CHERUBINI, Luigi: DÉMOPHOON

  • Luigi Cherubini (1760-1842):
    D É M O
    P H O O N

    Oper (Originalbezeichnung: Tragédie lyrique) in drei Akten

    Libretto von Jean François Marmontel beruhend auf Demofoonte von Metastasio

    Originalsprache: Französisch.


    Uraufführung am 2. Dezember 1788 in der Académie Royale de Musique


    Personen der Handlung:

    Démophoon, König von Thrakien (Bass)

    Osmide und Neade, seine Söhne (Tenöre)

    Astor, thrakischer Feldherr (Bariton)

    Dircé, seine Tochter (Sopran)

    Dircés kleiner Sohn (stumme Rolle)

    Ircile, Tochter des Königs von Phrygien (Sopran)

    Lygdame, Oberpriester des Apollo (Bass)

    Adraste, Offizier (Tenor)

    Chor/Statisten: Hofleute, Priester (m & w), Soldaten, Wachen, Diener, Sklaven, Volk.


    Ort und Zeit: Thrakien in sagenhafter Zeit.


    Erster Akt.

    Im Tempel des Apollo.

    Oberpriester Lygdame ist im Tempel mit Riten beschäftigt, die den Gott Apollo beruhigen sollen, weil der, wie in jedem Jahr, eine Jungfrau als Sühneopfer fordert. Zu gerne würde der Oberpriester dem Volk verkünden, dass Apollo befriedigt ist und von weiteren Opfern absehen will. Doch er muss - leider, wie er immer wieder betont - die Unnachgiebigkeit des Gottes verkünden. Was für den weiteren Gang und das Verständnis des Geschehens hier noch wichtig ist: bisher waren die Töchter des Königs (die in der Tragödie nicht auftreten) sozusagen sakrosankt, kamen als Opfergaben nicht in Betracht.


    Nun müssen wir über den Feldherrn Astor sprechen, denn der befürchtet, dass seine Tochter Dircé in Gefahr geraten könnte, als Opfer für Apolllo auserwählt zu werden. Und er sieht nicht ein, dass man die royalen Töchter grundsätzlich ausnimmt, während alle anderen weiblichen Kinder ganz normal in den Tod gehen sollen. Es gibt aber auch noch einen zusätzlichen Grund für Astors Befürchtungen und der hat einen Namen, nämlich Osmide! Der thrakische Prinz und Thronfolger ist, was aber niemand wissen darf, mit Dircé verheiratet, und beide haben sogar schon Nachwuchs, einen kleinen Sohn. Die Ehe geheimzuhalten hat seinen Grund in einem königlichen Gesetz, wonach es Mitgliedern des Herrscherhauses bei Strafe untersagt ist, nicht standesgemäße Personen zu heiraten. Prinz Osmide steht aber noch aus einem anderen Grund unter Druck: sein Vater Demophoon hat ihn für ihn die phrygische Königstochter Ircile als Gattin vorgesehen und das mit deren Eltern schon in frühester Kindheit vereinbart. Und diese Ehe soll in Kürze in der thrakischen Hauptstadt vollzogen werden, weshalb Ircile auch bereits auf dem Weg nach Thrakien ist. Demophoon würde, wie ein Sprichwort es formuliert, „aus allen Wolken fallen“, käme heraus, dass sein Sohn bereits eine Frau und beide sogar schon ein Kind haben, was ihn, Demophoon, automatisch zum Großvater machen würde.


    Zweiter Akt.
    Hafen der Stadt.


    Die phrygische Prinzessin Ircile ist im Hafen der Königsstadt angekommen und wird von der Bevölkerung freundlich und mit den üblichen Huldigungen für royale Personen begrüßt. Demophoon hat, wie jetzt zu erfahren ist, noch einen zweiten Sohn, der den Namen Neade trägt. Und dieser Zweitgeborene hat die Braut aus ihrer Heimat abgeholt, sozusagen wie ein Rosenkavalier agiert. Und, was nicht ungewöhnlich ist, Prinz Neade hat sich in die Phrygierin verliebt und hat sich getraut, der Prinzessin das auch während der Überfahrt zu gestehen. Dabei konnte das Publikum auch zur Kenntnis nehmen, dass Ircile vor Ort (in Thrakien) ziemlich enttäuscht von Verhalten ihres zukünftigen Gemahls war, denn der hatte sich noch nicht einmal die Zeit genommen, sie am Hafen willkommen zu heißen.


    Szenenwechsel: Königlicher Palast in Thrakien.


