• Seltsamer Weise sind alle (?) Threads zu Heinrich Heine geschlossen worden. :/


    „Ohry N.“ - das ist nicht der Bruder von „Owi Lacht“, sondern: so nannte die Friedhofsführerin von Père LaChaise Heinrich Heine (im Französischen: Henry Heine, gesprochen etwa „Ohry N.“ - 'Einrisch 'Eine wäre ja noch okay gewesen ...).


    Ein Artikel des WDR befasst sich anlässlich seines 170. Todestages mit dem Schriftsteller:


    ZEITZEICHEN

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Heinrich Heines Buch der Lieder nach der Erstausgabe 1827 könnte man wieder mal lesen.


    Ich habe eine zweibändige gebundene Ausgabe im Regal.


  • Beeindruckt und erschreckt zugleich hat mich stets dies:


    Lieb Liebchen, leg’s Händchen auf’s Herze mein;

    Ach, hörst du, wie’s pochet im Kämmerlein?

    Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg,

    Der zimmert mir einen Todtensarg.


    Es hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht;

    Es hat mich schon längst um den Schlaf gebracht.

    Ach! sputet Euch, Meister Zimmermann,

    Damit ich balde schlafen kann.


    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Ongry gehört zu meinen Lieblingsdichtern.



    Mein Herz, mein Herz ist traurig,

    Doch lustig leuchtet der Mai;

    Ich stehe, gelehnt an der Linde,

    Hoch auf der alten Bastei.


    Da drunten fließt der blaue

    Stadtgraben in stiller Ruh;

    Ein Knabe fährt im Kahne,

    Und angelt und pfeift dazu.


    Jenseits erheben sich freundlich,

    In winziger bunter Gestalt,

    Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,

    Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.


    Die Mägde bleichen Wäsche,

    Und springen im Gras herum:

    Das Mühlrad stäubt Diamanten,

    Ich höre sein fernes Gesumm.


    Am alten grauen Turme

    Ein Schilderhäuschen steht;

    Ein rotgeröckter Bursche

    Dort auf und nieder geht.


    Er spielt mit seiner Flinte,

    Die funkelt im Sonnenrot,

    Er präsentiert und schultert --

    Ich wollt, er schösse mich tot.


    Heinrich Heine aus Buch der Lieder (1827)

  • so nannte die Friedhofsführerin von Père LaChaise Heinrich Heine (im Französischen: Henry Heine, gesprochen etwa „Ohry N.“).

    Nur eine Kleinigkeit. Heinrich Heine liegt auf dem Cimetière de Montmartre begraben. Auf dem Père Lachaise ist ein anderer Lyriker zu finden: Jim Morrison :)

  • Nur eine Kleinigkeit. Heinrich Heine liegt auf dem Cimetière de Montmartre begraben.

    *omg*Stimmt - wiewohl ich beide häufiger frequentiert habe, verwechsle ich die immer wieder gerne.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.


  • Zu "Frau Heine", die 27 Jahre nach ihrem Ehemann starb, habe ich dies auf Wikipedia gefunden:


    Im Jahr 1833 lernte Heine die damals 18-jährige Schuhverkäuferin Augustine Crescence Mirat (1815–1883) kennen, die er Mathilde nannte. Wahrscheinlich seit Oktober 1834 lebte er mit ihr zusammen, heiratete sie aber erst sieben Jahre später. Die Ehe sollte kinderlos bleiben.


    Mathilde hatte seit 1830 als sogenannte Grisette in Paris gelebt, das heißt: als alleinstehende, berufstätige, junge Frau, die nach den Maßstäben der Zeit nicht als „ehrbar“ galt. Sie war attraktiv, hatte große dunkle Augen, dunkelbraunes Haar, ein volles Gesicht und eine viel bewunderte Figur. Charakteristisch war ihre hohe „Grasmückenstimme“, die auf viele einen infantilen Eindruck machte, auf Heine aber wohl faszinierend wirkte. Er scheint sich spontan in Mathilde verliebt zu haben. Viele seiner Freunde dagegen, unter ihnen Marx und Engels, lehnten seine Verbindung mit der einfachen und lebenslustigen Frau ab. Heine aber scheint sie auch deshalb geliebt zu haben, weil sie ihm ein Kontrastprogramm zu seiner intellektuellen Umgebung bot. Zu Beginn ihrer Beziehung hatte er versucht, der Bildung seiner vom Lande stammenden Freundin ein wenig aufzuhelfen. Auf sein Betreiben lernte sie lesen und schreiben, und er finanzierte mehrere Aufenthalte in Bildungsanstalten für junge Frauen.


    Ihr gemeinsames Leben verlief mitunter turbulent: Heftigen Ehekrächen, oft ausgelöst durch Mathildes freigiebigen Umgang mit Geld, folgte die Versöhnung meist auf dem Fuß. Neben liebevollen Schilderungen seiner Frau finden sich bei Heine auch boshafte Verse, wie die aus dem Gedicht Celimene:


    Deine Nücken, deine Tücken,

    Hab ich freylich still ertragen

    Andre Leut' an meinem Platze

    Hätten längst dich todt geschlagen.


    Heine schätzte sie, obwohl – oder gerade weil – Mathilde kein Deutsch sprach und deshalb auch keine wirkliche Vorstellung von seiner Bedeutung als Dichter besaß. Überliefert ist ihr Ausspruch: „Mein Mann machte dauernd Gedichte; aber ich glaube nicht, daß dies besonders viel wert war, denn er war nie damit zufrieden.“ Gerade diese Unkenntnis deutete Heine als Zeichen dafür, dass Mathilde ihn als Menschen und nicht als prominenten Dichter liebte.


    Seine jüdische Herkunft hat Heine ihr zeitlebens verschwiegen. Die Eheschließung fand am 31. August 1841 in Paris, in der Kirche St-Sulpice statt, auf Mathildes Wunsch nach katholischem Ritus. Der Grund für die Hochzeit war eine Duellforderung, die sich aus einem zunächst rein literarischen Streit ergeben hatte.


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