Mozarts Oboenkonzert KV 293

  • Ob nun KV 314 zuerst ein Oboen- und dann ein Flötenkonzert war – oder umgekehrt, ist nachwievor strittig; es gibt jedoch bedeutende Hinweise darauf, daß KV 314 originär ein Flötenkonzert gewesen ist, wenn auch nicht in der heute bekannten Fassung. Darum soll es hier aber nicht gehen (dazu a.a.O. ggfs. ein andermal mehr).


    Hier geht es tatsächlich um ein echtes Oboenkonzert Mozarts, das leider – aus welchen Gründen auch immer – nie von Mozart selbst vollendet wurde; es handelt sich um das Fragment eines ersten Satzes in F-Dur KV 293. Das Fragment dürfte aus der Zeit der Parisreise (Mannheim/Paris) stammen, also 1778 verfasst worden sein (die Papiersorte spricht für Mannheim, die Verwendung von Clarinetten im Orchester für Paris). Kontakt hatte Mozart zu jener Zeit zu dem Oboisten Friedrich Ramm (1744-1813), der das legendäre „Ferledins“-Konzert (bis heute verschollen, da wohl nicht mit KV 314 identisch) „mit großem Lärm“ mehrfach spielte und dem der Oboenpart der ebenfalls verschollenen Sinfonia Concertante KV 297B zugedacht war; außerdem spendierte Mozart ihm später das Oboenquartett KV 370. Möglicher Weise hatte das Konzert einen anderen Oboisten als Ramm als Adressaten, wenn man auf die Clarinetten im Orchester abstellt, die auf Paris hindeuten, aber natürlich auch in Mannheim verfügbar waren – Christian Cannabich führte die Clarinette bereits 1774 im Mannheimer Orchester ein.


    Das Fragment besteht aus 70 Takten. Die Takte 1-50 umfassen das vollständig instrumentierte Orchester-Ritornell der Exposition, es folgen 11 Takte Oboen-Solo (die Oboe setzt schon 2 Takte zuvor hoch oben über dem Orchester mit gehaltenem c ein, baugleich der späteren Concertante Es-Dur für Violine und Viola KV 364), die uninstrumentiert sind. Die Takte 62-70 (auf separatem Blatt) konnten erst später, aber eindeutig, dem Fragment zugeordnet werden und beinhalten 2 Takte Melodie-Skizze Violine I sowie weitere Solotakte Oboe. Das war's leider; es reiht sich damit in die Zeit ein, in der sich Fragmente und Verschollenes zusammenballen.


    Offenbar hat die Zeit nicht gereicht, das Fragment – wie beispielsweise die Concertante A-Dur für Violine, Viola und Violoncello KV 320e oder das Konzert D-Dur für Clavier und Violine KV 315f – brauchbar für die incomplete Mozart Edition Philips 1991 zu komplettieren, es ist jedenfalls weder in Vol. IX (Bläserkonzerte), noch in Vol. XLV (Raritäten) enthalten.


    In einem kürzlich erschienenen Artikel des BR wird über die Ergänzung des bereits vor längerem vervollständigten Kopfsatzes durch den Komponisten Gotthart Odermatt um zwei weitere Sätze berichtet, was mich zu diesem Bericht ermuntern liess. Die Aufnahme des ersten Satzes mit Albrecht Mayer am hohen Holz ist schon vor einigen Jahren ganz unscheinbar erschienen:



    Zitat

    Mit einem Satz allein kann man allerdings noch kein vollständiges Konzertprogramm gestalten. Deshalb brauchten wir noch mehr. Wir haben lange überlegt, ob es andere Stücke von Mozart gibt, die sich dafür eignen würden. Am Ende kamen wir zu dem Schluss: Wir komponieren selbst einen zweiten und dritten Satz. Ich habe ihm damals Themen geschickt – für einen langsamen Satz und für ein Rondo als dritten Satz.

    Naja, das ist m. E. nicht erforderlich. Hören wir lieber, was Mozart hinterlassen hat und erahnen lässt, was hätte sein können (mit falschen kurzen Vorschlägen und modernen Instrumenten, leider):



    Tt. 1-50 Orchester-Ritornell: Original Mozart (0:00 - 1:42)

    Tt. 51-61 Soloeinsatz Oboe: Original Mozart (ohne Orchestrierung) (1:43-2:05)

    Tt. 62/63 erste Violine Original Mozart; 64-70 Solopart Oboe Original Mozart (2:06-2.22)


    Weitere Einspielungen bzw. Konstruktionsversuche sind mir bislang nicht bekannt geworden.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Es gibt wohl doch noch eine weitere Einspielung des Fragments in der Vervollständigung von Robert D. Levin:



    Ingo Goritzki, Oboe

    Polish Chamber Philharmonic
    Wojciech Raijski



    Hier - obwohl HUP - immerhin mit korrekten kurzen Vorschlägen. :S

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Das zweitaktige Eingangsmotiv scheint vermaledeit zu sein ... es kommt auch später im ebenfalls Fragment gebliebenen Allegro in F für Bassetthorn KV 484e vor:


    Ist das HIP oder kann das weg?


  • Nach meinem Kenntnisstand war das KV 314 urspünglich für OBOE komponiert, und entstand im Frühjahr/Sommer 1777 in Salzburg, geschrieben für den Oboisten GUISEPPE FERLENDIS. 1778 erhielt MOZART von dem Flötisten FERDINAND DEJEAN den Auftrag, für ihn 3 Flötenkonzerte zu komponieren. Da MOZART in Zeitnot war, transponierte er das Oboenkonzert in ein Flötenkonzert um, was ihm DEJEAN sehr verübelte. Lange Zeit hielt man das Flötenkonzert für das Original, doch entedeckte 1920 BERNHARD PAUMGARTNER im Archiv des MOZARTEUMS SALZBURG alle Orchesterstimmen der C-dur Fassung. In diesem Thread geht es zwar um das Oboenkonzert Kv 293, doch wenn jemand das KV 314 meisterhaft gespielt hören will, dann kann ich nur die bei "Classic for Pleasure" erschienene Aufname mit dem Doyen der englischen Oboisten, LEON GOOSENS und der SINFONIA OF LONDON unter COLIN DAVIS wärmstens empfehlen. GOOSENS war der von SIR THOMAS BEECHAM bevorzugte Oboist wegen seiner außergewöhnlichen solistischen Qualitäten. Gerühmt wurden vor allem seine Interpretatonen der Musik von BACH und MOZART, die vielfach als großartig gepriesen wurden, aber auch seine Aufführungen zeitgenössischer Werke. Später widmete er sich vor allem der Kammermusik zusammen mit GEORGE MALCOLM und YEHUDI MENUHIN.

  • Nach meinem Kenntnisstand war das KV 314 ursprünglich für OBOE komponiert

    Das ist m. E. korrekt, gehört aber nicht in diesen Thread.

    Ist das HIP oder kann das weg?

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