    Im Palast gibt es in der Folge noch mehr Aufregendes: Prinz Osmide fühlt sich durch die Braut und ihre Vorhaltungen in die Enge getrieben und gesteht seine Liebe und frühe Heirat zu und mit Dircé und auch, dass sie beide bereits Eltern sind. Nach diesem Geständnis kann Osmide nicht anders, als auf den Thron zu Gunsten seines Brudes Neade zu verzichten. Dabei ist natürlich noch nicht berücksichtigt, welche Gefahr allen Beteiligten bevorstehen könnte, wenn König Demophoon die ganze Geschichte erfährt. Der ist jedoch mit einem eigenen Problem beschäftigt, denn unverschämterweise hat sich Feldherr Astor hervorgewagt und öffentlich gefordert, auch die Königstöchter als Opfer für Apollo vorzusehen. Das hat Demophoon so aufgebracht, dass er anordnete, Astors Tochter Dircé als das diesjährige Opfer für Gott Apollo auszuwählen.


    Als hätten die Betroffenen, also nicht nur Dircé, sondern auch Vater Astor, ihr Schicksal geahnt, haben sie versucht, zu fliehen, wurden jedoch von dem Offizier Adraste und seiner Wache eingeholt und in den Palast zurückgebracht.


    Dritter Akt.
    Königlicher Audienzsaal im Palast.


    Nach reiflicher Überlegung hat sich Osmide entschlossen, seinem Vater die Wahrheit zu gestehen. Aber, wie das Publikum feststellen muss, nicht die ganze Wahrheit, denn dass er bereits verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, das verschweigt er - noch. Der König nimmt den Thronverzicht seines Ältesten zur Kenntnis und ernennt, wie es sich gehört, den Bruder Neade zu seinem Nachfolger und damit Kronprinzen. Und, einmal in feierlicher Stimmung, wird Ircile gleich zur Kronprinzessin ernannt, was implizit einer Ehe zwischen beiden gleichkommt.


    Dircé aber, die bei ihrem Verhör geschwiegen hat, wird derweil zum Opferaltar geführt. Osmide ist jedoch nicht untätig geblieben; er hat eine kleine Schar von Getreuen um sich versammelt, dringt in den Tempel Apollos ein, um die Opferung seiner Gemahlin zu verhindern. Dabei muss er feststellen, dass die Majestät bei der Opferung Dircés erstmals anwesend ist, und er bekennt seinem Vater die ganze Wahrheit. Mit deutlich sichtbarer Verzweiflung bittet er Demophoon um Gnade. Der stellt fest, dass es ihm nicht gegeben ist, gegen die Natur und die Familie zu handeln, er gewährt seinem Sohn diese Gnade und die Eheleute fallen sich weinend in die Arme. Mit des Königs Entscheidung ist auch der Spruch Apollos erledigt, denn das Orakel hatte seinerzeit verkündet, dass der Fluch gelöscht ist, wenn Kraft und Hochmut des Königs Anzeichen von Schwäche zeigen…


    © Musikwanderer

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    MUSIKWANDERER

  • Eine Gesamteinspielung gibt es m. W. nicht (?):


    Ouvertüre und eine Arie hier:


    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Die Oper " Demophoon" von CHERUBINI kenne ich nicht, wohl aber die Oper Demophon von JOHANN CHRISTOPH VOGEL, den von mir besonders geschätzten Nürnberger Komponisten. VOGEL lebte von 1756 - 1788 und wurde mit 17 Jahren Schüler von JOSEPH RIEPEL: Mit 20 Jahren ging er nach Paris und komponierte mehrere Opern, Sinfonien und Kammermusikwerke. Zunächst vertonte er das Libretto von METASTASIO und PHILIPPE DEORIAUX und hatte mit dieser Oper "La Toison d-Or", die er seinem großen Vorbild GLUCK widmete, großen Erfolg. Seine nächste Oper war "Demophon". Auch mit dieser Oper erntete er großen Beifall. - SALIERI und GLUCK lobten das große Talent VOGELsehr, und GLUCK prophezeite ihm eine große Zukunft. Leider erlebte er die Uraufführung nicht mehr, da er scon mit 32 Jahren starb. Vor allem die Ouverüre zu Demophon fand großen Beifall und sie wurde noch bis 1820 in Paris gespielt, und erwies sich als regelrechter Renner. Sie wurde auch vom CONCERTO KÖLN vor mehreren Jahren in Versailles gesipielt. Die Oper wird auch heute noch gelegentlich aufgeführt. JOHAN CHRISTOPH VOGEL galt in dieser Zeit zusammen mit CHERUBINI als eines der größten Talente der französischen Oper. Denkwürdigerweise komponierte auch CHERUBINI die gleiche Oper. VOGELs Oper wurde mehrmals aufgeführt. Leider erlebte er die Uraufführung nicht mehr, da er bereits mit 32 Jahren starb.


    Ich schätze auch CHERUBINI sehr, und immer wieder kann ich mich vor allem für die Ouvertüre zu seiner Oper "Anacreon" begeistern, ganz besonders in der Aufnahme durch KARAJAN mit den BERLINER PHILHARMONIKERN .



    wok

  • Cherubinis Oper Demophoon ist nur eine von vielen (mindestens 50) Vertonungen des Librettos von Metastasio - auch mit den Titeln Démophon, Demophontes, Dirce oder L’usurpatore innocente. Zu den bekanntesten Opern gehören die von Caldara, Vinci, Gluck, Jomelli, Graun und Hasse, aber auch Koželuh, Galuppi und Mysliveček haben den Stoff vertont. Das Libretto von Vogels Oper ist allerdings nicht von Metastasio, sondern eine Bearbeitung von Philippe Desriaux.

    Man könnte also den vorliegenden Opernführer noch enorm erweitern, aber es empfiehlt sich sehr, für jede(!) Oper ein eigenes(!) Kapitel zu erstellen, da nur so die Übersichtlichkeit gewährt ist.

  • „DÉMOPHOON“ (Luigi Cherubini)



    Es gibt zwei Aufnahmen (beide in französischer Sprache):



    Démophoon – Silvano Carroli / Osmide – Veriano Luchetti / Néade – Christer Bladin / Astor – Håkan Hagegård / Dircé – Linda Kelm / Ircile – Cecilia Gasdia / Lygdame – Carlo Del Bosco / Adraste – William Matteuzzi / A Magyar Rádió Énekkara (Der Chor des Ungarischen Rundfunks) / Chorltg.: Ferenc Sapszon / L’Orchestra di Roma della Radiotelevisione Italiana / Dirigent: Gianluigi Gelmetti (Perugia, Teatro Morlacchi, 26. 9. 1982). Eine konzertante Aufführung bei der 37. ‚Sagra Musicale Umbra‘, die von der RAI Rom aufgenommen wurde und auch im Hessischen Rundfunk zu hören war. Eine Veröffentlichung gab es beim nicht mehr existierenden niederländischen ‚Opera Club‘ (Fiori FI-1128). Demnächst soll die Aufnahme beim ‚Opera Depot‘ (OD 30155) auf zwei CDs erscheinen.



    Démophoon – Giuseppe Taddei / Osmide – Veriano Luchetti / Néade – Christer Bladin / Astor – Jean-Philippe Lafont / Dircé – Montserrat Caballé / Ircile – Margarita Castro-Alberty / Lygdame – Natale De Carolis / Adraste – Luigi Petroni / La voix de l’Oracle – Giovanni Gusmeroli / Une Prêtresse – Laura Musella / Un coryphée – Bernardino Di Bagno / Il Coro e l’Orchestra del Teatro dell’Opera di Roma / Chorltg.: Ine Meisters / Dirigent: Gianluigi Gelmetti / Bühnenbild: Luigi Quaranta / Kostüme: Dada Saligeri / Regie: Marise Flach und Luca Ronconi / TV-Regie: Franco Ferrari (Rom, Opernhaus, 17. 11. 1985). Der Video-Mitschnitt der TV-Sendung der RAI ist im obigen Beitrag Nr. 3 zu sehen. Eine Audio-Veröffentlichung gab es 1986 bei ‚Legendary Recordings‘ (LR 215) auf drei LPs, gekoppelt mit Ausschnitten aus „Simon Boccanegra“ mit Montserrat Caballé und Lando Bartolini, aufgenommen im Juli 1985 in Orange (Dirigent: Maurizio Arena).



    Carlo

  • Hallo Orfeo,


    Vielen Dank für Deine interessante Zusatz-Information zum Thema "Demophon". Es war mir bis jetzt tatsäch nicht bekannt, daß so viele Komponisten den Stoff zu "Demophon" vertonten. Es ist allerdings schon etwas ungewöhnich, daß die beiden Freunde CHERUBINI und VOGEL mit ihrer Oper offenbar in einen kleinen Wettbewerb traten. Immerhin hat dies offenbar ihrer Freundschaft keinen Abruch getan! Es kommt ja auch noch GLUCK als Schöpfer einer gleichnamigen Oper hinzuhinzu, VOGELs großes Idol und Förderer.


    wok