diesem Fall kurios finde, klingt es doch in manchen seiner Filmscores zu Actionfilmen mitunter sehr stark nach Bruckner. Wie hier an anderer Stelle mal geschrieben, ich würde es in meinem Fall eine Hassliebe nennen. Das genau zu erötern würde zu lange dauern, vielleicht nehme ich mir mal die Zeit in einem Bruckner-Thread um genau auf Einzelbeispiele darzustellen was mir persönlich nicht am Bruckner-Stil gefällt (bestimmte Passagen, nicht alles)
Schubert gehört zu meinen vier Lieblingskomponisten, jemand hier im Forum schrieb mal (tut nicht zur Sache wer, er ist sowieso nicht mehr aktiv)
ZitatIch mag Schubert nicht? Sicher, trifft zu - noch weniger aber mag ich, seine Werke zu stilisieren und ihnen zu oktruieren, was sie nicht sagen.
Was wir meinen, was sie sagen....was übrig bleibt, ist meist allzu simpel. Albertibässe und eine schöne Melodie, die aufs Wandern passt
Naja, Schubert auf Albertibässe und eine schöne Melodie die zum Wandern passt zu reduzieren ist auch gewagt aber das sagt halt auch mehr über den Urteilenden als über den Beurteilten. Pauschalaussagen sind meist eine heikle Geschichte. Aber abseits von solchen schon in der Tendenz polemischen Aussagen ist es durchaus legitim wenn einem bestimmte Eigenheiten nicht zusagen. Ist der Komponist deshalb überschätzt? Aus der persönlichen Sichtweise wohl schon, aber wie bereits geschrieben: ein objektives "überschätzt werden" kann es nicht geben, bei keinem Komponisten, dazu gibt es bei Musik keine Paramter, Maßstäbe, Prüfkriterien,... Das ist also sowieso nur ein fiktives Gedankenspiel hier im ganzen Thread nicht mehr nicht weniger. Sind die vier Jahreszeiten überschätzt weil sie zu den meist gespieltesten Werken der Welt gehören und da mancher Bruckner-Anhänger viel eher etwa die 8. oder 7. von Bruckner sehen möchten die der Statistik nach ziemlich abgeschlagen liegen? ist Vivaldi "besser" da leichter zugänglich? oder ist es eben sogar ein Qualitätskriterium wenn man sich einen Komponisten erst erarbeiten muss? Ich finde, es wird da nie zufriedenstellende Antworten geben. Aber eines ist utopisch: Jeden Komponisten schätzen und zu lieben oder meint jemand hier Forum dass er das tut? Somit, wir haben alle verschiedene Geschmäcker das hat nichts mit "unkundig" zu tun weil wie gschrieben, es gibt keine objektiven Kriterien und persönlicher Geschmack hat nichts mit Wissen zu tun. Wenn so etwas vermutet werden kann dann eher bei o.a. Zitat weil es eine polemische, undifferenzierte Pauschalaussage ist, obwohl ich in dem Fall befürchte dass das Forenmitglied das nicht aus "Unkundigkeit" heraus schrieb, sondern seine Aversion dadruch besonders zur Geltung bringen wollte.
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Naja, Schubert auf Albertibässe und eine schöne Melodie die zum Wandern passt zu reduzieren ist auch gewagt aber das sagt halt auch mehr über den Urteilenden als über den Beurteilten.
Es ist schlichtweg Böldsinn und der wird nicht besser durchs Zitieren. Niemand muss Bruckner, Schubert oder auch Brahms mögen, aber wenn man einen von ihnen als überschätzt bezeichnet, sollte man gute und nachvollziehbare Argumente mitliefern (es mag sie geben), sonst verbleibt das Urteil auf einer unreflektierten Ebene persönlicher Befindlichkeiten und ist irrelevant.
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Zu Dave Hurwitz gilt das übliche: Er ist ein gescheiterter Musiker. Jetzt arbeitet er als Journalist, und diese Arbeit besteht nun mal darin, die Leute zu unterhalten. Dazu muss er regelmäßig ein paar Sachen raushauen. Rein fachlich ist das vollkommen irrelevant.
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Ich denke, daß das Über-/Unterbewerten nur ein Ausschlag der ganz persönlichen Empfindungsnadel ist.
Wenn ich sage, daß ich Komponist XY für überbewertet halte, dann heißt das
1) ich schätze ihn, aber
2) nicht so sehr wie YZ.
Wenn ich ihn für unterbewertet halte, dann schätze ich ihn mehr als andere (und verstehe nicht, warum andere nicht ebenso empfinden).
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Es ist schlichtweg Böldsinn und der wird nicht besser durchs Zitieren. Niemand muss Bruckner, Schubert oder auch Brahms mögen, aber wenn man einen von ihnen als überschätzt bezeichnet, sollte man gute und nachvollziehbare Argumente mitliefern (es mag sie geben), sonst verbleibt das Urteil auf einer unreflektierten Ebene persönlicher Befindlichkeiten und ist irrelevant.
So ist es !
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aber wenn man einen von ihnen als überschätzt bezeichnet, sollte man gute und nachvollziehbare Argumente mitliefern (es mag sie geben),
genau das zweifel ich aber an aber du kannst mich gerne mit einem guten Beispiel überzeugen. Solange aber ominös im Raume stehen bleibt "es könnte ja so etwas geben" ist das auch reine Spekulation. Dieser Thread war von Anfang an nicht darauf angelegt ernsthaft darüber zu diskutieren (siehe die Anfangsbeiträge) und keiner hat bislang auch irgendeinen guten Nachweis dafür erbracht.
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Ich denke, daß das Über-/Unterbewerten nur ein Ausschlag der ganz persönlichen Empfindungsnadel ist.
Wenn ich sage, daß ich Komponist XY für überbewertet halte, dann heißt das
1) ich schätze ihn, aber
2) nicht so sehr wie YZ.
Wenn ich ihn für unterbewertet halte, dann schätze ich ihn mehr als andere (und verstehe nicht, warum andere nicht ebenso empfinden).
genau das was ich damit sagen wollte nur in anderen Worten
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Ich hab so über den Begriff nachgedacht und denke hier liegt der Kern des Problems, aber nicht nur hier sondern das betrifft die meisten Bereiche wo er angewendet wird (das wird ansonsten auch schnell mal als Urteil gegenüber allemöglichen Örtlichkeiten, Artefakte, Personen,... hingeworfen) denn er ist ja sogar auf 2 Ebenen falsch: Denn was bedeutet "überbewertet"...es setzt ja voraus, dass auch ein Wert der Bewertenden ermittelt werden muss aber wie bestimmt man diesen Wert? Vielleicht indem man eine weltweite enorm aufwändige Umfrage bei Klassikhörern startet, sie sollen bestimmte Werke nach Noten bewerten aus dem dann ein Mittelwert ermittelt wird, was unrealistisch ist. Oder man macht eine Statistik wie oft etwas aufgeführt und/oder eingespielt wird. Falls es so etwas überhaupt flächendeckend gibt stellt sich die Frage warum gerade dieses Kriterium herangezogen wird. Also das allein ist schon problematisch. Aber ganz aufhängen tut es sich dann daran wenn es um den eigentlichen Wert eines spezifischen Werks oder eines Komponisten geht. Wie soll das funktionieren? Pro Takt gut gesetzten Kontrapunkt 5 Punkte, pro überraschenden Tonartenwechsel 7 Punkte, Figurationen siehe Tabelle...Alberti Bass 0,5 Punkte, Akkordbrechnungen 2 Punkte (siehe aber auch Tabelle der prozentuellen Maximalhäufungen mehr als 50% = Puntkeabzug) usw. Also ja, ich stelle mir das sehr schwer vor. Der Thread hat das wohl sicher locker gesehen, aber denkt man ernsthaft darüber nach sollte man ihn eigentlich vermeiden.
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Mir sind dann doch noch zwei Komponisten eingefallen, die hier hergehören:
Ludovico Einaudi
Schon nach den ersten Takten des Album "Solo Piano", der erste Track heißt "Le Onde", war mir klar: Das ist der Stil, welchen diese "Bettelpianisten", welche mit ihren Klavieren auf Rollen in den Fußgängerzonen sitzen, pflegen. Seichtes Allerwelts-Gedudel. Kann man unter "Klassik-Pop" subsumieren. Ich brauch's nicht.
Philipp Glass
Ich habe zwar auch die Noten "The Complete Piano Etudes", doch braucht man das? Kann man mal hören, vielleicht beim Staubsaugen oder Wäschefalten. Braucht man aber nicht. Ich bin sicher, viele von uns könnten beliebig viele Stücke in seinem Stil komponieren, und niemandem würde das Plagiat auffallen.
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Ich musste nach ca. 20-minütigem Testhören des oben genannten Albums von Einaudi den Stecker ziehen. Ein ewiges Geklimper ohne Höhen und Tiefen, ohne wiedererkennbare Melodien. Man weiß nach kurzer Zeit schon nicht mehr, was man eigentlich gehört hat. Music at its worst würde ich sagen. Ist vielleicht auch alles nur KI-generiert? Wer weiß.
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Ein ewiges Geklimper ohne Höhen und Tiefen
Gratuliere. Du hast soeben 99,5% der Minimal Music beschrieben
Nein, ich ertrag das auch nicht, das geht bestenfalls im Fahrstuhl, aber ernsthafte Kompositionen kann man das nicht nennen. Steve Reich würde ich da auch noch mit einordnen, auch noch einige andere, die aber nicht den Bekanntheitsgrad der anderen drei haben. -
Ich musste nach ca. 20-minütigem Testhören des oben genannten Albums von Enaudi den Stecker ziehen.
Da ich ihn als Komponisten und Pianisten durchaus schätze, halte ich eine Korrektur für angebracht:
Egal ob Großvater Luigi (Staatspräsident), Vater Giulio (Verlagsgründer) oder Sohn Ludovico: der Name ist Einaudi, nicht Enaudi.
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... der Name ist Einaudi, nicht Enaudi.
Danke, ich hab's korrigiert.
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Soeben las ich woanders:
ZitatDer Wert sinkt nicht, nur weil jemand anderes ihn nicht erkennen kann.
