Wir lernen in Laufe der Zeit ein Werk einer bestimmten Sammlung oder Werkgruppe kennen, sind davon begeistert, wollen von diesen Werken mehr haben und sammeln dann weitere Werke dieser Gruppe bis wir sie vielleicht alle haben, oder kaufen uns gleich die entsprechende Box dazu. Nach einiger Zeit kristallisieren sich einige Favoriten heraus, während andere Werke der Sammlung in den Hintergrund gedrängt werden und eher selten (oder großen Boxen gar nicht) gehört werden. Dass es da aber einiges zum wieder entdecken gibt, zeigt die folgende Erfahrung die ich kürzlich gemacht habe
In Zuge eines rezenten Beitrags zu einem Ranking der Beethoven Sinfonien habe ich mir einmal wieder alle angehört. Ich muss zugeben, dass ich unter Beethovens Sinfonien einige Favoriten habe, die ständig bei mir laufen, aber andererseits es Sinfonien gibt die ich selten bis kaum höre. 3, 5, und 7 sind meine absoluten Favoriten, und auch die 9. höre ich oft, obwohl mich das Finale nicht so überzeugt. Jedoch die anderen höre ich eher selten und einige hatte ich schon jahrelang nicht gehört. Die große Wiederentdeckung hier war die 4. Ein tolles Werk, das ich wieder neu entdecken durfte und das sich für mich gleich nach meinen Top 3 einreiht. Sinfonien 6 und 8 haben jeweils tolle Sätze, Kopfsatz und 3. Satz bei der Pastorale und die Ecksätze der 8., kommen aber in ihrer Gesamtheit nicht ganz an meine Favoriten heran. Die 1. Sinfonie ist in meinen Ansehen sehr gestiegen, ein sehr gelungenes Werk, besonders in den beiden letzten Sätzen. Nr. 2 ist auch ein großartiges Werk, mit dem ich mich jedoch nicht so anfreunden konnte, ohne dass ich dafür einen Grund nennen könnte.
Warum habe ich gerade die Beethoven Sinfonien als Beispiel genommen? Zum einem werden die meisten im Forum alle Beethoven Sinfonien haben und zum anderem ist die Anzahl hier überschaubar. Bei den „Viel-schreib“ Komponisten ist es um einiges schwerer alle Stiefkinder zu retten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Box von Haydns sämtlicher Kammermusik für Baryton, die ich vor einiger Zeit kaufte. Dabei ging es mir nur um die Oktette, jedoch war die Doppel CD mit nur den Oktetten teurer als der Klotz mit aller Baryton Musik (Brillant halt). Ich muss zugeben, dass ich noch immer nicht alle CDs aus der Box durch habe, aber einige abseits der Oktette habe ich mir schon angehört. Das meisten Stücke davon werden Stiefkinder bleiben, aber es gibt doch ein Trio das mir sehr gut gefällt: Baryton Trio Nr. 118. Nicht jedes Stiefkind wird gerettet werden können, das eine oder andere aber schon.
Ich werde als nächstes einige der Mozart Klavierkonzerte wieder entdecken, weil es auch da einige Werke gibt die ich schon lange nicht gehört habe (Nr. 11 zum Beispiel). Dann werde ich vielleicht mit Haydns Londonern weitermachen, wovon ich beispielsweise 96 und 100 schon lange nicht genossen habe. Ich werde im Zuge des Threads davon berichten, bin aber auch auf eure Erfahrungen beim wieder entdecken gespannt.
