Unbekannte Mozart-Noten in Paris entdeckt

  • Ein Archivar erlebt auch mal etwas Aufregendes. In diesem Fall ist es eine Sensation.


    In einem anderen Thread bemerkte ein Tamino-Mitglied zu Schuseligkeit im Archiv-Betrieb, wenn etwas durch falsche Ablage unauffindbar ist: "verlegt ist verloren".


    Manchmal wird auch etwas gefunden, von dessen Existenz man nichts mehr wusste. Eventuell wird einem Bestand nicht die Beachtung geschenkt, der es verdienen würde. Bis jemand genauer hinschaut.


    Der Mozart-Experte des Forums Ulli hat's natürlich bereits erwähnt. Verschollen, verschwunden und nur in Abschriften erhalten


    Ich finde, man kann einen eigenen Thread dazu eröffnen.


    Die ARD Tagesschau berichtet:


    In den Beständen von Frankreichs Nationalbibliothek in Paris ist ein bisher unbekanntes Mozart-Manuskript aufgetaucht. Das 44-seitige Notenheft enthalte sieben Stücke für Harfe und Flöte sowie Kompositionsübungen, erklärte der Konservator in der Musikabteilung, François-Pierre Goy.


    Eine unscheinbare Kladde entpuppt sich als Jahrzehnte-Fund: In Frankreichs Nationalbibliothek wurde ein Notenheft von Mozart entdeckt - ein wertvoller Einblick in seine Arbeit als Klavierlehrer.

    In den Beständen von Frankreichs Nationalbibliothek in Paris ist ein bisher unbekanntes Mozart-Manuskript aufgetaucht. Das 44-seitige Notenheft enthalte sieben Stücke für Harfe und Flöte sowie Kompositionsübungen.


    Die Aufzeichnungen entstanden demnach 1778 während des letzten Paris-Aufenthalts des Komponisten. Fachleute bewerten den Fund als eine der bedeutendsten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte.


    Der Archivar Goy entdeckte die in marmoriertes Papier eingefasste Kladde im Februar, nachdem er sich andere Unterrichtsmaterialien Mozarts angesehen hatte. Ihm seien die "rundlichen, leicht nach vorn geneigten Violinschlüssel" und die "anders als in Frankreich notierten Bassschlüssel" aufgefallen.Vergleiche mit anderen Manuskripten und das verwendete Papier hätten ebenfalls für die Autorschaft des österreichischen Komponisten gesprochen. Sie wurde später auch vom Mozarteum in Salzburg bestätigt.


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    Die Verwendung französischen Papiers und der Inhalt legen laut der Nationalbibliothek nahe, dass das Manuskript aus den Unterrichtslektionen stammt, die Mozart zwischen Mai und Juli 1778 in Paris erteilte. In dieser Zeit unterrichtete er Marie-Louise-Philippine de Guînes, eine französische Harfenistin aus einer adeligen Musikerfamilie, im Komponieren. Das Musikheft zeigt den jungen Lehrer Mozart somit in seiner täglichen Arbeit - einen bislang kaum dokumentierten Aspekt seines Schaffens. In dem Manuskript stehen Handschriften von Lehrer und Schülerin nebeneinander.Die letzte Übung blieb unvollendet, zudem sind die letzten sechs Seiten leer - als hätte die Arbeit abrupt geendet. Tatsächlich endeten die Unterrichtsstunden mit der Hochzeit der Schülerin am 26. Juli 1778.


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    Mozarts Handschrift: am "rundlichen, leicht nach vorn geneigten Violinschlüssel" erkannt.


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    Die neu entdeckten Stücke für Harfe und Flöte sind insgesamt etwa 20 Minuten lang und wurden bereits eingespielt. Das Werk soll am Sonntag bei einem Konzert in der Nationalbibliothek erstmals vorgetragen werden.


  • Mozarts Handschrift: am "rundlichen, leicht nach vorn geneigten Violinschlüssel" erkannt.

    Den schau ich mir ehrlich gesagt nie an; ich erkenne die Noten- und Handschrift auch so. Vom Schriftbild her (verglichen mit 299) ist das aber später als 1778 entstanden (meine bescheidene Meinung).


    :saint:

    Die neu entdeckten Stücke für Harfe und Flöte sind insgesamt etwa 20 Minuten lang und wurden bereits eingespielt. Das Werk soll am Sonntag bei einem Konzert in der Nationalbibliothek erstmals vorgetragen werden.

