Johann Strauss (Sohn) (1825-1899):
FÜRSTIN NINETTA
Operette in drei Akten
Libretto von Hugo Wittmann und Julius Bauer
Uraufführung am 10. Januar 1893 im Theater an der Wien
Personen
der Handlung:
Ninetta
Campocasso (Sopran)
Anastasia Knapp, Mutter von
(Sopran)
Ferdinand Knapp (Tenor)
Adelheid Möbius
(Sopran)
Prosper Möbius, Vater von Adelheid (Tenor)
Cassim Pascha (Bariton)
Lod Plato (Bariton)
Baron
Mörsburg (Bariton)
Emilio, Kellner (Bariton
Konsul Rübke (Bariton)
Ort und Zeit: Ein Seehotel in Sorrent (Italien) um 1890
Erster
Akt.
Sorrent,
in der Eingangshalle eines Hotels mit Blick auf den Strand.
Das Bild, das sich dem Publikum nach der sehr kurzen Einleitung und dem Öffnen des Vorhangs bietet, ist nicht ungewöhnlich für ein Strandhotel: Da sitzen an einem Tisch Adelheid und ihr Verlobter Ferdinand, an einem anderen der Baron Möbius. Auch der Kellner fehlt nicht, denn der, mit Namen Emilio, erklärt (mit dem Hotelier an seiner Seite) dem „gnädigen Herrn Baron“ gerade, dass das junge Paar am Nebentisch „noch heute heiraten“ möchte und zwar hier, im Hotel. Bräutigam Ferdinand ist gerade in Hochform und singt, dass er mit großer Freude seine Junggesellenzeit hinter sich lassen will. Der Gesang weitet sich zu einem Duett, den er fragt seine Verlobte nach ihrer Lieblingsfarbe: er zum Beispiel mag rote Rosen, seine Braut Adelheid bevorzugt die Vergissmeinnicht.
Inzwischen hat der Herr Baron ein Telegramm von einer Freundin erhalten, der Prinzessin Ninetta Campocasco, die ihn „freundlicherweise“ bittet, für sie ein Hotelzimmer zu reservieren. An dieser Stelle muss erklärt werden, dass Ninetta zwar die Witwe eines italienischen Prinzen, aber eine gebürtige Russin ist. Die erbetene Reservierung für diese Person ist für Baron Mörsburg kein Problem und insofern auch schnell erledigt.
Nach dieser kurzen Erklärung geht es weiter mit der Ankunft von jener Ninetta im Hotel. Sie ist allerdings gekleidet wie ein junger Mann und stellt sich als Carlino vor. Trotz der Verkleidung wird sie von Baron Mörsburg sofort erkannt, und die anderen weiblichen Gäste in der Hotelhalle sehen mit Interesse auf diesen hübschen jungen „Kerl“. Ninetta respektive Carlino bekommt hier ein Couplet zu singen, in dem behauptet wird, ein „Führer“ zu sein.
Es bleibt aber nicht bei diesen Szenen, denn gerade kommen die Eltern von Adelheid und Ferdinand in der Hotelhalle an: Anastasia Knapp ist Witwe und die Mutter von Ferdinand, während Adelheids Vater, Prosper Möbius, ebenfalls Witwer und Seidenfabrikbesitzer aus Österreich ist. Dem Publikum wird noch mitgegeben, dass Anastasia und Prosper in ihrer Jugendzeit ineinander verliebt waren, aber sich nicht ehelich verbinden durften - was man eindeutig als Standesdünkel bezeichnen kann. Die beiden stellen sich mit einem Duett vor, dass ein Loblied auf das Gastland Italien, auf seine Kultur und seine kulinarischen Spezialitäten ist.
