Die guten alten schönen Plattenläden

  • Du meinst, lieber Thomas, Saturn damals, das war das Schallplatten-Paradies schlechthin.

    Saturn, Kaufhaus Ludwig Beck auf der Schildergasse (die hatten nur Jazz und Klassik, ein Paradies)und Musikhaus Tonger (Klassik und Jazz). Und dann gab's noch WOM am Neumarkt, das waren paradiesische Zeiten, lieber Holger, allerdings nicht für mein Konto. Als dann Tonger auch noch mit gebrauchten LPs anfing.....


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Und dann gab's noch WOM am Neumarkt, das waren paradiesische Zeiten, lieber Holger, allerdings nicht für mein Konto. Als dann Tonger auch noch mit gebrauchten LPs anfing.....

    ^^ Gibt es Tonger eigentlich noch? Die verkaufen doch auch Noten! :hello:

  • ^^ Gibt es Tonger eigentlich noch? Die verkaufen doch auch Noten! :hello:

    Leider nicht mehr: am 14.12.2024 war Schluß. An alter Wirkungsstätte am und im Stollwerckhaus (das heute auch nicht mehr so heißt) war Tonger schon lange nicht mehr, waren in die Nähe vom WDR-Gebäude umgezogen. Note und Instrumente, das war Tongers Kernkompetenz, eigene CD mit einer Archäologie Kölscher Musik haben die auch gemacht und es gab Tonträger, fast ausschließlich Klassik. Tempi passati, seufz.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Leider nicht mehr: am 14.12.2024 war Schluß. An alter Wirkungsstätte am und im Stollwerckhaus (das heute auch nicht mehr so heißt) war Tonger schon lange nicht mehr, waren in die Nähe vom WDR-Gebäude umgezogen. Note und Instrumente, das war Tongers Kernkompetenz, eigene CD mit einer Archäologie Kölscher Musik haben die auch gemacht und es gab Tonträger, fast ausschließlich Klassik. Tempi passati, seufz.

    Lieber Thomas,


    das ist wirklich sehr bedauerlich und ein kultureller Verlust für die Musikstadt Köln mit der Musikhochschule. Tonger war überregional bekannt - ich bin damals aus Düsseldorf dahin gefahren, bzw. wenn ich zu Saturn pilgerte, um Platten oder CDs zu kaufen, gehörte ein Abstecher zu Tonger dazu. Zum Glück gibt es Jörgensen in Düsseldorf an der Berliner Allee noch, die haben sich gehalten, vielleicht, weil sie auch Musikinstrumente verkaufen. In Münster dagegen ist der Notenladen auch verschwunden - und der war wirklich gut - jetzt ist da ein Geigenbauer drin. Der Zug der Zeit ist nicht immer ein guter... ;(


    Liebe Grüße

    Holger

  • Zum Glück gibt es Jörgensen in Düsseldorf an der Berliner Allee noch,

    Wenn man das Musikhaus Tonger ergoogled landet man bei einem Verweis auf Jörgensen in Düsseldorf. Offensichtlich gehören die wie weiland Tonger in seinen letzten Jahen zu einer Kette, die diese alten Musikhäuser übernimmt und dann entscheidet, ob der Weiterbetrieb sinnvoll ist oder nicht. Instrumente hat Tonger auch verkauft, gerettet hat sie das nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Gibt es Tonger eigentlich noch? Die verkaufen doch auch Noten!

    Lieber Holger,


    diese Frage hat Thomas Pape schon beantwortet.


    Ich möchte noch ein persönliches Wort hinzufügen: Viele der alten 78er-Schellacks, die ich von meinem Vater geerbt habe, tragen noch auf dem Cover bzw. auf dem Plattenetikett ein Zusatzetikett mit dem Aufdruck "Musikhaus Tonger Köln".

    Auch ich habe in den ersten Jahren meiner Sammlertätigkeit (von 1958 bis ca. 1974) fast sämtliche Plattenkäufe dort, entweder durch telefonische Bestellung, oder bei gelegentlichen Besuchen im "Domhof 1, Domhotel-Kollonaden" getätigt. Später bin ich dann, mit nicht ganz gutem Gewissen, zu SATURN gewechselt, einmal wegen des viel riesigeren Angebots und nicht zuletzt wegen der unschlagbaren Preise. So habe auch ich leider mein Scherflein zum Untergang des Hauses Tonger beigetragen, und das bedauere ich.


    Vor exakt einem Jahr, Ende September 2024, erschien die Meldung von der Insolvenz in diversen Zeitungen; daraus ein paar Sätze:


    "Das Internet hat gewonnen', sagt Verkäufer Matthias Hinz im Laden an der Zeughausstraße. Er und seine Frau Astrid sind die einzigen Festangestellten, die noch im Musikhaus Tonger arbeiten."

    "Gegründet hatte der Antiquitätenhändler Augustin Joseph Tonger den Notenhandel am 1. Juli 1822 (also noch zu Lebzeiten Beethovens). Den 200. Geburtstag hat das Traditionshaus also vor zwei Jahren noch erleben dürfen. Heute heißt es auf der Internetseite von Tonger: 'Wir danken allen Kunden von Herzen für ihre Treue und Verbundenheit in all den Jahren.' Ende Dezember 2024 ist Schluss."


    Im Vergleich zu den großen Firmenzusammenbrüchen der letzten Zeit in Deutschland sicher nur ein Randereignis, aber es schmerzt trotzdem.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Auch ich habe in den ersten Jahren meiner Sammlertätigkeit (von 1958 bis ca. 1974) fast sämtliche Plattenkäufe dort, entweder durch telefonische Bestellung, oder bei gelegentlichen Besuchen im "Domhof 1, Domhotel-Kollonaden" getätigt. Später bin ich dann, mit nicht ganz gutem Gewissen, zu SATURN gewechselt, einmal wegen des viel riesigeren Angebots und nicht zuletzt wegen der unschlagbaren Preise. So habe auch ich leider mein Scherflein zum Untergang des Hauses Tonger beigetragen, und das bedauere ich.

    Lieber Nemorino,


    damals war einfach eine andere Zeit. Da gab es viele Plattenläden und also eine ganze "Kultur" davon. Von einem Restaurantbesitzer habe ich mal gelernt, dass er sich gerade Konkurrenz wünscht. Er meinte: Wenn ich das einzige Esslokal hier bin, kommt so gut wie keiner, wenn die Straße von Restaurants voll ist, zieht das Leute an und ich habe weit mehr Kunden. Deswegen glaube ich, dass die Plattenläden in Köln von Saturn damals durchaus profitiert haben. Dass diese Läden leider verschwinden, hat wohl andere Gründe. CD-Verkauf lohnt sich längst nicht mehr wegen des Internets. Und es überleben letztlich die Geschäfte, die zweigleisig fahren, sowohl einen Shop im Internet haben als vor Ort. Insofern glaube ich fest, dass Du keine Gewissensbisse haben musst! :D :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Kaufhaus Ludwig Beck auf der Schildergasse (die hatten nur Jazz und Klassik, ein Paradies)

    Lieber Thomas Pape,


    ich habe diesen älteren Eintrag heute erst entdeckt. Und habe dazu eine Frage: Ich kannte in Köln Ecke Hohe Str./Schildergasse das COLUMBIA-Musikhaus, das war ein großes Gebäude (wenn ich recht erinnere ein Eckhaus) und wurde vom Kölner EMI-Ableger ELECTROLA (Maarweg 49) betrieben. Nachdem das Label Columbia "ausgemustert" wurde, wurde der Name in ELECTROLA-Musikhaus umgewandelt. Das war ca. Anfang der 1970er Jahre. Es gab ein Riesenangebot, vor allem von LPs ausländischer EMI-Töchter (Angels USA), Pathé-Marconi France), HMV (England), La Voce del Patrone (Italien) etc. In der Klassik-Abteilung arbeitete ein junger Mann, den Namen weiß ich noch: Richard Schneider. Der kannte praktisch sämtliche in- und ausländischen Kataloge- Er gab mir mehrmals die jeweils neueste Ausgabe des "Schwann" mit (das war der US-Katalog von Angel) und pries mir die damals in Deutschland fast unbekannte Bohème-Aufnahme unter Beecham mit Jussi Björling an. Ich habe sie gekauft, auch die schwedische Aufnahme Björlings der Gralserzählung, die Schneider als die bestgesungene aller Zeiten bezeichnete. Die LP steht noch heute bei mir im Schrank, war hierzulande im normalen Handel nicht erhältlich.


