Angeregt von mehreren kontroversen Diskussionen über historisch informierte Aufführungen, habe ich mich gefragt, was für Grundlagen es für diese lebendige und im Markt auch bestens etablierte Bewegung gibt. Zu meinen Erstaunen habe ich bis auf ein vergriffenes Buch der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, ein paar Fachartikeln und der Website von Roger Norrington nichts von Bedeutung gefunden. Es gibt kein Manifest und keine Gründungsleitlinien oder dergleichen. Es gibt schlichtweg keine Ideologie, aber sehr viele praktische Studien und Aufsätze zu den Instrumenten, Notationen und Quellen. Überhaupt lebt die ganze Bewegung von der Praxis und ist sehr lösungsorientiert.
Dies hat mich um so mehr erstaunt, als HIP - auch hier im Forum - eine massive dogmatische Ideologie vorgeworfen wird. Ich bin bei meiner Beschäftigung mit HIP auch tatsächlich ideologischen Äußerungen begegnet - aber ausschließlich auf Seiten der HIP-Gegner. Das Phänomen konnte man ja auch hier im Forum gut beobachten: HIP wird etwas vorgeworfen, was vor allem HIP-Gegner charakterisiert.
Ein prominentes Beispiel dafür möchte ich verlinken. Hurwitz gelingt in dem Video das Kunststück, absolut schlüssig den Tod von HIP zu verkünden, ohne sich dafür zu interessieren, was HIP überhaupt bedeutet.
Aber seht selbst - ich kann seinen Beobachtungen und Schlussfolgerungen über Bernstein und Bloomstedt durchaus etwas abgewinnen, staune aber vor allem über seinen Furor, etwas für tot zu erklären, was er offensichtlich nicht verstanden hat und wofür er sich auch nicht im Geringsten interessiert:
