Der Kopist - unerlässlich

  • Der Kopist übte im wahrsten Wortsinn ein Handwerk aus. Er erstellte aus der handschriftlichen Partitur des Komponisten, Note für Note, Vorzeichen für Vorzeichen, Takt für Takt die Orchesterstimmen und Gesangsstimmen. Diese Schreibarbeit erleichterte die schnelle Bereitstellung der Stimmen für Proben und entlastete den Komponisten von dieser mühseligen Schreibarbeit.


    Oft blieben Kopisten aber anonym, sie sind jedoch an ihrer Schrift zu erkennen, was für die Musikforschung von Bedeutung ist. Ohne ihre Tätigkeit wäre manches Werk, dessen Partitur verloren ging, nicht rekonstruierbar.


    Oft waren es Schüler der Komponisten, die mit ihren Abschriften für die Verbreitung der musikalischen Ideen der Lehrer sorgten. Von bedeutenden Werken sind nur diese Kopien erhalten, weil der Urtext verloren ging.


    In der Familie von Johann Sebastian Bach waren es die Ehefrau und Kinder, die Kopistenarbeiten erledigten.


    Es gibt aber auch Kopisten, die namentlich bekannt sind. So Otto Ernst Gregorius Schieferlein (1704-1787), der in Hamburg für Georg Philipp Telemann die Noten handschriftlich vervielfältigte, nach dem Tod Telemanns für den Nachfolger im Amt Carl Philipp Bach. In der Beschäftigung mit Schieferleins eigenen Werken, bin ich auf das Thema des Kopisten für das Tamino Klassikforum aufmerksam geworden.


  • Beethoven hatte eine sehr unleserliche Handschrift in seinen Partituren, was die Arbeit für die Kopisten sehr erschwert haben dürfte. Er war auf ihre Mitwirkung angewiesen, denn in ihrer Urgestalt konnten seine Manuskripte nicht an den Verleger geschickt werden. Diese Druckvorlagen der Kopisten beaufsichtigte Beethoven und ordnete Änderungen an, ehe sie in Druck gegeben werden konnten. Wenzel Schlemmer und Peter Gläser waren Kopisten, die diese Kopistenarbeiten besorgten.


    Von Beethoven ist ein Brief an den Kopisten Paul Maschek überliefert. Darin erfährt man Wichtiges über das Verhältnis des Komponisten zu seinen Kopisten und deren Arbeitsweise. Beethoven war misstrauisch und wachte streng über die Kopisten. Beethoven dürfte ein schwieriger Charakter gewesen sein, wenn man vom Wunsch Mascheks liest.


    Den Inhalt des Briefes habe ich auf der Seite des Beethoven-Hauses in Bonn gefunden:


    Beethoven bittet seinen Kopisten Maschek, bei seiner Kopie der 9. Sinfonie op. 125 sorgfältig darauf zu achten, dass später eingefügte Takte und Notengruppen an der richtigen Stelle in der Kopie eingefügt werden und der Zusammenhang gewahrt bleibe. Er bittet auch darum, sorgfältiger zu schrieben, denn "wenn alles von der Sinfonie wie das erste all[egr]o geschrieben, so ist die ganze Partitur nicht zu brauchen". Er bittet außerdem um die noch nicht korrigierten Stimmen zur Durchsicht sowie die Anfangs- und Schlussblätter (um Missbrauch zu vermeiden bekamen Kopisten nie eine vollständige Vorlage, der äußerste Bogen wurde separat kopiert).


    Mascheks Anfrage, ob er statt bei Beethoven bei sich selbst zu Hause arbeiten könne, bescheidet Beethoven abschlägig.



  • Für das Werk Josef Haydns ist der Kopist Johann Florian Elßler (1767–1843) wichtig. Sein Vater wie sein Sohn waren Kopisten.


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    Er war der langjährige Kopist und persönliche Faktotum von Joseph Haydn, der ab 1787 bis zu dessen Tod 1809 in Wien tätig war. Johann Elßler schrieb zahlreiche Werke ab und war entscheidend für die Verbreitung der Haydn'schen Musik, oft in Zusammenarbeit mit Verlagen wie Artaria, die die Werke vertrieben.