6 aus 48: das WTC-Ranking

  • Nun bin ich kein wirklicher Liebhaber und Kenner des Bachschen Œuvre, aber als mittelmäßiger Klavierschüler kam auch ich nicht an den Zwillingsbänden WTC I und WTC II vorbei (und das ist gut so). Sie sind quasi die „Twin Towers“ der klassischen Musik für Tasteninstrumente und im Gegensatz zu ihren amerikanischen Pendants unkaputtbar - ganz gleich, ob man sie auf einem Clavichord, Cembalo, einer Orgel oder einem modernen Flügel für sich selbst spielt oder geneigten Zuhörern vorträgt: man findet so seine Favoriten.


    Und da setzen wir an. Die jeweils 24 Stücke sind paarweise jeweils als Præludium und Fuge konzipiert und ein Auseinanderreißen würde die Sache eher verkomplizieren und die Auswahl verdoppeln. Deswegen schlage ich vor, nur paarweise – aber gerne mit Gewichtung – zu nominieren. Ich werde – mit hoffentlich gutem – Beispiel vorangehen und hoffe auf die Unterstützung der einschlägig bekannten Jury der World*-Tamino-Competition, die witziger wie passender Weise ebenfalls mit WTC abgekürzt wird und damit die dritte im Bunde ist. Eine Begründung für die persönliche Wahl ist natürlich gern gesehen, aber nicht verpflichtend. 6 aus 48 sollen es aber schon sein, gegen Bonustracks habe ich keine Einwendungen.


    Los geht’s:


    Nr. 1

    Præludium es-moll und Fuge dis-moll BWV 853 (WTC I, VIII)


    Meine unumstössliche N°1: in das Præludium kann man so schön versinken, bei aller Unaufgeregtheit ist es niemals langweilig und es enthält meinen Lieblingsakkord in Takt 30: der vorhergehende Dominantseptakkord auf B-Dur wird gleichzeitig zu Ces-Dur und es-moll aufgelöst: ein quantenmechanischer Schwebezustand. Die folgende Fuge in der enharmonisch verwechselten Tonart gefällt mir ebenfalls besonders gut, da sie sehr melodisch und strukturiert ist; das stoische Schreiten gibt eine gewisse Sicherheit. Auch Mozart fand wohl Gefallen an dieser Fuge und hat sie – mit einer anderen Einleitung versehen und transponiert nach d-moll unter KV 404a (neu: KV Anh. C 21.02) - für Streichtrio gesetzt. Gewichtung: 50/50.


    Nr. 2

    Præludium und Fuge BWV 848 Cis Dur (WTC I, III)


    Ich bleibe bei den „komischen“ Tonarten mit leichter Gewichtung auf dem Præludium: perlend frisch kommt es daher mit rhythmisch einnehmenden Einschüben. Zudem ist das Vorspiel leicht zu spielen (leichter jedenfalls als das totgespielte c-moll aus demselben Teil), hört sich aber (für materiefremde Zuhörer) beeindruckend schwer an – also eine Art Blendstück. Die folgende Fuge abverlangt da schon mehr pianistisches Können, besticht aber ebenfalls durch ihr fröhliches glasklares Thema. Gewichtung: 60/40.


    Nr. 3

    Præludium und Fuge BWV 875 d-moll (WTC II, VI)


    Es wird schon schwierig, mich entscheiden zu müssen. Mir gehen langsam die Argumente aus. Das quirlige Vorspiel mag ich schon sehr, mich beeindruckt aber am meisten die Chromatik der folgenden Fuge in Kombination mit den Triolen und dem bremsenden Contrasubjekt. Gewichtung (ist keine Pflicht, sagt hier nur aus, daß mir die Fuge etwas besser gefällt) 40/60.


    Nr. 4

    Præludium und Fuge BWV 893 D-Dur (WTC II, XXIV)


    Auch hier mag ich das stoisch-schreitende im Præludium mit der autarken Bassführung und die kanonische Verarbeitung. Ganz ähnlich ist BWV 869 (WTC I, XXIV) gestaltet, da ich da aber die zugehörige Fuge nicht sonderlich mag, ist das ein Bonustrack. Bei der Fuge mag ich das flippige Thema mit den Oktaven. Ein Schöner Abschluß des Zyklus. Gewichtung 55/45.


    Nr. 5

    Præludium und Fuge BWV 889 a-moll (WTC II, XX)


    Nur noch zwei – das wird zu nehmend schwierig und beinahe unlösbar. Aber hier besticht wieder die von mir geliebte Chromatik im Præludium und das folgende Fugenthema ist mit jenem Kyrie-Tema aus Mozarts Requiem verwandt. Da auch BWV 881 f-moll den Septsprung enthält, mir aber das Vorspiel zu konventionell ist, muß dies ein Bonustrack bleiben. Gewichtung: 50/50.


    Nr. 6

    Præludium und Fuge BWV 883 fis-moll (WTC II, XIV)


    Triolen, Synkopen und Chromatik auch hier. Bei der Fuge schätze ich den Beginn des Themas in der Mittelstimme. Ein typisches, aber nicht langweiliges, Fugenthema mit Sprüngen und gehaltenen Noten. Gewichtung 50/50.


    Und jetzt bleibt, neben den schon erwähnten Boni noch soviel übrig wie u.a.


    • die majestätische D-Dur-Fuge WTC I mit quirligem Vorspiel
    • die g-moll-Fuge aus WTC I
    • die gis-moll-Fuge aus WTC I
    • das stoische a-moll-Præludium nebst Fuge aus Band I
    • die gravitätische Es-Dur-Fuge aus Teil II
    • das quirlige G-Dur-Præludium aus Teil II


    Dann mal im wahrsten Wortsinn ran an die Tasten und ein wohltemperirtes Vergnügen!


    :hello:




    *„Wiener“ ginge natürlich auch, führt aber zu Problemen bei der Übersetzung in andere Sprachen und es wäre ohnehin das Gleiche

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Werter Ulli , ich bin ja nicht so der Ranking-Typ. Das kann sich bei mir von einem Hörerlebnis zum anderen ändern. Ich meine aber zu wissen, dass Präludium mit zugehöriger Fuge unter einer BWV-Nummer geführt wird. Da irritiert mich Deine Nummerierung ein wenig. Willst Du wirklich das Präludium mit der Fuge in der chromatisch folgenden Tonart paaren?

  • Ich meine aber zu wissen, dass Präludium mit zugehöriger Fuge unter einer BWV-Nummer geführt wird.

    Du hast Recht: WTC I und II sind BWV 846 - 893, mithin 48 Nummern. :) Keine Ahnung, wo ich meine Augen hatte ... ich habe es - hoffentlich korrekt - angepasst. Sehr aufmerksam.

    Willst Du wirklich das Präliudium mit der Fuge in der chromatisch folgenden Tonart paaren?

    Keine Ahnung, was Du meinst ...

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Willst Du wirklich das Präludium mit der Fuge in der chromatisch folgenden Tonart paaren?


    Falls Du hiermit Ullis ersten Eintrag meinen solltest: Dieser ist so korrekt, weil Bach tatsächlich formal das Präludium in es-moll und die Fuge in dis-moll notiert hat, also in der klingend gleichen Tonart (es-moll und dis-moll sind enharmonisch verwechselbar) unterschiedlich aufgeschrieben hat (warum auch immer).


    Nr. 2

    Præludium und Fuge BWV 848 Cis Dur (WTC I, III)


    Ich bleibe bei den „komischen“ Tonarten mit leichter Gewichtung auf dem Præludium: perlend frisch kommt es daher mit rhythmisch einnehmenden Einschüben. Zudem ist das Vorspiel leicht zu spielen (leichter jedenfalls als das totgespielte c-moll aus demselben Teil), hört sich aber (für materiefremde Zuhörer) beeindruckend schwer an – also eine Art Blendstück. Die folgende Fuge abverlangt da schon mehr pianistisches Können, besticht aber ebenfalls durch ihr fröhliches glasklares Thema. Gewichtung: 60/40.


    Kleiner Tipp unter uns Hobby-Pianisten: Du kannst dieses Duo aus Präludium und Fuge auch einfach in C-Dur spielen, wenn Du die Vorzeichen ignorierst und die notierten Doppelalterationen (+) als einfache Alterationen (#) liest. Dann spielt sich gerade die Fuge deutlich leichter. ^^ Sollte irgendein Gralshüter der Notentext-Treue ob dieses Sakrilegs empört sein, kann man immer noch anführen, dass mit dieser Transponierung um einen Halbton nach unten der Stimmung zu Bachs Zeiten ein wenig Rechnung getragen wird, die Maßnahme also sozusagen Semi-HIP ist. ^^ (Dass man dafür alles andere aus dem ersten WTK-Band auch um einen Halbton verschieben müsste, lässt man dabei natürlich unerwähnt. ;))


    Ansonsten: Sehr schöne Thread-Idee! Ich muss für meine Auswahl nur noch etwas überlegen...


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Kleiner Tipp unter uns Hobby-Pianisten: Du kannst dieses Duo aus Präludium und Fuge auch einfach in C-Dur spielen, wenn Du die Vorzeichen ignorierst und die notierten Doppelalterationen (+) als einfache Alterationen (#) liest. Dann spielt sich gerade die Fuge deutlich leichter. ^^

    Pssst ... :stumm:Wobei die Fuge dadurch nur unwesentlich einfacher wird; finde ich. Das Prld. kann man natürlich vom Blatt so runterrappeln. Die dis-moll-Fuge(n) wird (werden) durch spielen in d-moll tatsächlich deutlich einfacher, was aber wohl am Tempo liegt.

    Sollte irgendein Gralshüter der Notentext-Treue ob dieses Sakrilegs empört sein, kann man immer noch anführen, dass mit dieser Transponierung um einen Halbton nach unten der Stimmung zu Bachs Zeiten ein wenig Rechnung getragen wird, die Maßnahme also sozusagen Semi-HIP ist.

    Mein Clavichord ist schon auf a'= 421 Hz gestimmt; da komme ich natürlich nicht mit durch. Ich finde aber Cis-Dur (und Fis-Dur übrigens) auch so recht einfach zu lesen/spielen; ich weißt nicht, warum? Im Übrigen ist das Transponieren ja gerade der Sinn der WTC: das eben jedwedes Stück in jedweder Tonart ohne Umstimmen möglich ist.

    Ansonsten: Sehr schöne Thread-Idee! Ich muss für meine Auswahl nur noch etwas überlegen...

    Das freut mich - bin gespannt. :)

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Geniale Idee von Symbol! Cis-Dur habe ich auch nie verstanden, was das hier soll. Schließlich geht es hier nicht um (scheinbare) Verkomplizierungen, um beabsichtigte Harmoniefolgen in der Komposition vom Verständnis her nicht zu verwischen.


    Ich bin ein mittlerweile jammervoller Hobby-Klimperer und weiß nicht, ob ich auf diese Weise - also Euren Tipp betreffend - besser klarkomme. Aber ich gestehe: Obwohl ich bei vielen Tonarten auch mit drei oder vier Vorzeichen keine Leseprobleme habe, sind sieben Kreuze in der Tat arg abwegig. Wobei an einer gewissen "Ausgleichslogik" bei besonders vielen Vorzeichen schon was dran sein könnte. Doch darüber nachzudenken, fehlt mir jetzt der Elan. Und bei Chopin - ich nenne ihn, weil ich da einst Etliches spielen konnte, aber es gibt natürlich viele andere relevante Namen - wird es wieder schwierig, wenn sich die Doppelkreuze, die Doppel-Bs und die Auflösungszeichen häufen.


    Die Idee von Ulli ist freilich auch sehr pfiffig, aber ich kenne die Nummern nicht gut genug, um ein Ranking zu erstellen.


    Mal schauen, was das Klimpern anbelangt! :)


    :cheers: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • unterschiedlich aufgeschrieben hat (warum auch immer).

    Gehirnjogging 8-)

    Im 2. Teil hat er es an entsprechender Stelle (VIII) nicht getan. Auch an anderer Stelle nicht (bei Cis-Dur vs. Des-Dur oder Fis-Dur vs. Ges-Dur wäre es ja auch möglich gewesen).


    In der Tat hatte meine damalige Klavierlehrerin mit angeblich absolutem Gehör es nicht bemerkt, wenn ich geschummelt hatte (die saß meistens entspannt auf der Couch und konnte meine Finger nicht einsehen). Ich hatte gar mal einen chromatischen Übergang vom (gut spielbaren) es-moll zum folgenden d!-moll (statt dis-moll) improvisiert, dessen heimtückische Funktion unbemerkt blieb und deswegen sehr gelobt wurde ...

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Gehirnjogging 8-)

    Im 2. Teil hat er es an entsprechender Stelle (VIII) nicht getan. Auch an anderer Stelle nicht (bei Cis-Dur vs. Des-Dur oder Fis-Dur vs. Ges-Dur wäre es ja auch möglich gewesen).


