Aram Chatschaturjan (1903-1978):
GAYANEH
Ballett in vier Akten
Libretto von Konstantin Derschawin
Choreographie von Nina Anissimowa
Uraufführung am 9. Dezember 1942 im Opernhaus Perm durch das Kirow-Ballett.
Rollen: Gayaneh (Baumwollpflückerin), Giko (ihr Ehemann), Ripsime (beider Tochter), Owanes (Gayanehs Vater), Schuschanik (Gayanehs Mutter), Armen (ihr Bruder), Karen (Armens Freund) Nune (dessen Verlobte), Gayanehs Freundin, Kassakow (Vorsitzender des Bumwollkolchos), 3 Freunde, Dschamal (kurdischer Stammesältester), Aischa (seine Tochter), Ismail (ein junger Kurde), Freunde und Freundinnen Kolchosbauern, junge Männer und Mädchen, Alte, Hirten, Rotarmisten.
Ort und Zeit: Armenien im Jahr 1941.
Erster Akt: In einem Baumwollkolchos.
Gayaneh ist mit anderen bei der Ernte auf dem Feld; man kann nicht sagen, dass ihnen die Arbeit zu schwer ist, denn es herrscht allgemeine Freude unter den Mitgliedern der Kolchose. Der einzige, der fehlt, ist Giko, Gayanehs Ehemann. Diese Feststellung gilt aber nur für den Moment, denn Giko kommt gerade völlig betrunken daher und ihm fällt nichts anderes ein, als sein „Weib“ zu beleidigen. Das führt wiederum zu einem Handgemenge, wodurch Giko auch die übrigen an der Ernte beteiligten Bauern beleidigt. Der Streit findet ein abruptes Ende, als Kassakow erscheint. Giko aber trottet davon und der Vorsitzende des Kolchos überreicht Gayaneh als Zeichen seiner Zuneigung eine Rose.
Zweiter Akt. Erstes Bild: Im Hause von Gayaneh und Giko.
Abends sitzt Gayaneh mit Freundinnen zusammen in der Stube und knüpft an einem Teppich. Ihr Vater, der Bruder und Nune, Verlobte des Bruders, kommen zu Besuch. Kurz darauf tritt Giko hinzu, der sich unerwartet freundlich verhält. Als Gayaneh kurz darauf in ein Zimmer geht, gibt Giko eine Signalzeichen für drei Fremde, die dann zum Haus kommen. Sie geben Giko einen Revolver und Zündstoff, mit dem er einen Baumwollspeicher anzünden soll. Als die Fremden wieder gegangen sind, versucht Gayaneh, die die Männer mehr oder weniger ungewollt belauscht hat, ihrem Mann von dem geplanten Anschlag abzubringen. Giko lässt sich aber nicht darauf ein, sondern schließt seine Frau in das Zimmer ein.
Zweites
Bild: Kurdisches Bergdorf.
Die
aus dem ersten Bild bekannten drei Fremde kommen in das Bergdorf, wo
sie von den Einheimischen bewirtet werden. In
diesem Bergdorf lebt auch Aischa, die in den Bruder von Gayaneh,
Armen, verliebt ist. Und der ist kurz vor den drei Fremden hier im
Dorf angekommen. Der Stammesälteste Dschamal und Armen hindern die
drei Fremden am Verlassen des Dorfes, als sie nämlich beobachten,
dass der im Tal des Kolchos liegende Baumwollspeicher in Flammen
aufgegangen ist. Eine weitere interessante Änderung im Dorf betrifft
das Eintreffen von Rotarmisten, die sich umgehend der drei Fremden
annehmen und sie verhaften.
Dritter Akt. Szene wie im 1. Akt.
Gerade sind viele aus dem Dorf damit beschäftigt, den Brand des Speicher zu löschen. Auch Giko ist dabei und der tut so, als habe er den Brand entdeckt, ist also einer der Eifrigsten beim Löschen, ist in Wirklichkeit aber der Brandstifter. Plötzlich kommt auch Gikos Frau Gayaneh, die von ihren Eltern befreit wurde, und sie bezichtigt sofort ihren Mann der Brandstiftung. Doch Giko streitet das mit dem Brustton der Überzeugung ab, was aber keine Wirkung auf die Umstehenden hat, zu denen auch die Rotarmisten zählen. Alle glauben nämlich Gayaneh, die offensichtlich beliebt und glaubhaft ist. Tatsächlich sorgt Giko dann dafür, dass man Gayaneh glaubt, denn Giko ergreift sich Ripsime, seine und Gyanehs Tochter, um sich mit ihr in das Feuer zu stürzen. Doch Kassakow, der „Chef“ der Rotarmisten greift ein und kann dabei Ripsime vor dem Feuertod retten. Daraufhin zieht Giko den Dolch aus seinem Gewand und stürzt sich damit auf seine Frau. Das haben wohl mehrere Bauern aus dem Dorf geahnt und verhindern mit ihrem Eingreifen, das der Gayaneh etwas angetan wird, während Giko von den Rotarmisten abgeführt wird.
Vierter Akt. Szene wie im ersten und dritten Akt.
Es ist einige Zeit vergangen; in dieser Zeit wurde der Baumwollspeicher wieder neu gebaut. Das ist Anlass für ein Fest (bei dem neben armenischen Volkstänzen auch der berühmte „Säbeltanz“ gespielt und getanzt wird). An dessen Ende gibt es ein kollektives Verabschieden der männlichen Dorfbewohner, die sich entschlossen haben, als Rotarmisten ihr Land gegen die deutschen Invasoren im Großen Vaterländischen Krieg zu verteidigen. Das wird aber im heimischen Baumwollgebiet nichts ändern; da müssen halt die restlichen Männer und natürlich die Frauen beim Pflücken der Baumwolle ran…
Anmerkung:
Gayaneh
ist ein typisches Beispiel für das sowjetische Ballett; dazu
gehörten auch damals populäre Werke wie „Roter Mohn“ mit der
Musik von Reinhold Gliere und „Die Flamme von Paris“ mit der
Musik von Boris Assafjew. Auch Chatschaturjan hat in Gayaneh
Elemente für den so genannten „sozialistischen Realismus“
eingebracht.
Die Handlung ist im Grunde genommen eine positive Zeichnung einer
kommunistischen Heldin im Gegensatz zu einem vom kapitalistischen
Imperialismus gezeichneten Gegenüber. Und man darf nicht das freudig
arbeitende Volk vergessen, das hier eine gewichtige Rolle spielt.
Die Choreographin Anissimowa kam bald nach der Uraufführung zu einer dreiaktigen Neufassung für das Kirow-Ballett, das 1945 und 1952 in Leningrad aufgeführt wurde. Auch spätere Choreographen haben Gayaneh mit neuen Handlungen versehen, darunter auch die von Tom Schilling für Weimar 1953 geschaffene Aufführung.
Quelle:

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