Wiener Neujahrskonzert 2026

  • Man lernt nie aus: Nachdem "vertauschte Socken" Stefan Askenase beim Spiel von Chopins Préludes irritiert haben, sind nun die Wiener Philharmoniker in Verruf geraten, weil sie "die niedrigste Frauenquote aller großen Orchester haben" und damit ihren Anspruch als "ein Kulturerbe" verloren haben, und das mit sofortiger Wirkung!

    Geht's noch? Es wäre schön zu erfahren, ob es Statistiken oder Expertisen gibt, die belegen, daß ein Orchester durch einen höheren Frauenanteil zu einem qualitativ besseren Klangkörper wird. Und wenn schon von Quote die Rede ist, so wäre es doch sinnvoll, jedes Orchester per Statut zu veranlassen, mindestens 50 % Frauenanteil zu garantieren, unabhängig von Ausbildung, Qualifikation und persönlicher Eignung.


    LG Nemorino

    Ist ein Bewerber oder eine Bewerberin beim Vorspiel, wenn eine vakante Stelle bei den Wiener Philharmonikern besetzt werden soll, hinter einem Vorhang verborgen?


    Das Geschlecht dürfte bei der Auswahl bei einem solchen Vorgehen egal sein.


  • Das Geschlecht dürfte bei der Auswahl bei einem solchen Vorgehen egal sein.

    Hinter dem Vorhang: Ja.

    Irgendwann erblickt der/die Bewerberin, der engeren Auswahl das Licht der Welt.


    Ich bitte darum, sich einmal bei Bewerbern der Vergangenheit sachkundig zu machen und zwar sowohl bei den Berlinern, als auch bei den Wienern.

    Vielleicht ist die causa Sabine Meyer noch bekannt. Herbert von Karajan zog einige Monate später daraus seine Schlüsse.


    Ich war mit einer Dirigentin verheiratet, mir wird übel, wenn ich an die Misogynie denke, von der ich etwas mitbekam. Und nur um diese ging es.

    Und ich möchte gar nicht erst wissen, was alles unkannterweise erst erstritten werden mußte - oder abgelehnt.

    Hierbei geht es nicht, darum, jemanden in Verruf zu bringen. Die Zeit war in Musikerkreisen noch eine andere.


    Darüber redet keiner im Nachhinein, weil das dem eigenen Ansehen geschadet hätte: Nestbeschmutzer werden nicht geliebt.

  • Bernard Haitink, Jahrzehnte war er Chef des Concertgebouw Orkest, dann ging er nach London und wurde Chefdirigent des Chicago SO. Über die Orchester in der "neuen Welt" meinte er einmal: "In den USA klingen alle Orchester gleich!" Das ist die Globalisierung heute - Professionalisierung, Internationalisierung der Ausbildungskriterien. Das führt zu einer Angleichung, der historisch gewachsene idiomatische Eigenklang von Orchestern verschwindet immer mehr. Ist das wirklich wünschenswert? Ich finde das schade. Eins der wenigen Orchester, wo es den unverwechselbaren idiomatischen Klang noch gibt, ist die Tschechischen Philharmonie - wo bei älteren Aufnahmen auch nur Männer zu sehen sind im Orchester. ^^ Heute gibt es natürlich auch Frauen im Orchester dort - beim Neujahrskonzert habe ich jedenfalls bei den Wienern doch einige auffallend junge und auch weibliche Gesichter gesehen. In Wien wie in Prag hat sich offenbar etwas geändert. Die Gesinnung war sehr konservativ. Ich glaube aber kaum, dass die Veränderung im Klang der Orchester etwas mit dem höheren Frauenanteil zu tun hat. Dafür sind andere Dinge verantwortlich - die oben genannten Gründe vor allem. Auch in Prag ist eine gewisse Angleichung zu verzeichnen, wenn man den Klang des Orchesters heute mit dem aus den 1970iger und 1980iger Jahren vergleicht. Deswegen verstehe ich den Sinn solcher Kritiken an den Wiener Philharmonikern nicht. Es mag Verbesserungspotential geben was die Professionalität des Managements angeht - fehlende Probezeiten sind dafür ein Zeichen. Nur finde ich es gerade gut, dass der spezifische Klang der Wiener Philharmoniker erhalten bleibt. Man kann auch mit diesem historisch gewachsenen Klang sogar Neue Musik spielen - Abbado hat es bewiesen mit seiner phänomenalen Platte mit Schönberg und Weberns Orchesterstücken. In anderen Bereichen lobt man den Klang mit historischen Instrumenten - hier darf ein historisch geprägter Orchesterklang nicht mehr sein?

