Ausschmücken oder dazu Improvisieren bei Musik der Klassik. Notwendig?, Erwünscht? oder nur Lästig?

  • Bevor ich jeden Satz mit „Ich finde“ oder „Meiner Meinung nach“ beginne, möchte ich hier festhalten, dass alles was ich hier schreibe meine persönlich Meinung widerspiegelt.


    Der Anstoss zu diesem Thread war eine Aufnahme von Haydns Sinfonie 56 von Antonini mit den Kammerorchester Basel. die Ulli in den Thread gestellt hatte. Der erste Satz klang sehr gut und überzeugend, so dass ich mir die ganze Sinfonie auf Spotify anhörte. Die Aufnahme war eine gute (generell mag ich Antoninis Dirigat), jedoch wurde im Finale so viel dazu gedichtet, dass ich das Stück kaum mehr erkannte und es irgendwie entstellt wirkte. Zwar gab es in den ersten drei Sätzen die eine oder andere Ausschmückung, aber die waren im Ramen des guten Geschmacks und änderten nicht die Identität des Stücks. Auch bei Feys Aufnahme gab es zu viel des Gutem im Finale. Aber wie viel soll ein Stück ausgeschmückt werden?


    Dass ein Solist, oder ein Spieler der gerade solistisch hervorgehoben wird ausschmückt, leuchtet ein und ist auch wünschenswert. Am deutlichsten ist die Aufforderung zum Improvisieren im Konzert, wo es fast immer eine Kadenz gibt bei der der Solist seine Improvisationskünste darbieten kann. Solche Kadenzen gibt es auch in einigen langsamen Sätzen von Haydns op 9 und op 17 Quartetten, wo die Musik auf den „Kadenz-Akkord“ landet (ich weiß leider nicht, was für ein Akkord es ist) und dem Primgeiger signalisiert ein wenig zu improvisieren. Hier gar nichts zu machen und einfach von Notenblatt weiter zu spielen, wäre ein Fehler. Ich habe solche Aufnahmen schon erlebt und sie sind genauso unbefriedigend wie die wo überimprovisiert wird. Interessant ist auch noch die Tatsache, dass zwei von den bemerkenswertesten Kadenzen auskomponiert wurden: Die Kadenz zu Bachs 5. Brandenburger Konzert, die weit über das damals übliche hinaus geht und das Cembalo (Bachs eigenes Instrument) zum zentralen Instrument des Stücks macht und die Kadenz in Haydns Sinfonia Concertante, die die Solisten Gruppe als unabhängiges Kammer Ensemble etabliert und vom Orchester abhebt.


    Eine Melodie etwas auszuschmücken, wenn man gerade eine Solopassage hat ist eine gängige Praxis, wie man bei vielen Trios der Menuette hören kann, bei der ein Instrument einen Solo spielt (meist die Oboe). Auch bei anderen Solos trifft man oft auf solche Mini Improvisationen. Die Frage die sich stellt: Braucht die Melodie das unbedingt? Vor langer Zeit schrieb ich über ein Vivaldi Konzert aus L‘Estro Armonico - op 3 Nr. 8 - in dessen Finale ein wunderschönes Violinsolo vorkommt. Es ist auch deswegen so schön, weil die Melodie sehr schlicht und einfach ist. Bei einer Aufnahme, die ich mir später zulegte wird diese Melodie mit lauter Verschnörkelungen überhäuft, so dass die schlichte Einfachheit der Melodie verloren geht. Beim ausschmücken lautet daher meine Divise: So viel wie notwendig und so wenig wie möglich.


    Problematischer ist das Improvisieren in Sinfonien von einem begleitenden Cembalo. Erstens handelt es sich um ein Instrument, das in der Partitur gar nicht vorgesehen ist und wo sich die Frage stellt ob es überhaupt dabei sein sollte (meiner Meinung nach nicht). Zweitens ist es auch zweifelhaft ob das begleitende Tasteninstrument ° überhaupt von den Zuhörern wahrgenommen wurde. Wenn der Komponist wollte, dass es gehört wird, dann hätte er das sicherlich in der Partitur notiert. Das einzige Stück (dass ich kenne) wo das der Fall ist, ist Haydns Sinfonie 98. Die Tatsache, dass Haydn diesen Solo in der Partitur ausschreibt, ist ein Indiz dafür, dass man damals eher nichts von dem begleitenden Tasteninstrument hören wollte. Sonst hätte er bei der Uraufführung den Solo einfach dazu improvisiert.


    Auch Fragwürdig finde ich das hinzu Dichten von Dirigenten bei gewissen Stücken. Das involviert meisten mehrere Spieler und so kann nicht wirklich von Improvisieren die Rede sein. Die zusätzlichen Einlagen von Hörnern und Pauken im Finale der oben erwähnten Sinfonie 56 ist so ein Fall, ein noch schlimmerer ist der Aufschrei des Orchesters bei Marc Minkowskis Darbietung der Paukenschlag Sinfonie. Es entstellt eine Aufführung die bis dahin sehr gut war und bringt nichts zu Haydns Musik. Seine Begründung dafür war, dass er denselben Überraschungsmoment wie bei der Uraufführung bringen wollte und da jeder den Paukenschlag kennt, hat er halt stattdessen das Orchester schreien lassen. Na ja… Grund dafür wird wahrscheinlich sein, dass die xte gute Aufführung eines Werkes nicht viel Aufmerksamkeit mit sich bringen wird, jedoch ein exzentrische Einlage schon. Ich finde es schade, weil Minkowskis Londoner durchwegs gute Aufnahmen sind, ausser die Paukenschlag Sinfonie und die Paukenwirbel Sinfonie, wo er seinen Pauker zu Beginn eine riesige Kadenz improvisieren lässt (ich mag den Wirbel).

    LG aus Wien.:hello:

  • Die Aufnahme war eine gute (generell mag ich Antoninis Dirigat), jedoch wurde im Finale so viel dazu gedichtet, dass ich das Stück kaum mehr erkannte und es irgendwie entstellt wirkte.

    Das halte ich für leicht übertrieben. Es wurden nur die Fermaten ausgeziert, das Notenmaterial Haydns wurde mithin nicht angetastet. Von „unerkennbar“ kann hier kaum die Rede sein. Da hast Du wohl noch nicht Mozarts A-Dur Sinfonie KV 201 mit dem {oh!} Ensemble gehört ...


    Ich finde es schade, weil Minkowskis Londoner durchwegs gute Aufnahmen sind, ausser die Paukenschlag Sinfonie und die Paukenwirbel Sinfonie, wo er seinen Pauker zu Beginn eine riesige Kadenz improvisieren lässt (ich mag den Wirbel).

    Das ist natürlich Quatsch und vermiest die Laune; hatten wir m. E. schon im Musikstück, über das niemand schreibt diskutiert ...


    ein noch schlimmerer ist der Aufschrei des Orchesters bei Marc Minkowskis Darbietung der Paukenschlag Sinfonie. Es entstellt eine Aufführung die bis dahin sehr gut war

    Auch da gebe ich Dir Recht; für so einen Mist braucht niemand Geld zu bezahlen. Wer den Paukenschlag als solches nicht versteht, soll was anderes hören.


    Grundsätzlich sind wir aber wohl einer Meinung: wo es angebracht ist, darf ein wenig - zu viel ist zu viel; die Frage ist, wie man das definiert. Am Beispiel Haydn 56 driften wir auseinander.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Ich muss zugeben, dass ich Antoninis Aufnahme der 56 schon lange nicht gehört habe. Kann sein, dass ich sie etwas harsch beurteile. Andererseits kommt Hogwood (mein Goldstandard bei diesem Werk) ganz ohne Ausschmückungen aus. Was Mozarts K 201 angeht, kenne ich die Aufnahme die du erwähntest nicht. Aber auch da würde ich ein zusätzliches Ausschmücken schade finden, ist doch die A-Dur Sinfonie vielleicht die beste aller Salzburger Sinfonien und braucht meiner Meinung nach nichts dazu gedichtetes.

    LG aus Wien.:hello:

  • die Frage ist, wie man das definiert.

    Das ist in der Tat verdammt schwer. Die Aufführung des Vivaldi Konzerts, die ich in meinen Beitrag erwähnte ist so ein kniffliger Fall. Die Auszierungen die Biondi da macht sind nichts unübliches und vielleicht beurteile ich das zu streng, besonders weil ich die Gesamtaufnahme Biondis von op 3 sehr gut finde. Andererseits finde ich die unangetastete Melodie, die bei Mariner zu hören ist, doch ansprechender.


    Ein andere solcher Fall ist der langsame Satz von Haydns As-Dur Klaviertrio Hob. XV Nr. 14. Die Melodie die Haydn für die Violine schreibt ist an Einfachheit und Schlichtheit kaum zu überbieten. Klar, dass sich so etwas für das Ausschmücken anbietet und ich habe eine Aufnahme wo das auch gemacht wird. Trotzdem bevorzuge ich die schlichte und einfache ungeschmückte Melodie. Ich glaube, dass hier der persönlicher Geschmack entscheiden muss.

    LG aus Wien.:hello:

  • Das Thema hat mich jetzt gleich an ein paar Aussagen von Alfred Brendel erinnert (aus "Ausgerechnet ich - Gespräche mit Martin Meyer"). Schon lange her wo ich das gelesen habe, aber das blieb scheinbar hängen.


    über Mozarts Auszierungen


    Zitat von Ausgerechnet ich - Gespräche mit Martin Meyer

    Brendel: "...Wenn wir die späten Konzerte ansehen, die oft nicht mehr für den Druck fertiggestellt wurden und in die man gewisse Dinge einfügen muß, dann sollten wir uns solche frühen Werke zum Beispiel nehmen. Ich meine, diese Denkart geht nicht ganz auf. Auch bei Johann Nepomuk Hummel und Phillip Karl Hoffmann nicht, zwei deutlich jüngeren Zeitgenossen Mozarts, die dessen Sätze so elaboriert und teilweise mit Noten überfrachtet haben, daß man ein Andante gar nicht mehr als Andante, sondern nurmehr als Largo spielen kann. So hat Mozart nicht ausgeziert. Es gibt genügend Elaborationen von Mozart selbst, die einem zeigen, innerhalb welcher Grenzen man verfahren darf"


    Gleichwohl stellt sich doch immer wieder die Frage für manche Klavierkonzerte wie man gerade die langsamen Sätze sinnvoll ausziert


    Brendel: "Allerdings würde ich da nicht so weit gehen wie manche 'historischen' Interpreten der heutigen Zeit. Man muß da vorsichtig bleiben und der Verlockung zum Improvisieren nicht immer nachgeben. Einerseits ist manchmal tatsächlich etwas nötig: Wenn etwa ein einfaches Thema mehrmals auftritt, ohne von Mozart verändert zu sein, so darf man selber etwas verändern. Wenn man aber andererseits beobachtet, wie diskret Mozart manchmal kleine und kleinste Varianten angebracht hat, dann kann man gerade davon viel lernen. Man muß gar nicht unbedingt viel machen. Denken Sie nur an das c-Moll-Konzert; im langsamen Satz gibt es die behutsamsten Veränderungen und Beleuchtungen des Themas, und dies genügt vollkommen. Wer da noch etwas hinzufügt, ist ein Bösewicht."

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

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  • Ich muss zugeben, dass ich Antoninis Aufnahme der 56 schon lange nicht gehört habe. Kann sein, dass ich sie etwas harsch beurteile.

    Ja, hör das nochmal entspannt nach.




    Was Mozarts K 201 angeht, kenne ich die Aufnahme die du erwähntest nicht. Aber auch da würde ich ein zusätzliches Ausschmücken schade finden, ist doch die A-Dur Sinfonie vielleicht die beste aller Salzburger Sinfonien und braucht meiner Meinung nach nichts dazu gedichtetes.

    Das Nichtkennen lässt sich leicht ändern ... und „Ausschmücken“ ... naja, ich weiß nicht, wie man dies hier bezeichnen würde - am Orchesterpart ändert sich eigentlich (und uneigentlich auch) nichts:




    Mir gefällt's verspielte Claviergeklimper überaus, zumal auch alle kurzen Vorschläge mal richtig gespielt sind. :S

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Das Thema hat mich jetzt gleich an ein paar Aussagen von Alfred Brendel erinnert (aus "Ausgerechnet ich - Gespräche mit Martin Meyer"). Schon lange her wo ich das gelesen habe, aber das blieb scheinbar hängen.

    [...]


    Brendel: "Allerdings würde ich da nicht so weit gehen wie manche 'historischen' Interpreten der heutigen Zeit. Man muß da vorsichtig bleiben und der Verlockung zum Improvisieren nicht immer nachgeben. Einerseits ist manchmal tatsächlich etwas nötig: Wenn etwa ein einfaches Thema mehrmals auftritt, ohne von Mozart verändert zu sein, so darf man selber etwas verändern. Wenn man aber andererseits beobachtet, wie diskret Mozart manchmal kleine und kleinste Varianten angebracht hat, dann kann man gerade davon viel lernen. Man muß gar nicht unbedingt viel machen. Denken Sie nur an das c-Moll-Konzert; im langsamen Satz gibt es die behutsamsten Veränderungen und Beleuchtungen des Themas, und dies genügt vollkommen. Wer da noch etwas hinzufügt, ist ein Bösewicht."

    Da hat er recht und dies auch vorbildlich im Mittelsatz vom z.B. KV 537 gezeigt. Im Mittelsatz des A-Dur-Konzerts KV 488 sollte man ähnlich vorsichtig gegen Ende umgehen (und nicht so prüde mit Einfinger-Adlersuchsystem wie Geza Anda u.a.).


    (ab Minute 6:00)


    (ab Minute 5:00)


    (ab kurz vor Minute 5:00; das kann schon - je nach Geschmack - zu viel sein ...)

