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Ein Desiderat im Forum stellen die Werke für Cello und Orchester aus der Feder Sergej Prokofjews dar. Dieser Komponist war zeit seines Lebens vom Cello fasziniert. Es ist gewiss kein Zufall, dass eines seiner frühesten Werke diesem Instrument gewidmet war (Ballade für Cello und Klavier op. 15 von 1912) und seine allerletzte Komposition die Cellosonate op. 134 war, die zum Zeitpunkt seines Ablebens 1953 unvollendet blieb.
Hier soll es allerdings um Prokofjews Cellokonzerte gehen. Diese führen landläufig bis heute ein ziemliches Schattendasein. Möglicherweise spielte der Komponist bereits in den 1920er Jahren mit dem Gedanken, ein Cellokonzert zu schreiben. Nachweislich nahm er die Arbeit allerdings erst 1934 in Paris auf, kam aber nur schleppend voran. Erst im September 1938, nach seiner Übersiedlung in die Sowjetunion, wurde das Konzert für Cello und Orchester e-Moll op. 58 fertiggestellt. Der Uraufführung in Moskau am 26. November 1938 mit dem Solisten Lew Beresowski unter Alexander Melik-Paschajew war indes kein Erfolg beschieden. Das Cellokonzert verschwand anschließend jahrelang und wurde erst 1947 neuerlich aufgeführt, diesmal mit Mstislaw Rostropowitsch.
Prokofjew sah sich nach dieser Aufführung angehalten, einige Korrekturen und Änderungen vorzunehmen. Das nun so bezeichnete "Cellokonzert Nr. 2" wurde am 18. Februar 1952 zur Erstaufführung gebracht. Kurioserweise wurde Rostropowitsch tatsächlich von Swjatoslaw Richter begleitet, der hier das erste und letzte Mal als Dirigent in Erscheinung trat. Prokofjew, der dem Konzert beiwohnte (was sein letzter öffentlicher Auftritt in diesem Zusammenhang werden sollte), revidierte das neue Cellokonzert abermals, besonders hinsichtlich der Instrumentierung, und komponierte das Gros des Finalsatzes komplett neu. Er strich die Bezeichnung "Nr. 2", gab dem Werk sodann den ungewöhnlichen Titel Sinfonie-Konzert für Cello und Orchester e-Moll (russ. Симфония-концерт, Simfonia-Konzert) und versah es mit der Opuszahl 125. Als Alternativtitel hat sich (etwas unpassend) Sinfonia concertante etabliert. Selbst sollte Prokofjew dieses Werk nie hören, da er am 5. März 1953 (am selben Tag wie Stalin) überraschend starb. Insofern stehen also op. 58 und op. 125 in einem Zusammenhang. In der Folge setzte sich das deutlich sinfonischer angelegte Sinfonie-Konzert gegenüber dem kammermusikalischen Vorgänger durch, wenngleich sich auch seine Popularität - nicht zuletzt wegen des sehr anspruchsvollen Soloparts - in engen Grenzen hält.
Noch wenige Monate vor seinem Tode verkündete Prokofjew Ende 1952, dass er nach dem monumentalen Sinfonie-Konzert beabsichtige, ein transparenteres Werk für Cello und Orchester zu schreiben. Dieses Stück bezeichnete er als Concertino für Cello und Orchester g-Moll op. 132. Freilich kam mit dem Klavierauszug nur mehr bis zum zweiten Satz. In der Folge vervollständigte Rostropowitsch bis 1956 diese Fassung mit Klavierbegleitung. Der Komponist Dmitri Kabalewski besorgte anschließend die Orchestrierung, so dass die Premiere am 18. März 1960 mit Rostropowitsch unter Abram Stasewitsch erfolgen konnte. Einen weiteren Vervollständigungsversuch nahm der Musikwissenschaftler Wladimir Blok in den 1990er Jahren vor. Diese Orchestrierung ist für ein kleineres Orchester mit weniger prominentem Schlagwerk gesetzt; die Kadenz stammt von Alfred Schnittke.
Aufnahmen (Auswahl):
Konzert für Cello und Orchester e-Moll op. 58:

János Starker, Cello
Philharmonia Orchestra
Dirigent: Walter Susskind
Aufnahme: Kingsway Hall, London, 7/1956 (EMI)
(Anmerkung: mit Strichen)
Alexander Iwaschkin, Cello
Staatliche Akademische Sinfoniekapelle Russlands
Dirigent: Waleri Poljanski
Aufnahme: Mosfilm Studio, Moskau, 24.-25. Februar 2000 (Chandos)
Steven Isserlis, Cello
hr-Sinfonieorchester
Dirigent: Paavi Järvi
Aufnahme: Alte Oper, Frankfurt am Main, 12.-13. Dezember 2023 (Hyperion)
Sinfonie-Konzert (Sinfonia concertante) e-Moll op. 125:

Iwan Monighetti, Cello
Großes Sinfonieorchester des Allunionsrundfunks der UdSSR
Dirigent: Iwan Schpiller
Aufnahme: 1977 (Melodia/Audiophile)

Natalja Gutman, Cello
Staatliches Akademisches Sinfonieorchester der UdSSR
Dirigent: Alexander Lasarew
Aufnahme: Großer Saal des Moskauer Konservatoriums, 1981 (Melodia)
Alexander Rudin, Cello
Nationales Sinfonieorchester der Ukraine
Dirigent: Theodore Kuchar
Aufnahme: Konzertstudio des Ukrainischen Rundfunks, Kiew, 26.-28. Dezember 1995 (Naxos)
Alexander Iwaschkin, Cello
Staatliche Akademische Sinfoniekapelle Russlands
Dirigent: Waleri Poljanski
Aufnahme: Philharmonie, Moskau, 12/2000 (Chandos)
Concertino für Cello und Orchester g-Moll op. 132 (Orch. Kabalewski):

Lew Jewgrafow, Cello
Großes Sinfonieorchester des Allunionsrundfunks der UdSSR
Dirigent: Algis Žiūraitis
Aufnahme: 1971 (Melodia/Russian Compact Disc)
Alexander Rudin, Cello
Nationales Sinfonieorchester der Ukraine
Dirigent: Theodore Kuchar
Aufnahme: Konzertstudio des Ukrainischen Rundfunks, Kiew, 26.-28. Dezember 1995 (Naxos)
Concertino für Cello und Orchester g-Moll op. 132 (Orch. Blok, Kadenz Schnittke):
Alexander Iwaschkin, Cello
Staatliche Akademische Sinfoniekapelle Russlands
Dirigent: Waleri Poljanski
Aufnahme: Mosfilm Studio, Moskau, 22.-23. März 1999 (Chandos)
Steven Isserlis, Cello
Tapiola Sinfonietta
Dirigent: Gábor Takács-Nagy
Aufnahme: Tapiola Concert Hall, 11/2009 (BIS)

