Die technische Qualität von Aufnahmen und ihrem Remastering

  • Wie gut sind bestimmte Aufnahmen von der Aufnahmetechnik her und was sind die bestimmenden Parameter. Was wird in Einzelfällen durch das Remastering erreicht. Gibt es über die Zeit hinweg verschiedenen Techniken im mWandel der Zeiten (Kunstkopfstereophonie, Viele oder wenig Mirkrophone, Hall oder wenig Hall, ...)


    Alle diese Fragen können und sollen in diesem Thread behandelt werden.


    Der Thread ist ein weiterer Spin Off von CD & LP versus Streaming

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streming astewes

    Wobei das von mir erwähnte Mastering der Klavierkonzerte (#1,3,5) der Emil Berliner Studios meines Wissens bislang nur als SACD erschienen ist (nicht als normale CD) und einen SACD-Player hast Du glaube ich nicht.

    Ich habe die UHQCDs (von Nr. 1 u. 3). Und einen SACD-Spieler auch - den Denon DCD 1600 NE.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ich habe die UHQCDs (von Nr. 1 u. 3).

    Ich glaube nicht, dass diese Ausgabe das neue Mastering von Emil Berliner enthält, es sei denn, es steht drauf. Mit einem SACD-Player stehen dir schier unendliche Investionsmöglichkeiten, vor allem in Japan, zur Verfügung ;-)


    Bei Discogs findet sich zur SACD folgende Anmerkung:


    Hybrid SA-CD edition Using the latest mastering sound source in 2017 (Mastering of WAV data digitally converted from the original analog master tape in the country of origin at Emil Berliner Studios in Germany at 192kHz/24bit, and DSD conversion for SA-CD layer.Analogue master tapes are converted after careful restoration work as far as possible according to their deterioration and aging state of preservation)


  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    Hybrid SA-CD edition Using the latest mastering sound source in 2017 (Mastering of WAV data digitally converted from the original analog master tape in the country of origin at Emil Berliner Studios in Germany at 192kHz/24bit, and DSD conversion for SA-CD layer.Analogue master tapes are converted after careful restoration work as far as possible according to their deterioration and aging state of preservation

    Ich hole mir gerade den ABM Beethoven über Qobuz. Mal sehen! ABM mit Beethoven hätte ich mir ohne diese Diskussion nicht besorgt, aber interessant ist es jetzt doch. :saint:


    PS: Meinen Sony SACD Player habe ich schon vor 5 Jahren eingemottet

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    ABM mit Beethoven hätte ich mir ohne diese Diskussion nicht besorgt, aber interessant ist es jetzt doch.

    ABM hat mal gesagt: "Debussy muss man spielen wie Beethoven!" ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes


    ABM hat mal gesagt: "Debussy muss man spielen wie Beethoven!" ^^

    Eine Ähnlichkeit ist unverkennbar. Mein Eindruck ist allerdings, dass er Beethoven wie Debussy spielt ^^. Ich habe mir jetzt erstmal die CD-Aufnahme von Beethoven ersten Klavierkonzert aus der Komplettbox zu Gemüte geführt.



    Es handelt sich um die CDs 3 und 4.

  • die CD-Aufnahme von Beethoven ersten Klavierkonzert aus der Komplettbox zu Gemüte geführt.

    Es handelt sich um die CDs 3 und 4.

    Jetzt habe ich auch die DSD Files gehört (Klavierkonzert Nr. 1) Das klingt schon besser, das Orchester hat etwas mehr innere Dynamik. Allerdings sind die Ansprüche trotz allem gering. Selten eine so schlechte Orchesteraufnahme um 1980 gehört. Das Klavier ist unnatürlich im Vordergrund. Allerdings klingt das Klavier für sich besser. Wahrscheinlich haben die Emil-Berliner das Bestmögliche gemacht, was man aus dieser Aufnahme fairerweise herausholen kann. Übrigens gewinnt die Aufnahme etwas mit dem Hören! Was sich auch sagen lässt, ist, dass das Remastering mit den lauten Stellen besser zurechtkommt als die Original-CD.


    Insgesamt kann ich nicht gut beurteilen, ob sich der Kauf lohnt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Aufnahme bis auf ein paar Stellen im letzten Satz Rondo allegro scherzando, die er dann beeindruckend gestaltet, nicht übermäßig interessant finde. Da hätte mich ein Remastering von Pollinis Einspielung der Préludes von Chopin mehr interessiert.

  • Jetzt habe ich auch die DSD Files gehört (Klavierkonzert Nr. 1) Das klingt schon besser, das Orchester hat etwas mehr innere Dynamik. Allerdings sind die Ansprüche trotz allem gering. Selten eine so schlechte Orchesteraufnahme um 1980 gehört. Das Klavier ist unnatürlich im Vordergrund. Allerdings klingt das Klavier für sich besser.

    Cord Garben berichtet, dass ABM diese Aufnahmen nicht veröffentlichen wollte, weil sie aufnahmetechnisch zu schlecht seien und dies mit einem Kofferradio demonstrierte. Ich finde die Aufnahmen überhaupt nicht schlecht, im Gegenteil. ^^

    Insgesamt kann ich nicht gut beurteilen, ob sich der Kauf lohnt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich diese Aufnahme bis auf ein paar Stellen im letzten Satz Rondo allegro scherzando, die er dann beeindruckend gestaltet, nicht sonderlich interessant finde. Da hätte mich ein Remastering von Pollinis Einspielung der Préludes von Chopin mehr interessiert.

    ABMs Beethoven gehört auf den Olymp. Seine Beethoven-Konzerte sind Referenzen. Atemberaubend die Kadenz im 1. Konzert, dagegen wirkt sein Schüler Pollini fast schon pomadig. ;)

  • ABMs Beethoven gehört auf den Olymp. Seine Beethoven-Konzerte sind Referenzen. Atemberaubend die Kadenz im 1. Konzert, dagegen wirkt sein Schüler Pollini fast schon pomadig. ;)

    So unterschiedlich können die Geschmäcker sein. :) Aber ich will hier nichts schlecht reden. Ich kenne diese Aufnahme nicht gut genug.

  • Insgesamt kann ich nicht gut beurteilen, ob sich der Kauf lohnt.

    Es ist ja auch die Klaviersonate op. 7 bei diesem Remastering dabei. Ich konnte mit der Aufnahme mit ihren langsamen Tempo im ersten Satz - dazu gibt es viele Diskussionen, auch hier - nie etwas anfangen, aber dieses Remastering hat sie mir nahe gebracht.

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  • Es ist ja auch die Klaviersonate op. 7 bei diesem Remastering dabei. Ich konnte mit der Aufnahme mit ihren langsamen Tempo im ersten Satz - dazu gibt es viele Diskussionen, auch hier - nie etwas anfangen, aber dieses Remastering hat sie mir nahe gebracht.

    Michael Korstick sagte, durch ABMs Aufnahme habe er diese Sonate erst lieben gelernt. Man müsse nur den 1. Satz nicht so langsam spielen - und beweist dann mit seinem schnelleren Tempo, warum ABM Recht hat mit seinem "langsamen" Tempo. 😄 Was auch mein Lehrer meint, der nur ABM akzeptiert und diese Sonate im Konzertexamen spielte. Wichtig sind die extremen Kontraste, die ABM sehr plastisch herausspielt, aber in der mäßigen Aufnahmetechnik der DGG einfach nicht richtig rüberkommen. Da sind die Kontertmitschnitte aus der Zeit besser. Die UHQCD, die ich habe, ist da auch schon ein deutlicher Gewinn. Vielleicht ist es dasselbe Mastering. 😊

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    Eine Ähnlichkeit ist unverkennbar. Mein Eindruck ist allerdings, dass er Beethoven wie Debussy spielt ^^ . Ich habe mir jetzt erstmal die CD-Aufnahme von Beethoven ersten Klavierkonzert aus der Komplettbox zu Gemüte geführt.

    Man merkt, dass Du Dich mit Michelangelis Beethoven nie auseinandergesetzt hast, Michelangeli spielt schon Debussy nicht wie Debussy, also gar nicht "impressionistisch". :D Er hat da neue Maßstäbe gesetzt. Zu den Klavierkonzerten schrieb ein Kritiker, dass sei ein Beethoven für "Puristen und Klarheitsfanatiker". Joachim Kaiser spricht in seinem Nachruf von dem "Wunder" von Michelangelis Beethoven, nämlich der Transformation von deutschem Beethoven in eine romanische Welt. Also von wegen verwaschenem "Impressionismus"! Besonders seine Interpretation des 1. Klavierkonzert ist bedeutend darin, dass hier Beethoven nicht wie bei anderen großen Beethoven-Interpreten wie ein verspäteter Mozart klingt, sondern endlich wie erwachsener Beethoven.


