Postmodernismus: Was ist das eigentlich ... und gibt es das überhaupt?

  • Anders, als in der Musik vergangener Epochen, wo durch die Tätigkeit vieler Musikwissenschaftler ja eine gewisse Ordnung eingekehrt ist, die einem das einordnen erleichtert, ist es mit der zeitgenössischen Musik nicht so einfach. Ich habe die Vermutung, dass es zu jeder Zeit so war ;). Es fehlen die Übersicht und die musikalische Weiterentwicklung, die mit der Zeit notwendigerweise kommen und die Sortierung erleichtern.



    Für einige Begriffe wie Serialismus, Neue Komplexität und andere habe ich Threads eröffnet, um mit Beispielen und kleinen Diskussionen etwas Fleisch auf die Rippen zu bringen. Diesmal ist es der Postmodernismus. Der Begriff birgt Merkwürdigkeiten in sich. Was soll das sein? Eine Steigerung des Modernismus und was ist das überhaupt, der Modernismus? Ist es die Hoffnung der Leute, die mit moderner Musik nichts anfangen können, dass da jetzt Komponisten kommen, die wieder so komponieren, wie es im 19. Jahrhundert Usus war, als die Welt in den Schulbüchern noch in Ordnung war?


    Wie immer ist Entwicklung etwas, was den Umgang mit dem Hergebrachten verändert, aber wie?


    Ich habe ein kleines Video grfunden, was die ersten Schritte in diese neue Welt erleichtern könnte.




    Die Idee wäre, dass interessierte Kollegen hier Beispiele und Diskussionsideen beibringen.

  • Für mich gefühlt ein postmodernes Werk, ist das letzte Klavierkonzert von John Adams. Komponiert für Yuja Wang, uraufgeführt 2019 mit Yuja Wang und den Los Alngeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel.


    Hier der erste Satz



    Genügt das Kramers "Checkliste" ?

  • Einen musikalischen Postmodernismus gibt es insofern mit Sicherheit, weil (meines Wissens) in der Fachwelt üblicherweise mit diesem Begriff gearbeitet wird. So gibt es z. B. ein schönes Buch von Constantin Floros über Ligetis Spätwerk, in welchem er den späten Ligeti "zwischen Avantgarde und Postmoderne" verortet.


    Drei Komponisten, die ich persönlich mit der musikalischen Postmoderne assoziiere, sind Schnittke, Pärt und der spätere Penderecki.


    LG :hello:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Alfred Schnittke ist ein Beispiel für musikalische Postmoderne.


    Zum Thema Postmoderne in der Kunst immer noch klassisch und lesenswert sind die Bücher von Wolfgang Welsch.

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  • Vielen Dank für Eure Beiträge. Alfred Schnittke, der Polystilist, wäre auch mir als postmoderner Komponist eingefallen. Ich bin immer noch ein wenig auf der Suche.


    Hier fiel mir ein Streichtrio von Sebastina Fagerlund unter die Hände, Oceano aus dem Jahr 2011. Natürlich klingt das schon modern, mir scheint aber postmodern. :) Der Komponist bedient sich (IMO bekannter) Mittel um seinem Ausdruckswillen musikalische Gestalt zu verleihen. Ich finde das fundamental anders als Versuche, wo der Komponisten bestimmte musikalische Ideen ausreizt. Für letzteres würde ich später noch ein Beispiel einstellen.


    Zuerst also der Finne Fagerlund


    Aufgenommen im Konservatorium in Amsterdam (das alte ist ja mittlerweile ein Hotel) Es spielen Emma Roijackers, violin, Prof. Moriarty, viola und Amke te Wies, cello





    PS: Wo ich das Werk jetzt nochbeinmal in Ruhe gehört habe, werde ich unsicher. Die Farbigkeit der Werke ist schon etwas Besonderes und nicht wirklich eklektisch... Also xxx-modern?