Und wieder kommen Gäste, für ein Hotel in einer Ferien-Region nicht unüblich, nämlich ein gewisser Cassim Pascha und sein Diener Rustan, die mit einem Wanderzirkus unterwegs waren, in dem Cassim als Hypnotiseur auftrat und noch zusätzlich mit seinem starken Gebiss die Leine einer Trapezkünstlerin halten musste. Vor seiner Zirkuszeit war Cassim übrigens ägyptischer Finanzminister. Baron Mörsburg jedoch kennt Cassim als russischen Adligen namens Tatischeff, der angeblich nach St. Petersburg unterwegs ist, um dort seine Besitzungen zu kontrollieren. Weil Cassim momentan mit Kaftan und Fez einhergeht, wird er sofort von den übrigen Gästen des Hotels als „Türke“ identifiziert und auch so genannt. Aber er darf sich musikalisch äußern, indem er seine wirkliche Heimat besingt, wo Blut und Wodka fließen. Dass er sich außerdem als überlegenen Diplomaten sieht, dessen wahre Absichten niemand zu durchschauen vermag, darf man hier gerne als eine Operetten-Behauptung ansehen.
Die Hochzeitszeremonie ist dem Finale des ersten Aktes vorbehalten und die nimmt der aus Neapel angereiste deutsche Konsul Herr von Rübke vor. Den muss das Publikum als voreingenommen einstufen, denn von Rübke hatte, es mag ungefähr ein Jahr her sein, Adelheid Knapp einen Heiratsantrag gemacht, wurde jedoch abgewiesen. Das hat von Rübke bis dato nicht verdaut und insofern kann man auch sagen, dass ihn diese Hochzeitszeremonie nicht erfreut. Bei der Überprüfung der Ausweispapiere stellt der Herr Konsul fest, dass Ferdinands Mutter, Anastasia Knapp, im Pass als Anastasia Möbius eingetragen ist. Prosper erklärt, dass er sie halt am Vortag in Nizza geheiratet habe, womit man das junge Paar überraschen wollte. Genau das, überrascht zu sein, kann man nun den übrigen Anwesenden attestieren. Was der Herr Konsul jetzt auch noch feststellt, ist für das Paar unerfreulich: Ferdinand und Adelaide sind Halbgeschwister und dürfen deshalb gar nicht heiraten. Die einzige Möglichkeit, erklärt von Rübke, die Ehe schließen zu können, wäre, dass sich die Eltern scheiden ließen. Das ist aber auch nicht so einfach zu händeln, denn für eine Scheidung muss es triftige Gründe geben, nämlich Untreue oder körperliche Gewalt beispielsweise. Anastasia und Prosper Möbius denken jedoch nicht im Traum daran, sich scheiden zu lassen. Außerdem lehnen sie es ab, falsche Ausreden anzuwenden.
Zweiter
Akt.
Auf
der Hotelterrasse.
Ferdinand hat sich auf die Terrasse begeben und frönt seinem Hobby zu malen. Ein junges Mädchen, das man neugierig bezeichnen darf, hat als Ferdinand zu malen begann, ihn beobachtet. Schließlich geht sie sogar zu ihm hin und betrachtet sich das Bild; dabei erkennt sie Prinzessin Ninetta. Ferdinand ist irritiert, singt aber in einem Couplet, dass sich ein Künstler auch mal freuen darf, wenn seine Kunst gelobt wird.
Kellner Emilio lästert bei den Hotelgästen über einen fremden, geheimnisvollen Mann, der Touristen auf dem Weg zum Vesuv ausgeraubt und danach umgebracht haben soll. Von Rübke, der mit Lord Plato und Baron Mörsburg an einem Tisch auf der Terrasse sitzt, sieht plötzlich Ninetta kommen und macht seine beiden Gegenüber auf sie aufmerksam. Ninetta ist unschwer als eine hübsche Frau erkennbar und nicht mehr als junger Mann. Lord Plato würde sich gerne äußern, darf aber wegen einer Wette nicht sprechen und sagt, nachdem er von Ninettas Verwandlungskünsten erfahren hat, lediglich „Hm“. Konsul von Rübke hat noch etwas auf dem Herzen, wendet sich sich an Ninetta und warnt sie vor dem Räuber. Cassim Pascha tritt hinzu und bezeugt (beiseite gesungen), dass Ninetta eine wirklich bezaubernde Person sei. Direkt an Ninetta gewandt, bietet er ihr an, ihr das Verfahren des Hypnotisierens beizubringen und mit ihr zum Vesuv zu wandern. Sofort ist die Sache für Emilio klar: nur Cassim kann jener Räuber sein. Er nennt ihn sogar „Fra Diavolo“.
