Flügel haben eine ausgeklügelte Mechanik, mit der Töne angeschlagen werden.
Welche Finessen gibt es für Pianisten, besondere Klänge zu erzeugen?
Flügel haben eine ausgeklügelte Mechanik, mit der Töne angeschlagen werden.
Welche Finessen gibt es für Pianisten, besondere Klänge zu erzeugen?
Lieber moderato mir sind ein paar Dinge für diesen Thread unklar.
Möchtest Du Tipps für die Anschlagsgestaltung ? Dann müsste sich die Frage ja notwendigerweise an Profis wenden, von denen wir nicht allzu viele hier im Forum haben oder hatten. Ich erinnere nur an Gerrit Zitterbart, Christian Köhn oder Markus Schirmer, die alle nicht mehr aktiv sind.
Geht es um die Mechanik eines modernen Flügels oder eines alten Brodman oder die eines Erard-Flügels, die ich zufälligerweise etwas besser kenne und die daraus resultierenden technischen Möglichkeiten der Klanggestaltung? Wir wissen ja mittlerweile sehr genau, welchen Einfluss ein Moderator auf den Ton hat
Zum technischen Thema des Anschlags hatten wir schon einmal eine Diskussion, wo wichtige Aussagen gefallen sind.
Dann klingt jeder Flügel anders und, je nach Vorstellung des Pianisten vom zu erzeugenden Klang, sehen die Techniken anders aus. Zum Beispiel hatten wir auch schon kurze Hinweise zum Diskant eines Fazioli Flügels, der da noch einmal sehr sensibel ist, dafür aber erstaunliche Farben anbietet. Die Beethoven Einspielungen von Boris Giltburg ermüden mich im Diskant. Hier gefällt mir die Anschlagstechnik nicht, obwohl das Ergebnis sicherlich Giltburgs Klangvorstellungen entsprechen wird. Mich lenkt hier der Klang von der Musik ab
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Ein kompliziertes Thema und die Beiträge hängen doch stark von dem ab, was für Antworten gewünscht sind.
Dann würde ich die Pedaltechnik zu den großen Finessen des Klavierspiels hinzuziehen, Du schließt sie aber aus, wenn Du auf die ausgeklügelte Mechanik, Töne anzuschlagen, abzielst
Zu Mechanik zähle ich alle beweglichen Teile eines Flügels. Das heisst: Tastatur, Pedale und Deckel.
Da gibt es für Pianisten (und Klavierstimmer) eine grosse Palette von weiteren Möglichkeiten, wie der Klang des Instrumentes beeinflusst werden kann.
Das beginnt schon in der Handstellung, Länge der Fingernägel (gell lieber Ulli), Sitzhaltung, die ich auch zu den Finessen zähle.
Wer etwas dazu von seinem Wissen beitragen kann, ist herzlich eingeladen es mitzuteilen.
Zu Mechanik zähle ich alle beweglichen Teile eines Flügels. Das heisst: Tastatur, Pedale und Deckel.
und Saiten? Ich denke da an präparierte Klaviere. Dieser Teil ist ja auch wichtig für die Klanggestaltung. ![]()
Wäre in Deinem Sinne der Titel dann nicht eher Auswirkungen der Klaviermechanik auf den Klang oder Finessen der Klanggestaltung beim Klavier?
Länge der Fingernägel (gell lieber Ulli)
Wir haben ja schon an verschiedenen Stellen gesehen, dass für das Klavierspiel natürlich die Form der Hand und der Arme von Bedeutung sind. Und je nach der Ausgestaltung eben auch auch ganz verschiedene Probleme beim Bewältigen einer Klavierkomposition für den Pianisten auftreten.
Rachmaninoff hatte zum Beispiel Riesenpranken und hat für seine Händgröße ganz komfortabel komponiert. Die Pianistin Claire Huangci hat nach ihrer erfolgreichen Rachmaninoff-Einspielung ein paar Tipps für kleine Hände gegeben ![]()
Welche Finessen gibt es für Pianisten, besondere Klänge zu erzeugen?
Das ist ein spannendes Thema, lieber Moderato. Und ein komplexes. Da geht es um die Körperhaltung, die Gewichtsverteilung und vieles mehr.
Ich beginne mal mit Horowitz, weil er eine sehr ungewöhnliche Spieltechnik hat. Im Klavierunterricht lernt man, dass die Finger beim Spielen gekrümmt sein sollen, der Arm entspannt und das Handgelenk entsprechend den gekrümmten Fingern. Bei Horowitz sieht das ganz anders aus. Hier spielt er in Moskau 1986 die "Träumerei" von Schumann:
Man sieht, dass er die Finger sehr flach hält. Sie sind gar nicht gekrümmt, sondern liegen mitunter waagerecht in der Taste. Das Handgelenk ist mitunter sehr tief, hängt unter der Tastatur.