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  • Ich glaube aber kaum, dass die Veränderung im Klang der Orchester etwas mit dem höheren Frauenanteil zu tun hat. Dafür sind andere Dinge verantwortlich -

    Sorry: Hier hat niemand den Eindruck des Neujahrskonzerts 2025 vermischt mit den spezifischen Klangeigenschaften von Orchestern subspec. den Wienern.

    Es ging um Neues, was bisher so im Wiener Silvesterkonzert nicht vorkam, was alle begeistert hat.

    Wenn in d i e s e m Zusammenhang der optische Eindruck ergänzt wird durch die Feststellung einer immer noch sehr geringen Frauenquote,

    betrifft das n i c h t den Klang.

    Aber es ist halt TV und nicht CD gewesen - und es ging um Sympathisches und nicht so Sympathisches beim "Gesamtkunstwerk"

    "Silvesterkonzert der Wiener Philharmoniker".


    Über die Klangeigenschaften sind wir uns weitgehend einig.:)


    GC

  • Bernard Haitink, Jahrzehnte war er Chef des Concertgebouw Orkest, dann ging er nach London und wurde Chefdirigent des Chicago SO. Über die Orchester in der "neuen Welt" meinte er einmal: "In den USA klingen alle Orchester gleich!"

    Sollte er das wirklich von sich gegeben haben, kann man sich nur wundern. Immerhin war er nicht nur zwischen 2006 und 2010 Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra (den prestigeträchtigeren Titel des Musikdirektors lehnte er wohl ab), sondern dirigierte auch das Boston Symphony Orchestra zwischen 1971 und 2018 regelmäßig als Gastdirigent. Bereits CSO und BSO klingen selbst für den Laien deutlich unterschiedlich. Anderweitige Erfahrungen mit US-amerikanischen Orchestern scheint Haitink nur ganz vereinzelt gehabt zu haben, weshalb diese angebliche Aussage nach Vorurteilen riecht. Weder Philadelphia noch Cleveland haben ihn je eingeladen. Das spricht vielleicht für sich.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Sollte er das wirklich von sich gegeben haben, kann man sich nur wundern. Immerhin war er nicht nur zwischen 2006 und 2010 Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestra (den prestigeträchtigeren Titel des Musikdirektors lehnte er wohl ab), sondern dirigierte auch das Boston Symphony Orchestra zwischen 1971 und 2018 regelmäßig als Gastdirigent. Bereits CSO und BSO klingen selbst für den Laien deutlich unterschiedlich. Anderweitige Erfahrungen mit US-amerikanischen Orchestern scheint Haitink nur ganz vereinzelt gehabt zu haben, weshalb diese angebliche Aussage nach Vorurteilen riecht. Weder Philadelphia noch Cleveland haben ihn je eingeladen. Das spricht vielleicht für sich.

    Ich habe mich über Haitinks Äußerung auch gewundert. Es macht aber keinen Sinn zu spekulieren, wenn man den genauen Kontext nicht kennt. Von Haitink habe ich Aufnahmen sowohl mit dem Boston SO und dem Chicago SO mit demselben Stück und das Orchester klingt deutlich anders. Das wird Haitink auch nicht gemeint haben, weil er das natürlich weiß aus Erfahrung in der Arbeit mit den Orchestern. Er hat wohl den Vergleich mit den europäischen Orchestern machen wollen, dass da Traditionen eine viel größere Rolle spielen. Die Unterschiede - um mal ein Extrem zu nennen - zwischen dem "böhmischen Klang" der Tschechischen Philharmonie und dem London SO sind schon deutlich größer als die zwischen dem Chicago SO und dem Boston SO oder irgend einem anderen amerikanischen Spitzenorchester.