Ninetta, die plötzlich verschwunden war, kommt als Jüngling zurück und singt, zum Publikum gewandt, von der Tragik, als ein Mädchen geboren worden zu sein. Das erweckt in Anastasia eine gewisse Bewunderung, die sie aber nicht weiter verfolgt, weil plötzlich Cassim erscheint, der irgendwann mal erklärt hatte, dass er sich aus Frauen nichts machen würde, der aber jetzt, während er ein liebenswertes und reines Mädchen besingt, zum Strand geht, um Ninetta zu suchen. Als Cassim alleine vom Strand zurückkehrt, glauben alle Gäste des Hotels, dass er jener gesuchte Räuber und Mörder sei. Dass er außerdem als Türke angesehen wird, macht ihn ohne hin schon verdächtig genug. Irgendjemand, der im Finale des zweites Aktes mit vielen Personen nicht auszumachen ist, wirft ihm sogar den bösen Blick zu. Einmal so richtig in Fahrt, fordert die Gästeschar von Cassim, umgehend das Hotel zu verlassen. Leider, muss man für die Gäste konstatieren, funktioniert das nicht, denn Cassim hat das Hotel inzwischen erworben, kann also nicht rausgeschmissen werden. Er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er einem gewissen Carlino das Angebot unterbreitet, als Direktor des Hotels zu fungieren. Die Gäste reagieren aber nicht, wie es sich Cassim vorgestellt hat, sie rufen die Polizei und gleich noch einen Richter dazu, denen man erklärt, Cassim sein der Mörder von Nineatta, Carlino und der Fürstin Campocasso.
Dritter
Akt.
Im Bankettsaal
des Hotels.
Zur Eröffnung eines Balls wird eine Tarantella gespielt. Dann tritt der Hotelbesitzer Cassim auf und besingt die Vielweiberei im Walzertakt. Dem Walzerlied folgt noch ein Kinderballett in der Form er Neuen Pizzicato-Polka (die Strauß allerdings schon im Frühjahr 1892 komponiert hatte, lange vor Vollendung der Operette).
Vor allen Gästen räuspert sich der Baron Mörsburg über die charmante Ninetta, die alle männlichen Hotelgäste so fasziniert habe, in Wirklichkeit aber ein Mann sei, während der hübsche junge Kerl (nach dem sich alle Frauen umdrehen würden), wohl tatsächlich eine Frau. In diesem Moment gibt es einen nicht eindeutig zu identifizieren Knall: Anastasia hat ihren Ehemann Prosper eine Ohrfeige verpasst, worauf der Baron Mörsburg „Bravissimo! Damit steht der Grund für eine Scheidung fest!“ ausruft. Das bedeutet nichts anderes, als dass nun Cousin Ferdinand und Cousine Adelheid heiraten können. Aber auch Cassim und Ninetta stellen fest (was übrigens nicht weiter erläutert wird), dass sie verwandt sind, nämlich Cousin und Cousine und sich vollkommen unnötig um den Besitz in Russland streiten.
Quelle:

Eine schwedische Aufnahme ohne gesprochene Dialoge, was die Inhaltsbeschreibung etwas schwierig macht, weil man vom gesungenen Text auf die Handlung rückschließen muss. Das hat im Operettenforum schon Uwe Aisenpreis beklagt, hat sie aber insofern für wichtig erachtet weil man mit dieser Aufnahme die eigene Operettensammlung von Johann Strauß (Sohn) vervollständigen kann.
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