Das ist nun kein Zufall. Horowitz spielt die sogenannte "Flachtastentechnik" seines Lehrers Felix Blumenfeld:
Felix Michailowitsch Blumenfeld – Wikipedia
Diese Technik hat Horowitz perfektioniert wie kein Zweiter. Er spielte auf seinem Flügel, den er in den 1940iger Jahren von Steinway geschenkt bekam. Das Instrument hat einen verminderten Tastentiefgang, ist also sehr leichtgängig, reagiert auf kleinste Druckunterschiede. Das ist perfekt für die Flachtastentechnik, wenn Horowitz die Tasten nur so antippt. Rubinsteins Flügel dagegen war ganz anders präpariert. Er hatte ein Instrument mit großem Tastentiefgang, wo er viel "arbeiten" musste. Dieses Gefühl in den Tasten brauchte Rubinstein.
Horowitz´ Anschlag ist einzig. Seine unglaublichen Reflexe und explosiven Oktaven sind Legende, aber auch die ungeheure Leichtigkeit seiner Läufe, etwa bei den Scarlatti-Sonaten. Dazu die unendliche Flexibilität der Tongebung und immense Farbigkeit seines Klaviertons. Nicht umsonst nannte ihn Joachim Kaiser den "Gott des Klaviers". Hier eine seiner berühmten Zugaben, Etincelles ("Funken"), eine Etüde von Moritz Moszowsky:
Schöne Grüße
Holger
Mein Lehrer sagt immer: Es gibt zwei Arten von Pianisten. Das sind die einen, die ihr Körpergewicht einsetzen und so versuchen, sehr dynamisch und kraftvoll zu spielen. Dann die Anderen, die "Fingertechniker", die alles mit den Fingern machen wie Horowitz. Die Arm- und Körpertechniker bauen im Alter meist ab, weil die Physis nicht mehr da ist. Und ihre Schwäche ist oft der unschöne Ton, wenn sie von oben quasi auf die Taste "stechen" und drücken. Dann wird der Ton dünn, spitz und scharf - aber natürlich laut. Die Fingertechniker behalten ihre Fähigkeiten bis ins hohe Alter. Bei Horowitz merkt man, dass er im Alter aufrechter, gerader sitzt, in den 1960iger Jahren ist sein Körper gebogen wie ein Flitzebogen:
Emil Gilels setzte seinen Körper ein. Wenn man aber genau auf seine Haltung achtet, sieht man, warum er so einen tollen Klang aus dem Flügel herausholte. Er schafft es nämlich, dass das Gewicht und die Kraft des Armes wirklich in den Fingerkuppen landet:
Ich kenne das - ein wenig - von meinem Berdux der jetzt im Hiesigen Jazzclub bespielt wird. Er wurde von einem Klavierbauer mechanisch so eingerichtet wie es der Hauptpianist gewollt hatte. Als vor ein paar Wochen die New Yorker Lawrence Clark Band mit dem Pianisten Theo Hill ein fulminantes Konzert gegeben hatte meint der Pianist, der Flügel sei ihm etwas zu weich abgestimmt aber ansonsten gut. Bei ihm hatte ich fast Angst so wie der "gehämmert" hatte - aber er hat es überlebt.
und Saiten? Ich denke da an präparierte Klaviere. Dieser Teil ist ja auch wichtig für die Klanggestaltung.
Wäre in Deinem Sinne der Titel dann nicht eher Auswirkungen der Klaviermechanik auf den Klang oder Finessen der Klanggestaltung beim Klavier?
Ich lasse mal den Titel so stehen, wie er ist. In "Finessen" sind solche Erweiterungen von mir auch mitgedacht.
LG moderato
Ich habe eine Aufnahme des schumannschen Carnaval Op. 9, Fantasiestücke Op. 12 & Arabeske Op. 18 mit dem Pianisten Nicolas van Poucke, bei der der Klavierstimmer Charles Rademakers bei jeder Nummer das Instrument neu eingerichtet hat, je nach gewünschtem Ausdruck. Das finde ich eine extreme Position. Im Bookletext wird darauf hingewiesen.
Es war absolut erstaunlich, Charles ständig dort zu haben, da er das Klavier auf jedes Stück und sogar auf jeden Satz stimmte. Auf diese Weise erhielten weichere, lyrischere Sätze einen resonanteren Charakter, während einige der typischen Schumanesken Schwergewichte etwas mehr Biss bekamen.
Bei dir ist das Gegenteil der Fall. Ich kann mich erinnern, dass du im Forum berichtet hattest, dass die Kontrolle deiner Fingernägel, d. h. die Kürze durch deine Klavierlehrerin vor Beginn der Lektion dich heute noch triggert.
Bei dir ist das Gegenteil der Fall. Ich kann mich erinnern, dass du im Forum berichtet hattest, dass die Kontrolle deiner Fingernägel, d. h. die Kürze durch deine Klavierlehrerin vor Beginn der Lektion dich heute noch triggert.
So ist es. Ob das aber den Anschlag beeinflusst, wage ich nicht zu beurteilen, da ich es nicht anders kenne ... jedenfalls nervt natürlich das Klickern der Nägel auf dem Elfenbein (so man das noch hat), (Eben-) Holz oder Plastik.
Im Alter eines Heranwachsenden empfand ich das Cutten als tierisch nervig, ich hab die Nägel lieber abgekaut. Heute bin ich eigentlich froh drum, denn das Reinigen der Nägel vom schwarzen Etwas ist damit obsolet geworden (das würde mich noch viel mehr aufregen).
Bei den Herren der Schöpfung empfinde ich längere Fingernägel (von Fußnägeln mal zu schweigen; meine Mutter: „damit kannst du ja Deine Oma ausgraben!“) auch unästhetisch; ein ehemaliger Chef von mir machte sie sich zunutze, um damit Briefcouverts aufzuschlitzen (also mit den Fingernägeln). ![]()
Viel schlimmer fand ich allerdings Dehnungsübungen für die Hände, um Plusquam-Oktaven greifen zu können. Ich fragte mich ständig, was für Pranken die Komponisten gehabt haben müssen - hatten sie nicht. Nach Umstellung auf Hammerflügel, Clavichord etc. hat sich das Cristofori sei Dank auch erübrigt. Siehe auch hier:
Viel schlimmer fand ich allerdings Dehnungsübungen für die Hände, um Plusquam-Oktaven greifen zu können. Ich fragte mich ständig, was für Pranken die Komponisten gehabt haben müssen - hatten sie nicht
Der eine oder andere Pianist war trotzdem unzufrieden. ![]()
Nicht alle Tricks und Finessen von Pianisten sind segensreich. Robert Schumann ruinierte sich seine rechte Hand mit einem "Fingerdehner". Hier die historische Abbildung eines ähnlichen Gerätes.
Robert Schumann
Männer haben's schwer ... Grönemeyer hat ja Ähnliches eindrucksvoll im Film „Frühlingssinfonie“ (hier ab 14:53) veranschaulicht:
Rachmaninoff hatte zum Beispiel Riesenpranken und hat für seine Händgröße ganz komfortabel komponiert. Die Pianistin Claire Huangci hat nach ihrer erfolgreichen Rachmaninoff-Einspielung ein paar Tipps für kleine Hände gegeben
Sehr sympathisch!
Die Aufnahme ist offenbar zur Corona-Zeit gemacht. Auch was sie über die Sprünge sagt, kenne ich nur zu gut. Bei Liszt gibt es Stellen (wie in der Etüde Harmonies du soir), die sind wirklich krass und da kann man richtig verzweifeln.
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Alicia de Larrocha hatte für eine Pianistin eigentlich unmögliche, viel zu kleine Hände. Sie spielte aber die sperrigsten Stücke von Liszt und Rachmaninow wie das 3. Klavierkonzert und ihre "großhändigen" Kollegen Claudio Arrau und Vladimir Horowitz kamen als ihre Bewunderer zu ihren Konzerten. Sie hatte eine sehr spezielle Technik entwickelt, um auch mit ihren sehr kleinen Händen solche weitgriffigen Klaviersätze mühelos zu bewältigen. Große Pianisten müssen nicht nur über überragende musikalische Fähigkeiten verfügen, sondern auch über eine immense technische Begabung. Der große Farbenreichtum ihres Spiels ist ebenfalls Legende.
Ashkenazy und Harmonies du soir. Man kann die Noten mitlesen. Ab 6:59 geht es los. Am Anfang bekommt man es noch hin, nur wenn es dann schnell wird nach vier Takten, kriegt jeder üben müssende Pianist die Krise. Es wäre noch wenigstens ein bisschen leichter, wenn man die Akkorde in der Mitte betonen müsste und die außen liegenden nur leicht antippen. Aber nein, die äußeren müssen so richtig mit Fortissimo-Gewicht gespielt werden in diesem Tempo!
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