  • Die Unterschiede - um mal ein Extrem zu nennen - zwischen dem "böhmischen Klang" der Tschechischen Philharmonie und dem London SO sind schon deutlich größer als die zwischen dem Chicago SO und dem Boston SO oder irgend einem anderen amerikanischen Spitzenorchester.

    Das hat jetzt nichts mehr mit dem Silvesterkonzert zu tun - ist aber das weitaus interessantere Thema.

    Bevor ich lange suche: Gibt es im Forum zu DER KLANG DER ORCHESTER schon einen Thread?

    Andernfalls rege ich ihn an.


    Die Tschechische Philharmonie - mein gar nicht so heimlicher Klangfavorit für Smetana.

    https://www.br-klassik.de/them…oronto-gestorben-100.html


    GC

  • Die Wiener Philharmoniker haben fraglos ihren ganz spezifischen Klang und sich diesen besser erhalten als manch anderes Orchester. Für die typischen Werke der Neujahrskonzerte ist er wohl schlechterdings idealtypisch idiomatisch. Ob bei den US-Orchestern Traditionen tatsächlich eine geringere Rolle spielen als in Europa, würde ich so nicht stehen lassen. Die besten Gegenbeispiele wurden hier bereits genannt. Das CSO klingt bis zum heutigen Tage auf seine Art genauso unverwechselbar wie die Wiener Philharmoniker, die Tschechische Philharmonie oder das Moskauer RSO. Die Bandbreite des US-amerikanischen Orchesterklangs ist insgesamt nicht minder breit. Gerade in der Vergangenheit gab es vom luxuriös-üppigen Philadelphia Sound Stokowskis und Ormandys über den "europäischen" Bostoner Klang (Munch, Leinsdorf, Steinberg) bis hin zum kantig-präzisen Sound in Cleveland unter Szell eine unverkennbare Differenzierung.

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    – Luís de Camões

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  • Aber mir geht es ja schon mit den Phil mittlerweile so, dass mich die Programme überwiegend nerven/langweilen, weil das Programm vorwiegend aus den Klassikern besteht

    Das lässt sich eigentlich nich kommentieren, aber es ist entlarvend. Man will die Welt nach eigenen Maßstäben zuschneiden und akzeptiert nicht, daß das Programm klassischer Konzerte eben aus Klassikern besteht. Für die gibt es ein Publikum , das eine gewisse Gesellschaftsschicht repräsentiert, und das will unter sich bleiben. DAs sollte auch für Orchester Gelten, ebenso wie Klöster und Knabenchöre. In der Zauberflöte wird Sarastros Männerbund ja deutlich dargestellt. Kritik an Institutionen, sei es ein Orchester oder ein Glaubensgemeinschaft, eine politische Partei etc werden ja meist von feindlich eingestellten Kreisen geäussert und sollen in letzer Konsequenz dem Unternehmen Schaden bezw dessen elitäre Position in Frage stellen bzw zu schwächen oder zu zerstören

    Den Wiener Philharmonikern kann es völlig glechgültig sein ob sie nun als "Weltkulturerbe" anerkannt werden oder nicht.Sie gelten in weitesten Kreisen als bedeutendstes Orchester der Welt (DAs Neujahrskonzert ist ein Zeichen dafür) ob nun ein paar progressive Kritiker dieser Meinung sind oder nicht.....

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Das CSO klingt bis zum heutigen Tage auf seine Art genauso unverwechselbar wie die Wiener Philharmoniker, die Tschechische Philharmonie oder das Moskauer RSO. Die Bandbreite des US-amerikanischen Orchesterklangs ist insgesamt nicht minder breit.

    Das CSO habe ich in Chicago live mit Haitink und Beethoven gehört. Das war das beste Orchester, was ich jemals im Konzert erlebt habe. Unfassbar homogen, perfekt abgestimmt und mit einer erlesenen Klangkultur. Aber vergleichbar mit dem "böhmischen Klang" der Tschechischen Philharmonie ist das nicht. Die Bläser in Prag erkennt man sofort, so einen Klang gibt es bei keinem anderen Orchester auf der Welt, auch nicht nur annäherungsweise. Der Chicago-Klang ist nicht eigentlich idiomatisch, die herausragende Qualität liegt hier in der Perfektion, der höchsten Qualität jedes einzelnen Musikers und des Zusammenspiels. Natürlich sind Chicago, das Boston SO und Cleveland unverwechselbar auf ihre Weise. Nur dieses Idiomatische ist etwas sehr Europäisches. Die USA dagegen sind das traditionelle Einwanderungsland. (Heute wollen sie es freilich nicht mehr sein, aber das gehört nicht hierher.) Das sind ganz andere Voraussetzungen.

  • ... es ist entlarvend. Man will die Welt nach eigenen Maßstäben zuschneiden und akzeptiert nicht, daß das Programm klassischer Konzerte eben aus Klassikern besteht.

    Ich wünsche mir eben mehr als immer nur Brahms, Mahler, Beethoven. Aber namentlich bei uns in Berlin gibt es ja auch andere Angebote.

    Für die gibt es ein Publikum , das eine gewisse Gesellschaftsschicht repräsentiert, und das will unter sich bleiben.

    Kritik an Institutionen [...] etc werden ja meist von feindlich eingestellten Kreisen geäussert und sollen in letzer Konsequenz dem Unternehmen Schaden bezw dessen elitäre Position in Frage stellen bzw zu schwächen oder zu zerstören

    Dazu kann ich nichts Gescheites schreiben, fürchte ich.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Kritik an Institutionen, sei es ein Orchester oder ein Glaubensgemeinschaft, eine politische Partei etc werden ja meist von feindlich eingestellten Kreisen geäussert und sollen in letzer Konsequenz dem Unternehmen Schaden bezw dessen elitäre Position in Frage stellen bzw zu schwächen oder zu zerstören

    Es kann auch Kritik geäußert werden an Institutionen, weil man sich für sie interessiert und wertschätzt, aber eben mit der aktuellen Entwicklung unglücklich ist. Ich glaube sogar, dass das am öftesten vorkommt, sonst würde man sich ja nicht die Mühe machen.

  • wen es interessiert, der kann sich das Neujahrskonzert der Wiener bestellen



    Es erscheint auch als CD Ende Januar. Streamen geht jetzt schon

  • Es kann auch Kritik geäußert werden an Institutionen, weil man sich für sie interessiert und wertschätzt, aber eben mit der aktuellen Entwicklung unglücklich ist. Ich glaube sogar, dass das am öftesten vorkommt, sonst würde man sich ja nicht die Mühe machen.


    Richtig.

    Man darf das Neujahrskonzert nicht als Weltkulturerbe, wohl aber als Gesamtkunstwerk bezeichnen.

    Das kann an zahlreichen Kriterien festgemacht werden, von der Tradition bis hin zur "bildlichen Gestaltung".


    Wenn mich ein liebgewonnenes Bild jahrelang begleitet, sei es an der Wand, im Buch oder in den moidernen Medien, emtdecke ich jedesmal Anderes oder etwas anders Fesselndes, was natürlich vorher auch schon da war, aber vorher nicht so von mir gesehen und bewertet wurde.

    Das macht Bildende Kunst und Musik so spannend. Nur die Live-Musik im Konzert kann über die Möglichkeit, das immer Gleiche anders darzustellen,

    soga: eine Entwicklung aufzuzeigen. Das kann ein Bild nicht.


    Wenn am "Gesamtkunstwerk Neujahrskonzert" Interessierte sich die Mühe machen, darüber nachzudenken, an welchen Sachen

    eine stillstehende Entwicklung festzumachen sei, dann ist das Interesse kein Versuch der Zerstörung einer Institution, sondern das Gegenteil.

    Denn man vermerkt im vorliegenden Fall allenthalben begeistert die Entwicklungen im Konzert 2025.

    Q.e.d.


    Und dann gibt es da noch jene, denen Kinkerlitzchen wie die Frauenquote oder die zwangsweise ausgeübte Macht zur Nutzung von Wiener Hörnern immer wieder auffällt. Und andere, die aus dieser Beobachtung eine Klangdiskussion machen - ein glatter Fehlschuß.


    GC

  • Und dann gibt es da noch jene, denen Kinkerlitzchen wie die Frauenquote

    Ich weiß nun nicht, wie dies vereinsmäßig oder historisch verankert ist. Es ist jedenfalls unlogisch, einem Männergesangsverein eine Frauenquoten abzwingen zu wollen (synonym gedacht für alle möglichen Vereinigungen, die rein von Männern (oder Frauen; dort dann natürlich Männerquote z.B. im Frauenfußball) betrieben werden wollen).


    Die Schule, die ich besuchte, war damals noch ein reines Jungengymnasium, „betrieben“ von Patres. Meine Eltern hatten diese Bildungsstätte eben deswegen ausgesucht. Es hätte Alternativen gegeben. Damals schon waren wegen Personalmangels auf Erden auch weltliche Lehrkräfte zugegen, mitunter auch weiblicher Natur, was schon recht kurios, aber fortschrittlich war; wobei ich beinahe sicher bin, daß der Fortschrittsgedanke den personellen Problemen vorgeschoben wurde. In der Oberstufe gab es dann eine Kooperation mit dem befreundeten Mädchengymnasium; das war eher kostensparender Natur, die bereits ausgedünnten Oberstufen einfach zusammenzulegen. Nach meinem Abgang wurde die reine Jungenschaft dann abgeschafft und auch Mädchen aufgenommen. Das ist natürlich nicht mehr dieselbe Schule jetzt; was blieb, ist einzig der Name. Ich finde das extrem schade.


    oder die zwangsweise ausgeübte Macht zur Nutzung von Wiener Hörnern immer wieder auffällt.

    Die wiederum hat mit dem speziellen Klang zu tun, der (so habe ich das gelesen) auf historische Authentizität abstellt:


    So blasen die Hornisten auf einem einfachen F-Horn mit Pumpventilen und aufgesetztem kreisrund gebogenem Mundrohr, dem Wiener Horn. Die Wiener Philharmoniker sind weltweit das einzige Orchester, bei dem alle Hornisten das Wiener Horn beherrschen, während in anderen Wiener Orchestern nur ein Teil der Instrumentalisten dieses Instrument beherrscht und sich in praktisch allen übrigen Orchestern das F/B-Doppelhorn durchsetzte. Auch in anderen Stimmgruppen werden spezielle, sonst nicht verwendete Instrumente eingesetzt, so bei der Klarinette (Sonderheiten gegenüber der deutschen Klarinette hinsichtlich Bohrungsdurchmesser, Mundstück und Rohrblättern), dem Fagott, der Posaune und der Trompete. Bemerkenswert ist der Einsatz der Wiener F-Tuba und der Wiener Oboe. Alle Fellinstrumente sind mit Ziegenpergament bespannt, Kunststofffelle werden nicht verwendet. Bei der Wiener Pauke wird der bewegliche Kessel gegen das Fell gedrückt.


    Der Klang des Orchesters wird dadurch im historischen Sinn authentischer. Das Orchester nähert sich dem Klang der Wiener Klassik und der Wiener Schule mehr an als andere moderne Orchester.

    In einem HIP-Ensemble kommst Du auch nicht mit einer modernen Plastikklarinette unter. Bloß frage ich mich hier ... wenn schon, warum dann nicht gleich ausschließlich historische Instrumente für historische Musik? 8-)

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Zitat aus Wikipeia:

    Der Klang des Orchesters wird dadurch im historischen Sinn authentischer. Das Orchester nähert sich dem Klang der Wiener Klassik und der Wiener Schule mehr an als andere moderne Orchester.



    ... aber wenn schon, warum dann nicht gleich ausschließlich historische Instrumente für historische Musik?

    Genau die richtige Frage......

    Wenn sich jemand für den tatsächlichen Unterschied von Wechselhorn und Wiener Horn interessiert, so möge er sich hier melden.

    (Pumpventile vs. Drehventile und ihre Vor- und Nachteile bei schnellen vs. langsamen Tonwechseln - vorsicht; da wirds physikalisch.)


    Auf das Zopfige ohne echten Sinn dahinter wie oben berufen sich die Traditionalisten in Wien. Das könnte man komplett zerpflücken,

    z.B. ist es Unsinn, dass sich der Klang eines ganzen Orchesters dadurch ändert, daß man 2-4 Hörner mit ganz leicht vermehrten Obertönen einsetzt.