    Und was die Aufnahmetechnik angeht: Die DECCA-Aufnahme der Beethovenkonzerte von Vladimir Ashkenazy und Georg Solti hat damals sogar einen Grammy erhalten. Da stimmt aber aufnahmetechnisch die Balance von Klavier und Orchester gar nicht. Da sind die Mitschnitte von ABM mit Guilini (Filmaufnahmen, im langsamen Satz von KK Nr. 3 hört man das Surren der Filmkamera! :D) viel ausgewogener. Das ist die Klangästhetik der DGG von damals, die ist bei anderen Aufnahmen ganz genauso. Man mag das nicht mögen, aber irgendwie negativ aufgefallen ist mir da nie etwas. Die UHQCD ist jedenfalls ein deutlicher Gewinn, was zeigt, dass die Aufnahme an sich sehr gut ist. Und C.M. Guilini ist zudem ein hervorragender Partner.


    Schöne Grüße

    Holger

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    Man merkt, dass Du Dich mit Michelangelis Beethoven nie auseinandergesetzt hast, Michelangeli spielt schon Debussy nicht wie Debussy, also gar nicht "impressionistisch". :D

    Das stimmt, ich höre ABM so gut wie nie mit Beethoven. Mir gefällt diese "debussyistische" Klangkontrolle, die man bei ABM's Beethoven durchgehend hört, nicht besonders. Das empfinde ich als zu weichgespült. Wahrscheinlich ändert sich der Eindruck, wenn ich ihn häufiger mit Beethoven höre.

    Joachim Kaiser spricht in seinem Nachruf von dem "Wunder" von Michelangelis Beethoven, nämlich der Transformation von deutschem Beethoven in eine romanische Welt.

    Joachim Kaiser habe ich mit 14 mit Spannung und Spaß gelesen. Über 50 Jahre später ist es für mich eher der gescheiterte Versuch von Poesie, was aber seinen Wert zur richtigen Zeit nicht schmälern soll. Es gibt für mich keinen Grund, diese bildhafte Beschreibung der "Transformation" mit irgendeinem ästhetisch bedeutsamen Wert zu belegen. Und wie sagte schon damals Katja Ebstein "Wunder gibt es immer wieder" ^^


    Nicht ärgern! Ich habe mir die Neuaufnahme von Beethovens erstem Klavierkonzert mit Hough noch einmal angehört und finde es für mich deutlich interessanter.

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    Das stimmt, ich höre ABM so gut wie nie mit Beethoven. Mir gefällt diese "debussyistische" Klangkontrolle, die man bei ABM's Beethoven durchgehend hört, nicht besonders. Das empfinde ich als zu weichgespült. Wahrscheinlich ändert sich der Eindruck, wenn ich ihn häufiger mit Beethoven höre.

    Michelangelis Beethoven als weichgespült zu bezeichnen ist schon lustig. Pollini ist im Vergleich mit ABM ein Weichspüler, und Barenboim z.B. ist es noch mehr. Klangschönheit darf auch bei Beethoven sein. ABM gehört zu denen, die bei Beethoven ein Klassizitätsideal verwirklichen wollten. :D

    Joachim Kaiser habe ich mit 14 mit Spannung und Spaß gelesen. Über 50 Jahre später ist es für mich eher der gescheiterte Versuch von Poesie, was aber seinen Wert zur richtigen Zeit nicht schmälern soll. Es gibt für mich keinen Grund, diese bildhafte Beschreibung der "Transformation" mit irgendeinem ästhetisch bedeutsamen Wert zu belegen. Und wie sagte schon damals Katja Ebstein "Wunder gibt es immer wieder"

    Interessant bei Kaiser ist, dass er immer Probleme mit Michelangelis Beethoven hatte und zuletzt dann doch weiser geworden ist, das eigentlich Herausragende und Bedeutende erkannt hat.

    Nicht ärgern! Ich habe mir die Neuaufnahme von Beethovens erstem Klavierkonzert mit Hough noch einmal angehört und finde es für mich deutlich interessanter.

    Stephen Hough interessiert mich insbesondere bei Beethoven gar nicht. :D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Schön, wie lieb ihr euch habt 8). ABM ist übrigens so ein Beispiel für die Schwierigkeit des digitalen Transfers. Der gute hat eine fabelhafte Aufnahme von Beethovens op, 111 für DECCA gemacht. Als CD klang die gruselig (oder man hat auf mono verschaltet, dann war's gut). Die Aufnahme wurde stereo gemacht, 1965, sollte also fein klingen. Das tat sie auf der LP, mit der für ABM typischen Eigenheit, dass das Klavier nicht im Raum stehend aufgenommen wird, also kein spezifischer Raum abgebildet wird (ist jetzt unbeholfen formuliert). Ich hoffe sehr, daß an dieser wunderbaren Aufnahme weiter gearbeitet wurde, denn dem, was ich von CD-Versionen hörte bislang, ist die LP aus 1965 um Längen überlegen. ABM scheint mir jenseits des musikalischen allerdings in Bezug auf Aufnahmetechnik interessant zu diskutieren, da er offenbar sehr süezifische Vorstellungen davon hatte, wie sein Klavier auf der Konserve zu klingen hatte. Funktioniert bei Klavier solo prima, bei Klavier und Orchester kann's schwierig werden, astewes Axel hat das ja oben schon angesprochen. Wie gesagt, das hat jetzt nichts mit dem Spiel an sich zu tun, sondern mit der Aufnahmetechnik. EMI (Ravel) war da übrigens besser, die Schellacks vom Schumann-Konzert laufen da bei mir außer Konkurenz, denn da war er noch nicht der große ABM, sonderen eine kleinschriftliche Erwähnung. Am Flügel Arturo Benedetti Michelangli.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Selten eine so schlechte Orchesteraufnahme um 1980 gehört. Das Klavier ist unnatürlich im Vordergrund.

    So ist es leider. Auf der originalen LP von Beethovens 1. Klavierkonzert steht groß aufgedruckt: "Live-Mitschnitt eines TV-Konzertes in Wien" (s.u.). Die Veröffentlichung auf Schallplatte dürfte eher ein Nebeneffekt gewesen sein. Da wären Benedetti Michelangeli und Giulini besser anschließend mit dem Werk ins Aufnahmestudio gegangen und hätte es nochmal unter Idealbedingungen eingespielt. Schon aus klanglichen Gründen wird man die wenigen ABM-Aufnahmen der Beethoven-Klavierkonzerte (Nr. 5 ist ein ähnlicher Ausfall) nicht als Referenz heranziehen können, von der erwähnten "Weichspülung" einmal ganz abgesehen.


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    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • gekürzt: Rest ist im Thread über Streaming astewes

    ABM ist übrigens so ein Beispiel für die Schwierigkeit des digitalen Transfers. Der gute hat eine fabelhafte Aufnahme von Beethovens op, 111 für DECCA gemacht. Als CD klang die gruselig (oder man hat auf mono verschaltet, dann war's gut). Die Aufnahme wurde stereo gemacht, 1965, sollte also fein klingen. Das tat sie auf der LP, mit der für ABM typischen Eigenheit, dass das Klavier nicht im Raum stehend aufgenommen wird, also kein spezifischer Raum abgebildet wird (ist jetzt unbeholfen formuliert). Ich hoffe sehr, daß an dieser wunderbaren Aufnahme weiter gearbeitet wurde, denn dem, was ich von CD-Versionen hörte bislang, ist die LP aus 1965 um Längen überlegen. ABM scheint mir jenseits des musikalischen allerdings in Bezug auf Aufnahmetechnik interessant zu diskutieren, da er offenbar sehr süezifische Vorstellungen davon hatte, wie sein Klavier auf der Konserve zu klingen hatte.

    Die CD-Erstveröffentlichung dieser singulären Aufnahme aus Rom (herausgebracht von DECCA) ist wirklich schaurig schlecht. Da solltest Du Dir die UHQCD von 2020 besorgen - das ist ein Unterschied wie Himmel und Erde. Wenn Du die hast, schmeißt Du die alte CD in die Mülltonne :D :


    Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr.32 (UHQ-CD) (CD) – jpc.de


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    ABM scheint mir jenseits des musikalischen allerdings in Bezug auf Aufnahmetechnik interessant zu diskutieren, da er offenbar sehr süezifische Vorstellungen davon hatte, wie sein Klavier auf der Konserve zu klingen hatte. Funktioniert bei Klavier solo prima, bei Klavier und Orchester kann's schwierig werden, astewes Axel hat das ja oben schon angesprochen. Wie gesagt, das hat jetzt nichts mit dem Spiel an sich zu tun, sondern mit der Aufnahmetechnik. EMI (Ravel) war da übrigens besser, die Schellacks vom Schumann-Konzert laufen da bei mir außer Konkurenz, denn da war er noch nicht der große ABM, sonderen eine kleinschriftliche Erwähnung. Am Flügel Arturo Benedetti Michelangli.

    Anders als Karajan hat sich ABM für die Aufnahmetechnik nicht interessiert, geschweige denn in die Arbeit der Tontechniker eingegriffen. Vom geplatzten Mitschnitt des Ravel-Konzerts in München berichtet sein Produzent Cord Garben, dass er die Tontechniker mit totaler Missachtung strafte.

    So ist es leider. Auf der originalen LP von Beethovens 1. Klavierkonzert steht groß aufgedruckt: "Live-Mitschnitt eines TV-Konzertes in Wien" (s.u.). Die Veröffentlichung auf Schallplatte dürfte eher ein Nebeneffekt gewesen sein. Da wären Benedetti Michelangeli und Giulini besser anschließend mit dem Werk ins Aufnahmestudio gegangen und hätte es nochmal unter Idealbedingungen eingespielt.

    So kann man nur denken, wenn man die tragische Geschichte nicht kennt, was die Aufnahme der Beethoven-Klavierkonzerte betrifft. Michelangeli hatte einen Vertrag in den 1960iger Jahren mit einer italienischen Plattenfirma zur Aufnahme aller fünf Beethoven-Konzerte. Die Vertragsverpflichtung konnte er nicht einhalten. Daraufhin wurde er verklagt und gepfändet - sogar sein Familienbesitz wurde zwangsversteigert. Dazu wurde verfügt, dass jedes spätere Konzert, dass er in Italien geben würde, als Teil der Konkursmasse betrachtet und komplett gepfändet wird. Deshalb ist er in Italien nicht mehr aufgetreten und nur noch im Vatikanstaat, denn "das ist Ausland" (ABM). Cord Garben, seinem Produzenten, war das natürlich bekannt und auch, dass er wegen dieser Vorgeschichte nie mehr einen Vertrag für eine Studioaufnahme der Beethoven-Konzerte abschließen würde. So kamen nur Konzertmitschnitte in Frage. Da Michelangeli sich extrem rar machte, hat natürlich jeder Produzent sehnlichst darauf gewartet, das zu veröffentlichen. Vom 5. Klavierkonzert kursierten damals schon berühmte Rundfunkmitschnitte, vor allem mit Celibidache, aber nicht vom 1. und 3. Klavierkonzert. Die Aufnahme des 4. Konzertes mit Carlos Kleiber platzte. Die Mitschnitte waren Fernsehproduktionen. Gerade im 1. Klavierkonzert vermitteln die eine knisternde Spannung und bannende Konzentration, was man insbesondere mit dem Video nachvollziehen kann.


    Schon aus klanglichen Gründen wird man die wenigen ABM-Aufnahmen der Beethoven-Klavierkonzerte (Nr. 5 ist ein ähnlicher Ausfall) nicht als Referenz heranziehen können, von der erwähnten "Weichspülung" einmal ganz abgesehen.

    An der Aufnahmetechnik herumzumäkeln oder sie gar als Totalausfall zu bezeichnen, empfinde ich an den Haaren herbeigezogen, um die Bedeutung der Aufnahme herunterzuspielen. Ich kenne jede Menge anderer wirklich auch hervorragender Aufnahmen, die schlechter aufgenommen sind, allen voran die schon erwähnte, mit einem Grammy ausgezeichnete Aufnahme von Ashkenazy/Solti. Natürlich ruft ein Michelangeli mit seinem erhabenen Können auch Neid und Ressentiments hervor, besonders von der "deutschen Schule", die meint, die Wahrheit über Beethoven für sich gepachtet zu haben. Deutscher Beethoven muss natürlich derb, laut, hart und unsensibel und unschön gespielt sein. Romanische Sensibilität und ABMs göttlicher Sinn für Schönheit (wo Joachim Kaiser trefflich gesagt hat, dass sie keineswegs in Schönfärberei besteht, sondern darin, eine ideale Balance zu schaffen, so dass nichts musikalisch Wesentliches unterschlagen wird) ist dagegen freilich "Weichspülerei". Für mich ist aber nur (!!!!) solche "Weichspülerei" wirklich hohe und höchste Kunst des Klavierspiels. Natürlich liebe ich auch Emil Gilels - noch so ein sensibilistischer "Weichspüler". :P:D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Die nüchterne Feststellung, dass der Klang dieser ABM-Live-Mitschnitte mit den Beethoven-Klavierkonzerten unter Giulini aus Wien nicht das Gelbe vom Ei ist, wird man, bei aller Verklärung des Herrn ABM, schon noch anbringen dürfen. "Weichspülen" habe ich im Übrigen zitiert. Dass die klassische Decca-Studioproduktion der Beethoven-Konzerte mit Ashkenazy/Solti dann im gleichen Atemzug klanglich deklassiert wird, mutet dann allerdings auch ein wenig "an den Haaren herbeigezogen" an. Die "New York Times" etwa sprach im September 1973 in einer zeitgenössischen Kritik von "superb recorded sound".

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Die nüchterne Feststellung, dass der Klang dieser ABM-Live-Mitschnitte mit den Beethoven-Klavierkonzerten unter Giulini aus Wien nicht das Gelbe vom Ei ist, wird man, bei aller Verklärung des Herrn ABM, schon noch anbringen dürfen. "Weichspülen" habe ich im Übrigen zitiert. Dass die klassische Decca-Studioproduktion der Beethoven-Konzerte mit Ashkenazy/Solti dann im gleichen Atemzug klanglich deklassiert wird, mutet dann allerdings auch ein wenig "an den Haaren herbeigezogen" an. Die "New York Times" etwa sprach im September 1973 in einer zeitgenössischen Kritik von "superb recorded sound".

    Der Ausdruck "Herrn ABM" sagt schon alles. Offenbar ist er ein dubioser Pianist wie der "Herr Doktor" ein dubioser Doktor ist. =O Was mir an der Aufnahmetechnik der Ashkenazy/Solti-Aufnahme nicht gefällt, wovon ich diese Luxusausgabe mit Blue-Ray habe


    Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr.1-5 (mit Blu-ray Audio) (3 CDs und 1 Blu-ray Audio) – jpc.de


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    ist die Balance von Klavier und Orchester. Das Klavier ist doch sehr im Hintergrund, so dass man ständig unter dem Kopfhörer am Lautstärkeregler drehen muss.

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  • Der Ausdruck "Herrn ABM" sagt schon alles. Offenbar ist er ein dubioser Pianist wie der "Herr Doktor" ein dubioser Doktor ist. =O

    Nun wird es aber kindisch. In Österreich ist "Herr Doktor" eine respektvolle Anrede. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, ohne es im Benutzernamen zu führen. Nichts für ungut.

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  • Anders als Karajan hat sich ABM für die Aufnahmetechnik nicht interessiert, geschweige denn in die Arbeit der Tontechniker eingegriffen.

    Ich finden dann aber keine Erklärung für die sehr ungewöhnliche Art, den Klavierklang bei ABM aufzuzeichnen; die Lautsprecher werden zum Instrument und bilden keinen Raum ab. Ich kann mir vorstellen, daß dieser spezifische Klang sehr schwer digital zu transferieren ist (die Brahms-Platte ist auch so ein Fall, wo das sehr auffällig ist, besonders aber beim genannten DECCA-Bethoven).

    Vom geplatzten Mitschnitt des Ravel-Konzerts in München berichtet sein Produzent Cord Garben, dass er die Tontechniker mit totaler Missachtung strafte.

    Ich meinte die bekannte und von Dir so geliebte EMI-Aufnahme des Konzertes. Die Münchener Aufnahme ist mittlerweile bei "The Lost Recordings" superb restauriert erschienen (45 rpm LP). Da hätte de Meister gewis nichts zu mäkeln gehabt.


    schmeißt Du die alte CD in die Mülltonne :D

    Geht schlecht, die steckt in dieser Box:



    Ich besitze aber die fein klingende Original-LP (von der es Jahre später ein mies klingendes Re-Issue gab).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Ich finden dann aber keine Erklärung für die sehr ungewöhnliche Art, den Klavierklang bei ABM aufzuzeichnen; die Lautsprecher werden zum Instrument und bilden keinen Raum ab. Ich kann mir vorstellen, daß dieser spezifische Klang sehr schwer digital zu transferieren ist (die Brahms-Platte ist auch so ein Fall, wo das sehr auffällig ist, besonders aber beim genannten DECCA-Bethoven).

    Ich vermute, lieber Thomas, dass gar nicht DECCA selbst die Aufnahme gemacht hat, sondern nur die Lizenz hatte, sie zu veröffentlichen. Das ist nicht der typische DECCA-Klang. 1960 hat er ja bei der RAI Rundfunk-Fernsehaufnahmen in Mono gemacht, obwohl man schon Stereo hätte aufnehmen können. Die Aufnahme klingt so, als hätten sie noch die Mikrophonaufstellung aus der Mono-Zeit gehabt, aber dann "stereophonisiert". Vielleicht war dies auch das Rundfunkstudio in Rom?

    Ich meinte die bekannte und von Dir so geliebte EMI-Aufnahme des Konzertes. Die Münchener Aufnahme ist mittlerweile bei "The Lost Recordings" superb restauriert erschienen (45 rpm LP). Da hätte de Meister gewis nichts zu mäkeln gehabt.

    Ich habe die CD-Box. Das ist aber nicht die spätere Aufnahme aus München (das war glaube ich 1992), sondern die ältere aus London mit Celibidache. ;)

    Geht schlecht, die steckt in dieser Box:

    Ich meinte diese CD, erschienen 1988:


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    Natürlich schmeiße ich diese Aufnahmen nicht weg, sie behalte ich zu Vergleichszwecken - jedenfalls bei ABM. :D


    Schöne Grüße

    Holger

  • Eine der besten Aufnahmen, was das technische Können des Tonmeisters betrifft, siehe


    Brahms KK2 Decca


    Die Klangfarben vom Flügel sind nahezu vollständig. Diskant glänzt, voller Bass. Schöne Mitten. Packend aufgenommen: Relativ gross und direkt. Nicht zu viel Anschlaggeräusche, nicht zu wenig. Wie ein Sitzplatz in der ersten Reihe. Das Holz dahinter in gleichem Abstand, das Horn noch etwas weiter weg. Die ersten Geigen sind vergleichsweise kompakt zusammengerückt. Man könnte denen im Vergleich zum Blech noch etwas mehr Platz einräumen. Das gesamte Orchester ist aber schön durchhörbar und gut verteilt.


    Und das alles auf einer CD mit 16/44.1!


    Fazit: Es ist nicht HiRes oder SACD notwendig, um ein Klangerlebnis zu erzeugen.

  • Eine der besten Aufnahmen, was das technische Können des Tonmeisters betrifft, siehe

    Ich hatte gebraucht in den letzten Monaten diese ältere Aufnahme erstanden:


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    Das ist natürlich klangtechnisch nicht so toll wie die Aufnahme mit Haitink aus Amsterdam, die ich aber nicht habe - allerdings die Rachmaninow-Konzerte mit Haitink, die sind ein echtes aufnahmetechnisches Highlight. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ich habe eben kurz reingehört - die FLAC-Dateien, gerippt von der UHQCD der Beethoven-Konzerte ABM mit C.M. Guilini, live aus dem Wiener Musikvereinssaal. Ich kann mir nicht helfen: Es klingt - über meine Desktop-Lautsprecher - ganz einfach toll! :)

  • Es schadet nicht, bei den DECCA Aufnahmen nicht allein auf Orchester, Dirigent und Solist, sondern gezielt auf den Tonmeister und den Producer zu achten.

  • Die Klangfarben vom Flügel sind nahezu vollständig. Diskant glänzt, voller Bass. Schöne Mitten. Packend aufgenommen: Relativ gross und direkt. Nicht zu viel Anschlaggeräusche, nicht zu wenig. Wie ein Sitzplatz in der ersten Reihe. Das Holz dahinter in gleichem Abstand, das Horn noch etwas weiter weg. Die ersten Geigen sind vergleichsweise kompakt zusammengerückt. Man könnte denen im Vergleich zum Blech noch etwas mehr Platz einräumen. Das gesamte Orchester ist aber schön durchhörbar und gut verteilt.

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    Das Interessante an dieser Aufnahme nicht etwa mit dem Concertgebouw Orkest in Amsterdam, sondern mit den Wiener Philharmonikern in Wien, ist, dass sie nicht im großen Musikvereinssaal gemacht wurde, sondern Oktober 1982 im Sofiensaal, der später abbrannte und inzwischen wieder aufgebaut ist. Der gewählte Saal spielt für die Aufnahme natürlich eine mit entscheidende Rolle. Das ist ein viel kleinerer Saal, wo auch Soloaufnahmen entstanden, die letzte oder eine der letzten war die Schubert-Aufnahme (G-Dur-Sonate) mit Arcadi Volodos. Der Sofiensaal ist eigentlich eher für kleinere Besetzungen, das erklärt auch, warum Dir die Geigen wie zusammengerückt klingen. Da ist einfach für ein so großes Brahms-Orchester - das Konzert ist eigentlich eine verkappte Symphonie - weniger Platz. Wahrscheinlich ist auch der Hallanteil deutlich geringer - der ist bei Michelangeli/Guilini deutlich hörbar und relativ hoch. Damals fing man mit Live-Aufnahmen an und auch, die Saalakustik mit aufzunehmen und nicht auszuschalten. :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • astewes

    Hat den Titel des Themas von „Die technische Qualität von Aufnahmen und Remastering“ zu „Die technische Qualität von Aufnahmen und ihrem Remastering“ geändert.
  • So ist es leider. Auf der originalen LP von Beethovens 1. Klavierkonzert steht groß aufgedruckt: "Live-Mitschnitt eines TV-Konzertes in Wien" (s.u.). Die Veröffentlichung auf Schallplatte dürfte eher ein Nebeneffekt gewesen sein. Da wären Benedetti Michelangeli und Giulini besser anschließend mit dem Werk ins Aufnahmestudio gegangen und hätte es nochmal unter Idealbedingungen eingespielt.

    Das kann man tatsächlich ganz objektiv überprüfen - beim 3. Klavierkonzert. Und das habe ich eben gemacht. Die DGG hat dies im großen Musikvereinssaal 1979 mit Michelangeli/Guilini live aufgenommen und im selben Jahr 1979 ist dann als "Studioaufnahme" im selben Musikvereinssaal dasselbe Beethoven-Klavierkonzert Nr. 3 mit Maurizio Pollini und Karl Böhm aufgenommen worden. Ich habe extra bei ABM/Guilini die CD-Erstveröffentlichung genommen, um den Vergleich mit der Pollini-Aufnahme nicht zu verfälschen:


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    61SCBrTatWL.jpg


    Fazit: Es ist haargenau dieselbe Aufnahmetechnik! ^^ In der Aufnahme Böhm/Pollini ist der Klang des Orchesters sogar etwas flacher und die Bässe wirken reduziert. Dies liegt aber wohl an der Akustik: Bei der Live-Aufnahme ist der Saal mit Zuschauern gefüllt, was einen Dämpfungseffekt zur Folge hat: weniger Hall. Die Pollini/Böhm-Aufnahme wirkt entsprechend etwas heller, die ABM/Guilini-Aufnahme hat mehr Fülle und Substanz im Bass und auch die Instrumente kommen einzeln besser heraus. Wenn man die Tontechniker fragen würde, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit die Antwort: Wir haben im selben Jahr dieselbe Mikrophoneinstellung und dieselbe Aufnahmetechnik verwendet! ^^


    Schöne Grüße

    Holger

  • Dass es genau dieselbe Aufnahmetechnik ist, kann man nicht ausschließen, bleibt bis auf Weiteres aber spekulativ. Es liegt tatsächlich auch mehr als ein Jahr zwischen beiden Aufnahmen. Erwiesenermaßen nicht identisch ist das Aufnahmeteam:


    Ludwig van Beethoven
    Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

    Maurizio Pollini, Klavier

    Wiener Philharmoniker

    Dirigent: Karl Böhm

    Aufnahme: Großer Musikvereinssaal, 11/1977

    Toningenieur: Günter Hermanns

    Produzent: Werner Mayer

    DG Stereo 2531 057 (1978)


    Ludwig van Beethoven

    Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37

    Arturo Benedetti Michelangeli, Klavier
    Wiener Symphoniker

    Dirigent: Carlo Maria Giulini

    Aufnahme: Großer Musikvereinssaal, 2/1979

    Toningenieur: Klaus Hiemann

    Produzent: Karl Faust
    DG Stereo 423 230-1 (1987)


    Wahr ist, dass beide Aufnahmen klanglich nicht unbedingt audiophil daherkommen. Da erscheinen die jeweils in den Wiener Sofiensälen eingespielten drei Decca-Produktionen des Werkes überzeugender: Backhaus/Schmidt-Isserstedt (1958), Gulda/Stein (1970), Ashkenazy/Mehta (1983).

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    – Luís de Camões

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