Der Pianist Alfred Brendel (1931-2025) hat einiges zur Musik veröffentlich. Er hat aber auch Gedichte geschrieben.
2003 erschien ein Gedichtband, 253 Seiten stark.
Spiegelbild und schwarzer Spuk
Man findet darin auch 16 Zeichnungen und Grafiken verschiedener Künstler, die bei Alfred Brendel an den Wänden hingen. Das Cover zeigt eines seiner Werke. Ein Finger tanzt aus der Reihe, weil es ein Finger aus Marzipan der Hof-Konditorei Demel in Wien ist. Für einen Pianisten ein in meiner Einschätzung makabrer Gegenstand.
In einem Interview mit der Berliner Morgenpost sagte Alfred Brendel: "Die Gedichte sind wirklich unverhofft gekommen - sie waren das schönste Geschenk meiner späteren Jahre."
Er hat in seinen Gedichten einen skurilen Humor. Alles mit Tiefgang, zuweilen bitter Schwarzer Humor. Überraschend. Nie ist er langweilig. Das dürfte ihm wichtig gewesen sein.
Musikerpersönlichkeiten kommen vor. Brahms, Gustav (Mahler), Beethoven, (Maurizio) Kagel, auch die Huster von Köln.
Dr. Lachmann und Dr. Witz (kein Witz), die Alfred Brendel den Blinddarm entfernt hatten.
Wer sich auf die Lektüre einlässt, bekommt viel geboten.
Alfred Brendel hatte eine eindrückliche Stimme. Auf zwei Doppel-CDs gibt es Lesungen
in Essen 21. Juni 2007, in Freiburg im Breisgau 10. Mai 2008, sowie in Marienmünster, 21. & 22. April 2009.
