Étienne-Nicolas Méhul (1763-1817):
MÉLIDORE ET
PHROSINE
Oper
(Originalbezeichnung „Drame lyrique“)
Libretto
von Antoine-Vincent Arnault
nach
dem gleichnamigen „poème en quatre chants“ von Pierre-Joseph
Bernard
Originalsprache: Französisch.
Uraufführung am 6. Mai 1794 in der Salle Favart der Opéra-comique in Paris.
Personen
der Handlung:
Mélidore
(Haut-Contre)
Phrosin (Sopran)
Jule (Tenor)
Aimar
(Bariton)
Chor: Bauern, Seeleute
Erster
Akt.
Garten
mit Ausblick auf das Meer und eine Insel.
Zunächst muss man feststellen, dass es hier so wie in manchen Familien zugeht, denn Mélidore hat sich in die schöne Phrosine verliebt, darf aber nicht von einer glücklichen Zukunft mit seiner Liebsten ausgehen (um nicht „träumen“ zu sagen). Der Grund hat zwei Namen und die heißen Aimar und Jule; sie sind Brüder von Phrosine. Der eine Bruder, Aimar, hält den großen Standesunterschied für das wichtigste Ehehindernis. Bei Jule, dem jüngeren Bruder von Phrosine, ist es im Grunde genommen Eifersucht, denn er ist auch in Phrosine verliebt..
Es hat sich ein wesentlicher Teil der Familie also gegen Phrosine positioniert, was aber für das verliebte Paar nur von geringem Interesse ist, denn sie sind entschlossen, trotz der Widerstände der Brüder Phrosines zu heiraten. Es ist also nur folgerichtig, wenn der Plan des Paares auf eine Flucht auf eine der Nachbar-Inseln hinausläuft, denn dort soll ein Eremit leben, der sie trauen könnte. Allerdings hat Bruder Aimar die Fluchtpläne erfahren und sie zu verhindern versucht; dabei kommt es zu einem Handgemenge zwischen Aimar und Mélidore wobei Phrosines Bruder (scheinbar) tödlich verletzt wird. Aimars Freunde schwören Rache, worauf Mélidore, aber ohne Phrosine, flieht...
Zweiter
Akt.
Ufer
mit Felsgrotte und Ausblick auf Messina.
...und zwar auf die Insel des Eremiten, bei dem er Zuflucht suchen will. Hier muss Mélidore jedoch feststellen, dass der Eremit schon vor längerer Zeit verstorben ist. Eine Heirat mit seiner Phrosine kann also hier überhaupt nicht mehr vollzogen werden. Doch Mélidore kommt auf den Gedanken, die Identität des Eremiten anzunehmen. Wie das jedoch bei einer Trauung funktionieren soll, vermag momentan niemand zu erklären.
Inzwischen haben sich Jule und Phrosine auf die Suche nach dem Flüchtigen begeben und sind auf der Insel angekommen, was wohl Phrosines Idee gewesen sein dürfte. Auf der Insel finden sie schnell den (vermeintlichen) Eremiten, der ihnen erklärt Mélidore sei im Meer ertrunken. Das ist natürlich für Phrosine eine entsetzliche Nachricht und man sieht ihr die Bestürzung auch an. Plötzlich aber gibt es eine Veränderung in den Gesichtszügen der Phrosine: ihr kommt die Stimme des angeblichen Eremiten bekannt vor und es fällt ihr wie Schuppen von den Augen, denn sie erkennt, dass Mélidore der Eremit ist. Und diese Erkenntnis bringt beide dazu, sich zu nächtlicher Stunde an einem bestimmten Ort auf der Insel zu treffen. Diese Verabredung endet damit, dass Mélidore der geliebten Phrosine Lichtsignale geben will, damit sie sich auf dem Weg auch nicht verläuft.
Dritter
Akt.
Felsenpartie
am Meerufer mit Leuchtfeuer.