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Danke für die Beispiele. Ehrlich gesagt finde ich Anda hier am Besten, er nimmt sich hier genauso zurück wie beispielsweise Gulda (meine persönliche Referenzeinspielung von KV 488). Aber warum finde ich es besser? Für mich ist das nicht nur ein melancholisch, langsamer Satz wie die anderen langsamen Sätze der Klavierkonzerte sondern eines der tragischten Sätze überhaupt von Mozart, das Hauptthema verkörpert für mich eine innere, kühle, resignierende Leere und Trauer und erinnert mich an eine Stelle aus dem Brief vom 30.09.1790 aus Frankfurt


    "...– wenn die leute in mein herz sehen könnten, so müsste ich mich fast schämen.

    – es ist alles kalt für mich – eiskalt – Ja, wenn du beÿ mir wärest, da

    würde ich vieleicht an dem artigen betragen der leute gegen mich mehr

    vergnügen finden, – so ist es aber so leer – adieu – liebe – ich bin

    Ewig dein dich von ganzer Seele liebender Mozart"


    auch wenn es zeitlich nicht in Zusammenhang steht (KV 488 wurde mehr als vier Jahre zuvor niedergeschrieben) zeigt es doch, dass er zumindest auch zu solchen Gefühlen fähig war, nicht immer der verspielte, witzige Kasperl wie er gerne gesehen wird und genau diesen emotionalen Zustand drückt für mich diese Musik aus. Deshalb passen hier Auszierungen für mich nicht weil sie wieder das Verspielte hineinbringen das ich hier nicht angebracht finde. Es schwächt diese kühle, leere Emotion ab...es ist halt eben kein steriler grauer Betonbau mit Blümchen an den Fenstern, sondern nur ein steriler grauer Betonbau. Hoffe das ist verständlich was ich meine. ;)


    Mir kommt aber noch viel eher der Finalsatz in den Sinn wenn ich an Auszierungen denke, aber meist sind es da nur Kleinigkeiten wie eine Vorschlagsnote. Wow, mein Notenheftchen von Eulenburg zeigt keine Taktzahlen an, wie schwach, das einzige Heftchen von Mozarts Klavierkonzerten wird es dann wohl auch von dieser Firma bleiben. :D Hab jetzt auf Youtube nachgeschaut, etwa bei T 273 (hoffe das stimmt, Nachtrag: ja lt. DME-Ausgabe ist es dieser Takt) da scheiden sich auch die Geister bei den Interpreten ob das A (Viertelnote, vor dem Gis) hier normal (wie etwa bei Perahia, orientiert an späteren Ausgaben) oder als eine Art Vorschlagsnote (wie etwa bei Gulda, orientiert an der Urtext-Ausgabe) gespielt wird. Klingt mikrig macht aber hier einen sehr großen Unterschied an Effekt aus. Oder der langsame Satz von KV 466, das Mittelthema, da gibt es ja diese absteigenden Achteln wo es die meisten dabei belassen und manche hier auch Vorschlagsnoten spielen oder wie in diesem Falle von Buchbinder eher ein sog. Praller (oder in der englischen Terminologie Mordent) eingebaut wird (den spielt er aber nur in der zweiten Wiederholung, somit noch o.k. aber nicht notwendig, vor allem markiert er den auch recht knackig könnte man sagen)


    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Danke für die Beispiele. Ehrlich gesagt finde ich Anda hier am Besten, er nimmt sich hier genauso zurück wie beispielsweise Gulda (meine persönliche Referenzeinspielung von KV 488).

    Die Entscheidung, die das unterfüttert, liegt m. E. in den damaligen Gedankengängen, bloß das heilige Original nicht anzutasten - das Auszieren haben sich nur wenige gewagt; selten kam das vor (Brendel), nahm dann aber mit HIP zunehmend Fahrt auf und hat seine Berechtigung (Beispiel folgt).


    Aber warum finde ich es besser?

    Je nach Ausführung des Satzes kann man das m. E. auch durchaus so puristisch wiedergeben; ich gebe Dir Recht, daß es eine gewisse - die von Dir beschriebene - Wirkung haben kann, wenn es auch m. E. nicht so intendiert ist; das Auszieren bei KV 488 II ist m. E. kein Pflichtprogramm, aber je nach gewünschter Wirkweise eine Option.


    Um auf das zugesagte Beispiel zurückzukommen:


    Mozart hat die Clavierparts seiner Konzerte oftmals nicht vollständig ausgeführt, nur angezeigt; besonders zeigt sich das im Kopfsatz des c-moll-Konzertes KV 491. Dort, wo sich der Notensatz quasi automatisch ergibt, hat er ihn nur angedeutet (oder gar nicht notiert), z.B. die Takte 261/262, besonders aber 467ff.


    Rubinstein (11:04) spielt nur, „was da steht“, was dann vergleichsweise „arm“ und leer klingt (man hört: da fehlt etwas!):



    Haskil z.B. bietet schon eine Mischform an, indem sie die Takte 467 und 468 weiterspinnt, 469 und 470 dann aber inkonsequenter Weise nicht (10:20):



    Previn führt es passend aus (10:52):



    Pollini folgt dem Ausführungsvorschlag der NMA (9:49)


    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Mir kommt aber noch viel eher der Finalsatz in den Sinn wenn ich an Auszierungen denke, aber meist sind es da nur Kleinigkeiten wie eine Vorschlagsnote. Wow, mein Notenheftchen von Eulenburg zeigt keine Taktzahlen an, wie schwach, das einzige Heftchen von Mozarts Klavierkonzerten wird es dann wohl auch von dieser Firma bleiben. :D Hab jetzt auf Youtube nachgeschaut, etwa bei T 273 (hoffe das stimmt, Nachtrag: ja lt. DME-Ausgabe ist es dieser Takt) da scheiden sich auch die Geister bei den Interpreten ob das A (Viertelnote, vor dem Gis) hier normal (wie etwa bei Perahia, orientiert an späteren Ausgaben) oder als eine Art Vorschlagsnote (wie etwa bei Gulda, orientiert an der Urtext-Ausgabe) gespielt wird.

    Mozart notiert die kurzen Vorschläge in der Regel wie folgt: durchstrichene Achtel vor Achtel, durchstrichene Sechzehntel vor Sechzehnteln, einfache Achtel vor Viertel oder Halben bzw. Viertel vor Halben (je nach Tempo) - also quasi stets einen Notenwert kürzer als die Folgenote. Mithin ist das hier eindeutig ein kurz bzw. kürzer zu spielender Vorschlag. Gerade auch, weil dies

    einen sehr großen Unterschied an Effekt

    ausmacht.


    Oder der langsame Satz von KV 466, das Mittelthema, da gibt es ja diese absteigenden Achteln wo es die meisten dabei belassen und manche hier auch Vorschlagsnoten spielen oder wie in diesem Falle von Buchbinder eher ein sog. Praller (oder in der englischen Terminologie Mordent) eingebaut wird (den spielt er aber nur in der zweiten Wiederholung, somit noch o.k. aber nicht notwendig, vor allem markiert er den auch recht knackig könnte man sagen)

    Hier müsstest du Dich bitte etwas präzisieren; ich kann nicht genau verorten, was Du meinst (den schnellen Mittelteil in g-moll?).