    Hoffentlich gleich mit den richtigen Instrumenten ... :untertauch:


    Es dürfte dann KV 722 werden (?)

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Lieber Ulli


    Es wird gewisse Eigenheiten der mozartschen Notenschrift und Handschrift geben, die du uns als Mozart Fachmann darlegen kannst.


  • In dieser Zeit unterrichtete er Marie-Louise-Philippine de Guînes, eine französische Harfenistin aus einer adeligen Musikerfamilie, im Komponieren.

    Das mag ja (gewesen) sein; dennoch sei die Frage erlaubt, warum dann die Flöte dazu?

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Lieber Ulli


    Die Mozart-Forschung wird eine Antwort dazu finden - oder auch nicht. Vielleicht lebte im Haushalt der Familie de Guînes jemand der Traversflöte spielte.


  • Da haben wir's ja, 14. Mai 1778:


    Zitat

    ich glaube, ich habe ihnen schon im lezten brief geschrieben, das der Duc de guines, dessen tochter meine scolarin in der Composition ist, unvergleichlich die flöte spiellt, und sie magnifique die Harpfe; sie hat sehr viell talent, und genie, besonders ein unvergleichliches gedächtnüß, indemm sie alle ihre stücke, deren sie wircklich 200 kann, auswendig spiellt. sie zweifelt aber starck ob sie auch genie zur Composition hat – besonders wegen gedancken – idéen, – ihr vatter aber der (unter uns gesagt, ein bischen zu sehr in sie verliebt ist) sagt, sie habe ganz gewis idéen, es seye nur blödigkeit – sie habe nur zu wenig vertrauen auf sich selbst. Nun müssen wir sehen. wenn sie keine idéen oder gedancken bekömmt (denn itzt hat sie würcklich gar – keine), so ist es umsonst, denn – ich kann ihr weis gott keine geben.

    Natürlich! Für die beiden hat WAM ja auch das Doppelkonzert KV 299 komponiert. Ich hatte das bloß irgendwie anders abgespeichert in meinem Archiv.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Es würde mich nicht wundern, wenn sich im gleichen Archiv auch die echte Sinfonia concertante verborgen hielt. Diese auszugraben wäre mal eine echte Sensation und mehr als ein „Ja, nett“ wert.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Ohne Handschuhe nimmt der Archivar (!) den Fund in die Hand - ein Sakrileg und absolutes No go. Man sieht es auch auf der Fotographie.


  • Ja, mir ist das auch aufgefallen; das kommt wohl öfters vor. Erst des neulichs sah ich irgendeine Doku, in der das auch so war und danach explizit gefragt wurde; allein, die Antwort habe ich verpasst. Wo war das denn, verdammt ... :/

    Ist das HIP oder kann das weg?

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  • Ohne Handschuhe nimmt der Archivar (!) den Fund in die Hand - ein Sakrileg und absolutes No go. Man sieht es auch auf der Fotographie.

    Ich gehe davon aus, dass der Archivar nicht im Original blättert, denn dieses neu entdeckte Werk, wurde schon diese Woche in der Maison de la Radio et de la Musique aufgenommen und wird am 21. Juni zum ersten Mal öffentlich aufgeführt. Die Musiker sind Mathilde Caldérini (Solo-Flötistin) und Nicolas Tulliez (Harfenist) vom Orchestre Philharmonique Radio France. Die von ihnen benutzten Notenblätter und die im Video gezeigten dürften also kaum die Autographen sein sondern Kopien.


    Das vollständige Werk wird exklusiv am 22. Juni um 15:00 Uhr auf France Musique als Teil einer speziellen „Mozart in Paris“-Sendung übertragen.

  • Die von ihnen benutzten Notenblätter und die im Video gezeigten dürften also kaum die Autographen sein sondern Kopien.

    So schnell macht man Facsimiles? 8-):/

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Das war das Original. Erkennbar am marmoriertem Papier des Einbandes, an den zerschlissenen Seiten und an der Registrierungsmarke des Archivs.


  • Hoffentlich gleich mit den richtigen Instrumenten ... :untertauch:

    Offenbar nein:

    Orchestre Philharmonique Radio France

    Verpasste Chance.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Verpasste Chance.

    War klar ... das klingt dann vermutlich so ähnlich wie die oben verlinkte synthetische Version, was verzichtbar ist:



    Damit verschiebt sich die Welturaufführung mal wieder

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Beurteilen kann man ein Ereignis erst nachdem es stattgefunden hat.