Zu Beginn dieses Aktes ist es Nacht und Mélidore zündet eine Fackel an, die als Lichtsignal für Phrosine diesen soll. Plötzlich setzt jedoch ein Sturm ein, der die Fackel zum Erlöschen bringt. Mélidore ist das Geschehen nicht ganz geheuer, er wähnt die Natur gegen sich. Als er ein Boot auf sich zukommen hört und kurz darauf auch sieht, glaubt er an eine gutes Ende der Liebesgeschichte, doch die Wahrheit zeigt sich, als der Insasse des Kahns sich als Jule erweist, der ihm zu seinem Leidwesen berichtet, dass Phrosine heimlich aufgebrochen sei, um, wie er beobachten musste, schwimmend zu ihm, Mélidore, zu gelangen. Die Frage, warum sie nicht das Boot genommen habe, beantwortet Jule mit dem Hinweis, dass er es ihre nicht erlaubt habe. Eine Nachricht, die verstörend auf den Mélidore einwirkt, ist ihm doch klar, dass wegen des fehlen Lichtsignals Phrosine sich verirrt haben könnte. Die Verzweiflung ist ihm anzumerken und er beschließt, sie zu suchen.
Er entledigt sich eines Teils seiner Kleidung und stürzt sich ins Wasser. Tatsächlich findet er Phrosine und bringt sie, zwar erschöpft, aber trotzdem jetzt glücklich, zurück an Land. Jule sieht ein, dass sein Widerstand gegen die Heirat von Mélidor und seiner Schwester zwecklos ist und ist mit der Eheschließung einverstanden. Zurück in ihrer Heimat stellt sich heraus, dass auch Bruder Aimar noch lebt; der nimmt sich an Jules Eheeinverständnis ein Beispiel und die Oper endet mit dem typischen Happy End...
Anmerkungen.
Die Musik ist
nicht nur durch
ungewöhnliche Schroffheit und
unerwartete melodische, harmonische und instrumentatorische
Wendungen, viele Tempowechsel, und reichlichen Gebrauch von Chromatik
interessant.
Formal ist das Werk eine Opéra-Comique mit dementsprechenden Dialogen, wenn Méhul sie auch explizit als Drame lyrique benennt. Diese gesprochenen Texte sind versifiziert und häufig durch überleitende Passagen mit den umgebenden Musiknummern verbunden. Zudem gibt es größere durchkomponierte Komplexe und motivische Verbindungen in Form von Erinnerungsmotiven.
Die Oper gilt als ein wichtiges Werk der frühen Romantik. Das Libretto fand zunächst nicht die Zustimmung der Zensur. In den Tagen der Französischen Revolution wurde von allen Künstlern erwartet, in ihren Werken politische Statements zu Gunsten der Republik einzubauen. Erst nach längeren Diskussionen und dem Einfügen einiger entsprechender Textstellen wurde das Werk letztlich zur Aufführung freigegeben. Der republikanische Funktionär Jean Baudrais, dem das Werk vorgelegt wurde, bestand beispielsweise darauf, dass das ursprünglich nicht verwendete Wort „liberté“ an mehreren Stellen eingetragen wurde.
Die Oper selbst stieß auf ein geteiltes Echo. Einige Kritiker sahen sie als Meisterwerk, für andere war sie zu kompliziert. Musikalisch galt die Oper für ihre Zeit als sehr gewagt. Dazu gehörten sowohl der Einsatz von Dissonanzen zur Steigerung der Dramatik und die herausgearbeitete Orchesterbegleitung zur Darstellung von extremen Gefühlszuständen. Auch die Themenverarbeitung und Motivgestaltung des Komponisten wurden als gelungen gelobt.
Zu den Bewunderern der Partitur und des Komponisten gehörte Hector Berlioz, der die Instrumentierung in höchsten Tönen lobte.
(Zuhilfenahme der Wikipedia)
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