Aufmerksam geworden durch einen Eintrag unseres Foreninhabers in der Rubrik "Kammermusik der Romantik" möchte ich hier einen britischen Komponisten vorstellen, der bisher noch keinen eigenen Thread hat:
John Nicholson Ireland
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Er kam am 13. August 1879 in Bowdon (Cheshire) zur Welt und starb in Washington (Grafschaft Kent) am 12. Juni 1962.
Mir ist der Komponist seit meiner frühen Jugend durch einen englischen Bekannten, der als Soldat in den späten 1950er Jahren in Deutschland stationiert war, näher bekannt, obwohl er hierzulande im Musikleben kaum eine Rolle spielt. Der "Harenberg Konzertführer" erwähnt ihn erst gar nicht, und auch im "Knaur Musikführer" sucht man ihn vergebens. Doch im "Musik Brockhaus von 1982 bin ich endlich fündig geworden; immerhin hat er einige Zeilen für den Musiker übrig.
John Ireland studierte am Royal College of Music in London und war als Organist von 1904-1926 an der St. Luke's Church in Chelsea (Groß-London) angestellt. Er war auch als Musiklehrer tätig, u.a. zählte kein Geringerer als Benjamin Britten zu seinen Schülern. Zunächst war er stark von der deutschen Klassik und Romantik (Mozart, Beethoven, Brahms) beeinflußt, doch seit 1913 löste er sich allmählich aus diesem Dunstkreis, nahm Debussy, Ravel und die frühen Werke von Igor Strawinsky und Béla Bartók zum Vorbild und fand schließlich zu einem ganz eigenen, ausdrucksstarken, oft archaisierenden Stil, in Kombiantion von Elementen des französischen Impressionismus, der englischen Folklore sowie der Kirchenmusik der Tudor-Zeit.
Als Exponent des Impressionismus beschäftigte er sich weder mit Opern noch mit großer Orchestermusik, abgesehen vielleicht von seinem Klavierkonzert Es-dur, das er 1930 veröffentlichte und von vielen als seine bedeutendste Schöpfung gehalten wird. Dieses Werk war es auch, was mir durch den englischen Freund vorgestellt wurde. Leider gab es damals auf dem deutschen Markt keine Aufnahme davon zu kaufen, und so ist die Beschäftigung mit dem Komponisten später von mir nicht weiter intensiviert worden. Der Engländer hatte eine 25 cm-LP dabei, die er mir ausgeliehen hatte, aber leider kann ich mich an die Interpreten nicht mehr erinnern. Ich habe aber gesehen, daß der bekannte englische Dirigent Sir Adrian Boult einige Aufnahmen mit Werken von John Ireland hinterlassen hat, darunter auch das genannte Klavierkonzert. Allerdings konnte ich das Aufnahmedatum nicht feststellen:

Aus späterer Zeit sind mir einige Klavierstücke in Erinnerung (z.B. ein Prélude Es-dur und "Summer Evening"), doch Irelands Schwerpunkte lagen mehr bei der Kammermusik, zu der ich keinen besonderen Zugang habe. Auch mindestens eine Filmmusik hat er komponiert, doch das war sicher eine Gelegenheitsarbeit.
LG Nemorino