    Vielleicht wollte er exemplarisch einmal zeigen, was dank der wohltemperierten Stimmung möglich ist? Ich habe gerade Grok dazu befragt, und es kam nur blühender Unsinn als Antwort raus. Da muss der Elon wohl noch mal nacharbeiten - hoffentlich funktionieren seine Mars-Raketen besser. :)


    LG :hello:

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  • Mein Clavichord ist schon auf a'= 421 Hz gestimmt; da komme ich natürlich nicht mit durch.


    Deswegen steht bei uns ein modernes Klavier in fast Karajanesker Stimmung, da kann man dann auch so eine Schummelei wieder rechtfertigen. :)


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  • Deswegen steht bei uns ein modernes Klavier in fast Karajanesker Stimmung, da kann man dann auch so eine Schummelei wieder rechtfertigen. :)


    LG :hello:

    Erklär bitte schnell einem Ignoranten die Pointe mit Karajan. Läuft's nur darauf hinaus, dass der gerne zu hoch gestimmt hat? Dann könnte ich das sofort nachvollziehen, aber ich hätte es nicht wirklich gewusst.

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Erklär bitte schnell einem Ignoranten die Pointe mit Karajan. Läuft's nur darauf hinaus, dass der gerne zu hoch gestimmt hat?


    Jo. Angeblich hat Karajan gerne auf Werte recht deutlich oberhalb von 440 Hz stimmen lassen (laut Wikipedia 445 Hz), um den Klang brillianter zu bekommen. Ich weiß nicht, auf welchen Wert der Klavierstimmer unser Klavier gestimmt hat, und meine nicht-absolut-hörenden Schweinsohren können das auch leider nicht detektieren. Insofern war das einfach ein billiger Kalauer meinerseits. :)


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  • Insofern war das einfach ein billiger Kalauer meinerseits.

    Da hätt ich dann auch noch einen, bevor es in medias res geht: das ist dann wohl eher wohlgeklimpertes Temperament.

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  • Da hätt ich dann auch noch einen, bevor es in medias res geht: das ist dann wohl eher wohlgeklimpertes Temperament.


    Wenn ich spiele, ist sowohl die Frage des "wohl" als auch die des "Temperament" allerdings massiv Operator- statt Geräte-abhängig. "Geklimpert" ist aber gesichert. :)


    LG :hello:

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  • Jo. Angeblich hat Karajan gerne auf Werte recht deutlich oberhalb von 440 Hz stimmen lassen (laut Wikipedia 445 Hz), um den Klang brillianter zu bekommen. Ich weiß nicht, auf welchen Wert der Klavierstimmer unser Klavier gestimmt hat, und meine nicht-absolut-hörenden Schweinsohren können das auch leider nicht detektieren. Insofern war das einfach ein billiger Kalauer meinerseits. :)


    LG :hello:

    Besten Dank! :hello:Wolfgang

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  • Das freut mich - bin gespannt. :)


    Ich werde das wohl mal auf das Wochenende verschieben, da ich dann wieder Zugang zu meinen Noten von beiden Bänden des WTK haben werde. Vielleicht macht mir das Durchstöbern des Notenmaterials die schwierige Eingrenzung auf sechs Favoriten ein wenig leichter...


    LG :hello:

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  • Dann wollen wir mal. Ich steh auf Rankings. Dieses ist mal wieder ziemlich schwierig. Meine Bonus-Liste wäre sehr lang...


    Nr. 1
    Präludium & Fuge BWV 886 As-Dur (WTC II)


    Ein wahrhaft schönes Thema im Präludium, fast französisch elegant bzw. majestätisch groß. Dazu ein Strudel an Kadenzen, der zwei Mal über Neapolitaner bis zum theoretischen Heses-Dur führt. Die Fuge schwingt sich aus lichten Höhen langsam herab um dann in der Umkehrung wieder aufzusteigen. Ein faszinierendes Spiel mit Bewegungen und Chromatik - und alles in Quarten. Zum Schluss nochmal Heses.


    Nr. 2
    Präludium & Fuge BWV 857 f-Moll (WTC I)

    Das Präludium ist von schönem Ernst, ein wenig im Orgelstil. Schöne Trillerei, irgendwie tröstlich. Dazu eine meiner liebsten Fugen aus dem gesamten WTC. Gemessen feierliches Thema von sehr chromatischer Art. Umspielt wird es mit aufkommender Bewegung durch Achtelnoten, später weiter verdichtet mit Sechzehnteln. Es entsteht ein Flow, dem ich mich nicht entziehen kann. Es ist eine der längsten Fugen im WTC.


