PAISIELLO, Giovanni: LA SERVA PADRONA

  • Giovanni Paisiello (1740-1816):
    LA SERVA PADRONA (Die Magd als Herrin)

    Opern-Intermezzo in zwei Teilen

    Libretto von Gennaro Antonio Federico

    Originalsprache: Italienisch


    Uraufführung am 10. September 1781 im Palasttheater von Zarskoje Selo (bei St. Petersburg) aus Anlass des Namenstages von Großfürst Alexander, dem späteren Zaren.


    Personen der Handlung:
    Serpina, Dienerin (Sopran/Mezzo)

    Uberto, ihr Dienstherr (Bariton/Bass)

    Vespone, Diener (stumme Rolle)


    Ort und Zeit: Italien im 18. Jahrhundert; Zimmer in einem vornehmen Haus.


    Erster Akt.

    Zimmer im Haus des reichen Uberto.

    Seit einigen Stunden ist der Hausherr schon auf den Beinen, wartet aber immer noch auf seine Dienerin Serpina, die ihm die Frühstücksschokolade servieren muss. Die Ungeduld Ubertos hörbar, denn er befiehlt seinem Diener Vespone, sie sofort zu suchen.


    Obwohl er ungeduldig ist, gehen seine Überlegungen dahin, sich selbst die Schuld an dem Benehmen Serpinas zu geben, denn er hat sie einst als ganz junges Mädchen bei sich aufgenommen und sie wie eine eigene Tochter verwöhnt. Tatsächlich ist Serpina auch schon dahinter gekommen, zu erkennen, dass Uberto von ihr abhängig ist, und das lässt sie ihren Ziehvater und seinen Diener Vespone auch immer wieder spüren.

    Als sie gerade mit Vespone das Zimmer Ubertos betritt, beschimpft sie ihn nicht nur, sondern fordert in herrischem Ton, als Herrin des Hauses respektiert zu werden, und geht so weit, Uberto und Vespone Schläge anzudrohen.


    Man sieht und hört es: Signore Uberto ist ratlos und ist außerdem so offen den Wunsch zu äußern, einen Spaziergang machen zu wollen (womit er offensichtlich dem Zorn Serpinas entgehen will). Doch die Magd denkt nicht daran, Uberto den Ausgang zu gestatten: wie eine Hausherrin verbietet sie Uberto den Gang mit der Begründung, es gebe schließlich schon bald das Mittagessen, und setzt dann spitz hinzu, dass er den Mund halten solle.

    Das ist Uberto aber nun zu viel, ihm platzt der Kragen und er beauftragt Vespone, ihm eine Braut zu suchen. Er sagt, dass selbst eine Harpyie* ihm lieber sei, als seine herrische Serpina. Die ist jedoch sicher, dass sie selbst die Auserwählte und zukünftige Hausherrin (und damit auch Ehefrau) sein wird.

    * Die Harpyie ist eine sehr große, kräftig gebaute Greifvogelart.


    Zweiter Akt.

    Gleiches Bühnenbild.

    Serpina hat sich einen Plan ausgedacht, wofür sie allerdings noch die Hilfe einer weiteren Person benötigt. Und es ist ihr tatsächlich gelungen, den Kollegen Vespone af ihre Seite zu ziehen. Serpinas Plan geht so:

    Um die Eifersucht Ubertos anzustacheln, kündigt sie ihm an, auch heiraten zu wollen; sie hat sogar schon einen Bräutigam mit dem interessant-stümischen Namen „Capitano Tempesta“ (Hauptmann Sturmgewitter). Serpina, siegesgewiss um ihren Plan besorgt, geht auf’s Ganze und weist Uberto darauf hin, wie sehr er sie vermissen werde, wenn sie nicht mehr da ist. Kann das bei Uberto wirken? Wird Serpina am Ende den Sieg davon tragen und die Regie als Hausherrin und Ehefrau Ubertos führen?


    Die Geschichte von der Magd als Herrin geht mit Serpinas Gang zu dem auserwählten Capitano Sturmgewitter zu Ende. Und als sie mit dem Soldaten vor Uberto steht, müssen wir feststellen, dass der die von Serpina angekündigten Regungen inzwischen schon erfahren hat, denn „beiseite“ denkt er an die magdlose Zeit und wer ihm dann wohl das Essen servieren wird? Serpina stellt Uberto ihren Bräutigam vor und der Hausherr nimmt einen bedrohlich wirkenden Militär wahr, der jedoch merkwürdigerweise kein Wort sagt, sondern nur mit Gesten auf Fragen reagiert. Das Publikum ahnt natürlich, dass in der soldatischen Verkleidung Ubertos Diener Vespone steckt.


    Serpina kommt nun mit ihrer Forderung, die da lautet 4000 Scudi Mitgift für die Ehe mit Capitano Tempeta oder Uberto muss sie ehelichen. Falls der jedoch nicht will, wie es Serpina und Tempeta wünschen, dann setzt es Schläge. Uberto ist so eingeschüchtert, dass er sein Einverständnis erklärt, Serpina heiraten zu wollen. Damit hat die Magd das erreicht, was sie schon immer wollte. Vespone legt seine Verkleidung ab und verschafft seinem Herrn damit einen Tiefschlag in die Magengrube. Ob am Ende wirklich alle zufrieden sind, wie es uns der Schlussgesang weismachen will, darf man bezweifeln…


    Quelle:

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    © Musikwanderer


    Anmerkungen:

    Der deutsche Titel von La serva padrona lautet für gewöhnlich Die Magd als Herrin. Es ist ein Opernintermezzo in zwei Teilen auf ein Libretto von Gennaro Antonio Federico, das schon 1733 von Giovanni Battista Pergolesi vertont worden war. Paisiellos Werk wurde am 10. September 1781 zur Feier des Namenstags des noch nicht vierjährigen Großfürsten Alexander, des späteren Zaren Alexander I, im Palast von Zarskoje Selo aufgeführt.

    Paisiellos Vertonung des fünfzig Jahre alten Librettos zeigt zwar in vielen Details eine große Ähnlichkeit zu Pergolesis Fassung, doch ist sie nach Meinung des Dirigenten Hans Ludwig Hirsch (der Paisiellos Intermezzo in der hier vorgestellten Fassung leitet), im Allgemeinen völlig neuartig“ und „in jedem Fall der Version seines genialen Vorgängers Pergolesi völlig gleichwertig“.

    Der Text wurde vermutlich von Pasquale Mililotti nach den Anforderungen Paisiellos überarbeitet. Unter anderem wurden einige Textpassagen ergänzt und andere umgestellt. Die Partie der Serpina erhielt eine zusätzliche Arie zu Beginn des zweiten Teils. Außerdem kam in jedem Akt ein Duett hinzu. Trotz der beibehaltenen Bezeichnung als Intermezzo handelt es sich bei dem Ergebnis um eine eigenständige kurze Opera buffa. Sie ist nicht, wie Pergolesis Werk, als Pausenfüller zwischen den Akten einer Opera seria konzipiert worden.

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    MUSIKWANDERER