Étienne-Nicolas Méhul
(1763-1817):
HORATIUS COCLÈS
Oper
(Originalbezeichnung: Acte Lyrique) in einem Akt
Libretto von Antoine-Vincent Arnault
Originalsprache: Französisch
Uraufführung
am 18. Februar 1794 in der Oper von Paris.
Personen der Handlung:
Valerius
Publicola, Konsul der römischen Republik (Bariton)
Horatius Coclès (Bassbariton)
Mutius Scévola (Tenor)
Der junge Horatius Coclès (Tenor)
Ein Botschafter von Porsenna (Bassbariton)
Chor/Statisten: Senatoren, Römer, Soldaten, Gefangene, Volk
Ort und Zeit: Rom in der Antike.
Einziger Akt.
Hintergrund der Handlung:
Im Senat von Rom, aber auch in der Bevölkerung, wird diskutiert und manchmal auch gestritten, ob man die gerade neu begründete Republik behalten oder zur Monarchie zurückkehren soll. Die Rom belagernden Etrusker wollen die Monarchie wieder herstellen, die Römer verteidigen ihr aktuelle Staatsform. Das beeindruckt die Etrusker, die deshalb von Weiterungen absehen, weshalb Rom eine Republik bleibt.
Eine Straße in Rom mit Blick auf den Pons Sublicius und das Grabmal des Brutus; in der Ferne das Lager Porsennas.
Zu Beginn des Einakters klagen Konsul Valerius und das römische Volk um den Tod des Brutus. Einer hat Einwände, nämlich Horatius, denn nach dessen Meinung müsste man die römischen Könige auf immer und ewig vertreiben, damit das Volk wieder in Freiheit leben kann. Eine nicht unwichtige Stimme in diesem Chor der Meinungen kommt von Muzio Scevola; der adlige Römer besteht darauf, dass nicht der römische König Tarquinius das Problem Roms sei, sondern der die Stadt belagernde etruskische Herrscher Porsenna. Es kommt zum handfesten Streit zwischen Muzio und Horatius, wem die Ehre zukomme, den Tyrannen Porsenna zu besiegen. Das ist für Valerius ein Grund, beiden die Unterstützung der Konsuln und des Senats zu versichern. Deshalb vertraut er sofort Horatius die Verteidigung der Stadtbrücke an, während er selbst das Heer anführen will, das die Etrusker angreifen soll.
Horatius stimmt seinen Kampf für die Freiheit mit einer Solo-Arie an. Plötzlich kommt ein Soldat mit der Meldung, dass Porsenna einen Unterhändler zu Verhandlungen gesandt habe. Und dieser „Diplomat“ hat als Beweis des guten Willens von Porsenna einige der römischen Gefangenen, darunter Horatius' Sohn, mitgebracht. Es wird jedoch schnell klar, dass sowohl Vater und Sohn Horatius das Friedensangebot ablehnen, weil sie sich dem Etrusker keinesfalls unterwerfen wollen. Das bedeutet natürlich, dass der junge Horatius in der Gefangenschaft der Etrusker verbleiben muss, und dass sich die Römer vor dem Grabmal des Brutus auf den kommenden Kampf einschwören, während sich die beiden Horaces voneinander verabschieden.
Die Truppen marschieren auf ihre vorbestimmten Plätze und Horace begibt sich zur Brücke. Seine kleine Abteilung Soldaten, die sich ebenfalls dort niederlassen wollten, schickt er jedoch in den Kampf, weil er die Stadtbrücke allein zu verteidigen gedenkt, ehe sie von den Römern zerstört werden kann.
Man muss sich als Zuschauer nun vorstellen, dass eine gewisse Zeit der Kämpfe Rom gegen die Etrusker verstrichen ist, als Muzio Scevola verkünden kann, dass das Heer der Etrusker unter Porsenna besiegt wurde und der Gegner sich zurückzieht. Die Römer sind sich sicher, dass ihnen die Freiheit nun gesichert ist. Konsul Valerius bringt den jungen Horatius zu seinem Vater und ganz Rom begeht den Sieg.
Anmerkungen.
1793/1794 kam es in Frankreich zur sogenannten Terrorherrschaft unter Robespierre in, der von den Künstlern erwartet wurde, dass sie Werke mit einem politischen Zeitbezug auf die damalige Gegenwart schufen. Aus diesem Grund wollten sich Méhul und Arnault offensichtlich die Gunst der damals Mächtigen sichern, ohne in den Verdacht der Illoyalität zu den Zielen der Revolution zu geraten. Nach 1794 kam es 1797 und 1798 noch zu neun Vorstellungen, ehe der Einakter in der Versenkung verschwand. Während der Zeit des napoleonischen Kaisertums hatte die Oper den politischen Akzent verloren und passte nun nicht mehr in die politische Wirklichkeit.
Im übrigen ist es interessant, dass hier keine weibliche Hauptrolle existiert und nur wenige Solonummern vorhanden sind. Dafür haben die Autoren mehrstimmige Ensemblesätze vorgesehen. Zu den heute noch bekannten Stücken gehört auf jeden Fall die Ouvertüre, die das Orchester der Bretagne unter Stefan Sanderling (mit anderen Ouvertüren von Méhul) eingespielt hat.
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