Rettet die Stiefkinder eurer Sammlungen! Ihr werdet mit Wiederentdeckung belohnt werden.

  • Wir lernen in Laufe der Zeit ein Werk einer bestimmten Sammlung oder Werkgruppe kennen, sind davon begeistert, wollen von diesen Werken mehr haben und sammeln dann weitere Werke dieser Gruppe bis wir sie vielleicht alle haben, oder kaufen uns gleich die entsprechende Box dazu. Nach einiger Zeit kristallisieren sich einige Favoriten heraus, während andere Werke der Sammlung in den Hintergrund gedrängt werden und eher selten (oder großen Boxen gar nicht) gehört werden. Dass es da aber einiges zum wieder entdecken gibt, zeigt die folgende Erfahrung die ich kürzlich gemacht habe


    In Zuge eines rezenten Beitrags zu einem Ranking der Beethoven Sinfonien habe ich mir einmal wieder alle angehört. Ich muss zugeben, dass ich unter Beethovens Sinfonien einige Favoriten habe, die ständig bei mir laufen, aber andererseits es Sinfonien gibt die ich selten bis kaum höre. 3, 5, und 7 sind meine absoluten Favoriten, und auch die 9. höre ich oft, obwohl mich das Finale nicht so überzeugt. Jedoch die anderen höre ich eher selten und einige hatte ich schon jahrelang nicht gehört. Die große Wiederentdeckung hier war die 4. Ein tolles Werk, das ich wieder neu entdecken durfte und das sich für mich gleich nach meinen Top 3 einreiht. Sinfonien 6 und 8 haben jeweils tolle Sätze, Kopfsatz und 3. Satz bei der Pastorale und die Ecksätze der 8., kommen aber in ihrer Gesamtheit nicht ganz an meine Favoriten heran. Die 1. Sinfonie ist in meinen Ansehen sehr gestiegen, ein sehr gelungenes Werk, besonders in den beiden letzten Sätzen. Nr. 2 ist auch ein großartiges Werk, mit dem ich mich jedoch nicht so anfreunden konnte, ohne dass ich dafür einen Grund nennen könnte.


    Warum habe ich gerade die Beethoven Sinfonien als Beispiel genommen? Zum einem werden die meisten im Forum alle Beethoven Sinfonien haben und zum anderem ist die Anzahl hier überschaubar. Bei den „Viel-schreib“ Komponisten ist es um einiges schwerer alle Stiefkinder zu retten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Box von Haydns sämtlicher Kammermusik für Baryton, die ich vor einiger Zeit kaufte. Dabei ging es mir nur um die Oktette, jedoch war die Doppel CD mit nur den Oktetten teurer als der Klotz mit aller Baryton Musik (Brillant halt). Ich muss zugeben, dass ich noch immer nicht alle CDs aus der Box durch habe, aber einige abseits der Oktette habe ich mir schon angehört. Das meisten Stücke davon werden Stiefkinder bleiben, aber es gibt doch ein Trio das mir sehr gut gefällt: Baryton Trio Nr. 118. Nicht jedes Stiefkind wird gerettet werden können, das eine oder andere aber schon.


    Ich werde als nächstes einige der Mozart Klavierkonzerte wieder entdecken, weil es auch da einige Werke gibt die ich schon lange nicht gehört habe (Nr. 11 zum Beispiel). Dann werde ich vielleicht mit Haydns Londonern weitermachen, wovon ich beispielsweise 96 und 100 schon lange nicht genossen habe. Ich werde im Zuge des Threads davon berichten, bin aber auch auf eure Erfahrungen beim wieder entdecken gespannt.

    LG aus Wien.:hello:

  • Stiefkinder retten muss ich nicht, denn ich neige nicht dazu Werke auszusortieren, die mir nicht (so) gefallen haben. Erstens habe ich gerne Vollständigkeit in den Werkkanons, zum anderen habe ich schon oft genug die von dir beschriebene Erfahrung gemacht: In verschiedenen Lebensphasen, ja sogar zu verschiedenen Tagesformen wirken Werke unterschiedlich auf einen.

    Deshalb halte ich es zum eigenen Vorteil für extrem wichtig offen dafür zu bleiben Werke neu bzw. später im Leben zu entdecken!


    Beispiele gibt es einige:

    "Till Eulenspiegel" war mir unter den Strauss'schen Tondichtungen lange ein Stiefkind. Inzwischen ist es eine meiner liebsten - dazu hat übrigens auch das Forum beigetragen.


