Der Kopist übte im wahrsten Wortsinn ein Handwerk aus. Er erstellte aus der handschriftlichen Partitur des Komponisten, Note für Note, Vorzeichen für Vorzeichen, Takt für Takt die Orchesterstimmen und Gesangsstimmen. Diese Schreibarbeit erleichterte die schnelle Bereitstellung der Stimmen für Proben und entlastete den Komponisten von dieser mühseligen Schreibarbeit.
Oft blieben Kopisten aber anonym, sie sind jedoch an ihrer Schrift zu erkennen, was für die Musikforschung von Bedeutung ist. Ohne ihre Tätigkeit wäre manches Werk, dessen Partitur verloren ging, nicht rekonstruierbar.
Oft waren es Schüler der Komponisten, die mit ihren Abschriften für die Verbreitung der musikalischen Ideen der Lehrer sorgten. Von bedeutenden Werken sind nur diese Kopien erhalten, weil der Urtext verloren ging.
In der Familie von Johann Sebastian Bach waren es die Ehefrau und Kinder, die Kopistenarbeiten erledigten.
Es gibt aber auch Kopisten, die namentlich bekannt sind. So Otto Ernst Gregorius Schieferlein (1704-1787), der in Hamburg für Georg Philipp Telemann die Noten handschriftlich vervielfältigte, nach dem Tod Telemanns für den Nachfolger im Amt Carl Philipp Bach. In der Beschäftigung mit Schieferleins eigenen Werken, bin ich auf das Thema des Kopisten für das Tamino Klassikforum aufmerksam geworden.