    Jetzt endlich die Frage: Kann es sein, daß dieses Haus später zu Kaufhaus Ludwig Beck wurde? Ein solches ist mir in Köln nicht bekannt gewesen, obwohl ich seit den späten 50ern häufig nach Köln zum Einkaufen oder in die Oper am Offenbach-Platz fuhr. Erst ca. 1975 habe ich SATURN entdeckt, und das lag abseits des Zentrums, am Hansaring, so daß ich ab dann kaum noch in die Innenstadt gefahren bin und darum nicht weiß, was aus dem alten Columbia-Haus geworden ist. Das würde mich jetzt echt interessieren.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Jetzt endlich die Frage: Kann es sein, daß dieses Haus später zu Kaufhaus Ludwig Beck wurde?

    Lieber Rüdiger,

    das glaube ich nicht. Nun war ich aber auch nur 26 Jahre Gast in dieser wunderbaren Stadt. Das Kaufhaus Beck gab in Köln ein zwei Jahre währendes Gastspiel von 1993 bis 1995 und war neben dem Kaufhof an der Schildergasse Ecke St. Agatha. 1996 zog das Marks und Spencer ein, die immerhin bis 2001 durchgehalten haben. Da gab's aber keine Musik mehr, dafür ein Lebensmittelabteilung mit englischen Lebensmitteln. Wurde später der English Shop draus. Ist aber auch verschwunden.


    In dem von Dir genannten Gebäude war zu meiner Zeit der Herrenausstatter Pohland (warum die zwei Geschäfte auf der Schildergasse hatten wissen die Götter). Das Columbia-Musikhaus habe ich leider nicht kennengelernt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Tonger gab's auch in Bonn; zu meiner Kindheit noch Braun-Peretti, später dann Bielinsky und dann Tonger.


    Bei Tonger habe ich im Vorbeigehen mein Clavichord entdeckt; sie boten das in Kommission an. Die Preisverhandlungen waren witzig, denn die letzte Kalkulation des damaligen Mitarbeiters endete auf *1.791 €uro. „Das geht nicht, sagte ich, denn die letzten vier Ziffern sind ja Mozarts Sterbejahr. Einigen wir uns auf *1.756 €uro, das wäre Mozarts Geburtsjahr ...“ - der Verkäufer war platt ob meiner Argumentation, machte aber völlig überzeugt mit. Und so landete das Ding dann bei mir ...

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

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  • Vielen Dank, lieber Thomas Pape, für Deine prompte Antwort.


    Dann kann es das Kaufhaus Beck nicht gewesen sein, vielleicht hat in der Tat der genannte Herrenausstatter das Gebäude übernommen. Ich kannte in der Kölner Hohe Str. seinerzeit das Herrenbekleidungsgeschaft Hansen, das gibt es aber auch schon lange nicht mehr.


