ANDRIS NELSONS MUSS BOSTON VERLASSEN

  • Abgang beschlossen: Der lettische Stardirigent Andris Nelsons verlässt im Sommer 2027 das Boston Symphony Orchestra. Man sei sich nicht einig gewesen, was die Ausrichtung des Orchesters angehe, heißt es in einer Erklärung vom Freitag.


    Auf eigenen Wunsch geht er nicht, das machte Andris Nelsons deutlich. In einem Brief an die Musikerinnen und Musiker des Boston Symphony Orchestra (BSO), aus dem die New York Times zitiert, drückte er seine Enttäuschung aus. Er habe diese Trennung keinesfalls gewollt, so Nelsons. Er fühle sich dem Orchester und der gemeinsamen Arbeit jedoch weiterhin verpflichtet.


    Das zu beweisen, dafür hat der 47-Jährige jetzt noch knapp eineinhalb Jahre Zeit. Im Sommer 2027 endet sein Vertrag als Chefdirigent des BSO, 13 Jahre nach seinem Amtsantritt. Dass man mit Nelsons nicht verlängert habe, begründete der Geschäftsführer des BSO, Chad Smith, damit, dass man sich nicht einig geworden sei, was die „künftige Ausrichtung“ des Klangkörpers angehe. Konkreter wurde Smith in seiner Mitteilung nicht.


    So plötzlich sie komme, so wenig überraschend sei diese Trennung, kommentiert die New York Times. Seine Auftritte mit dem BSO seien nicht immer glänzend gewesen, zumal in letzter Zeit. In Boston habe es schon länger Unmut darüber gegeben, dass Nelsons zu viel unterwegs sei. Der Lette ist immerhin einer der gefragtesten Dirigenten der Welt. Mit dem Leipziger Gewandhausorchester leitet er dazu noch einen zweiten Spitzenklangkörper.


    Für diesen wird Nelsons in Zukunft wahrscheinlich mehr Zeit haben. Erst letztes Jahr verlängerte er seinen Vertrag in Leipzig bis 2032. Aktuell ist er mit den Wiener Philharmonikern in den USA auf Tour. Auf sein Bostoner Orchester wird er erst am 19. März wieder treffen. Ob er sich dann nochmal zu seiner Abberufung äußert, bleibt abzuwarten. Aktuell blocke er sämtliche Interviewanfragen ab, berichtet die New York Times.


    Sendung: "Allegro" am 9. März ab 06:05 Uhr auf BR Klassik

    Sowohl die Berliner Philharmoniker als auch das Leipziger Gewandhaus-Orchester haben sich an die Seite des Boston Symphony Orchesters gestellt und Solidaritäts-Bekundungen nach Boston gesandt. In Leipzig ist Nelsons noch bis 2032 vertraglich gebunden.

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    MUSIKWANDERER

  • Seinen Shostakovich-Zyklus, der auch unbekanntere Were berücksichtigt, kann ich nicht beurteilen, aber weder der Brahms-Zyklus aus Boston und schon gar nicht der Bruckner mit dem Gewandhaus Orchester haben für mich neue Türen aufgemacht.

  • BR Klassik berichtet am 31. März 2026 unter der Überschrift: "Nach Rauswurf in Boston Nelsons erhält prominente Unterstützung"

    Selbst halte ich die Machtfülle von Dirigenten der Kunst abträglich. Reicht nicht ein prominenter Chefposten? Niemand ist so bedeutend, dass er gleich zwei wichtige Orchester nachhaltig prägen könnte. In meiner Wahrnehmung ist Nelsons mit den Jahren nicht besser geworden - allenfalls routinierter.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Selbst halte ich die Machtfülle von Dirigenten der Kunst abträglich. Reicht nicht ein prominenter Chefposten? Niemand ist so bedeutend, dass er gleich zwei wichtige Orchester nachhaltig prägen könnte.

    Es ist heute anders als früher zu Karajans Zeiten. Es gibt eine ganze Reihe führender Dirigenten, die zwei oder mehrere Orchester leiten bzw. dazu noch Opernverpflichtungen haben. Nelson ist da überhaupt kein Einzelfall. Dahin ist die Entwicklung gegangen. Man kann das gut finden oder nicht, aber so ist es. Offenbar zählt der "große Name" mehr als dass das Orchester einen Dirigenten verpflichtet, der nur exklusiv für es da ist. So glaubt man, international in der "ersten Liga" mitzuspielen. Problematisch ist, wenn in so eine Entscheidung das Orchester nicht einbezogen wird. Das finde ich schon sehr verwunderlich. No Kings?

  • . Es gibt eine ganze Reihe führender Dirigenten, die zwei oder mehrere Orchester leiten bzw. dazu noch Opernverpflichtungen haben.

    Solche Gepflogenheiten sollte man radikal abstellen. Es ist nich einzusehen, daß jemad gleich drei ode 4 Gehälter kassieren kann, wobei die zur Verfügung stehende Zeit nur für einen reicht (ähnlich auch bei Politikern !!!)

    Sowohl ein Orchester, als auch ein dazugehöriger Dirigent gewinnen durch "monogame" Verbindungen an Profil.

    Gegenüber den "großen" Dirigenten der Vergangenheit, deren Name mit dem eines Orchesters verbunden war sind die heutigen in meiner Wahrnehmung nur austauschbare Allerweltserscheinungen.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU