Wolf Geisler: Empfehlungen

  • Nun, "Unverzichtbare" habe ich eher im Jazz, weniger in dem heutzutage (ziemlich unglücklich) brutal einfach als "Klassik" zusammengefassten Bereich, wo ich mir stets auch noch andere, gleichermaßen "gültige" Interpretationen denken kann. Insofern soll es denn hier bei "Empfehlungen" bleiben.


    Also sind dies solche, die ich zahlreiche bzw. -lose Male mir mit Genuss, Ergriffenheit, gelegentlich auch mit himmelhohem Jauchzen und Zu-Tode-Betrübt-Sein - all dem, zu dem Musik eben imstande ist - mir zu Gemüte geführt habe.

    Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit ist mehr wert als alle Reiche dieser Erde

    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)


  • Tschaikowkys Sinfonien 4-6.


    Hier geht es primär um die 6.

    Die 5. war mein "ernsthafter" Einstieg in die "Klassik"-Klangwelt (damals noch mit den Berlinern & Karajan), ich habe sie nun allerdings schon lange nicht mehr gehört. Was die 4. anbelangt, möchte ich doch entschieden dazu raten, nur den 2. und 3. Satz zu hören, sonst mag es wohl sein, dass man Tschaikowsky gleich aufgibt ;)


    Aber die 6.!


    Highlights gibt es bei solchen Aufnahmen schlicht zu viele zum Aufzählen... Daher belasse ich's hier mal mit einem allgemeinen Hinweis auf die Hörner im 1. Satz und die Klarinetten im 3. Satz.


    Die Tempovariationen sind beachtlich, aber bei diesem Werk durchaus angemessen.


    Wenn man hier "korrekte" Sonatenform erwartet, wird man mit dem 1. Satz nicht glücklich, denn das berühmte zweite Thema taucht in der offiziellen "Durchführung" gar nicht auf. Das muss man anscheinend eher als eine Art Lebensgeschehen hören ("Programmmusik" wäre sicher zu rigide gedacht), wie in diesem Zitat von Holger - dort über den 1. Satz von Mahlers 9. - dargelegt:

    Hier liegt doch eher der exemplarische Fall vor, dass sich die "Form" einem psychischen Geschehen (...) annähert: Aufbäumen, Zusammenbruch, wieder sammeln, dann wieder ein Aufschwung und Zusammenbruch.

    Von der Abfolge her ist es hier freilich anders herum ;)


    Erfreulich auch, wie in der UdSSR die Popularität dieses düster endenden Stücks den realsozialistischen Menschenschlächtern anscheinend zum Problem wurde - die wollten am selbstdeklarierten Ende der Geschichte wohl doch lieber die 5. mit ihrer "per aspera ad astra"-Dramaturgie haben :D

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)


  • Beethovens späte Klaviersonaten, Pollini, die berühmte Studioaufnahme 1977.


    Sollte ich zu dieser Aufnahme noch irgendwas sagen...? "Es ist schon alles gesagt - aber noch nicht von allen!"

    Nun gut, also, in diesem Sinne: Es gibt ein paar, naja, sagen wir ruhig Schnittfehler, wo das Klangbild wechselt, u.a. im letzten Satz von op. 101 (bei der Fuge), was auffällt, wenn man die häufiger hört (Dämpfer? Müsste ich nochmal die Noten schauen, aber es wäre eine sehr seltsam ausgewählte Stelle dafür...)

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)


  • Brahms Klavierstücke: Auswahl aus op. 116-119 und op. 76

    Glenn Gould


    Gould als Romantiker? Geht das gut? Nun, bei einem Kontrapunkt-Großmeister von Brahms' Kaliber - vorsichtig ausgedrückt: Ja :)


    Man höre op. 118-2 einmal normal - z.B. Katchen - und dann mit Gould. Wie nicht anders zu erwarten, hört man hier ganz deutlich noch die "Gegen"-Linie in der linken Hand - und das ist dann nur noch... Die ganze Eitelkeit menschlichen Strebens in knapp sechs Minuten Musik. Unglaublich :)

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  • Beethoven: Bagatellen op. 126

    Alfred Brendel


    Das ist anscheinend die aktuelle (2026) Brilliant-Ausgabe dieser Aufnahme (hat u.a. noch u.a. die Diabelli-Variationen, op. 33 Bagatellen u.a.; hier geht's aber nur um op. 126).


    Eindeutig "später" Beethoven, mit der jenseitigen Stimmung, die man bei fast allem nach (inkl.) der op.101-Klaviersonate vernehmen kann. Allerdings hier nicht als Sonate, sondern eher als eine Art notierte Fantasien mit mal mehr, mal weniger improvisatorischem Charakter, meist in ABA- bzw. AB(AB)A-Form, mit einem charakterlich entgegengesetzten Mittelteil.

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)

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  • Alexander Zemlinsky: Lyrische Sinfonie

    Tschechische Philharmonie unter Antony Beaumont, Franz Grundheber, Turid Karlsen


    Jemand sagte einmal, Zemlinsky sei den Modernen zu konservativ und den Konservativen zu modern. Das mag wohl das Problem bei ihm sein - ich finde hier sehr wenig, was nicht erstklassig ist. Allein der zweite Satz erscheint mir sowohl thematisch wie auch musikalisch (insofern passt es ja) immer wie ein Fremdkörper, auch wenn die textliche Kohärenz (eine Auswahl Tagore-Gedichte) natürlich sowieso nicht die ist einer zusammenhängenden Erzählung wie bei einer Opernhandlung. Ansonsten aber ein ganz wundervolles Stück, das ruhig viel bekannter sein könnte.

    Na immerhin, für einen der Nicht-100%-Standard-Kanon-Komponisten darf man das Werk wohl populär nennen...


    Ich bin kein Experte für Gesang, daher mag es wohl sein, dass die Vokalprofis noch etwas finden, was diesbezüglich nicht perfekt sein mag. Orchestertechnisch finde ich hier beim besten Willen nichts auszusetzen.


    Wer unbedingt Highlights braucht - das wären hier der erste Satz und der Schluss: "Ich neige mich vor dir - ich halte meine Lampe in die Höhe, um dir auf deinem Weg zu leuchten..." Das ist Wahnsinn :) Aber eigentlich ist sowieso das ganze Stück ein Highlight.

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  • Brad Mehldau - Elegiac Cycle


    "He! Das ist Jazz! Raus!" Na meinetwegen, weil Improvisationen ein wesentlicher Bestandteil sind. Aber ich sehe wenig Gründe, warum das nicht auch hier Anklang finden sollte. Mehldau hat auch ein wenig Brahms und Bach gespielt (die kenne ich noch nicht - ich habe immer Angst, wenn ich was von ihm höre, dass ich dann das Klavierspiel aufgebe).


    Eine Solopiano-Komposition und -improvisation, ein Zyklus kürzerer Stücke (bis ~10m).


    "Eine" Komposition? Naja, also eher nicht einfach "eine"... Mehldau ist ein Großmeister, und das hier ist ein Meisterwerk allererster Güte. Unter anderen ist "Resignation" ein ganz zauberhaftes Stück, an dem ich mich selbst ein wenig probiere - aber er hat Riesenpranken und kontrapunktische improvisierte Polyphonie auf einem Niveau, dass man wahrscheinlich mit spätestens zehn Jahren gezielt damit anfangen muss. (Ich habe mal selbst überprüft - er hat tatsächlich nur zwei Hände und keinerlei Extrafinger. Allerdings sind sie, wie gesagt, riesig.)

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  • Johannes Brahms: Klarinettenquintett op. 115 h-moll

    Hagen Quartett & Sabine Meyer


    Achtung: Das Hören dieses Werks kann dazu führen, dass man einen Instrumentenladen besucht, eine Klarinette erwirbt, dann aber leider feststellen muss, dass man auch ohne ein weiteres Instrument schon mehr als genug zu tun hat Der Verfasser des Posts übernimmt keinerlei Haftung für irgendwelche, insbesondere nicht derartige, Folgen, die das Sich-dem-Werk-Aussetzen beim geneigten Zuhörer bewirken mag.


    Brahms hatte eigentlich bereits das Komponieren beendet (mit dem zauberhaften Streichquintett op. 111), als er aber einen gewissen Richard Mühfeld antraf, welchen er fortan "Fräulein Klarinette" titulieren sollte und wessen Spiel ihn nun dazu bringen vermochte, auzusteigen aus seinem Kompositionsausstieg und sodann die Welt noch mit einigen Werke für Klarinette sowie den späten Klavierstücken (siehe die oben erwähnte Gould-CD) zu beschenken. Wir sollten Fräulein Klarinette dafür unendlich dankbar sein.


    Hier haben wir also das Klarinettenquintett. Es spielen das Hagen Quartett & an der Klarinette... Jörg Widmann. (Seltsam, ich war mir nahezu hunderdprozentig sicher, es wäre Sabine Meyer gewesen.)


    Bei JPC findet sich auch eine etwas ältere Rezension dieser CD.

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  • Bela Bartok: Streichquartett #1


    Auf der CD finden sich alle Streichquartette Bartoks. Die Bartok-Experten schätzen das fünfte am meisten - nun, als Laie ist es bei mir eben das erste.


    Wer es wagt ein Streichquartett zu schreiben, von dem wird erwartet - spätestens seit Beethoven - höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. Nun, Bartok hatte anscheinend kein Problem damit. Insbesondere der kontrapunktische erste Satz ist ganz großes Kino. Die Sätze gehen attaca direkt ineinander über; die beiden anderen Sätze haben einen völlig anderen Charakter, der letzte hat diese anscheinend typisch ungarischen Dissonanzen. Mag wohl sein, dass man sich erst ein wenig einhören muss, wenn man von einem enger gefassten 18/19.Jhdt.-Klassik-Hintergrund her stammt; doch man wird reich belohnt :)

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  • J.S. Bach: Violinkonzert für zwei Violinen BWV 1043

    Academy of St. Martin in the Fields unter Alexander Sitkovetsky,


    Noch gar kein Bach - Zeit, das nachzuholen.

    Nunmehr also vor der Aussprache einer offiziellen Empfehlung diese Aufnahme noch einmal gehört - und... Tja. Oh mein Gott. Da hätte ich ja fast vergessen, was für ein wundervolles Stück das ist.


    Den zweiten Satz habe ich damals für die Beerdigung meiner Mutter vorgeschlagen, die eine sehr gute Bach-Sängerin wurde (wenn auch nicht beruflich), nachdem sie einst mit Violine angefangen hat, aber diese aufgegeben hat - ihre Lehrerin wollte sie zu einer Profi-Geigerin machen, diesen Weg wollte sie aber nicht beschreiten.

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  • Olivier Messiaen: Préludes für Klavier

    Pierre-Laurent Aimard


    So, blicken wir nun auf einen ganz hell leuchtenden Stern am Kompositionshimmel des 20. Jahrhunderts: Olivier Messiaen.

    Dies ist Messiaens erste veröffentlichte Komposition. Tja, also, ganz ordentlich, würde ich sagen :D

    Wenn auch der Einfluss Debussys hier noch sehr deutlich zu vernehmen ist, hat es doch schon einen eigenen Klang.

    (...ich muss endlich mal Messiaens Buch lesen.)

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  • Olivier Messiaen: Éclairs sur l'au déla

    (Streiflichter über das Jenseits)

    SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg unter Sylvain Cambreling


    Springen wir nun zur letzten veröffentlichten Komposition Messiaens, geschrieben in den Jahren 1988-1991.

    Vor langer Zeit sprach Edwin Baumgartner, ein Komponist und Experte für die Musik des 20. Jahrhunderts (unter anderem) eine Empfehlung für dieses Werk aus, zum Thema "Schlüsselwerke des 20.Jhd."


    (... )sondern "Eclairs sur l'Au-delà", weil in diesem umfassenden Orchesterwerk alle Möglichkeiten des Messiaen-Stils integriert sind, also die, wenn man so will, üppige Süße der "Turangalila" bis hin zur quasi-seriellen Schreibweise der "Neumes rhythmiques".

    Man muss sich ein wenig mit der fremdartigen Harmonik Messiaens vertraut machen. Doch wer sich darauf einlässt, wird reich beschenkt. Alleine mit den Vogelstimmen-Sätzen vermag ich (immer noch) nichts anzufangen. Davon abgesehen ist dies eine höchst faszinierende Reise. Am Ende des Lebens noch ein Werk hören - das wäre dieses.

    (Der einzige ernstzunehmende Konkurrent, der mir einfällt, wäre Mahlers 9. Sinfonie.)


    Die SWR-Cambreling-Aufnahme gibt es auch in einer Sammelbox mit anderen Orchesterwerken Messiaens (8 CDs).


    Die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern/Metzmacher soll sogar noch besser sein, aber ist leider live aufgenommen - und die Éclairs mit Störgeräuschen? Unmöglich.

    (Gleichwohl, die wird nun dermaßen euphorisch gelobt, dass ich es wohl doch noch einmal probieren werde...)

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  • Gustav Mahler: Das Lied von der Erde

    New Philharmonia Orchestra unter Otto Klemperer, Fritz Wunderlich, Christa Ludwig


    Eine Art Sinfonie - oder auch ein Liederzyklus - mit abwechselnd Bass- und Sopran-Gesang. Man hört doch sehr deutlich, dass dies das Vorbild zur bereits erwähnten Lyrischen Sinfonie von Zemlinsky ist. Sehr eigentümlich sind die Proportionen; der letzte Satz ("Der Abschied") nimmt die Hälfte der Dauer des Werks ein.


    PS. Ein Hoch auf die Bassklarinette! :)

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  • Ludwig van Beethoven: Streichquartett Nr. 13 op. 130 (Originalversion)

    Hagen Quartett


    Eines der späten Quartette. Sechs Sätze.

    Am Schluss steht die Grosse Fuge - sicher Beethovens gewagtester Satz, wenn auch das Finale der "Hammerklavier"-Sonate nun auch nicht gerade besonders rücksichtsvoll mit den Erwartungen seiner Zeitgenossen umging.

    Weil diese auf Unverständnis stieß, hat er dann ein Ersatzfinale komponiert, das ist hier nicht mit drauf (ich halte auch nichts davon; in diesem Quartett wäre das nach der Cavatina ein völlig deplatzierter Antiklimax. Keine Ahnung, was sich Beethoven dabei gedacht haben mag. Vielleicht, dass die Nachwelt sowieso erkennt, dass das niemals ernst gemeint gewesen sein konnte, dass aber zumindest seine Zeitgenossen das dann eben in dieser verschnurpselten Form spielen, besser als gar nicht. Nun gut. Darüber gibt es einen Gelehrtenstreit seit nunmehr 200 Jahren ;))

    Der 5. Satz, die Cavatina, wurde 1977 auf dem Voyager Golden Record auf eine Reise ins Universum geschickt (dort vom Budapest String Quartet). Und diese Cavatina... Fast alle seine Spät-Klaviersonaten/Streichquartette haben eine spezifische jenseitige Stimmung, ja, aber diese Cavatina...! Doch was dort passiert, das in Worte zu kleiden, daran mag sich jemand anderes versuchen, der mit jenen besser umgehen kann. "Höre und staune" - das ist mein bescheidener Rat.

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)


  • J.S. Bach - Choral aus der Kantate BWV 147 (*nicht* 639, wie im Video angegeben): "Jesu bleibet meine Freude"

    Dinu Lipatti, piano solo


    Passenderweise sah ich eben auf der Hauptseite den Thread "KI - Quo vadis?". Nun, man kann es so formulieren: Sobald eine KI etwas wie dies hier schreiben kann - *dann* sind wir erledigt.


    Es gibt mehrere Einspielungen von Lipatti, das hier müsste die von 1950 sein, wiederveröffentlicht auf allen möglichen Labels.


    Dieser Satz ist so nahe an Perfektion, wie es sterblichen Menschen eben möglich ist. Für so wenige Töne die größtmögliche ästhetische Wirkung :) So etwas schreibt kein Mensch, dem ein angenehmes, ruhiges Leben ohne nennenswerte Tiefen vergönnt ist - ohne die damals üblichen verheerenden Ereignisse hätte er dies niemals schreiben können.

    (Nun sehe ich gerade, dass, wider meiner Erwartung, seine erste Frau Anna Barbara zum Zeitpunkt des Verfassens der Kantate 1716 noch am Leben war. Was mich nun wieder daran erinnert, dass ich endlich mal eine - oder zwei oder drei - Bach-Biografie(n) lesen muss...)

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)

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  • Alexander von Zemlinsky: Streichquartette Nr. 1-4

    LaSalle Quartett


    Abermals Zemlinsky. Von diesen Quartetten gibt es mittlerweile eine Reihe weiterer Aufnahmen (da müsste ich erst einmal reinhören, bevor ich eine Empfehlung aussprechen könnte).


    Das erste ist früher Zemlinsky, klingt eher noch nach Dvorak.

    Das "grosse" ist das Zweite.

    Bemerkenswert ist auch das vierte, verfasst anlässlich Alban Bergs Tod 1936. Neben allerlei anderen Kostbarkeiten gibt es einen Gesang für Cello solo - und als Abschluss dann eine furiose dissonante Fuge mit einem chromatischen Thema. Ich halte es für ein ganz wundervolles Werk :)Und wo ich nun hier diese Worte verfasse - da muss ich das doch glatt noch einmal wieder hören :)

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  • J.S. Bach: Ein musikalisches Opfer BVW 1079

    Musica Antiqua Köln, Reinhard Goebel


    Diese Interpretation ist zwar magisch, aber immer noch auch anders möglich.

    Was jedoch das Werk selbst betrifft - dieses ist nun tatsächlich "unverzichtbar" in meinem Kanon.


    Bach schrieb das "Opfer" nach einem Besuch am Hofe Friedrichs des Großen 1747, bei dem die Fugen-Improvisation über ein vom König vorgelegtes Thema seines Erachtens nicht so recht gelingen wollte, wie dies nun dem seiner Majestät angemessen gewesen wäre. "Opfer" ist hier nicht genau im heutigen Sinn zu verstehen, mehr i.S.v. "Gabe" oder "Geschenk".


    Die Aufnahme auf der CD beginnt mit der dreistimmigen Fuge und endet mit der sechsstimmigen Fuge, beide für Solo-Cembalo. Dazwischen liegen verschiedene Ausarbeitungen des königlichen Themas, bei denen das Thema mal mehr, mal weniger wiedererkennbar variiert und auf alle möglichen und unmöglichen Arten polyphonisch-kontrapunktisch verarbeitet wird.


    Dieses Post ist nun ein passender Ort, um mein Lieblingsbuch zu preisen. Wie Bach ist es ebenfalls unerschöpflich :)


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  • Beethoven: Klaviertrio Nr. 7 op. 97 "Erzherzog"

    Beaux Arts Trio


    Es heißt: "Beginne mit einem Erdbeben und steigere dich dann langsam."

    Ersteres ist hier ganz offensichtlich erfüllt. Letzteres klappt leider nicht. Aber das mag man, wenn man keine so rigiden Formerwartungen hat, auch anders sehen. Nun, wenn man einen erstklassigen Beethoven will, empfehle ich, sich auf den ersten oder die ersten beiden Sätze zu beschränken - leider geht der dritte direkt "attaca" in den letzten über, und dieser wäre wohl in einem anderen Kontext völlig akzeptabel, aber als Finale ist er hier leider völlig deplatziert.

    (Das Phänomen des unpassenden Finales gibt's bei Beethoven häufiger, z.B. bei der 8. Klaviersonate - der "Pathetique" - aber das hier ist der sicherlich extremste Fall.)


    Alleine, der 1. Satz separat gehört ist, tja, "der Himmel"? Bin kein Schriftsteller, also mag hier jeder seine ganz persönlichen Superlative einsetzen ;)

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  • Gustav Mahler: 9. Sinfonie (Arrangement für Kammerensemble)

    ensemble mini, Joolz Gale


    Da ich mich diesbezüglich Farinellis Urteil aus dem Mahler-9-Thread zu 100% anschließen kann, zitiere ich ihn hier einfach nochmal:

    Zitat von Farinelli

    In der Tradition von Schönbergs "Privataufführung"-Bearbeitungen für Kammerorchester, voilà Mahlers IX. Hervorgegangen aus einer Berliner Konzertreihe, eigens vom ensemble mini, das sich aus Mitgliedern der BPO rekrutiert, bei Klaus Simon in Auftrag gegeben, besticht diese grandiose SACD durch Transparenz oder Intimität nicht minder als durch expressive Wärme und Intensität. Ein aufgelichtetes Bläsercorps, solistische Streicher, Klavier, Akkordeon und Schlagzeug bestreiten die Partitur, der keine Note genommen wird. Die oft kontrapunktisch verschlungenen Stimmgewebe lassen sich perfekt verfolgen, die Nähe zu Schönberg ist überall hörbar. Und den Schlußsatz, jenes feierlich-religiöse Adagio, möchte man nie wieder mit einer dicken Streichersoße hören. Der junge Maestro, Joolz Gale, hat, was Dynamik und Feinabstimmung, aber auch die satztechnischen Herausforderungen sowie die architektonischen Bögen betrifft, Meisterhaftes geleistet. Eine Empfehlung!

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)


  • Gustav Mahler - Rückert-Lieder, Nr.3: Ich bin der Welt abhanden gekommen

    Christian Gerhaher, Gerold Huber


    Streichquartette machen die Auswahl schwierig - das Kunstlied hingegen macht's ganz einfach: Nur ein einziges? Dann dieses :)

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    (Gustav Mahler, Das Lied von der Erde)

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