Karajan in Probe und Interview

  • Neulich kam im Forum das Thema Karajan aufs Tapet.

    An sich ist in hunderten Themen schon alles gesagt. Aber eben nur fast.

    Ich wollte heute mal Karajan zeigen, wie er(vermutlich) war: Kein machthungriger Medienmensch und Diktator, sondern ein kühl Kalkulierender Intellektueller und Planer

    Gerade das macht ihn bei einer gewissen Gruppe von Menschen unsympathisch: Dieses (berechtigte) Ausstrahlung der Überlegenheit

    Ander würden das schätzen -aber sie erfahren es nicht, weil sie durch das omnipräsente "Karajan-Bashing" und das Zerrbild, das oft von ihm gezeichnet wird - abgeschreckt sind.

    Hier möchte ich nun - in loser Reihenfolge - nicht chronologisch geordenet, clips von Orchesterproben oder diversen Interviews , jeweil ein Clip pro Beitrag, einfügen



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ein weiteres Interwiew: Hier entpuppt sich Karajan als genauer Beobachter und spöttischer Kommentator.

    Funktioniert nur mit Klick auf das Bild.



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Hier wieder bei einer Probe für eine Grammophonaufnahme. Ich sehe einen harten Arbeiter mit angenehmem Umgangston und sachlicher Präzision...




    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Karajan hatte ja icht nur Kritiker - sondern (mehrheitlich) Bewunderer. Vielleich kann dieser Videoausschnitt etwas von der Faszination zeigen, die dieser Mann herüberbrachte....



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ein weiteres Interwiew: Hier entpuppt sich Karajan als genauer Beobachter und spöttischer Kommentator.

    Funktioniert nur mit Klick auf das Bild.

    Das hat mir besonders gut gefallen. Diese thematische Fülle, die sich mit unglaublicher Souveränität darstellt. Besonders tief berührt haben mich die Äußerungen über Schostakowitsch. Mein Dank für die Übermittlung des Interviews geht an Alfred.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Hier wieder bei einer Probe für eine Grammophonaufnahme. Ich sehe einen harten Arbeiter mit angenehmem Umgangston und sachlicher Präzision...




    In diesem Video wird seine Klangphilosophie deutlich:

    "Nicht einen Ton neben den anderen setzen, sondern die zwei verbinden." (ca. 2.20)

    (Schumann-Probe Teil 1)


    Dieses Legato wendet er auch bei Mozart an und da passt es meines Erachtens nicht.

  • In diesem Video wird seine Klangphilosophie deutlich:

    "Nicht einen Ton neben den anderen setzen, sondern die zwei verbinden." (ca. 2.20)

    (Schumann-Probe Teil 1)


    Dieses Legato wendet er auch bei Mozart an und da passt es meines Erachtens nicht.

    Ja, das finde ich auch. Sehr eindrucksvoll auch Karajans "intime" Kenntnis der Spieltechnik der Violine. Er war eine Ausnahmeerscheinung, ein Dirigent, der nicht nur Handwerker war, sondern sehr genau wusste, was er wollte, eine eigene Klangästhetik hatte und die auch zu verwirklichen suchte. Wo die herkommt, ist auch klar: von Richard Wagner - eine Kunst des gleitenden, absatzlosen Übergangs. Bei Schumann passt das, hier gibt es das kontinuierliche Anschwellen und Abschwellen. Nicht nur bei Mozart, auch bei Beethoven aber nicht immer, so im Allegretto der 7. Symphonie, wo er genau damit gescheitert ist.


    Ich habe noch nicht die Zeit gefunden, in die anderen Videos reinzuhören. Auf jeden Fall auch besten Dank an Alfred für den Thread! :thumbup:


    Schöne Ostergrüße :angel:

    Holger

  • Lieber Alfred, auch von mir vielen Dank für das Einstellen.