    "Lohengrin" war mir z.B. lange die unliebste der großen Wagner-Opern. In den letzten Jahren habe ich den Lohengrin immer wieder intensiv gehört in verschiedensten Einspielungen und kann mein früheres Urteil gar nicht verstehen.


    Andersherum gibt es bekannte Werke, wie Dvoraks Violinkonzert oder die Symphonie fantastique (und einiges mehr von Berlioz), was mir nicht so zusagt. Ich gehe aber davon aus, dass sich das auch mal ändern kann.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)

  • Bei mir haben Schumann und Chopin deutlich zugenommen ;), seit ich in dem Forum tätig bin. Von Schumann mochte ich seine frühe Klaviermusik, bin aber nicht viel weiter gekommen und Chopin führte bis auf die Préludes und Études ein vollständiges Schattendasein. Nun sind seine Nocturnes und auch die Balladen und von Schumann die späte Kammermusik deutlicher in den Fokus gerückt.

  • Früher gab ich immer mal wieder tütenweise CD's an die Stadtbücherei. Da dort aber kaum noch jemand CD's ausleiht, beschloss ich für mich persönlich, dass es sich nicht mehr lohnt, CD's dorthin zu tragen. Ansonsten kenne ich niemanden (mehr), dem man CD's überlassen könnte. Von daher: ich behalte einfach alles. Kommt nach meinem Ableben sowieso auf den Müll. Ob meine Kinder, oder der von ihnen beauftragte Entrümpler dann tausend Stück mehr oder weniger wegtragen müssen, ist eh schon wurscht. Meine Sammlung verkommt auch immer mehr in völlige Unübersichtlichkeit. Ich finde Scheiben, die ich nicht mag, sowieso nur noch per Zufall, was auch okay ist. Das, was ich hören will, ist auch immer öfter Zufallsfund. Ein paar habe ich auch schon weggeworfen, aber das mache ich eigentlich nicht so gerne. Ich lass einfach alles da. Vielleicht höre ich es irgendwann mit anderem "Blick", wie ihr das schon geschrieben habt.


    Grüße

    Garaguly

  • Ohne dieses Forum hätte ich wohl auch schon einiges verkauft oder verschenkt. Aber dann taucht immer wieder ein thread auf über eine Werk - und dann bin ich froh wenn ich nach hören kann. Sollen sich meine 3 Erben damit beschäftigen.....

    Gruss aus Bruchsal


    Karl-Heinz

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  • Stiefkinder retten muss ich nicht, denn ich neige nicht dazu Werke auszusortieren, die mir nicht (so) gefallen haben.

    Mir geht es ebenso, zumal ich mich schlecht von irgendeiner Aufnahme trennen kann. Oft lange Zeit ignoriert und fast vergessen, wird sie durch einen Eintrag hier oder in einer Fachzeitschrift plötzlich wieder "brandaktuell", und dann freut man sich, daß sie noch in irgendeinem verborgenen Winkel zu finden ist.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Weiter zu den Mozart Klavierkonzerten: Meine Top drei Favoriten hier sind 20, 22 & 24, aber darüber hinaus höre ich auch 5, 9, 12, 13, 14, 16, 17, 18, 21, 25, 26 & 27 relativ häufig. Bleiben als „Stiefkinder“ 6, 7, 8, 10, 11, 15, 19 & 23. Auffallend hier ist, dass ich auch einige Spätwerke (15, 19 & 23) vernachlässigt habe. Gestern Abend fing ich mit meiner Rettungsaktion an und hörte mir die Konzerte 6 und 7 an. 6 ist ein spritziges Werk, recht angenehm aber nicht irgendwie beeindruckend, Das Finale ist hier der beste Satz, mit ein wenig Drama und auch schöne Einsätze für die Hörner. 7 hingegen ist ein imposantes Werk für 3(!) Klaviere. Der erste Satz wirkt majestätisch und auch der langsame Satz hat eine erhabene Qualität. Das Finale bietet einen virtuosen und energiegeladenen Abschluss zu diesem tollem Konzert. Fazit: 6 werde ich wahrscheinlich länger nicht hören, jedoch 7 wird bald wieder bei mir laufen. Am Wochenende geht es weiter mit 8 und 10.

    LG aus Wien.:hello:

  • Ohne hier Namen von Komponisten oder Werken nennen zu wollen: Die Strategie, Mauerblümchen hervorzuholen und zu hören verfolge ich aktiv seit Beginn des Jahres, also "Draufgaben auf CDs mit "Rennern" einerseits, aber auch unbekanntes aus den Winkeln des Internets. Es gibt hier allerding Grenzen die ich nicht überschreiten werde, aber sich schrittweise bislang Vernachlässigtem nähern ist auch ein Fortschritt oder Schritt in die richtige Richtrung (das Wortspiel mit "Schritt" liesse sich noch fortsetzen......:hahahaha:


    mfg aus Wien

    Alfred


    Pereinst prägte ich ein Bonmot, das heute streng unter Copyright von mir gestellt wurde:baeh01: das da lautet:

    (Da streng geheim, hab ich es GRAU gedruckt)

    "Das Schöne an der klassischen Musik ist, daß sich die meisten "Fehlkäufe" Jahre später als Treffer ins Schwarze entpuppen....."

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Meine Sammlung verkommt auch immer mehr in völlige Unübersichtlichkeit

    Was immer öfter dazu führt das ich in voller Begeisterung eine neue CD kaufe, von der ich immer dachte ich müsse sie haben - um dann daheim festzustellen: Ich hab die schon seit Ewigkeiten :hahahaha:

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

  • Was immer öfter dazu führt das ich in voller Begeisterung eine neue CD kaufe, von der ich immer dachte ich müsse sie haben - um dann daheim festzustellen: Ich hab die schon seit Ewigkeiten

    Leidensgenosse !! Du bist nicht der Einzige: Ich habe WEIT über 100 davon !!!


    LG :( Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Leidensgenosse !! Du bist nicht der Einzige: Ich habe WEIT über 100 davon !!!

    Und ich dachte mit meinen knapp 20 wär ich schon gebeutelt, erst letzten Monat musste ich unbedingt Wolf-Ferraris "La vita Nuova" haben. Kann ich jetzt Stereo hören :D

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

  • Gegen Dubletten hilft nur penible Ordnung und striktes System der Archivierung.


    Die Neuzugänge ordne ich ebenfalls alphabetisch, ehe sie in die bestehende Sammlung kommen.


  • Die Neuzugänge ordne ich ebenfalls alphabetisch, ehe sie in die bestehende Sammlung kommen.

    Das ist der Grund warum mir auffällt das ich eine Doublette (in einem Fall sogar eine Triplette) erzeugt habe. Das sortieren ist nicht das Problem, eher das memorieren was man schon im Regal hat :hahahaha:

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

  • Nachschauen ist in diesem Fall besser als nachdenken. ;)

    Wo bleibt denn da der Spaß? ^^ Es will mir auch unpraktikabel erscheinen beim stöbern erst jeweils nach Hause zu fahren, ob die Scheibe schon im Regal steht :yes:

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

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  • Ich bewundere immer die allermeisten hier, die offensichtlich gigantische Sammlungen haben, selbst aus der 2. Reihe. Ich habe keine einzige Sammlung und sammle auch nicht. Selbst als Janacek-Verehrer habe ich von jeder Oper maximal 2 verschiedene Aufnahmen, eine davon ist eh von Charles Mackerras. Neu sind hier nur DVDs, die gab es damals nicht. Von Beethoven habe ich nur eine Gesamtaufnahme, von David Zinman. Ich gehe dann aber zu Beethoven live, wie jetzt zu der Pastorale in Duisburg.

    Dazu kommen bei mir ganz andere Hörgewohnheiten. Ich habe ja in meinem letzten Beitrag zu "Alle hören dasselbe Musikstück" vier Werke von Victoria vorgestellt. Die basieren auf 2CDs des nicht mehr existierenden Ensembles "Pro Cantione Antiqua". Diese Musik läuft bei mir im Auto seit etwa 5 Wochen, so lange, bis ich einiges mitsingen kann (was bei Polyphonie nicht so einfach ist, aber da eh keiner zuhört...).

    Ich kann mich erinnern, wie elektrisiert ich war, als vor vielen Jahren der WDR meinen ersten Janacek spielte, und zwar die Jenufa auf Deutsch, wahrscheinlich eine Kubelik-Aufnahme. Die habe ich ein halbes Jahr lang gehört, bis ich das meiste mitsingen konnte. Wohlgemerkt, ich habe das Mitsingen nicht geübt, es ging von selber. Dieser Zeitraum war deshalb so günstig, weil in dieser Zeit die anderen Janaceks auf den Markt kamen, erst Supraphon mit Bohumil Gregor, dann Charles Mackerras. Ich habe dann fast ein ganzes Jahr verbracht, die restlichen Janaceks zu hören. Dazu kam das unfassbare Glück, dass die Deutsche Oper am Rhein zu dieser Zeit ihren Janacek-Zyklus hatte; selbst OSUD und BROUCEK wurden gezeigt.

    Computer kaufen keine Autos (Jochen Hensel)

  • Ich habe auch noch an die 2000 CDs, höre aber seit Jahren nur noch ganz wenig davon. Sie stehen halt im Regal herum, also eigentlich alles Stiefkinder. Gehört wird das, was ich irgendwann mal auf Festplatte gezogen habe (nicht in den letzten 5 Jahren) sowie youtube, wobei das auch weniger wird, weil mir die Werbung gewaltig auf den Senkel geht. Ich höre insgesamt weniger, dafür fotografiere ich mehr.

  • Ich habe auch noch an die 2000 CDs, höre aber seit Jahren nur noch ganz wenig davon.

    Das st bei mir umgekehrt. Im augenblick hole ich zahlreiche alte Aufnahmen hervor und höre sie gegen meine Neuerwerbungen. Darüber gibts einen eigenen Thread...


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Wo bleibt denn da der Spaß? ^^ Es will mir auch unpraktikabel erscheinen beim stöbern erst jeweils nach Hause zu fahren, ob die Scheibe schon im Regal steht :yes:

    Da bin ich geizig. Es würde mich sehr ärgern, Geld für eine Doublette ausgegeben zu haben.


  • Da bin ich geizig. Es würde mich sehr ärgern, Geld für eine Doublette ausgegeben zu haben.

    Tut es mich auch. Aber, zur Erklärung, ich wohne in der tiefsten Provinz, d. h. wenn ich mal in einen der wenigen noch existierenden Plattenläden komme ist der 60 - 100 km weit weg...

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

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  • Ich kenne das Problem in verschiedener Hinsicht: zum einen landen Platten doppelt in der Sammlung, von denen ich beim Besten Willen nicht mehr wusste, daß ich sie habe. Rührt schon daher, daß ich beim Nachschauen in zwei Sammlungen schauen müsste, LP und CD, beide nicht ganz klein. Sodann die Abflüsse: einiges wandert aus der Sammlung raus und wird dem Markt wieder zur Verfügung gestellt, bis dann eine dieser veräußerten CDs hier in positiver Besprechung auftaucht, ich sodann meine, sie hören zu müssen, sie mir zu allem Überfluss gefällt und die Platte dann erneut beschafft wird. Drittens: der unerklärliche Schwund. Gerade erst wieder aufgefallen. Poulencs "Concert Champetre" in der Aufnahme mit Trevor Pinnock war einst ein Beifang beim Kauf der CD mit seinem "Gloria", das ich anfangs der 90er im Radio hörte und flugs im Beckschen Kaufhaus in Köln erstand. Wollte ich letzte Woche hören, ging aber nicht (zumindest die CD nicht, Qobuz hat dann ausgeholfen): die CD ist unauffindbar, steht nicht an ihrem Platz in der sorgfältig sortierten Sammlung. Das sind die wahren Leiden des Tonträgersammlers.


    Eigentlich beabsichtige ich ja, meine Sammlung umzustrukturieren, Qobuz macht's möglich: phsische Tonträger, die mehr aus enzyklopädischen Gründen in der Sammlung stehen werde ich überprüfen, ob ich die überhaupt brauche, und wenn ja: ob nicht eine digitale Version auf der Festplatte reicht. Dabei höre ich freilich das eine oder andere Schätzchen mit einer neuen Wertschätzung. So einfach ist das mit Schrumpfen offensichtlich nicht.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Qobuz macht's möglich

    Ich bin vor einiger Zeit damit angefangen, schon rein aus Platzgründen, so vieles wie möglich auf ein Netzwerklaufwerk zu packen, und nutze viel Music unlimited (günstiger als Quboz, aber auch mit UHD und Atmos-Qualitäten wo verfügbar, dafür mit schauderhafter Suchfunktion und ohne Booklets), aber immer wieder muss ich feststellen das viele Aufnahmen den Sprung von Vinyl zur CD nicht geschafft haben (hab hier zum Beispiel einen wunderbaren Boris Godunov Querschnitt mit Frick, Schock unter Klobucar stehen, oder die Tannhäuser-Parodie mit Ferry Gruber, wobei ich das bei dieser sogar noch verstehen könnte), teils auch nicht von der CD auf digital, wie zum Beispiel der Orffsche Orpheus mit Prey, dafür sind dort, wohl um die Anzahl der archivierten Daten aufzublasen, jede Menge bislang unveröffentlichte Sachen zu finden, wie unendlich viele alte ORF- und BR-Rundfunkaufnahmen der frühen 50er. Es nimmt einfach kein Ende :rolleyes:

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  • aber immer wieder muss ich feststellen das viele Aufnahmen den Sprung von Vinyl zur CD nicht geschafft haben

    Das ist allerdings nicht das einige Problem: die alten Bänder wurden so gemastert, daß die Musik auf der LP perfekt klang. Die nun einfach zu digitalisieren kling grausig. CD-Versionen von LPs sind oftmals sehr unbefriedigend. In dem Fall würde ich tatsächlich beim Streaming-Anbieter nachhören, wie die Aufnahme digitalisiert klingt, dann aber auch nur noch einen Download kaufen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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  • Ich muss sagen, dass mich einiges an den Aussagen hier an den Sport erinnert, und zwar besonders im Amateurbereich (Fußball und Hockey kenne ich gut): der anspornende Ruf der Trainer: "Männer, arbeiten!"

    Die Ironie dieses Ausrufs ist ja mit Händen zu greifen.

    Wenn ich diesen thread hier lese, fallen mir Parallelen auf.

    Beim Sammeln, egal welcher Dinge, gibt es oft diese Konstellationen:

    1. Die Furcht, etwas verpasst zu haben.

    2. Die Furcht, nicht sämtliche Aufnahmen sämtlicher Beethoven-Sonaten im Schrank zu haben: die Furcht vor der Lücke.

    3. Die Jagd nach der blauen Mauritius (z.B. die erste Aufnahme der "Arianna" von Monteverdi).

    4. Das Bestreben, große Boxen zu kaufen, deren letzte CD auf dem Totenbett gehört wird (muss ja nicht "Jauchzet, frohlocket" sein...)

    5. Das Bestreben, auch die kleinste Partita des 13jährigen Bach zu haben, selbst, wenn sie sich als Fälschung herausstellt.

    6. Die große Mühe, die es macht, die Schätze alle zu finden.

    7. Die große Mühe, die es macht, die Schätze alle zu katalogisieren.

    8. Ich habe diesem Sammeln auch gefrönt, als ich sah, dass Janacek vor seiner großen Zeit jede Menge Männerchöre verfasst hatte. Sie waren mir alle zu langweilig, daher besitze ich sie nicht mehr.


    Nachwort: dies ist eine kleine Satire von jemand, der irgendwann mal gemerkt hat, was Reduktion von Komplexität bedeutet.

    Es ist keine Abwertung der großen Sachkenntnis und der Präsentation der Kollegen hier. Nehmt es als Sottise eines Spötters, der eure Meriten sehr wohl kennt.

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  • 4. Das Bestreben, große Boxen zu kaufen, deren letzte CD auf dem Totenbett gehört wird (muss ja nicht "Jauchzet, frohlocket" sein...)

    Ich hatte eigentlich an "ich bin das A und das O" aus dem Buch mit sieben Siegeln gedacht, aber dieser Gedanke hat auch was 8)

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

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  • Ach so, ja, und der Rest stimmt, besonders Punkt eins. Und drei. Acht nicht, a capella hat mich nie angesprochen :thumbup:

    Ich sitze im kleinsten Raum des Hauses und habe ihre Kritik vor mir.

    Bald werde ich sie hinter mir haben :baeh01: (Max Reger)