    Fakt ist, dass jenes Gerät an bestimmten Stellen schwerer zu bedienen ist ,und was ist schon "im historischen Sinn authentischer....?

    Von denen, die sowas entscheiden, weiß doch niemand, wie das historisch klang, so alt kann kein Wiener werden - geschweige denn: nähert sich dem Klang der Wiener Klassik, nur an?

    :)

    GC

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  • wen es interessiert, der kann sich das Neujahrskonzert der Wiener bestellen



    Es erscheint auch als CD Ende Januar. Streamen geht jetzt schon

    Bedauerlicherweise ist es so, dass Sony seit einigen Jahren, zumindest in der Streaming-Version, den Applaus nach den Stücken weglässt, was den Mitschnitten komplett die Atmosphäre nimmt. Stellenweise ist es sogar zu hören (zumindest per Kopfhörer), dass der Applaus "weggenommen" wurde, was diese Vorgehensweise noch ärgerlicher macht.


    Ich erwarte nicht, dass der ganze Applaus nach den Stücken festgehalten wird; die gängige Praxis aus vielen Neujahrskonzerten, den Applaus ein paar Sekunden hören zu lassen und ihn dann auszublenden, hat sich für mich als sehr praktikabel erwiesen, aber spontane Reaktionen des Publikums wegzulassen in einem Konzert, das auch von Emotionen lebt, macht die Veröffentlichung per Streaming steril und somit sinnlos, zumal das Konzept des Ausblendens des Publikums nicht konsequent durchgehalten wurde/werden konnte.


    Die ersten Takte des "Donauwalzers", die vom Applaus unterbrochen werden, sind zu hören, ebenso das Lachen im Publikum als Yannick Nézet-Séguin seinen Neujahrsgruß mit den Worten "Please do not worry, we will play it" beginnt, die Neujahrsansprache ist der einzige Track, bei dem der Applaus original belassen wurde, während beim abschließenden Radetzky-Marsch zwar das von Neujahrskonzerten bekannte leisere und lautere Klatschen zu hören ist, nicht aber die überschwängliche Freude des Publikums, als der Dirigent den Marsch im Publikum dirigierte.


    Was soll das? Ist das auf CD auch so?

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Was soll das? Ist das auf CD auch so?

    Wie blöd. Da scheinen die bei Sony den besonderen Charme des Konzertes nicht zu verstehen und so eine Allerweltseinspielung draus zu machen :(.


    Auf Qobuz kan man schon streamen (ich vermute, dass es die zwei CDs sind) dort ist nicht der Hauch von Applaus zu hören bei den drei Walzern, die ich ausprobiert habe. Das ist wirklich dämlich. Ich vermute, dass da die DVD schlauer gemacht ist

  • Die CD wird, wie Stream und Download, weitestgehend "applauslos" ausfallen, was ich bei diesem Konzert auch nicht unbedingt befürworte. Wer es unverfälscht möchte, wird nicht um die Blu-ray oder DVD herumkommen (oder in einer Mediathek bzw. bei einem Rundfunkmitschnitt fündig).

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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  • Nicht der Kessel wird gegen das Fell gedrückt (wobei die Richtung von Zug und Druck eher wurscht sei), es ist die Stimmung der Pauken mit den Knebeln im Ggs. zur Stimmung mit Pedalen, die die Wiener Pauken - neben anderen Dingen - unterscheiden.

    „In sanfter Extase“ - Richard Strauss (Alpensinfonie, Ziffer 135)

  • Was ist dran am "Wiener Klang"?


    https://www.musiklexikon.ac.at…ik_W/Wiener_Klangstil.xml


    Das Österreichische Musiklexikon beschreibt den spezizischen Neujahrskonzert-Klang der Wiener Philharmoniker nicht,

    dafür aber die Kriterien für den "Wiener Klangstil" Wiener Orchester sehr gut und ausführlich (letzte Anpassung 2006).


    Die Erklärungen decken sich mit Hörerfahrungen und den exakten Kenntnissen..

    Das VT-Video mit dem Versuch. den Klang der WPh zu erläutern, ist dagegen ein fast kompletter Fehlgriff.


    Entlarvend zunächst die ausschließliche Wiedergabe von Programmschnitzeln des Neujahrskonzerts - also von Kompositionen, um die Sträuße stc. herum.

    Dann das Geschwurbel um den Musikerzusammenhalt einschließlich des Interviews mit Barenboim und seinen wie meistens wolkigen Sätzen

    ohne echten Inhalt - das sind alles keine Hinweise auf den einzigartigen Klang der WPh.

    So etwas kann mühelos auch in Filme anderer Orchester hinein geschnitten werden. Einzig die gute Darstellung des Paukisten ist stimmig

    für die Erklärung des W.Ks. Die Erklärung der Klarinette stimmt zwar bautechnisch, den gesendeten Verdi-Klang als Nachweis dafür kann jeder Klarinettist genauso effektiv spielen.


    Daß im Walzer-Dreivierteltakt die Zählzeit 2 etwas zu früh, die Zählzeit 3 dafür etwas zu spät gespielt wird (=Binsenweisheit),

    das beherrschen in der Praxis so nur die WPh, das ist echter Wiener Klangstil !

    Dafür sind dann die Musikbeispiele wieder passend.

    Die Erklärung dazu, der Tänzer mache ja auch diese schaukelnde Bewegung, soll wohl ein Witz sein:

    Bein Ausführung dieses Dreivierteltakt-Metrums würde das Paar umfallen.......


    Aus dem Nähkästchen von Orchesterpraktik; Es gibt Dirigenten, die die Kammerton-Stimmung von den heute schon üblich gewordenen 442, 443 oder noch höher auf 440 minus 10 Cent ansetzen - für bestimmte Programme, die voller, dunkler und wärmer klingen müssen.

    Davon bekommt der Konzertbesucher nichts mit.......wer weiß.....ob.....die WPh.... :P ich mlchte nichts unterstellen. Betriebsgeheimnis.

    Das Ergebnis aber würde den Vorstellungen entgegenkommen, wie sie im Video geäußert werden, für den spezifischen Wiener Klang also gut passen.


    Alle dem Klangstil untergeordneten Merkmale nützen am Ende nichts bei Eroica, Alpensinfonie, Feuervogel, Peer Gynt, Candide odeer anderen weit auseinanderliegenden Kompositionen. Und bei Hans Werner Henze dürften sie komplett unnötig sein.


    Egal, was die Wiener spielen - im Unterbewußtsein läuft beim Hörer immer die Neujahrskonzert-Athmosphäre mit.

    Ein Pfund, mit dem sie wuchern dürfen, aber bitte sachlich. Nicht "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing".

    Sollte ich irren, bitte Widerspruch:)


    GC

  • Was ist dran am "Wiener Klang"?


    Irgendetwas läuft da in Wien am Institut für Musik und Darstellende Kunst der Universität zum Thema "Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker".

    Den Link für die Beschreibung des Forschungsprojektes füge ich unten an.

    Das Projekt dauert bezeichnenderweise vom 1.12.2025 bis 30.11.2026. und wird mit 100.000 EUR gefördert.

    Betitelt ist das Ganze mit "The same procedure as every year".


    In der Beschreibung des Themas wird u.a. ausgeführt, mit welcher Methode man da vorzugehen gedenkt. Dies sei auch für andere Kompositionen anwendbar. Das Prinzip ist wohl das Übereinanderlegen oder Nebeneinanderlegen von immer denselben Passagen verschiedener Ausführender zwecks direktem Vergleich.

    So verstehe ich die beschriebene Vorgehenmsweise.

    Wen dem so sein sollte, ergibt sich daraus eine ganz andere Vergleichsmethode als allein über das Ohr und das musikalische Gedächtnis - so meine Einschätzung


    LINK:

    https://suche.t-online.de/web?…text=internet-tab&ptl=std


    Vielleicht entwickelt sich daraus einmal ein Thread, den ich kürzlich anregte zum Klang der Orchester.

    Und evtl. können die Wiener Taminos mal Erkundigungen einziehen.


    GC