    Ich bin nur über eins gestolpert: Karajan als

    ein kühl Kalkulierender Intellektueller

    Das ist eine mir neue Sichtweise. Kühl und kalkulierend vermutlich, aber "Intellektueller"? Üblicherweise wird er doch von Zeitgenossen und Begleitern als genau gegensätzlich beschrieben. Ich verweise hier nur mal auf einen Artikel im Tagesspiegel, verfasst vom ehemaligen Intendanten der Berliner Philharmoniker, Ulrich Eckhardt.

    Zitat


    Zur intellektuellen Diskussionskultur hatte er keinen Zugang, keine Neigung, keine Begabung. Er ist überempfindlich gegenüber kritischen Einwänden gegen seine Arbeit und Leistung. Angelegenheiten, für die er sich als Autorität betrachtet, stellt er nicht zur Debatte.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Das eine schliesst das andere durchaus nicht aus. Als Beispiel nehme ich hier gern Sir Isaak Newton, der auch mit anderen nicht diskutierte, sondern sich selbst als den wissenschaftlichen Nabel der

    welt betrachtet (was er ja auch war)

    Zitat

    "Angelegenheiten, für die er sich als Autorität betrachtet, stellt er nicht zur Debatte"

    Ich bin hier voll auf seiner Seite. Warum mit ein paar mittelmäßigen Typen diskutieren, die einem nicht mal das Wasser reichen können.


    Wenn ich mit jemandem diskutiere, dann muss ich den Gegner zumindest als annähernd gleichwertig akzeptieren

    "intellektuelle Diskussionskultur ist ebenso ein Erstzwort für "intellektuell", wie "soziale Intelligenz". Intelligenz ist stets neutral,

    kühl, und von Gefühlen unbelastet, teilweise auch unbarmherzig.


    Ulrich Eckhardt sil hingegen von Karajan als Kommunist gesehen worden sein, ein Gedanke der mit sogleich kam als ich seinen Lebenslauf verfolgte, allerdingsnicht beweisbar, weil allenfalls tendenziell(?)


    Wer in den Interviews Karajans analytische Beurteilungen nachliest, wird ihm wohl kaum 'Intellekt absprechen können.


    mfg aus Wien

    Alfred


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Intellekt würde ihm wohl niemand absprechen wollen. Nur ein Intellektueller mit Freude am intellektuellen Diskurs, der in der Diskussion mit anderen, die eigene Position abklopft, war er eher nicht. Insofern ist er eben kein Intellektueller. Was ja auch nichts Schlimmes ist.

    Zitat

    Der Wunsch nach Einsamkeit in freier Natur prägte seinen Charakter und war Ausgangspunkt des lebenslänglichen Strebens nach Unabhängigkeit, was allgemein irrtümlich als Machtbesessenheit gedeutet wurde.

    Und Ulrich Eckhardt (aaO) weiter (was dir zusagen müsste):

    Zitat

    Deshalb musste er sich selbst ein eigenes Königreich aufbauen – gegen alle gesellschaftlichen Maximen der Zeit. Er war ein Unzeitgemäßer in seiner Gegenwart und konnte oder wollte das nicht begreifen.

    Erinnert mich an Bismarcks Besuch im Hamburger Hafen.


    Ulrich Eckhardt kann ich bezüglich seiner politischen Orientierung (welche Bedeutung sie im vorliegenden Zusammenhang auch haben könnte) zwar nicht einordnen, aber ich habe in einem Nachruf der taz folgendes Selbstzeugnis gefunden:

    Zitat

    Wenn „Liberalität, Religionsfreiheit, Aufklärung, Humanismus, Emanzipation, Toleranz, demokratische Partizipation“ zu scheitern drohen“, schrieb er 2018 für das Buch „Über Mauern schauen“, so lasse sich von den Künsten lernen, „Höflichkeit, Empathie, die Fähigkeit zu differenzieren, zu schattieren, zu relativieren, Distanz zu sich selbst zu gewinnen, Reflexion über Ich, Selbst und Welt, sich nicht allein zum Maß zu nehmen, Werte anzuerkennen und daraus eine Haltung zu gewinnen (…)“.

    "Jein".

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