    Ist das HIP oder kann das weg?

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  • das Auszieren haben sich nur wenige gewagt; selten kam das vor (Brendel)

    Ein gutes und nachvollziehbares Beispiel ist hier der Mittelsatz von KV 537, in dem Mozart das Thema siebenunddrölfzig Mal wiederholt; da ist Phantasie gefragt.


    Langweilig:



    Sofronitzky erkennt sofort, daß eine monotone Wiederholung des Themas, das insgesamt vier mal quasi eins-zu-eins wiederholt wird, der Sache nicht guttut und ziert entsprechend jedes Mal anders - doch sehr verhalten - aus:



    Einfach das Gaspedal durchzutreten ist möglich, aber m. E. nicht zielführend:



    Brendel ist - abgesehen von der Instrumentenwahl und dem Umstand, daß der Satz in B- statt A-Dur erklingt („Ein Halbton (6% bzw. ca 25 Hz) daneben bedeutet andere Tonart, also anderes (falsches) Werk, mithin Totalschaden“ wie Ex-Tamino Khampan das mal zutreffend ermittelt hat) - sehr gut in der Wiederholung ab 4:07:



    Auch BuBi ist eher vorsichtig unterwegs, dafür aber gleich recht früh (ab 1:44):



    Bei KV 537 II kommt hinzu, daß Mozart die linke Hand zum überwiegenden Teil überhaupt nicht notiert hat, weshalb das Werk im neuen KV2024 sogar als Fragment tituliert ist; die meisten Pianisten folgen den Ausführungsvorschlägen der NMA (die so lala sind) und zeigen diesbezüglich wenig Eigeninitiative und Kreativität.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Für mich ist das nicht nur ein melancholisch, langsamer Satz wie die anderen langsamen Sätze der Klavierkonzerte sondern eines der tragischten Sätze überhaupt von Mozart, das Hauptthema verkörpert für mich eine innere, kühle, resignierende Leere und Trauer und erinnert mich an eine Stelle aus dem Brief vom 30.09.1790 aus Frankfurt

    Wo dieser "tragische" Charakter herauskommt, ist bei Artur Rubinstein. Unbedingt anhören! ;) :hello:

  • auch wenn es zeitlich nicht in Zusammenhang steht (KV 488 wurde mehr als vier Jahre zuvor niedergeschrieben) zeigt es doch, dass er zumindest auch zu solchen Gefühlen fähig war, nicht immer der verspielte, witzige Kasperl wie er gerne gesehen wird und genau diesen emotionalen Zustand drückt für mich diese Musik aus. Deshalb passen hier Auszierungen für mich nicht weil sie wieder das Verspielte hineinbringen das ich hier nicht angebracht finde. Es schwächt diese kühle, leere Emotion ab...es ist halt eben kein steriler grauer Betonbau mit Blümchen an den Fenstern, sondern nur ein steriler grauer Betonbau. Hoffe das ist verständlich was ich meine. ;)

    Das ist ein schönes Beispiel. Die Aufführung soll "lebendig" sein und dem Hörer eine lebendige Erfahrung vermitteln. Davon, was eine "lebendige Aufführung" ist, hatte das Publikum des 18. Jhd. allerdings eine andere Vorstellung und deshalb auch andere Bedürfnisse als wir heute. Musik sollte abwechslungsreich sein und die Langeweile vertreiben. Das ist die "Empfindsamkeit" der Zeit. Deshalb hat man Wiederholungen immer Desselben schwer ertragen - sie mussten also stets verändert werden durch Verzierungen und Improvisationen: Dasselbe durfte niemals zweimal auf dieselbe Weise gespielt werden. Und dabei hat man auch keineswegs immer darauf geachtet, ob dies der Musik gut tut oder nicht. Da ist der Vergleich mit der Oper sprechend: In Paris musste jede Opernaufführung Balletteinlagen haben - ob sie passend waren oder nicht, spielte keine Rolle. Das Publikum hat das so verlangt, sonst waren die Stücke nicht aufführbar. Schon Rousseau hat sich schrecklich darüber aufgeregt. ^^ Heute haben wir dieses Bedürfnis nach Abwechslungsreichtum nicht mehr, weil für uns auch das Hören von Mozart primär keine Unterhaltung mehr ist, sondern "ernste Musik". Folglich sind für uns solche Verzierungen allenfalls "interessant", aber wir haben danach kein Bedürfnis mehr, sondern empfinden sie eher als störend. :hello:

  • Ulli das sind ganz schön viele Beispiele und ich habe jetzt ehrlich gesagt keine Zeit die mir anzuhören, irgendwann dann in den nächsten Tagen. Ich möchte nur generell (auch für Holger) anmerken: Ich denke wir müssen bei all dieser Diskussion auch bedenken dass Pauschallösungen keinen Sinn machen, denn ich lese da irgendwie ein "entweder ist man generell dafür" oder "generell dagegen" heraus, also das Thema wird meinem Eindruck nach auf eine Meta-Ebene geholt. Ich bin sicher nicht generell gegen Auszierungen aber ich finde schon dass ein Interpret hier auf das Wesen eines Werkes Rücksicht nehmen sollte. Das Problem ist natürlich, dass das jeder auch etwas anders empfinden kann. Ich habe speziell dieses Beispiel von KV 488 II gewählt weil es meiner Empfindung nach einen emotionalen Ausdruck in sich trägt der sich nicht mit Auszierungen gut verträgt und diesen abschwächt, wenn das andere nicht so empfinden dann respektiere ich das natürlich und gut so dass es dann auch verschiedene Interpretationen davon gibt, das jeder das findet das ihn zufriedenstellt. Und ich weiß natürlich dass Mozart selbst immer wieder mal improvisiert hat, ob er es genau bei der besagten Stelle auch tat ist reine Spekulation. Sollte ich diesen Satz so begreifen wie er vielleicht gemeint war kann ich es mir jedenfalls schwer vorstellen.


    Zitat von Ulli

    Die Entscheidung, die das unterfüttert, liegt m. E. in den damaligen Gedankengängen, bloß das heilige Original nicht anzutasten

    Ich bin ja oftmals im Leben für den Mittwelweg und nicht für Extrempositionen. Wenn ein Interpret mit der Absicht herangeht sich da möglichst selbst zu verwirklichen ist es sicher auch nicht die Lösung, Gould hat das ja speziell bei Mozart auf eine andere Art und Weise auf die Spitze getrieben. Das mögen dann manche abfeiern, weil es ja vermeintlich so mutig "originell anders" und im positiven Sinne rebellisch gegen Konventionen ist und dabei die Intentionen des Komponisten etwas despektierlich missachtet werden. In diesem Fall wohl mit voller Absicht, manchmal auch weil einem vielleicht der Zugang dazu fehlt (aber wer wird das schon zugeben oder selbst bemerken? Ist so ähnlich wie sich wohl kaum ein Mensch selbst für dumm erklären oder dieses selbst feststellen wird. ;)) Aber solche Diskussionen gibt es hier sicher schon in einem anderen Thread zu Haufe. Jedenfalls sollten Auszierungen niemals um ihrer selbst willen, sozusagen als reines Statement gegen alte Konventionen eingesetzt werden. Ich bin da auch (deswegen habe ich es hier zitiert) vollkommen bei Brendel. Wo sich Themen und Motive einfach nur wiederholen kann es durchaus Sinn machen. Und ich tendiere dazu sein auf KV 491 II bezogenes Statement auch auf KV 488 II anzuwenden. Auch wenn das manche nicht so empfinden sollten, aber das ist meine Meinung. Vor allem besagte Stelle beinhaltet keine Wiederholung eines Motivs. Ich habe hier eher den Verdacht hier wird "rumgeziert" weil es für manche schwer auszuhalten ist wenn sich das Klavier einmal bewusst stark zurücknimmt. Und ich hoffe wirklich stark es ist nicht weil man sich einfach als toller Rebell hinstellen möchte der sich wagt "das heilige Original anzutasten" Dieser trivial, substanzlose Beweggrund wäre schon ziemlich niederträchtig, egal welches Musikstück und welchen Komponist es betrifft.


    Zitat von Ulli
    Hier müsstest du Dich bitte etwas präzisieren; ich kann nicht genau verorten, was Du meinst (den schnellen Mittelteil in g-moll?)

    Ich habe das Youtubevideo mit Zeitstempel verlinkt, genau die Stelle wenn man auf Play drückt. Aber vergiss die Stelle, das ist mir nur gerade in den Sinn gekommen, nichts besonderes um das man großartig diskutieren müsste.


    Bei der Vorschlagsnote können wir uns also einigen und auch hier hat mein Bauchgefühl schon immer gesagt, so wie manche besagte Stelle spielen passt es nicht zum Gesamteindruck des Satzes. Das ist schwer in Wort zu fassen aber was der Satz verlangt ist (im Gegensatz zum vorhergehenden, ein beabs. Kontrast) diese Verspieltheit, die Spritzigkeit, das Temperament und spielt man es nicht als Vorschlag dann schwächt das auch hier wieder deutlich ab (vielleicht ein blöder Vergleich aber mir fällt grad kein besserer ein, mit Vorschlag ist es ein Hüpfer ohne ein Hinker, und hinkende Effekte braucht dieser Satz wirklich nicht :S )

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Ich möchte hier noch etwas ergänzen, denn ich habe meinen Standpunkt aus Neugier auch mittels KI reflektieren wollen und was diese zu dieser Thematik meint. Eigentlich habe ich mir nicht viel davon erwartet aber deren Ausführungen bringen es wohl (leider) besser auf den Punkt als ich es konnte. Vor allem der letzte Absatz, warum kommt der nicht von mir? ;( Deshalb möchte ich es auch noch ergänzend hinzufügen. Aber daran sieht man wenigstens dass ich meine Texte nicht über KI verfasse (so salopp formuliert sie oft klingen hätte das wohl auch Niemand angenommen, aber sicherheitshalber gesagt ;)) weil der Stil weicht schon ziemlich ab. Wobei ich hier ChatGPT für die Fähigkeit bereits vorhandene Texte so auf den Punkt zu bringen beneide, hingegen versagt es m.M. meist doch, wenn es längere Texte nur aufgrund von wenigen Stichwörtern verfassen muss.


    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

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  • Ja, das ist (erstaunlich) gut formuliert. Ich denke, daß sich die Ausführenden (auch) von der jeweiligen Situation beeinflussen lassen (sollten) und nicht bloß nach geplantem Schema F abspulen: wie ist die Stimmung im Saal, wie ist das persönliche Befinden? Auszierungen sind durchaus eine persönliche Note, um es mal wörtlich zu nehmen.


    CPE Bach meint dazu in seinem „Versuch“, Teil I, Zweytes Hauptsück ziemlich derb:


    §2. So viel Nutzen die Manieren also stiften können, so groß ist auch der Schaden, wenn man theils schlechte Manieren wählet, theils die guten auf eine ungeschickte Art ausser ihrem bestimmten Orte und ausser der gehörigen Anzahl anbringet.


    §3. Deswegen haben diejenigen allezeit sicher gehandelt, welche ihren Stücken die ihnen zukommenden Manieren deutlich beygefügt haben, als wenn sie ihre Sachen der Direction ungeschickter Ausüber hätten überlassen sollen.


    Im Anschluß erklärt er fast unerschöpflich Detailfragen. („Manieren“ = Verzierungen, Ornamente).

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Ich habe das Youtubevideo mit Zeitstempel verlinkt, genau die Stelle wenn man auf Play drückt. Aber vergiss die Stelle, das ist mir nur gerade in den Sinn gekommen, nichts besonderes um das man großartig diskutieren müsste.

    {ah!} - dann lag ich richtig: Du meintest den g-moll-Mittelteil: da gibt es keine Vorschläge und auch keine Auszierungen, BuBi spielt hier die 16tel-Triolen (bei denen stellenweise die erste 16tel ausgespart ist; stumm-2-3: klingt allerdings tempobedingt in der Tat wie Vorschläge, sind aber keine) ganz korrekt; er macht allerdings eine kleine Auszierung (Triller bzw. Mordent) bei 19.28 (T 96: Note d im Bass). Finde ich an der Stelle ganz witzig, weil sich der moll-Teil hier eh auflockert ... der Sturm verzieht sich allmählich.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • er macht allerdings eine kleine Auszierung (Triller bzw. Mordent) bei 19.28 (T 96: Note d im Bass). Finde ich an der Stelle ganz witzig, weil sich der moll-Teil hier eh auflockert ... der Sturm verzieht sich allmählich.

    Genau den meinte ich, eine Kleinigkeit, hätte er das hier öfter und in allen Durchläufen eingefügt wäre es sicherlich total daneben, aber so als letzten dramatischen Schlusspunkt ist es o.k. Also es kommt immer darauf an wie maßvoll man mit seinen Freiheiten umgeht.


    So jetzt höre ich in die Stellen rein: Ja die Stelle klingt bei Rubinstein unfreiwillig komisch, als hätte das Klavier gerade Schluckauf. Da gehören 100%ig Auszierungen hin. Haskil auch noch zu wenig...du merkst ich bin kein verblendeter dogmatischer Verfechter gegen Auszierungen, aber ich entscheide nach meinem Empfinden wo etwas hingehört und wo es unpassend ist. Zwar ist hier Pollini noch am Besten, aber diese Rauf/Runterläufe empfinde ich hier ...naja es könnte bessere Effekte geben. Was für mich hier passender wäre wenn man von unten einen sehr schnellen (längeren) Terzgang in aufsteigender Linie praktiziert (quasi als würde man ein Gefährt beschleunigen) um diesen dann über einen Triller in das Tutti überzuleiten.


    KV 537 II ist ein gutes Beispiel wie differenziert man vorgehen muss. Dieser Satz hat einen komplett anderen Charakter als KV 488 II, ich wäre kaum so strikt wie bei diesem Satz weil nirgendwo verliert ein langsamer Satz Mozarts mehr wie bei diesem wenn man hier meint einfach nur Lücken füllen zu müssen. Also ich empfinde so und ich finde es sehr schade wenn das andere nicht so empfinden sollten, weil ich glaube schon damit gewinnt er mehr an Tiefe. Ich bin hier übrigens auch bei Sofronitsky, weil es eben auch subtil mit Geschmack ist und man merkt hier will sich keine selbst verwirklichen. Brautigam ist ja schon Allegretto würde ich meinen, zum. weit weg von Larghetto und selbst bei Andante wäre das schon ein flotter Schritt (wenn man das Schritttempo für Andante als Maßstab nimmt)


    Gibt es eigentich Hintergrundinfos warum Brendel sich dafür entschieden hat oder ist da irgendeine Panne bei der Aufnahmetechnik passiert? (vom Techniker falsch eingestellt, falsche Frequenzeinstellungen können auch zu anderen Tonarten führen) Für deinen BuBi hab ich nicht mehr Zeit da hineinzuhören, nur noch kurz in Holgers vorgeschlagenen Rubinstein.


    Zitat von Dr. Holger Kaletha

    Wo dieser "tragische" Charakter herauskommt, ist bei Artur Rubinstein. Unbedingt anhören! ;) :hello:D

    das Tempo ist schon mal gut, das nehmen ja einige leider m.E. nach etwas zu schnell. Hat hier ebenso keine Auszierungen, insgesamt auch sehr gelungen, wobei mir an besagter Stelle Gulda noch einen Tick besser gefällt, weil er dann bei den Holzbläsern nicht so stark an Anschlagsstärke zunimmt (was für Rubinstein dann vermutlich der dramatische Ausdruck ist) sondern es überwiegend bei der Aussage belässt, dass das Klavier quasi wenn es ein Mensch wäre den resignierenden, zaghaften Rückzug vollzieht, denn das ganze endet nicht gut, es ist niemand der gegen etwas im Pathos ankämpft, es ist keine tragische Geschichte mit Happy End, das ist jemand der mit diesen Emotionen im Begreifen ist dass es keinen Sinn mehr macht, kraftlos und erschöpft resigniert. Deshalb empfinde ich da Auszierungen wie "sorry war alles nur ein Fake, alles halb so schlimm" denn es unterwandert das Gefühl der bewussten Zurücknahme.


    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Gibt es eigentich Hintergrundinfos warum Brendel sich dafür entschieden hat oder ist da irgendeine Panne bei der Aufnahmetechnik passiert? (vom Techniker falsch eingestellt, falsche Frequenzeinstellungen können auch zu anderen Tonarten führen)

    Nein, nein - Du hast mich missverstanden; die Schuld daran gebe ich mir, da ich das nicht näher ausgeführt habe in der Annahme, dies sei klar: Brendel spielt - wie alle unHIPpen - bei a' = mindestens 440 Hz (oder gar höher). Die Stimmung zur Mozartzeit lag bei 421 Hz (+/-), im Barock noch weit darunter (z.T. 380 Hz) und regional verschieden, jedenfalls deutlich unter 440 Hz. Ca. 20 - 25 Hz Unterschied machen in diesem (ich nenne ihn mal: mittleren) Tonbereich ca. 1/2 Ton Unterschied aus. Für mich verfälscht es das Werk, da ich die alte Stimmung - in der es komponiert wurde - gewohnt bin (und auch hören möchte, da sie wichtig ist für den Charakter). Deswegen meide ich Einspielungen auf modernen Instrumenten, denn da klingt dann Es-Dur nach E-Dur und A-Dur nach B-Dur usw.


    Du kannst es an den gegebenen Beispielen leicht vergleichen (z.B. die Anfangstakte Sofronitzky vs. Brendel - Brendel klingt gleich viel heller, weil höher gestimmt).

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Solange verwendete Stimmtöne nur im Halbtonbereich abweichen, sollte das den Klangcharakter kaum verändern (da sind die Wahl der Instrumente und die Raumakustik wohl entscheidender). Nur Menschen mit absolutem Gehör sollten solch kleine Stimmton-Unterschiede wahrnehmen.

    Wer Leid und Unrecht tut, der ist an seiner Seele der Arme.

    (Louis Spohr)

    Ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft zeigt kein Gesicht.

    (Igor Levit)

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  • Nur Menschen mit absolutem Gehör sollten solch kleine Stimmton-Unterschiede wahrnehmen.

    Das ist m. E. Augenwischerei. Der Unterschied relatives Gehör ←→ absolutes Gehör ist m. E. der, daß der Absoluthörer auf a' = 440 Hz geeicht ist - mithin ist er auch Relativhörer, denn er benötigt zur Tonhöhenbestimmung auch einen Anhaltspunkt, kann dann aber den genauen Ton bei a' = 440 Hz hören. Für mich wäre ein Aboluthörer ein solcher, der nicht den Tonnamen (der nämlich dann relativ ist) benennen kann, sondern die extakte Frequenz oder (umschrieben): „Das ist fis' bei a' = 440 Hz“ oder „Das ist as' bei a' = 421 Hz“.


    Anders ausgedrückt: wenn Du dem Absoluthörer auf einem historisch gestimmten Instrument einen beliebigen Ton vorspielst, wird er den falschen Namen nennen; nämlich den, den er beim modern gestimmten Instrument hören würde.


    Ich höre jedenfalls, wenn die Zauberflöten-Ouvertüre oder Beethovens 5tes in E-Dur statt Es-Dur erklingt und das nervt mich.


    Fidelio E-Dur historische Stimmung:



    entspricht Zauberflöte Es-Dur in moderner Stimmung :wacko:



    Es-Dur in hist. Stimmung:



    :angel: Das Es-Dur klingt hier viel wärmer und feierlicher (wie es wohl auch gedacht ist; vielleicht sogar huldvoll): der Glanz der Blechbläser (aber sonst auch nichts) schimmert durch. E-Dur hingegen ist bereits lichtdurchflutet ... kein Schimmer, sondern strahlender Glanz.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • .Anders ausgedrückt: wenn Du dem Absoluthörer auf einem historisch gestimmten Instrument einen beliebigen Ton vorspielst, wird er den falschen Namen nennen; nämlich den, den er beim modern gestimmten Instrument hören würde.

    So sollte es nach meinem Verständnis vom absoluten Gehör (das ich nicht habe) auch sein.

    Eigentlich muss es für den Absoluthörer eine Qual sein, Musik zu hören, die nicht auf seinen Kammerton geeicht ist, zumindest, wenn er die Noten kennt oder mitliest.

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    (Louis Spohr)

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  • Eigentlich muss es für den Absoluthörer eine Qual sein, Musik zu hören, die nicht auf seinen Kammerton geeicht ist, zumindest, wenn er die Noten kennt oder mitliest.

    So ist es. Kurz mal ka-iert (oder wie man das jetzt nennt):


    Zitat

    Ja, genau das passiert in den meisten Fällen. Wenn ein Absoluthörer einen Ton in einer historischen Stimmung (wie dem barocken Chorton mit a' = 421 Hz statt der modernen Norm von 440 Hz hört, benennt er den Ton oft „falsch“ oder empfindet ein starkes Störgefühl.


    Hier sind die genauen neurologischen und praktischen Hintergründe, warum das passiert:

    Warum der Absoluthörer den Ton „falsch“ benennt

    • Starre Verknüpfung im Gehirn: Das absolute Gehör basiert auf einer festen, meist in der Kindheit gelernten Verknüpfung zwischen einer exakten physikalischen Frequenz und einem Tonnamen (z. B. 440 Hz = A).
    • Die Verschiebung um einen Halbton: Ein historisches A mit 421 Hz liegt fast exakt einen halben Ton tiefer als das moderne Standard-A (440 Hz). Es entspricht fast genau dem heutigen Ton As / Gs (Gis).
    • Das Resultat: Hört der Absoluthörer dieses historische A, meldet sein Gehirn sofort den Ton As oder Gis. Wenn das Musikstück aber in A-Dur aufgeschrieben ist, entsteht ein massiver kognitiver Konflikt.

    Die drei typischen Reaktionen von Absoluthörern

    1. Die „Falschbenennung“: Der Musiker benennt stur die Frequenz, die er hört (z. B. er hört ein Gis, obwohl das Orchester laut Noten ein A spielt).
    2. Das „Detonations-Gefühl“: Der Absoluthörer erkennt zwar das A, empfindet es aber als extrem unsauber, „zu tief“ oder schlichtweg „falsch“ intoniert.
    3. Physisches Unbehagen: Viele Absoluthörer berichten bei historischer Aufführungspraxis von Kopfschmerzen, Schwindel oder starker Irritation, weil das Gehörte nicht mit dem Notenbild zusammenpasst.

    Die Ausnahme: Das „Chameleon-Gehör“
    Einige wenige Absoluthörer besitzen ein sogenanntes multi-absolutes Gehör. Sie sind in der Lage, gedanklich zwischen verschiedenen Stimmtonhöhen (z. B. 415 Hz, 430 Hz oder 440 Hz) „umzuschalten“. Dies erfordert jedoch meist jahrelange Erfahrung im Bereich der Alten Musik und ist selbst unter Absoluthörern eine seltene Ausnahme.

    Folglich ist ein Absoluthörer auch ein Relativhörer, geeicht auf 440 Hz für den Kammerton (womit ich diese Fähigkeit keinesfalls abwerten möchte - ich finde es nur unglücklich formuliert). Für mich ist es eben umgekehrt eine Qual ... Es ist mir durchaus schon gelungen, ein bekanntes, aber selten gehörtes Werk - gespielt auf modernem Instrumentarium und in moderner Stimmung - nicht bzw. nicht sofort zu erkennen, weil ich es aufgrund des Klanges z.B. einer falschen Epoche und/oder Tonart zuordnete.


    Zu schweigen von den verschieden termperierten Stimmungen: da macht es dann einen Unterschied (für die meisten kaum wahrnehmbar), ob z.b. die Geige ein gis' oder as' spielt. Aber das hat jetzt mit dem eigentlichen Thema nichts mehr zu tun.

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Ich konnte mir diese Beispiele erst jetzt anhören, das ist schon sehr aufschlussreich! Bei Rubinstein fehlt definitiv etwas, das fällt aber erst im Vergleich auf. Die Lösung der NMA (Pollini) finde ich gut!

  • das Tempo ist schon mal gut, das nehmen ja einige leider m.E. nach etwas zu schnell.

    Interessant ist Horowitz. Er äußert sich konkret zum Tempo und sagt, dass Mozarts Briefen zu entnehmen sei, dass man den langsamen Satz zügiger im Tempo spielen solle. Als Kind nahm ihn seine Mutter mit zu Alexander Scriabin. Diese Anekdote erzählte er gerne. Scriabin sagte zur Mutter, dass ihr begabter Zögling nicht nur Klavier spielen solle, sondern vor allem Literatur lesen. Das hat er beherzigt. Das Tempo kann er spielen - Horowitz ist einfach magisch :) :



    Hat hier ebenso keine Auszierungen, insgesamt auch sehr gelungen, wobei mir an besagter Stelle Gulda noch einen Tick besser gefällt, weil er dann bei den Holzbläsern nicht so stark an Anschlagsstärke zunimmt (was für Rubinstein dann vermutlich der dramatische Ausdruck ist) sondern es überwiegend bei der Aussage belässt, dass das Klavier quasi wenn es ein Mensch wäre den resignierenden, zaghaften Rückzug vollzieht, denn das ganze endet nicht gut, es ist niemand der gegen etwas im Pathos ankämpft, es ist keine tragische Geschichte mit Happy End, das ist jemand der mit diesen Emotionen im Begreifen ist dass es keinen Sinn mehr macht, kraftlos und erschöpft resigniert. Deshalb empfinde ich da Auszierungen wie "sorry war alles nur ein Fake, alles halb so schlimm" denn es unterwandert das Gefühl der bewussten Zurücknahme.

    Gulda finde ich hier auch ideal. Ketzerisch gesagt: Mozart lag ihm vielleicht noch viel mehr als Beethoven. :D Bei Rubinstein ist anzunehmen, dass bei ihm die Erfahrung des Holocaust eine Rolle spielt. Ich müsste mir das mal wieder anhören. :D

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  • Interessant ist Horowitz. Er äußert sich konkret zum Tempo und sagt, dass Mozarts Briefen zu entnehmen sei, dass man den langsamen Satz zügiger im Tempo spielen solle. Als Kind nahm ihn seine Mutter mit zu Alexander Scriabin. Diese Anekdote erzählte er gerne.

    Bei solchen Behauptungen wäre ich sehr vorsichtig insofern derjenige der es behauptet nicht auch den konkreten Brief (mit Datum nennt) Ich kenne viele Briefe und kann mich an so eine Stelle nicht erinnern, habe jetzt auch die Liste der Online-Edition mithilfe KI durchsuchen lassen.


    Resultat der KI:


    Schlussfolgerung bezüglich Horowitz und KV 488


    Nach der Durchsicht der Mozart-Briefe von 1786 bis 1791 finde ich keine Briefstelle, in der Mozart sagt oder auch nur andeutet:

    • dass das Adagio des Klavierkonzerts KV 488 schneller gespielt werden müsse,
    • dass langsame Sätze grundsätzlich nicht langsam genommen werden sollten,
    • oder dass ein bestimmtes Tempo für KV 488 vorgeschrieben sei.

    Wo nimmt er Bezug zu einem Tempo in der Wiener Zeit? Etwa (und das könnte die einzige relevante Passage sein)


    9./12. Juni 1784 schrieb er an seinen Vater

    Ich lasse ihr [Anm.: seine Schwester] aber sagen, daß im keinen Concerte Adagio, son=

    dern lauter Andante seÿn müssen.

    Das heißt er hat erstmal sehr wohl zwischen Adagio und Andante unterschieden, der langsame Satz von KV 488 ist ja ein Adagio. Möglicherweise wurde dieser Satz (un)beabsichtigt fehlinterpretiert, indem vermeintlich Mozart alle langsamen Sätze als Andante gespielt haben wollte. Aber die berechtigte Frage: Wenn er das prinzipiell immer haben wollte, warum hat er die als Adagio vorgegebenen Sätze dann nicht auch gleich als Andante bezeichnet? Was hat er tatsächlich mit dieser Aussage gemeint? Die davor geschriebenen Klavierkonzerte KV 450 (15. März 1784), KV 451 (22. März 1784) und KV 453 (12. April 1784) haben tatsächlich alle ein Andante.


    Ich hab den gleichen Verdacht wie die KI, vielleicht suchte Horowitz eine historische Legitimation für seine eigene Vorliebe und erfand einfach eine bzw. deutete diese Briefstelle um, ist ja auch nicht ganz abwegig (wer hat damals schon alle in Frage kommenden Briefe durchsucht weil er an seiner Aussage zweifelte? und das man später mal so praktische Suchmöglichkeiten hätte das konnte Horowitz zu diesem Zeitpunkt nicht mal in den kühnsten Fantasien erahnen :D). Ich würde eher sagen diese Briefstelle unterstützt eher die Ernsthaftigkeit seiner Tempobezeichnungen und der langsame Satz von KV 488 ist nunmal ein Adagio und kein Andante. Gut, hoffe dieser Myhos ist jetzt auch geklärt 8);) aber nein im ernst: ich hätte gerne mit ihm darüber gesprochen um zu erfahren worauf er sich bezieht.

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Andreas Staier hat das Adagio des A-Dur Konzertes kürzlich auch etwas zügiger eingespielt als zumeist üblich (6:32) - schon beim Reinhören fallen die Verzierungen auf.


  • Wie bei fast allen ähnlichen Dingen (ZB Flexibilität im Tempo) ist das Problem hier, dass es extrem auf den Einzelfall und die konkrete Ausführung ankommt. Man kann Stücke fast zerstören, aber eben auch erst richtig lebendig machen. Oder manchmal ist es halt ganz nett, wäre aber auch nicht nötig gewesen.

    Ich habe neulich eine Anzahl Aufnahmen von Beethovens Quartett op.18/4 gehört. Nur das "Schuppanzigh-Quartett (Anton Steck) macht eine kleine Kadenz an einer Fermate im Finale. Das Finale ist ja eine Art "Gypsy-Rondo", dabei aber mE vgl. mit entsprechenden Stücken Haydn ein bißchen "steif"/"quadratisch" und besagte Interpretation hat mir von allen am besten gefallen, weil sie diesen "Komm Zigan, spiel mir was vor"-Charakter wenigstens einigermaßen (da könnte man vermutlich eher noch mehr machen!) umgesetzt haben.

    Dagegen haben mich andere Verzierungen auch schon genervt, wobei ich gerade nur ein Bsp. weiß, Zinman/Zürich, Beethoven: 2. Sinfonie. IIRC sowohl in der Einleitung, da ist es mir relativ egal als auch im larghetto, Triller oder Doppelschläge o.ä. in den Holzbläsern eingefügt, was m.E. die "edle Schlichtheit" der Larghetto-Melodie zerstört.


    Beethoven ist sicher fast immer jenseits der Grenze und schreibt ja sogar teils Kadenzen verbindlich aus. Bei Mozart verlangen sicher einige Stücke (besonders Klavierkonzerte mit teils sogar unvollständigen Soloparts) wesentlich mehr Auszierung, als wir meist (noch) gewohnt sind. Aber es gibt auch schon Stücke, den man m.E. mit zu viel davon die Linie oder die Atmosphäre nehmen kann. (Z.B. adagio Klarinettenkonzert, ich weiß nicht, ob da manche stark auszieren und habe auch meine Einspielungen nicht überprüft, aber das sollte eben wie das o.g. Beethoven-larghetto eine liedhafte Schlichtheit behalten und nicht die geläufigen Finger eines Solisten herausstellen).

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich hab den gleichen Verdacht wie die KI, vielleicht suchte Horowitz eine historische Legitimation für seine eigene Vorliebe und erfand einfach eine bzw. deutete diese Briefstelle um, ist ja auch nicht ganz abwegig (wer hat damals schon alle in Frage kommenden Briefe durchsucht weil er an seiner Aussage zweifelte? und das man später mal so praktische Suchmöglichkeiten hätte das konnte Horowitz zu diesem Zeitpunkt nicht mal in den kühnsten Fantasien erahnen :D ). Ich würde eher sagen diese Briefstelle unterstützt eher die Ernsthaftigkeit seiner Tempobezeichnungen und der langsame Satz von KV 488 ist nunmal ein Adagio und kein Andante. Gut, hoffe dieser Myhos ist jetzt auch geklärt 8) ;) aber nein im ernst: ich hätte gerne mit ihm darüber gesprochen um zu erfahren worauf er sich bezieht.

    Bei Horowitz darf man glaube ich nicht vergessen, dass sein Freund Rudolf Serkin war. Horowitz hat nie vorher ein Klavierkonzert von Mozart aufgenommen und glaube ich auch nicht gespielt. Die Klavierstücke und Sonaten ja, aber nicht die Konzerte. Er witzelt dann zu dieser Aufnahme "Ich mache keinen Mozart-Concourt mit meinem Freund Serkin." Es ist zu vermuten, dass, wenn überhaupt, Horowitz sich mit seinem Freund Serkin über diese Frage auseinandergesetzt hat. In seinen Aufnahmen der Solosonaten von Mozart aus dieser Zeit - und auch früher - fällt er nicht dadurch auf, dass er die langsamen Sätze zügig spielt. Das betrifft nur dieses Konzert. :hello:

  • Einen guten Kompromiss finde ich was das Japan Century Orchestra unter Norichita Iimori in ihrer Aufnahme von Haydns Sinfonie Nr. 56 gemacht haben. Hier wird die Musik zunächst so gespielt, wie sie geschrieben wurde. Erst bei den Wiederholungen lässt Iimori ausschmücken. Ich finde das nicht schlecht, weil man die Chance hat das Original zu hören und dann die ausgeschmückte Version. Auch scheint es den Zeitgeist des 18. Jahrhunderts zu entsprechen, weil in vielen Variationssätzen der Zeit oft ein Thema zunächst ohne Variation präsentiert wird und die Veränderung erst in der Wiederholung kommt (z.B. Erster Satz von Haydns F-Moll Quartett op 55 Nr. 2, erste Variationen beim Moll und Dur Thema). Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass Haydns 56. keinerlei Verzierungen braucht, aber wenn es schon sein muss, kann ich mit dieser Lösung leben. Das setzt natürlich voraus, dass alle Wiederholungen eingehalten werden.


    Zum langsamen Satz von K 488: Auch ich bin der Meinung, dass diese Melodie nicht zusätzlich ausgeschmückt werden muss, ebensowenig wie das berühmte Andante von K 467.

    LG aus Wien.:hello:

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