  • Dank der vielen rezenten Postings hier, bin ich darauf gekommen, dass ich meinen eigenen Thread sträflich vernachlässigt habe. In meinen letzten Posting schrieb ich, dass ich mich meiner Box aller Mozart Klavierkonzerte annehmen würde und das habe ich auch noch letztes Jahr gemacht, jedoch vergieß ich das auch zu posten. Dafür kann ich jetzt eine Zusammenfassung darüber geben. Von den ursprünglichen „Stiefkindern“ (6, 7, 8, 10, 11, 15, 19 & 23) schafften es alle ausser 6, 8 &11 „gerettet“ zu werden. Das ist nicht verwunderlich, weil Mozart in meiner Meinung der Komponist von Klavierkonzerten ist. Auch dass die späten Werke alle „rehabilitiert“ wurden, überrascht nicht, sind sie doch alle Werke des reifen Mozarts in seinem eigen Genre. Das Werk das mich am meisten begeisterte war Nr. 23, ein Konzert mit Klarinetten aber ohne Oboen, Pauken und Trompeten. Es ist damit, neben Nr. 27, das einzige ohne Trompeten und Pauken in den 20ern, vielleicht auch ein Grund, dass es - nicht nur bei mir, sondern generell - etwas unter dem Radar ist. Besonders der langsame Satz in Fis-Moll (das einzige Stück in dem Mozart diese Tonart verwendet) ist ein wunderschönes melancholische Stück, das durch die seltene Tonart von Fis-Moll und den Siziliano Takt eine ganz eigenartige Stimmung bekommt. Diese ist ganz anders als die von Haydns Fis-Moll Werken (Abschiedssinfonie, Quartett op 50/4), die Mozart gekannt haben konnte; Haydns Strenge und Kompromisslosigkeit wird hier durch zarte Melancholie ersetzt. Mehr zu diesem tollen Werk schreibe ich jedoch in dem entsprechenden Thread (sofern es den gibt, wenn nicht starte ich ihn). Bleibt zu sagen, dass sich alleine wegen diesem Werks, meine Auseinandersetzung mit der Mozart Klavierkonzerte-Box gelohnt hat.


    „Stiefkinder“ müssen jedoch nicht unbedingt vergessene Werke sein. Auch ältere Aufnahmen von Favoriten können „Stiefkinder“ sein, die es gilt wieder zu entdecken. Ein treffendes Beispiel dafür sind bei mir Haydns Londoner Sinfonien. Als ich damals in der Steinzeit meine ersten Haydn Sinfonien hörte, waren es Aufnahmen mit modernen Instrumenten unter Dirigenten wie Jochum, Bernstein und Szell. Etwas später kaufte ich mir die beiden Doppel-CD‘s mit Colin Davis und dem Concertebow. Dann kam HIP, das ich zuerst eher ablehnte, jedoch mit der Zeit mir immer besser gefiel. Inzwischen höre ich fast alle Haydn Sinfonien mit HIP Aufnahmen. Als ich im Tamino Klassik Forum einige positive Rezensionen über die Jochum Aufnahmen las, wurde ich neugierig und wollte die Aufnahmen, die ich seit Jahren nicht mehr gehört hatte, wieder kennen lernen. Das Problem war, dass ich die Jochum Aufführungen damals auf Schallplatten hatte, die meinen Umzug über den Atlantik leider nicht mitgemacht haben. Glücklicherweise entdeckte ich ein Sonderangebot beim Dschungelfluss, alle Londoner mit Eugen Jochum und der London Philharmonic auf CD für ein paar Euronen. Ich hörte alle meine Favoriten und war aufs neue begeistert. Es gab aber auch Werke, die Jochum meiner Meinung nach nicht so gut gelingen, wie zum Beispiel Nr. 99. Andererseits gab es in der Box eine Aufnahme, die mittlerweile zu meinen Favoriten gehört, die der Sinfonie 97. Sie war für mich neu, da ich sie damals nicht auf Schallplatte hatte (ich hatte sie mit Szell). Während 101 und 104 eine „Rettung von Stiefkindern“ war, stellt 97 eher eine Neuentdeckung dar. Auch einige der Aufnahmen von Colin Davis habe ich inzwischen wieder „gerettet“. Da war es um einiges einfacher, weil ich die Aufnahmen schon auf CD hatte.


    Etwas trauriger sieht es bei den tollen Aufnahmen aus, die es bei Nonesuch Records gab (ich weiß nicht ob es die je in Europa gegeben hat, aber damals war es bei uns ein tolles Label). Damals in der Steinzeit hatte ich viele Schallplatten von Nonesuch, weil sie sehr günstig waren (etwa $3 pro Schallplatte, verglichen mit $6-$8 für normale Schallplatten) und weil sie auch tolle Aufnahmen von Werken abseits des Mainstreams hatten, wie zum Beispiel etliche von Haydns frühen Sinfonien (Esterhazy Sinfonien) mit Leslie Jones and the Little Orchestra of London, Mozarts Es-Dur Divertimento (Streich Trio) oder auch Bachs Brandenburg Konzerte (OK, nicht abseits des Mainstreams) mit Karl Ristenpart und dem Kammerorchester der Saar. Leider scheinen es diese Aufnahmen nie auf CD geschafft zu haben und Nonesuch hat sich inzwischen mehr der kontemporären Musik gewidmet. Vielleicht kann ich diese Aufnahmen noch digital bekommen; Ich werde mich einmal schlau machen…

    LG aus Wien.:hello: