Winterreise - als Ballett

  • Auf Arte Mediathek kann man bis 06. März 2026 eine getanzte Fassung der schubertschen-müllerschen Winterreise mit der Musik "Schuberts Winterreise - Eine komponierte Interpretation" (1993) von Hans Zender (1936-2019) sehen und hören.


    https://www.arte.tv/de/videos/102167-000-A/winterreise/


    Christian Spuk hat seine Choreographie in Zürich inszeniert. Die Aufführung erhielt 2019 den renommierten Prix Benois de la Danse.


    Aufgezeichnet wurde es 2021.


    Anders als in anderen Ballettaufführungen ist die Musik nicht vom Band zu hören. Das Philharmonie Orchester spielt live.

    Es singt der Tenor Mauro Pedro.



  • Verbindlichsten Dank für die Empfehlung. Bei "Winterreise" ist mein Interesse immer geweckt. Das ist, so seit ich das Werk in sehr jungen Jahren erstmals zu hören bekam - und nicht verstand. Das änderte sich mit der Zeit. Manche Rätsel sind mir bis heute geblieben. Alle Bearbeitungen haben der "Winterreise" nach meiner Beobachtung nichts anhaben können. Ich betone das ausdrücklich so, weil ich nirgends eine Bereicherung oder Vertiefung fand. Höchstens Illustrationen. Alles ist im Original angelegt und bewahrt. Mehr geht nicht. Vielfallt sollte sich in gesanglicher Interpretation ausdrücken. Und die ist schon oft problematisch genug. Für mich wurden Adaptionen deshalb lediglich zur Unterhaltung, die ich einmal wahrnahm und nie wieder. Die Choreographie habe ich mir in der Mediathek gesichert und werden anschauen und anhören. Der größte Verehrer des Tenors Mauro Peter bin ich allerdings ich allerdings nicht. Deshalb hält sich meine Spannung etwas in Grenzen.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Es ist ein Hinweis auf die Aufzeichnung einer Ballettaufführung. Ich habe nur die wichtigsten Angaben in den Eröffnungsbeitrag geschrieben und die Verlinkung zur Arte Mediathek und die nicht mehr beim Werbepartner erhältliche Blu Ray.


    Von einer Empfehlung der Choreographie möchte ich nicht sprechen. Sie hat mich, nachdem ich sie gesehen habe, ratlos gemacht.

    Manches habe ich nicht verstanden. Der Antilopenkopf, der auf einem Rückengestell über die Bühne getragen wird.


    Mein grösster Kritikpunkt sind die vielen Menschen, die auf der Bühne zu sehen sind. Im müllerschen Text der Winterreise werden sie selten erwähnt (Im Dorfe: Träumen sich manches...). Im Grundsatz ist es der Wandergesell, der das lyrische Ich darstellt, erwähnt werden der Köhler und der Leiermann indirekt der Postkutscher, wenn sein Horn erschallt. Die Krähe ist eine Metapher für die Spitzel im metternichschen Bewachungs-System und steht auch dafür, womit wir den Vogel verbinden. Da wird viel konotiert.


    Für die Darstellung von Seelenzuständen braucht es in meiner Einschätzung auf der Bühne nicht ein mehrköpfiges Ballettensemble. Die Leistung der Tänzer und Tänzerinnen möchte ich nicht schmälern.


    Ich werde die Inszenierung sicher noch einmal ansehen.


  • Ich habe gestern nach der Oper "Lady Macbeth von Mzensk" (Bericht folgt) hineingeschaut, aber nicht zu Ende gesehen. Einmal, weil ich mit Ballett eh nicht viel anfangen kann, wobei ja der obige Kommentar stimmt: die Winterreise ist die ultimative Darstellung der Einsamkeit, was konträr zu den Massen auf der Bühne steht. Auch Mauro Peter ist nicht der ideale Sänger für dieses Stück.

    Anderer Meinung bin ich über die Zendersche Bearbeitung des Stücks: sie bringt doch viele Zwischentöne aus dem Text und aus der Musik ans Licht. Allerdings hat meine Aufnahme auch einen Sänger, der dem gewachsen ist: Christoph Prégardien!

    Körre araaf (asiatischer Karnevalsspruch)

  • Allerdings hat meine Aufnahme auch einen Sänger, der dem gewachsen ist: Christoph Prégardien!

    Kann es sein, dass Du den Sohnemann Julian meinst. Der hat auf jeden Fall die Zender'sche Adaption eingesungen.



    Ich kenne die Ballett-Inszenierung auch nicht. Ballett ist normalerweise auch nicht so mein Ding. Aber man sollte überlegen, dass die Instrumentierung Zenders ja das isolierte Individuum neu definiert. Die Resonanz ist eine andere, als gäbe es nur Klavierbegleitung.

  • Kann es sein, dass Du den Sohnemann Julian meinst. Der hat auf jeden Fall die Zender'sche Adaption eingesungen.

    Nein, ich meine den Vater. Das weiß ich deshalb, weil ich das Timbre vom Vater absolut im Kopf habe, das vom Sohn nicht.

    Körre araaf (asiatischer Karnevalsspruch)

  • Kann es sein, dass Du den Sohnemann Julian meinst. Der hat auf jeden Fall die Zender'sche Adaption eingesungen.

    Vielleicht hat der Sohn vom Vater gelernt, der die Winterreise schon 1999 aufgenommen hat.

    Ich bin dann mal weg.