    Nr. 3
    Präludium & Fuge BWV 864 A-Dur (WTC I)

    Ein sich aufschwingendes Thema, das an Concerti wie das Italienische denken lässt. Die Fuge steigert sich mit immer virtuoseren Läufen und interessaner Rhythmik. Dreistimmig aber mit Scheineinsatz im Bass kurzfristig vierstimmig.


    Nr. 4
    Präludium & Fuge BWV 850 D-Dur (WTC I)


    Ein spektakulär perlendes Präludium von großer Spielfreude. Die anschließende kraftvolle Fuge ist ebenfalls relativ schnell und voller majestätischer Akzente - Barockfuge in Reinkultur, wenngleich kontrapunktisch nicht so raffiniert wie ansonsten oft bei Bach.


    Nr. 5

    Präludium & Fuge BWV 848 Cis-Dur (WTC I)


    Perlend virtuoses Präludium führt zu einem weit ausladenden Fugenthema, das sich sein Kontrasubjekt fast von Beginn an quasi einverleibt. Die Fuge ist samt Trugschluss toll gearbeitet und dabei von ausnehmend heiterer Stimmung.


    Nr. 6
    Präludium & Fuge BWV 866 B-Dur (WTC I)

    Ein munteres Spiel mit Akkordfolgen in schnellen Läufen und ein kontrastierender zweiter Toccata-Teil. Die Fuge dann sehr tänzerisch und regelrecht optimistisch-freudig.

    Unter den Boni wären u.a.

    * die Fuge c-Moll BWV 847 (WTC I): Gradezu typisches Fugenthema bei Bach

    * Präludium & Fuge c-Moll BWV 871 (WTC II): Mischung aus Unerbittlichkeit und Lieblichkeit

    * Präludium & Fuge d-Moll BWV 875 (WTC II): Mitreißrendes Präludium & tolles Fugenthema (Fließender verzierter Lauf + Chromatik)

    * Präludium & Fuge Fis-Dur BWV 882 (WTC II): Die französische Ouvertüre im WTC

    * Fuge gis-Moll BWV 887 (WTC II): Hämmernde Doppelfuge

    * Präludium & Fuge A-Dur BWV 888 (WTC II): [meine Nr 7] "Jesu bleibet meine Freude"-Präludium mit klarer motivischer Anleihe aus BWV 147

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Ich halte nichts davon, die beiden Teile eines Paares der BWV-Nummern gemeinsam zu betrachten - Präludien und Fugen sind sehr unterschiedliche, eigenständige Werke. Also hier 5 aus 96.


    (1)

    Mein absoluter Favorit ist die E-Dur-Fuge aus BWV 878, allerdings in der langsamen, späten Gould Version

    In ALLEN anderen mir bekannten Versionen (auch Gould selbst) wird sie viel zu schnell gespielt und verliert ihre phänomenale Wirkung, insbesondere die letzte Minute ist eine der highesten Highlights der Musikgeschichte (10 Punkte) - oh, wie oft habe ich sie mitgebrummt


    (2)

    so ziemlich das Gegenteil zu langsam: die Fuge aus BWV 881 - ein Rausch, von Gould runtergeknallt, Adrenalin pur, nach nicht einmal 1,5 Minuten verrauscht (10 Punkte)


    (3)

    das Präludium aus BWV 855, allerdings in einer abgewandelten Version von Siloti, bekannt als Präludium h-moll, hier gespielt von Khatia Buniatisvili (10 Punkte)

    auch hier sind die meisten Versionen, die ich kenne, viel zu schnell. Wie KB sie spielt, wirkt sie entrückt und irgendwie verloren, also ganz großartig!


    (4) tatsächlich das C-Dur-Präludium aus dem 1. Buch, BWV 846 (9 Punkte)


    (5)

    die Fuge aus 848 - sehr gefällig fürs Ohr, sehr dicht komponiert, einem Rausch nahekommend (9 Punkte)


    Danach kommen so viele gute Stücke, die annähernd gleichauf liegen oder sich abwechseln, dass es mir schwerfällt, weitere einzelne hervorzuheben.

  • Nr. 3

    Præludium und Fuge BWV 875 d-moll (WTC II, VI)


    Es wird schon schwierig, mich entscheiden zu müssen. Mir gehen langsam die Argumente aus. Das quirlige Vorspiel mag ich schon sehr, mich beeindruckt aber am meisten die Chromatik der folgenden Fuge in Kombination mit den Triolen und dem bremsenden Contrasubjekt. Gewichtung (ist keine Pflicht, sagt hier nur aus, daß mir die Fuge etwas besser gefällt) 40/60.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

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