Johann Sebastian Bach (1685-1750):
MATTHÄUS-PASSION
Ballett
in einem Akt
Choreographie und Ausstattung von John Neumeier
Uraufführung am 25. Juni 1981 in der Staatsoper Hamburg durch das dortige Ensemble.
Rollen:
20
Tänzerinnen, 21 Tänzer.
Im Hintergrund der Bühne ein erhöhter Teil, zu dem drei Stufen führen; rechts ein rot ausgeschlagenes Quadrat, sieben Bänke werden auch bei der Folterung und Kreuzigung Christi eingesetzt. Tänzerinnen in weißer Kleidung, Tänzer in weit fallenden ärmellosen weißen T-Shirts und weißen Hosen.
In der Bühnenmitte liegt, in Form eines Kreuzes, ein weißes Frackhemd. Nacheinander kommen Tänzer, männlich und weiblich, auf die Bühne. Aus dem Ensemble geht ein Tänzer auf das Hemd zu, faltet es sorgfältig und verlässt mit dem Hemd die Bühne. Aus dem Ensemble, das unterdessen auf den Bänken Platz genommen hat, löst sich ein Tänzer, geht nach vor und kniet nieder. Nun folgen weitere Tänzer, die einen Kreis bilden, der sich später auflöst. Kurz darauf kommt der Tänzer, der die Bühne mit dem Hemd verlassen hat, zurück; er hat jetzt das weiße Hemd an, was ihn als Jesus kennzeichnet. Er trägt einen Mann auf seinen Schultern, was den Getragenen als Judas, später als Pilatus ausweist.
Was nun folgt, soll die Passion Christi darstellen; es beginnt mit dem Abendmahl. Ausgehend von diesem Ereignis wird der Jesus-Tänzer von zwei Tänzern in Grau begleitet, was die Dreifaltigkeit symbolisieren soll. Im Folgenden wird der Verrat des Judas mitgeteilt (in Änderung des Matthäus-Evangeliums küsst hier Jesus den Judas), wird die Verurteilung durch die Juden, die Marterung und Kreuzigung bis zu Grablegung tänzerisch dargestellt. Das Schluss-Tableau ist eine Formation de Ensembles zu einer Reihe und dann Ausbildung dreier Kreise.
Anmerkung.
Was für viele Menschen wahrscheinlich unvorstellbar war, wagte zu Beginn der 1980er Jahre der Choreograph John Neumeier: Johann Sebastian Bachs monumentale Matthäus-Passion als eine Tanz-Vision auf die Bühne zu bringen. Entstanden ist ein spirituelles und inzwischen auch ikonisch gewordenes Ballett-Meisterwerk, das sich vor dem Erbe Bachs, aber auch der christlichen Kultur verneigt und zugleich die Verbindung zur Gegenwart
herstellen möchte. Neumeier begegnet der Musik des Thomaskantors als persönlichem Glaubenszeugnis – als Ausdruck menschlicher Leidens- und Lebenserfahrung.
Neumeiers Werk wurde in Gastspielen verbreitet: 1982 Berlin, Lausanne, Luxemburg; 1983 New York, Mannheim, Paris, Venedig; 1984 Chicago (Ravinia Festival), Frankfurt, Montreal, Salzburg, Toronto; 1985 Bergen, Helsinki, New York, Paris, Salzburg, Stuttgart; 1986 Hiroshima, Tokio; 1987 Berlin (Ost), Brüssel, Kopenhagen; 1988 Amsterdam, Milwaukee; 1990 Gütersloh; 1992 Dresden; 1996 Montpellier; 2002 Baden-Baden; 2003 Hongkong; 2004 Dortmund; 2005 Baden-Baden; Frankfurt; 2007 Oberammergau; 2009 Bonn; 2012 Leverkusen, Essen; 2017 Moskau; 2018 Friedrichshafen; 2022 Los Angeles.
Quelle:
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