    Schönen Abend noch und

    LG Nemorino

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  • Tonger gab's auch in Bonn; zu meiner Kindheit noch Braun-Peretti, später dann Bielinsky und dann Tonger.

    wobei die Lampenausstellung von Bielinsky schon immer direkt neben Braun Peretti war. Später kam dann Bielinsky komplett rein und übernahm im Keller die CD und Schallplattenabteilung. Da waren dann zu ersten Mal Label wie BIS und Denon mit völlig eigenem Repertoire anzutreffen. So seriöse Läden wie die Gilde Buchhandlung hatten so ausgefallene CDs gar nicht :)

  • ... dafür gab's noch Radio Uni neben Boufünf.

    genau. Dort hatte ich als kleiner Junge das Erlebnis ausgelacht zu werden, als ich Suiten von Rameau kaufen wollte. Den Komponisten gäbe es nicht :P


    Soviel zur guten alten Zeit!


    Später hat Buh-Fünf den ganzen Laden annektiert!

  • Dort hatte ich als

    mittelmäßiger Schüler den Mahler-Kubelik-Ziegel für (ich glaube) 160 DEM erworben und auch immer mal wieder einzelne Ausgaben der 1991er Complete Mozart Edition (Philips).

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

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  • Hallo,

    kennt jemand in Hamburg und Berlin noch gute Klassikplattenläden. In Hamburg kenne ich nur die Plattenrille und den Nachfolger von Ingos Plattenkiste.

    In Berlin gibt es Dussmann, Fidelio Classics, Horenstein und das Antiquariat Hartmann, wo ich immer fündig werde. Aber müßte da nicht noch mehr sein?

    Schöne Grüße

    wega

  • Hallo,

    kennt jemand in Hamburg und Berlin noch gute Klassikplattenläden. In Hamburg kenne ich nur die Plattenrille und den Nachfolger von Ingos Plattenkiste.

    In Berlin gibt es Dussmann, Fidelio Classics, Horenstein und das Antiquariat Hartwig, wo ich immer fündig werde. Aber müßte da nicht noch mehr sein?

    Schöne Grüße

    wega

  • Die Situation in Hamburg ist ziemlich mau was Klassik anbelangt. Für Neuware gibt es m.W. überhaupt keine ernstzunehmenden Anbieter mehr. Und für Gebrauchtware eigentlich auch nur noch die von Dir bereits genannten. Der Klassiksektor scheint im second hand Bereich hier auch kaum noch gefragt zu sein, ich habe gehört, dass die z.B. in der Plattenrille nichts mehr ankaufen, da die Lager voll sind. Ich warte immer auf meine Kurztrips nach Stuttgart, da werde ich dann fündig.

  • Es muß um 1960 herum gewesen sein, Wagners RHEINGOLD mit Solti war noch ziemlich neu auf dem Markt, da bin ich in einen kleinen Plattenladen in Andernach und habe gefragt, ob es vielleicht Auszüge aus dem Rheingold gäbe, da ich mir die GA natürlich nicht leisten konnte.


    Die Verkäuferin schaute mich etwas ratlos an und meinte: Ich glaube nicht, vom Rhein haben wir nicht so viel auf Lager ...

    Soviel zur guten alten Zeit!

    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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  • Die Verkäuferin schaute mich etwas ratlos an und meinte: Ich glaube nicht, vom Rhein haben wir nicht so viel auf Lager ...

    Das erinnert mich an meine Jugend, wo ich eine (damals in Wien schwer zu bekommende ) Aufnahme vom Barbier von Sevilla suchte.

    Die Verkäuferin war hilfsbereit aber verzweifelt: "Ich such schon alle Einträge mit Mozart durch - aber ich kanns nicht finden !"

    Na ja.......

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • 2. Story.

    Schauplatz EMI Store in der Kärntnerstraße Anno 2002 (existiert auch schon nicht mehr)

    Eine Dame sucht eine Neuerscheinung (Belcea Quartett mit Schubert) und fragt die Verkäuferin.

    Die sagt schnippisch: Das wäre halt schon gut, wenn man bei einer Frage wennigstens das Label wüsste

    Ich überwinde die mir angeborene dezente Bescheidenheit und Zurückhaltung, mische mich ein - und sage ebenfalls schnippisch*):

    "Da wäre es halt guT, wenn man das eigene Plattenprogramm ein wenig im Kopf hätte - Das Label heisst EMI - jene Firma für Die Sie arbeiten!"


    *) ich weiss die Geschichte klingt wenig glaubwürdig, well ja bekannt ist, daß ich gar nicht schnippisch sein kann :yes:


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • 3. Story

    Wieder Schauplatz EMI Kärntnerstraße (Jahr unbekannt)

    Eine Kundin diskutiert mit einer Verkäuferin. Plötzlich lässt sie sie abrupt stehen, wendet sich zu mir und sagT:

    Entsculdigen Sie, wenn ich sie anspreche, ich weiss, daß sie hier kein Angestellter sind, aber Sie sehen so aus, als ob Sie sich hier auskennen...."


    Ob man das als Kompliment oder Kränkung sehen soll, das ist eine gute Frage.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Da wäre es halt guT, wenn man das eigene Plattenprogramm ein wenig im Kopf hätte - Das Label heisst EMI - jene Firma für Die Sie arbeiten!

    Volltreffer!!:jubel::jubel:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die Situation in Hamburg ist ziemlich mau was Klassik anbelangt.

    Ich glaube, die Situation ist flächendeckend ziemlich mau, nicht nur in der Hansestadt Hamburg. Ich erinnere mich an sehr lange zurückliegende Zeiten mit dem jpc-Laden in Hamburg und eine gut sortierte Klassikabteilung in einer Saturn-Filiale, vom lärmigen Rest der riesigen Musikabteilung durch große Glasscheiben abgetrennt. Aber das ist ja alles längst Schnee von gestern. Bei mir in Frankfurt kann man CD's als Neuware eigentlich nicht mehr kaufen - eine Saturnfiliale verkauft wohl noch CD's, aber da hinzugehen, lohnt sich für mich seit vielen Jahren nicht mehr.

    Obwohl nach wie vor CD's verkauft werden (sonst würden ja auch keine Neuheiten mehr erscheinen), scheinen körperlich begehbare Ladengeschäfte, zu deren Erreichen man sich vom Sofa erheben, Schuhe anziehen und losgehen muss, nicht mehr notwendig zu sein. Ich selbst bin das beste Beispiel: Ich will gar keinen CD-Laden mehr besuchen. Wozu noch? Alleine das Angebot von jpc ist riesig (von anderen Anbietern im Netz gar nicht zu reden!). Im Netz kriege ich, was ich suche.

    Mein letzter bedeutender Kauf von CD's (Neuware!) in einem Ladengeschäft fand im Mai 2020 bei Dussmann in Berlin statt. Da habe ich für rund tausend Euro einen Rucksack mit CD's vollgestopft, dann in Oranienburg bei einem Händler mein Auto abgeholt und habe mich dann auf der langen Rückfahrt nach Frankfurt quer durch einen Teil meiner Neuerwerbungen gehört. War ein schöner Tag. Ich erinnere mich nicht daran, danach ... doch, halt ... im September 2023 in Wien in einem CD-Laden, der das gesamte Programm des Wiener Labels GRAMOLA im Angebot hat, ganz in der Nähe des Stephansdomes, da hab ich auch nochmal analog zugeschlagen (da war ich als Tutor auf Studienfahrt mit meinem damaligen Deutsch-Leistungskurs des Jahrgangs 13). Aber das war es wirklich! Hier in Frankfurt kaufe ich manchmal noch was Gebrauchtes bei "No. 2" in der Wallstraße im Stadtteil Sachsenhausen oder Schwarzes mit Rillen in einem Vinylladen im Stadtteil Bornheim. Aber neues Zeug? Seit Jahren nur noch übers Netz.


    Grüße

    Garaguly

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  • in Wien in einem CD-Laden, der das gesamte Programm des Wiener Labels GRAMOLA im Angebot hat, ganz in der Nähe des Stephansdomes,

    Dieser Laden IST Gramola. Wien ältestes Schallplattengeschäft (seit 1924) mit eigener CD-Produktion Ein Familienbetrieb.

    Das Geschäft ist ein Ableger einer englisch-Tschechischen Firma gleichen namens, die es seit 1929 nicht mehr gibt. Es soll ein gewisser Zusammenhang mit Columbia gegeben haben, weshalb eines der Originalgemälde (es gab 16 Stück) noch im Geschäft zu sehen ist.


    Die Familie Winter und umreiss ist gut in der Wiener Klassikszene vernetzt und kann aus diesem Grunde immer wieder Aufnahmen mit Interpreten aus der Wiener und österreichischen Klassikszene machen, die sonst nirgends zu haben sind.


    https://www.gramola.at/stories/%C3%BCber-gramola


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Interessante Zusammenhänge. Ich finde das Label Gramola sehr spannend und da sind noch einige Aufnahmen in deren Programm, die mich sehr interessieren.


    Grüße

    Garaguly

  • Dussmann in Berlin

    ist fast der einzige Laden, wo ich noch CDs außerhalb des Internets erwerbe, das allerdings regelmäßig. Ich mag das ganze Kaufhaus sehr und die Klassik-Abteilung im Keller ist natürlich ein Paradies, das sich allerdings über die Jahre auch schon ein wenig verkleinert hat. Bei meinen gelegentlichen Aufenthalen in München gehts natürlich auch zu Ludwig Beck. Das wars aber auch, eben weil es hier in HH nichts nennenswertes mehr gibt. Ich würde mich durchaus gerne beim CD-Kauf vom Sofa erheben, weil ich die Atmosphäre dieser Läden mag, geht aber nicht mehr oft.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • weil ich die Atmosphäre dieser Läden mag, geht aber nicht mehr oft.

    Ich mochte die Atmosphäre dieser Läden auch sehr. Aber da ist einfach nichts mehr da in dieser Richtung. Frankfurt ist seit Jahren eine tote Stadt, was den Tonträgerhandel anbelangt.


    Und ich muss sagen, dass das Internet mit seinem all-umfassenden Angebot den Läden auch bei mir persönlich wirklich den Rang abgelaufen hat. Klar, bei Dussmann werde ich gut fündig, käme ich mal nach München bestimmt auch bei Ludwig Beck. Aber ich vermisse es nicht mehr. Alleine jpc hat ein so breites Angebot - der Laden, der mir das böte, müsste erst gebaut werden. Früher war der Saturn am Kölner Hansa-Ring mal so ein Paradies ... aber auch das ist verschwunden.


    Ich habe mich mit dem virtuellen Laden namens Internet arrangiert. Auch die Tatsache, dass meine Sammlung mittlerweile deutlich fünfstellig ist, würde viele der alten Läden von früher für mich heute 'alt' aussehen lassen, wenn es sie noch gäbe. Was hätten die mir noch zu bieten? Aus der Sicht des Oberstufenschülers Garaguly von ca. 1992/1993 mit vielleicht 200 CD's im heimischen Regal war jeder CD-Laden ein Paradies. Aber heute?


    Grüße

    Garaguly

  • Was hätten die mir noch zu bieten?

    Das ist schon ein Punkt, die paradiesische Auswahl verringert sich natürlich im Verhältnis. Zumal Beethovensinfonien etc., was wir alle wahrscheinlich mannigfaltig im Regal stehen haben, großen Raum einnehmen. Die von mir inzwischen eher gesuchten Komponisten der zweiten Reihe bzw. Alternativaufnahmen bei gewissen Werken sind bei Dussmann und Beck in der Tat manchmal eher rar und bei jpc hingegen umfassend.

    Aber meine Sammlung umfasst halt auch keinen fünfstelligen Wert und wird das wahrscheinlich auch niemals tun. So finde ich schon immer noch was.

    Und so ein Berlin-Tag, wo ich vielleicht erst in der Bibliothek für die Promotion bin und abends in eine der Opern gehe, braucht zum vollständigen Glück noch zwei Dinge: Dussmann und Curry61! ^^

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

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