    Info von Radio France

    "Anlässlich der Fête de la Musique am Sonntag, dem 21. Juni (also heute) , werden Mathilde Caldérini (Soloflötistin) und Nicolas Tulliez (Harfenist) in der Salle Ovale der BnF Richelieu erstmals öffentlich die bislang unbekannte Partitur von Mozart aufführen. Die sieben Stücke für Flöte und Harfe werden danach am 22. Juni um 15 Uhr erstmals exklusiv und in voller Länge auf France Musique ausgestrahlt.

    Am Montag, dem 22. Juni, werden zudem um 8:00 Uhr in der Morgensendung von France Musique Auszüge vorab ausgestrahlt."


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  • Bei den Proben ändert sich der Klang, insbesondere der Flöte, nicht. Und Welturaufführung ist das für mich erst mit den richtigen Instrumenten. Das wird aber wohl kommen; wie letztes Jahr bei KV 648 ...

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Kommt wohl erst am 30. Februar 2027 ...

    YT war auch schonmal schneller ... *wirds*

    Zu 1.: hahaha

    Zu 2.: YT veröffentlicht nur Videos, die jemand dort postet. Ich könnte natürlich meinen Mitschnitt der Sendung und besonders die 19minütige Übertragung des Konzerts dort einstellen, verzichte aber darauf, um Ärger mit Radio France wegen Verletzung des Urheberrechts zu vermeiden.

  • Das hätte RF schon längst selbst machen können ... die posten doch sonst auch jeden Mist ...

    Ist das HIP oder kann das weg?


  • SEN-SA-TIO-nett ... 8-)


    Immerhin interessant: ab 9:15 lebt die Ouvertüre zu KV 35 wieder auf ... :/

    Und 13:05 der Marsch KV 215, der, so instrumentiert, zweifelsfrei gewisse Ähnlichkeiten mit dem 2. Motiv aus KV 299 I hat ... So dürfte wohl der Marsch KV 215 über das Unterrichtsheft Einzug in das Konzert KV 299 genommen haben:



    (Ab Sekunde 24)



    (Ab 2:54)

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Die Briefstelle die hier von Ulli zitiert wurde ist ein kleiner Auszug eines weitaus längeren Briefes. Dieser Brief ist recht interessant und bemerkenswert da er meines Wissens nach der einzige ist der etwas näher auf die Unterrichtstätigkeit eingeht. Ich habe diese Stelle hier mal woanders reingestellt (es ging da um Eberl und ob er Schüler Mozarts war glaube ich). Mozart versucht aus seiner Schülerin etwas herauszukitzeln aber "...es kömmt nichts". Was mich irritiert, dass die Boulevardmedien aus diesem schon längst bekannten Brief auch eine Neuentdeckung machen und vor 4 Tagen verkünden: "Verschollene Mozart-Briefe enthüllen völlig neue Seite" bei Schmierblättern wie Heute, oe24/Österreich oder exxpress. :rolleyes::no: Sieht man mal wieder wie seriös gewisse Medien arbeiten, dann hätte ich ja nämlich vor ein paar Jahren einen verschollenen Brief zitiert. :D


    Was die Komposition selbst anbelangt: Warum er für diese Besetzung komponierte geht wie schon erwähnt auch aus diesem Brief hervor. Aber ja...Flöte und Harfe...also meine Lieblingskombination ist das nicht. Diese Neuentdeckung mag sicher recht nett sein und für manche etwas bedeuten, ich werde mir das aber nicht ein einziges Mal anhören (dann lieber noch zum wiederholten Male eines seiner besseren Klavierkonzerte, Sinfonien, oder solche leider kaum im Rampenlicht stehenden, aber sehr interessanten Stücke wie KV 426 bzw. KV 546 ;))

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Flöte und Harfe...also meine Lieblingskombination ist das nicht.

    Da bin ich - nebst Mozart als Prominenz - ganz bei Dir. Sie könnten jetzt mal paar wirklich wichtige Sachen wie die Sinfonia concertante KV 297b finden, die müsste ja auch in der Ecke herumflattern ...


    Nichtsdestotrotz gibt das Heft ja Interessantes über die Kompositionstechnik Mozarts wieder (vgl. meinen vorigen Post).


    Freunde der Flöte-Harfe-Kombination werden daran sicher ihre Freude haben.

    Ist das HIP oder kann das weg?